Da haben Sie nun das ultimative Loop-Sample gefunden, das sich optimal in Ihre Musik einfügen würde. Dennoch stoßen Sie Flüche aus und verdammen den Gott der digitalen Signalverarbeitung. Denn ausgerechnet dieses Sample besitzt das falsche Tempo und hat an zwei prominenten Stellen einen Instrumental-Einsatz, der Ihnen missfällt. Normalerweise gibt’s da nur eine Lösung: einen anderen Loop suchen. Besitzer von Drumcore 2 setzen sich über solche Beschränkungen souverän hinweg. Warum das so ist zeigt Ihnen Professional audio Magazin.
Das mittlerweile fast unüberschaubare Feld an Drum-Sample Libraries ist aufgeteilt in zwei konzeptionelle Lager. Dabei besitzen sie jeweils eigene für sich unschätzbare Vorteile, aber auch Nachteile: Das erste Lager stellt Sammlungen vorgefertigter Loop-Samples bereit, die sich bequem im Baukasten-Prinzip in ein Sequenzer-Arrangement einbinden lassen und in mehrtaktigen Sequenzen das Spiel eines lebendigen Schlagzeugers perfekt einfangen. Nachteil: Die so produzierten Rhythmen sind statisch und lassen sich höchstens im Tempo variieren, aber nicht in der Instrumentierung oder in Teilen des Rhythmus.
Das andere Lager der Drum-Libraries konzentriert sich auf die Herstellung von virtuellen Instrumenten, die mit einer opulenten Produktion von Einzel-Instrumenten-Samples aufwarten. Über MIDI lassen sie sich ansteuern und gestatten so das Programmieren eigener Rhythmen bei größtmöglicher Authentizität des Schlagzeug-Klangs. Nachteil: Die Programmierung authentischer Schlagzeug-Rhythmen ist sehr aufwändig.
Drumcore 2, entwickelt von der amerikanischen Firma Submersible Music, vereint die Vorteile dieser beiden Lager auf sich und stellt somit eine Art Hybrid-Form aus Loop- und Einzel-Sound Library dar. Das hört sich teuer an, ist es aber nicht. Für knapp 220 Euro geht die Software über den Ladentisch. Drumcore 2 enthält in erster Linie eine Vielzahl unterschiedlicher Loop-Samples, die eine breite Palette unterschiedlicher Stilistiken und Spieltechniken eines akustischen Schlagzeugs abdeckt. Von Jazz, Blues und Country bis hin zu Rock, Funk, Dancefloor, ja sogar World-Music und rein elektronisch generierten Drum-Sounds und -Loops reicht sie. Insgesamt neun Gigabyte an Daten umfasst Drumcore 2. Der Inhalt lässt sich jedoch über so genannte Drummer-Packs aus eigenem Hause kostenpflichtig erweitern und kann sogar auch mit Material von Drittanbietern oder aus eigener Produktion angereichert werden. Die Erstellung der Drumcore-Loops wurde dabei nicht irgendwelchen unbekannten Schlagzeugern anvertraut. Die Amerikaner haben sich für Drumcore 2 die Creme de la Creme der internationalen Drummer-Szene ins Studio geholt. Außer so bekannten Namen wie Terry Bozzio (zum Beispiel Frank Zappa, Jeff Beck), Sly Dunbar (Sly & Robbie, Bob Marley und weitere), Matt Sorum (Guns’n Roses, The Cult) und Tony Braunagel (John Lee Hooker, B.B. King und viele mehr) haben sich noch acht weitere renommierte Schlagzeuger mit ihrem Spiel auf Drumcore 2 verewigt. Dabei wurde viel Wert auf die Lebendigkeit der Loops gelegt. Dies zeigt sich darin, dass mitunter eine Sequenz in unterschiedlichen Tempi mehrfach gesamplet wurde.
Im Vergleich zur Version 1.5 enthält Drumcore 2 einige wichtige Neuerungen, die das Arbeiten noch bequemer und kreativer gestaltet. So lassen sich jetzt erstmalig REX- und ACID-Files importieren und ersteres Format auch exportieren, deren Vorzug darin besteht, dass sich Loops ohne klangliche Verluste im Tempo dynamisch verändern lassen. Nachträgliches Time-Stretching von Loops im Sequenzer nach erfolgter Änderung des Tempos oder externes Konvertieren ins REX-Format ist also nicht mehr nötig. Die über MIDI spielbaren Drum-Kits sind jetzt im Panorama und in der Tonhöhe einstellbar. Überdies kann jetzt auch jedes Einzel-Instrument auf einen separaten virtuellen Ausgang geroutet werden. Das Verhallen einer Snare wird damit zum Kinderspiel. Last but not Least ist der Inhalt ebenfalls in einigen Teilen erweitert worden.