Test Focusrite Saffire Pro 24 DSP

Test Focusrite Saffire Pro 24 DSP in Professional Audio

 

Virtuelles Wohnzimmer

Die Entwickler von Focusrite haben ihr Herz für den Heimstudio-Musiker entdeckt, der mit Vorliebe seine Mischungen zu nächtlicher Stunde erstellt und damit bislang auf wenig Gegenliebe seiner Nachbarn stieß.

Von Raphael Hornbruch

Das neue Firewire Audio-Interface Saffire Pro 24 DSP des britischen Traditionsherstellers Focusrite bietet als erstes Audio-Interface eine Technologie, Mixe in ansprechender Qualität über Kopfhörer zu erstellen. Diese Focusrite-eigene Entwicklung nennt sich VRM, was für Virtuelles Referenz-Monitoring steht und die Abhörumgebung eines professionellen Studios nachbildet. Das grundsätzliche Problem beim Mischen über Kopfhörer ist, dass die Schallquelle im Kopf lokalisiert wird. Stereosignale bewegen sich auf einer imaginären Achse zwischen dem linken und rechten Ohr. Ursache hierfür sind fehlende Rauminformationen, die dem Menschen bei der Richtungserkennung helfen. Reflexionen und Schallbeugungen, die an Oberkörper, Kopf und Außenohr verursacht werden, verändern die Phase und den Frequenzgang des übertragenen Schallereignisses. Es entsteht eine Art Filterfunktion, aus der das Gehör beziehungsweise das Gehirn diese Informationen auswertet und die Richtung des eintreffenden Schalls lokalisiert. Diese kopfbezogene Übertragungsfunktion enthält alle wichtigen Informationen zur Richtungserkennung. Bei der Kopfhörerwiedergabe fehlen diese gänzlich und sorgen so für eine falsche Abbildung von Phantomschallquellen. Abgesehen davon, dass die gängigen Stereomikrofonieverfahren nicht kopfhörerkompatibel sind, ist eine präzise Lokalisation von Instrumenten im Stereobild, geschweige denn eine aktive Platzierung im Mischprozess über Kopfhörer nicht möglich. Dieses Thema haben wir im Test des SPL Phonitors (Heft 7/2008) bereits ausführlich behandelt. Anders als die SPL-Entwickler, die eine vollständig analoge Lösung anbieten, setzt Focusrite auf eine digitale Lautsprecher- und Raumemulation und verpackt diese Technologie in ein Firewire-Audio-Interface, das den eigenen digitalen Signalprozessor (DSP) für die notwendigerweise aufwändigen Berechnungen gleich mitliefert. Doch werfen wir zunächst einen Blick auf die Hardware des Geräts.

Das Saffire Pro 24 DSP ist unterhalb der Topmodelle Saffire Pro 40 (Test in 2/2009) und Liquid Saffire 56 (Test in 7/2009) angesiedelt und liegt preislich bei 430 Euro, was beweist, dass innovative Technik nicht teuer sein muss. Im Preis inbegriffen ist ein Software-Paket, das die Focusrite Plug-in Suite im Wert von 69 Euro enthält sowie das Focusrite Xcite+ Pack, das eine Light-Version von Ableton Live 7 inklusive zweier Sample Libraries und den Software-Synthesizer Bass Station von Novation enthält.

Das in edlem Anthrazit gehaltene Gerät mit einer Höheneinheit und halber Rackbreite ist mit seinem Stahlblechgehäuse ein solides Stück Hardware. Zwei Combo-Buchsen an der Frontseite nehmen Mikrofon- und Line-Signale auf, wahlweise ist auch der Anschluss von Instrumentensignalen möglich. Dazu gehören zwei Gain-Regler für die Aussteuerung der Eingangssignale, ein 48V-Schalter aktiviert die Phantomspannung für den Betrieb von Kondensatormikrofonen. Als optische Hilfe beim Einpegeln gibt es eine fünfgliedrige LED-Anzeige. Je nach verwendetem Mikrofon kann sich die Verstärkungseinstellung schwierig gestalten. Ursache hierfür sind die Gain-Regler, bei denen, wie schon bei den großen Geschwistern, der größte Teil der Verstärkung im obersten Drittel des Regelwegs liegt. Bei schwächeren Mikrofonsignalen ist hier Feingefühl gefragt. Ein Pegelsteller für die Ausgangslautstärke sowie eine Mute- und Dim-Taster bilden die Monitorsektion des Pro 24 DSP. Zwei Kopfhörer-Ausgänge mit getrennt regelbarer Lautstärke komplettieren die Bedienelemente auf der Vorderseite.

An der Rückseite finden sich zwei Line-Eingängen für die Kanäle drei und vier sowie sechs analoge Ausgänge, allesamt mit symmetrischen 6,35-mm-Klinkenbuchsen versehen. Die Digitalsektion stellt einen achtkanaligen ADAT-Eingang, der sich auch als optischer S/PDIF-Eingang nutzen lässt, sowie eine koaxiale S/PIDF-Schnittstelle zur Verfügung. Je ein MIDI-Ein- und Ausgang sowie ein sechspoliger Firewire-Anschluss beschließt den Reigen der Anschlussmöglichkeiten.

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