Test: Mikrofon-Vorverstärker D.A.V. Electronics BG No. 1

Adel verpflichtet

Auch wenn er auf den ersten Blick unscheinbar aussieht: Der BG No. 1 ist in direkter Linie mit dem britischen Hochadel der Aufnahmetechnik verwandt, denn technisch basiert er auf den Schaltungen der legendären Decca-Vorverstärker von 1977.

Von Harald Wittig

Kein Wunder, denn der Inhaber und Gründer von D.A.V. (Digital, Audio und Video) Electro-nics, Mick Hinton, war fast 30 Jahre bei der Decca mit der Wartung der Studiogeräte und der Entwicklung von Mikrofonvorverstärkern betraut. Als die Decca im Jahr 1996 ihre Londoner Studios schloss, machte sich Hinton selbstständig und stellt seitdem in eigener Regie Studiogeräte her, die allesamt auf seinen Schaltungen basieren, die bereits vor rund dreißig Jahren mitverantwortlich für den Decca-Sound waren. Dieser Klang, oft mit dem Schlagwort „larger than life“ umschrieben, beruht nicht ausschließlich auf der Kompetenz der Decca-Toningenieure – immerhin erfanden die Briten den so genannten Decca-Tree, ein Mikrofonierungsverfahren für Stereoaufnahmen von klassischen Orchestern. Zum einem Gutteil mitverantwortlich für den weltberühmten Decca-Sound waren auch die selbst entwickelten Studio-Geräte, namentlich die Mikrofon-Vorverstärker, die sich durch her-ausragende Klarheit bei geringsten Nebengeräuschen auszeichnen. Heute werden die alten Decca-Geräte unter anderem von den Classic Sound Studios in London verwendet, deren Betreiber sich mit zahlreiche Auszeichnungen für ihre eigenen Klassikproduktionen schmücken können. Doch nicht nur die alten Schätzchen sorgen bei den Classic Sound Studios für den guten Ton: Die Betreiber vertrauen ebenso auf die Preamps von D.A.V. Electronics. Keine schlechte Referenz, denn Inhaber der Classic Sound Studios sind zwei hoch dekorierte Ex-Decca-Toningineure, die mit dem Klang der Decca-Geräte bestens vertraut sind. Mick Hinton betont selbstbewusst, dass seine unter dem Label D.A.V. Electronics herausgebrachten Geräte, den Vorbildern in nichts nachstünden. Das erklärt auch das eigenwillige Na-menskürzel „BG“, gewissermaßen der Vorname jedes Gerätes von D.A.V. Electronics. Diese Abkürzung steht für Broadhurst Gardens. Kenner wissen was Sache ist: Im Haus Nummer 165 Broadhurst Gardens in West Hampstead/London waren die Decca-Studios bis Ende der Siebziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts unter-gebracht.

Grund genug für Professional audio Magazin, einen Repräsentanten der D.A.V. Electronics-Produktlinie zu testen, um herauszufinden, ob Mick Hintons Geräte messtechnisch und vor allem klanglich den hohen Erwartungen entsprechen und das Decca-Erbe würdig verwalten. Derzeit umfasst die Produktpalette acht Geräte: Neben einem Equalizer, zwei Limitern/Kompressoren, einem kompletten Channel-Strip, gibt es insgesamt drei Mikrofon-Vorverstärker. Der brandneue BG No. 8 ist acht-kanalig ausgelegt, der BG. No.2 hat vier, der BG No.1 schließlich kommt mit zwei Kanälen aus. Letzterer ist gleichzeitig das günstigste Gerät und soll für knapp 770 Euro kompromisslos guten Klang bieten. Damit ist der BG No.1 auch für weniger Betuchte mit hohen Ansprüchen an die Klangqualität sehr attraktiv, zumal auch der Kleine wie seine Geschwister von Hand in England gebaut wird.

Der BG No. 1 ist nicht entwickelt worden, um bei einer Schönheitskonkurrenz als Sieger her-vorzugehen – die Entwickler legen mehr Wert auf die inneren Werte und verzichten auf jegliche Kosmetik. Stattdessen stehen einfache Bedienbarkeit und Funktionalität im Vorder-grund. Das sauber verarbeitete Aluminium-Gehäuse in mattschwarzem Finish fällt allerdings schon aus dem Rahmen: Der lang gestreckte flache Quader, der von den beiden kleinen Front- und Rückplatten abgeschlossen wird, erinnert entfernt an ein Stück Kohle-Brikett. Der BG No. 1 ist bewusst nicht für den Einbau in ein stationäres Rack vorgesehen: Er soll nämlich nicht nur im Ton-Studio, sondern vor allem auch bei Vor-Ort-Aufnahmen, zum Beispiel in Kirchen oder Konzertsälen, verwendet werden. Da ist es durchaus prak-tisch, dass der schmale Brite problemlos mit zwei Mikrofonen und den passenden Kabeln in einen Rucksack passt. Zumal das Gehäuse grundsätzlich einen sehr robusten, straßen-tauglichen Eindruck macht Lediglich die kleinen Pegelsteller auf der Frontplatte stehen ein wenig zu weit vor, außerdem sitzen sie nicht wirklich bombenfest und sind damit bei rüdem Umgang bruchgefährdet.

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