Test: Analoger Lautstärkeregler SPL Volume 2

Pump up the Volume

Der erste flüchtige Blick auf den Volume 2 von SPL gibt Rätsel auf. Ist das ein Mikrofon-Vorverstärker? Oder baut SPL jetzt auch Endstufen? Die Antwort lautet: Weder noch. Was es wirklich ist und wofür es sich einsetzen lässt, klärt ein Test. 

Von Georg Berger

Die Niederkrüchtener Klangmanufaktur SPL hat mit dem Volume 2 ein Gerät entwickelt, das nur zu einem Zweck dient: der Lautstärkeregelung. Es handelt sich genauer gesagt um einen – wie sollte es anders sein? – analog aufgebauten zweikanaligen Lautstärkeregler mit aktiver Schaltungselektronik. Der primäre Einsatz des silbernen Schmuckkästchens ist das digitale Studio, weil sich von digital auf analog gewandelte Stereo-Summensignale auf analoger Ebene nicht in der Lautstärke ändern lassen. Einzige Möglichkeit: Die Reduktion der Lautstärke im virtuellen Mixer der DAW beziehungsweise der Control-Software von Soundkarte oder Audio-Interface. Doch leise heißt dort gleichzeitig auch schlechter. Denn je größer die Absenkung der Lautstärke dort, desto geringer wird die Wortbreite. Eine Absenkung um sechs Dezibel lässt ein Signal um ein Bit weniger aufgelöst aus dem Lautsprecher klingen. Konsequenz: Digital reduzierte Signalpegel fangen je nach Eingriff gleichzeitig auch an zu rauschen und verfälschen das Ergebnis.

Die eigentliche Qualität von zuvor pingelig erstellten Aufnahmen ist so nicht zu beurteilen. Mit dem Volume 2 soll das künftig ausgeschlossen sein, schaltet man es zwischen DAW und Monitor, steuert die Stereo-Summe im virtuellen Mixer so hoch wie möglich aus und überlässt die Lautstärkeanpassung dem Gerät. Für knapp 300 Euro ist dieser kleine Helfer erhältlich. Das klingt angesichts des vermeintlich eingeschränkten und vielleicht banalen Funktionsumfangs hoch. Doch der Preis ist gerechtfertigt, sieht man sich sowohl die äußeren, als auch die inneren Werte einmal an.

Das edle Erscheinungsbild des Volume 2 siedelt sich eindeutig in der Nähe der High-End-Serie von SPL an. Es ist als Tischgerät mit einer halben 19-Zoll Breite konzipiert und passt sich somit komfortabel in der Nähe von Tastatur und Computer-Monitor optimal ein. Die Gehäusewanne aus schwarz lackiertem Metall wird dabei von einer L-förmig abgerundeten silbernen Metallplatte umschlossen, die gleichzeitig als Gehäusedeckel und Frontplatte dient und elegant auf der Frontseite nach unten hin mit dem Restgehäuse abschließt. Auffälligster Hingucker ist der opulente 45-Millimeter Drehknopf aus gefrästem Aluminium in der Mitte, wie er sich auch beim Passeq (Test in Hefte 8/2006) findet, und der die Lautstärke der Stereo-Ausgänge regelt. Die Beschriftung um den Drehknopf zeigt Prozentangaben anstelle von Dezibel-Werten.

Links daneben findet sich noch ein Mute-Taster, der das Ausgangssignal bei Bedarf blitzschnell stumm schaltet. Die Rückseite zeigt außer dem Netzschalter und der Netzbuchse, zwei Pärchen von XLR-Buchsen für Ein- und Ausgänge, sowie einen roten Schalter für die Wahl der Betriebsspannung.  

Zusätzlich zu den XLR-Buchsen hätten wir uns auch noch 6,3-Millimeter Klinkenbuchsen für die Eingänge gewünscht, da viele Audio-Interfaces oder Soundkarten lediglich über solche Ausgänge verfügen. Diese Option war auch bei SPL angedacht, wurde jedoch, so erläutert André Inderfurth von SPL, aus Platz- und Kostengründen verworfen. So bleibt, will man Klinken benutzen, nur die zwar kostengünstigere aber etwas unelegante Lösung mit Adaptern beziehungsweise entsprechend konfektionierten Kabeln.

Das stattliche Gewicht von 1,6 Kilogramm verleiht dem eleganten Gerät professionelle Solidität. Im Inneren verrichtet ein fast schon überdimensionierter Ringkern-Trafo seine Arbeit. Brummgeräusche und Einstreuungen sind damit ausgeschlossen. Für den Drucktaster und das Potentiometer sind hochwertige Produkte der Firma ALPS verwendet worden. HiFi-Fans werden mit der Zunge schnalzen: Denn das Potentiometer ist das in diesen Kreisen hoch geschätzte RK 18-Modell, das auch „Big Blue“ genannt wird und sich durch vergoldete Schleifkontakte und eine großzügig dimensionierte Leiterbahn auszeichnet und somit ein exzellentes Regelverhalten in Bezug auf Gleichlauf und Signalübertragung zeigt. Weiterhin arbeiten symmetrierte Ein- und Ausgangsstufen im Inneren, für eine aktive Lautstärkeregelung. Besonderes Merkmal: Von SPL eigens entwickelte Chips an den Ein- und Ausgängen regeln die Symmetrierung der Signale. Vorteil bei einer aktiven Lautstärkeregelung soll nach Aussage von André Inderfurth die Vermeidung von klangfärbenden Impedanzänderungen sein, die bei einer rein passiven Lautstärkeregelung auftreten.

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