Virtuelle Synthesizer gibt es am Markt schon sehr viele. Warum also noch einen? Warum nicht, hat sich Native Instruments vielleicht gefragt und mit Massive einen Klangerzeuger entwickelt, der ganz eigene Akzente setzt und damit dokumentiert, dass zum Thema subtraktive Synthese noch viel zu sagen ist. Professional audio Magazin stellt das Instrument vor.
Es hat den Anschein, als ob das Berliner Software Unternehmen Native Instruments im positiven Sinne am Arbeitswahn leidet. Nicht anders ist diese Groß-Offensive an Neuerscheinungen aus Berlin in diesem Herbst zu umschreiben. Nicht nur, dass eine Reihe bereits existierender Produkte in neuen Versionen erscheint wie beispielsweise Absynth 4, Battery 3, FM8 oder
Komplete 4.
Offensichtlich haben die Berliner auch noch die Zeit gehabt, zwei völlig neue Produkte zu entwickeln. Mit Audio Kontrol 1, Test auf Seite 80, betreten die Berliner sogar erstmalig Neuland in Sachen Audio-Interfaces und mit Massive, der im Zentrum dieses Tests steht, haben sie auch ihrer Domäne in der Entwicklung virtueller Instrumente mal wieder gefrönt. Für knapp 300 Euro ist ein virtueller Synthesizer auf Basis der subtraktiven Synthese herausgekommen, der im Zentrum der Klangerzeugung mit drei Oszillatoren aufwartet, die ihre Spektren ausschließlich mit Hilfe der Wavetable-Synthese erzeugen. Zwei Filter mit unterschiedlich wählbaren Filter-Charakteristiken nehmen die Klänge entgegen und leiten sie anschließend in eine Verstärkersektion, die ihrerseits mit einer schon als Standard zu umschreibenden Effektsektion ausgerüstet ist. All das klingt zunächst einmal wenig spannend, verfügen die Mitbewerber sowohl aus eigenem Hause als auch von der Konkurrenz über gleiche, ähnliche oder vielleicht sogar noch umfangreichere Klanggestaltungsmöglichkeiten. Doch weit gefehlt.
Das Salz in der Suppe und mithin Charakteristische an Massive ist eine opulent ausgestattete und fast schon übermächtige Modulationssektion, die mit vier Hüllkurven und vier weiteren Modulatoren aufwartet, die wahlweise entweder einen LFO, einen Step-Sequencer oder einen so genannten Performer Sequencer – eine Variation des Step Sequencers – enthalten und auf fast jeden Parameter geroutet werden können. Doch damit nicht genug: Mehrere Modulatoren können auf ein und dasselbe Ziel in unterschiedlicher Stärke – beispielsweise auf die Filtereckfrequenz – gleichzeitig einwirken und ein Modulator lässt sich dafür einsetzen um weitere Modulatoren zu beeinflussen. Zusätzlich erlaubt Massive zahlreiche Eingriffe in den Signalfluss, der den resultierenden Klang erheblich mitprägt. Die Verschaltungs-Möglichkeiten reichen schon bis hinauf in den Bereich modularer Systeme. Als wenn das nicht schon genug wäre, warten die Oszillatoren, LFOs und Hüllkurven mit einigen pfiffigen Features auf, die den Klangerzeuger profilieren und in seiner Gesamtheit zu einem markanten Instrument mit enormer klanglicher Bandbreite machen. Um dem Wust an Parametern in Sachen Bedienung zu begegnen gibt es obendrein noch acht so genannte Makro-Regler zur schnellen Editierung von einem bis zu mehreren Parametern gleichzeitig, die quasi als erste Kommunikations-Schnittstelle zwischen Klangerzeugung und Host-Automation beziehungsweise Keyboard/MIDI-Controller fungieren.
Nach der Installation und Registrierung der Software zeigt sich beim Erststart eine opulente Such- und Sortierfunktion mit angeschlossener Datenbank, die bereits schon in Kore, Test in Ausgabe 7/2006, eingeführt wurde und ab sofort in jeder Software von Native Instruments installiert ist. Über diverse Attribute kann der Nutzer schnell und unkompliziert aus den 420 Presets – bereits im Kore-Soundformat gespeichert – den für seine Zwecke besten Klang finden. Die erwähnten Makro-Regler finden sich schon in diesem Dialog und laden zum Herumschrauben an den Klängen ein. Ein Druck auf den Synth-Button wechselt die Bedienoberfläche auf das Herz des Instruments: Die Programmieroberfläche. Der Großteil der dort integrierten Klangbausteine ist permanent sichtbar. Darunter fallen die drei Oszillatoren, die zwei Filter, ein Rauschgenerator, ein separater Modulations-Oszillator, der auf die drei klingenden Oszillatoren einwirkt und auch die Frequenzmodulation der Filter erlaubt, sowie zwei Effekt-Blöcke für Insert-Effekte und eine Master-Effekt-Sektion. Die Verstärker-Sektion, ein Feedback-Dialog und die bereits erwähnten acht Makro-Regler runden den Reigen der ständig sichtbaren Bedienelemente ab.