Vokuhila, Fönfrisur und NDW. Bei wem es jetzt noch nicht klingelt, der ist entweder blind und taub oder nach 1980 geboren. Vieles, was damals angesagt war, hat glücklicherweise den Sprung in das neue Jahrtausend nicht geschafft, anderes hingegen findet auch heute noch statt. So auch das Gastspiel von Camouflage in der Kölner Live Music Hall. Im Rahmen ihrer Europatour 2006 präsentieren sie ihr aktuelles Album Relocated. Ich wurde für Sie hinter den Kulissen abgesetzt.
Die ganze Crew sitzt gemütlich im Backstage-Bereich zusammen. Die Ruhe vor dem Sturm. Das liegt an der Routine und Professionalität, die sich insgesamt im Team bemerkbar macht. Es wird geplaudert und viel gelacht. Nervosität? Fehlanzeige. Die Techniker und Roadies scheinen ihrer Mimik nach völlig entspannt zu sein, wo hingegen die Gesichter der Musiker Vorfreude gepaart mit dem nötigen Lampenfieber verraten. Denn das gehört auch nach über 20 Jahren im Musikbusiness noch dazu. Der Adrenalinpegel wird noch steigen – darüber sind sich alle im Klaren – und das ist auch gut so, um passend zum Showbeginn 100prozentig wach zu sein. Dafür gibt es keine bessere Lösung als das menschliche Stresshormon. Aber erstmal bringt die ganze Mannschaft den Blutzuckerspiegel wieder auf Vordermann und genießt das Essen vom Pizzaservice, bei dem, wie mittlerweile in deutschen Großstädten üblich, nicht nur italienische, sondern auch chinesische, thailändische, mexikanische und amerikanische Küche angeboten wird.
Zu meiner Linken sitzt Michael Weber, der Mann für den Bühnen- und Monitor-Sound, zu meiner rechten der FOH-Mixer Guido Fricke. Beide sorgen während der Tour sowohl vor als auch auf der Bühne für den guten Ton.
Hinter der Bühne spielt dieser weniger eine Rolle. Das eingefleischte Team nimmt kein Blatt vor den Mund und die deftigen Scherze und skurrilen Anekdoten werden passend zum Menü als Dessert aufgetischt. Während gut gestärkt und unter sarkastischem Lachen festgestellt wird, dass eine auf dem i-Book installierte Tamagotchi-Schildkröte dehydriert und daran soeben verendet ist, entwickelt sich ein Monolog des Amphibien-Vaters über seine Familienplanung. Um seine ins Wanken geratene Kompetenz als verantwortungsvoller Vater und Ehemann unter Beweis zu stellen, erzählt er grinsend: „Meine erzählt jüngst ihrer Frisöse von unserem künftigen Glück. Überraschender Weise hat die Haupt-Verschönerin die gleiche freudige Neuigkeit zu berichten.“ Als sich beide über den ausgerechneten Termin austauschen, stellen sie fest, dass es sich dabei auch noch um genau den gleichen Tag handelt. Als die frisch gestylte Gattin abends ihrem Musikus von ihrem Parallelglück erzählt, meint er trocken: „Schön, dann könnten ihr euch das Taxi zum Kreissaal teilen.“ Während im Backstage-Bereich noch herzlich gelacht wird, füllt sich die Live Music Hall langsam mit Zuschauern, die gespannt auf Camouflage warten. Es ist 19:30 Uhr.
Bereits Monate vor der Veröffentlichung des siebten Studioalbums „Relocated“ von Camouflage und der damit verbundene Europa-Tour, werden die Termine fixiert und die Clubs ausgewählt. Michael Weber weiß aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung als Tontechniker im Live-Geschäft und Mitarbeiter der Firma Sound & Vision, welche technischen Mindestanforderungen an die Veranstalter gestellt werden müssen. Um bösen Überraschungen vorzubeugen, bekommen diese vorher eine Liste mit ausgewähltem Equipment, das für die jeweiligen Shows benötigt wird. Diese dient als qualitative Richtlinie und beinhaltet außerdem eine rote Liste von Firmen, die nicht akzeptiert werden. „Sicherlich kann man nicht erwarten, dass jeder Club eine analoge Konsole von Midas, eine Yamaha PM-5D oder eine PA-System von Nexo besitzt“, meint Weber, „aber um einen gewissen Standard zu erreichen, sind Vorgaben wichtig.“ Die Mikrofone, ein eigenes Inear-Monitoring-System, ein digitales Mischpult für den Monitor-Mix und ein Splittsystem, um maximal 32 XLR-Verbindungen über Multicore-Kabel weiter zu verarbeiten, sind die wichtigsten Dinge, die Weber selbst mit in den feuerroten Tourbus gepackt hat. Dazu kommen verschiedene Racks mit Equipment, die sich mit der hauseigenen Technik ergänzen. Auch wenn der Bus äußerst geräumig erscheint, wird der Platz trotz Anhängers bei zwölf Crew-Mitglieder und deren Gepäck schnell knapp. Deswegen hat sich der Mann für den Bühnensound diesmal im Vorfeld um ein kompaktes Pult bemüht, das den Anforderungen des Touralltags gerecht wird. Als Endorser hat sich die Firma Mackie bereit erklärt, das TT24 für die Tour zur Verfügung zu stellen. Vor der Einladung zur Camouflage-Tour hat sich das digitale Pult in der Redaktion des Professional Audio Magazin auf Herz und Nieren prüfen lassen (siehe Test in Heft 10/2006). Jetzt werden wir uns beim Gastspiel in der Live Music Hall in Köln erneut über den Weg laufen.