Technik Abtastraten Teil 3

Ralf Koschnicke Acousence Records

 

Musikalisch-künstlerische Aspekte der Audioübertragung - Ergänzungen und Replik auf Leser-Zuschriften

Der zweiteilige Technik-Artikel von Ralf Koschnicke in den Heften 09 und 10 von Professional audio hat für große Leser-Resonanz gesorgt und rief auch einige Kritiker an den Thesen auf den Plan. Wir haben Herrn Koschnicke die Gelegenheit gegeben, auf diese Kritik zu reagieren.

 

Von Ralf Koschnicke/Acousence Records

Einige Rückmeldungen auf den in den Heften 09 und 10 abgedruckten Artikel haben weiteren Erklärungsbedarf gezeigt. Manche „Signaltheoretiker“ weigern sich scheinbar, meiner Argumentation gedanklich zu folgen. Dies ist durchaus verständlich, weil ich ihrer Entwicklungsrichtung der letzten Jahrzehnte genau genommen natürlich das Fundament unter den Füßen weg ziehe und damit den gesamten Industrie- und Rundfunkstandard in Frage stelle, aber deshalb kann ich die Realitäten nicht verbiegen.

Die digitale Abtastung gemäß der Herren Nyquist und Shannon benötigt als hinreichende Bedingung eine Abtastrate, die mindestens doppelt so hoch wie die maximale im Nutzsignal vorkommende Frequenz ist. Dies muss unbedingt erfüllt werden, sonst stimmen alle daraus abgeleiteten Verfahren nicht. Diese Rahmenbedingung wird aber seit Erfindung der CD nicht beachtet oder vielmehr „zurecht gebogen“, indem das Musiksignal mit einer technischen Apparatur, konkret einem Aliasingfilter, vor der Digitalisierung willkürlich beschnitten wird. Willkürlich deshalb, weil die gesetzte Grenze von 22,05 Kilohertz beziehungsweise 24 Kilohertz, wie in meinem Artikel bereits gezeigt, keinerlei Rechtfertigung findet, weder seitens des menschlichen Hörsinns, noch seitens des Nutzsignals Musik. Die Anfangsbedingung wird somit nicht erfüllt und darin liegt also der Knackpunkt. Der aufmerksame Leser meines Artikels weiß es natürlich längst: Bereits vor der Digitalisierung verliert man durch die Bandbegrenzung Auflösungsvermögen im Zeitbereich. Wer das Gegenteil beweisen kann, hat den nächsten Nobelpreis für Physik übrigens bereits in der Tasche.

Bilder sagen jedoch meist mehr als tausend Worte und deshalb will ich einige ohnehin geplante Ergänzungen liefern, die deutlich machen, wie grandios sinnfrei die – mir natürlich hinlänglich bekannte Argumentation – mit der „Phasengenauigkeit“ ist. Die Frage nach der erforderlichen Zeitauflösung bei digitaler Signalverarbeitung während der Produktion muss nochmals anders gestellt werden als bei reiner Aufzeichnung und Wiedergabe. Denn sobald zum Beispiel viele Einzelsignale auf wenige Ausgangssignale zusammen gemischt werden, ergibt sich durch begrenzte Zeitauflösung ein unpräzises Summensignal.

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