Test: Sequenzer Magix Samplitude 9

Die Alternative

Vom einfachen Sample-Editor zur allumfassenden D.A.W. hat sich die Software aus dem Hause Magix gemausert und sich als Geheimtipp klamm heimlich an die Favoriten der Zunft herangeschlichen. Mit Samplitude 9 kommt eine überarbeitete und frisch bestückte Version auf den Markt. Begleiten Sie unseren Autoren bei seiner Erkundung von Samplitude 9.

Von Michael Nötges

Im Bereich der Audiobearbeitung und Musikproduktion tummeln sich schräge Vögel und interessierte Familienväter, eingefleischte Profis und Homerecorder und alle stellen sie bestimmte Anforderungen an ihre Software. Vor allem haben sie einen individuellen Background und gehören damit zu einem bestimmten Benutzertyp. Auf der einen Seite steht nun eine Unmenge an unterschiedlichen Software-Lösungen, auf der anderen Seite der jeweilige Benutzer. Die Kaufentscheidung erfolgt meist nach der Orientierung durch die Leistungsmerkmale der Produkte und dem jeweiligen Preis. In einem Preissegment finden sich dann aber immer noch eine große Auswahl von Produkten, die für die gewünschten Anforderungen in Frage kommen und jetzt bringen der eigene Erfahrungsschatz mit ähnlichen Produkten, kleine Zusatzfeatures und Empfehlungen den letzen Entscheidungsanstoß. Samplitude 9 fällt in den Bereich der Komplettlösungen für professionelle Audiobearbeitung. Als Windows-basierte Digital Audio Workstation (D.A.W.) ist sie für Aufnahmen, Audiobearbeitung, Mixing und Mastering konzipiert. Sie verfügt wie alle Sequenzer in dieser Preisklasse auch über einen umfangreichen MIDI- und Notations-Editor, sowie zahlreiche Plug-ins und Bearbeitungs-Tools. Die Aufnahme und Editierung ist mit bis zu 32 Bit und 192 kHz möglich und stützt sich intern auf Digitalalgorithmen, die durchgängig mit Fließkommaberechnung arbeiten. Die Berliner Firma Magix bietet Samplitude 9 für rund 1000 Euro an und wirbt mit einzigartiger Funktionalität, Klangneutralität, guten Schnitt- und Bearbeitungsmöglichkeiten, sowie integriertem CD- und DVD-Mastering. Ein kurzer Blick zurück in meine jüngste Vergangenheit bringt uns auf den richtigen Weg.

Zu Samplitude kam ich, wie die Jungfrau zum Kind, wobei der paradiesische Apfel letztendlich eine wesentliche Rolle spielte für den Wechsel spielte. Seit Jahren arbeitete ich zunächst auf dem Mac, später auf dem PC mit Logic. Bis die Firma Apple den Logic-Hersteller Emagic kaufte, war die Welt auch auf dem PC vollkommen in Ordnung. Die feindliche Übernahme ließ nun aber den PC-Zweig ausbluten, da die neuen Versionen des Sequenzers fortan nur noch für den Mac produziert wurden. Der Stand von Logic 5.5 war der Status Quo. Mehr war ohne die Anschaffung eines Macs nicht möglich, also stand eine Neuorientierung in naher Zukunft an. So begab es sich, dass während einer laufenden Produktion jede Menge Gesangsaufnahmen geschnitten und bearbeitet werden mussten. Insgesamt sah die Arbeitsteilung dieses Projektes so aus, dass ich die einzelnen Songs vorproduzierte, um sie dann Spur für Spur heraus zu bouncen und dem Toningenieur zum Mix und Mastering zu überlassen. Pro Song bekam dieser eine CD mit allen Bounces, die er dann in Samplitude importierte, um die Songs zu mischen und zu mastern. Der Gesang wurde als letztes aufgenommen und der Veröffentlichungstermin rückte immer näher. Bereits mehrere Abende hatte ich mit dem mühsamen Schneiden verbracht und bei diesem Tempo wären noch einige Nachtschichten dazu gekommen. Aufgrund des einfachen objektorientierten Editierkonzept von Samplitude empfahl mir der Toningenieurs die Bearbeitung der Gesangsspuren mit  Samplitude 8.0 Professional durchzuführen. Zu meiner großen Freude war das Schneiden und setzen von Crossfades zwischen den einzelnen Gesangs-Samples, sowie das Eliminieren von störenden Schmatz- oder Atemgeräuschen intuitiv und einfach durchzuführen: Ideal für viele Schnitte unter Zeitdruck. Die Fades wurden automatisch bei Überlappungen zweier Samples erzeugt und der Verlauf und die Länge durch einfaches Verschieben von Anfangs- und Endpunkten vorgenommen. Jeder einzelne Gesangsschnipsel ließ sich zudem durch das objektorientierte Bearbeitungskonzept einzeln anpassen, so dass Phrasen aus verschiedenen Takes unkompliziert angepasst werden konnten, wenn beispielsweise die Lautstärken nicht ganz identisch waren. Der Rest der Produktion, bis zum fertigen Master für das Presswerk, wurde auf Samplitude fertig gestellt und der Veröffentlichungstermin konnte eingehalten werden.

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