Der Name Neve steht seit über 30 Jahren für kompromisslose Qualität und außergewöhnlichen Klang. Da der Name verpflichtet, haben sich die Entwickler von AMS Neve mit dem 1073 DPD mächtig in die Riemen gelegt.
Dem Namen Neve eilt in Pro-Audio-Kreisen ein legendärer Ruf voraus. Die Erfolgsgeschichte des rastlosen Pioniers und Wegbereiters der Pro-Audio-Szene dauert bis heute an. Die Weiterentwicklungen seiner weltbekannten Konsolen und des exzellenten Outboard-Equipments hat die Firma AMS Neve aus dem britischen Burnley übernommen, die mittlerweile zu der weltweit operierenden SAE Group gehört. Mit der DPD-Ausführung des 1970 erstmals gebauten Vorverstärker-Moduls 1073 bringen die Briten einen zweikanaligen Vorverstärker auf den Markt, der den unverwechselbaren Neve-Sound durch einen integrierten D/A-Wandler direkt für digitale Umgebungen zugänglich macht. Der 1073 DPD kann sowohl PCM-Signale mit einer Samplingfrequenz bis zu 192 kHz als auch DSD-Signale für die Produktion von SACDs ausgeben, hat dabei aber nicht seine analogen Wurzeln aus den 70er Jahren vergessen. Das Konzept ist kompromisslos in Bezug auf Qualität und Klang und durch seine Funktionalität auf die Anforderungen moderner Musikproduktionen abgestimmt. Stellt sich die Frage, ob wir uns wiklich auf das Qualitätssiegel mit dem roten N verlassen können und ob der 1073 DPD die rund 4.000 Euro wirklich wert ist.
Der farblichen Tradition des Union Jack folgend, zeigt sich der 1073 DPD in altehrwürdiger englischer Manier zurückhaltend. Weniger zurückhaltend, dafür aber viel versprechend in Bezug auf das erlesene analoge Innenleben, ist sein Kampfgewicht von fünf Kilogramm, komprimiert auf einer Höheneinheit. Die Front wirkt zunächst gewollt spartanisch und wenig spektakulär aber spätestens der Griff zu einem der Schalter und Regler lässt das Vintage-Herz höher schlagen und vermittelt Wertigkeit und kompromisslose Funktionalität.
Das beste Beispiel ist der Powerknopf. Ein, in einer Führungsröhre aus schwarzem Kunststoff eingebettetes Relais erweckt den 1073 DPD mit einem sanften Klicken zum Leben, sobald das Bedienelement bis zu einem bestimmten Grad in die Führungseinheit geschoben wird. Durch das nun leicht versenkte Element ist ein versehendliches Abschalten des Gerätes ausgeschlossen. Die weinroten Regler für die Eingangsempfindlichkeit der Mikrofon- und Line-Eingänge lassen sich trotz des erhöhen Widerstands in Schritten von je fünf Dezibel exakt verstellen und rasten präzise auf den markierten Positionen ein. Der Grund: sie sind nicht einfach nur rund, was zum Abrutschen der Finger an der glatten Oberfläche führen könnte, sondern ähnlich einer Flügelmutter mit griffigen Zusätzen versehen. Ihre Funktionalität ist zweigeteilt. Da Mikrofon- und Line-Verstärkung jeweils über einen eigenen Verstärker mit Class-A-Schaltung verfügen, sind die Grobeinstellungen für den Line-Eingang zwischen ein und fünf Uhr und die für den Mikrofon-Eingang zwischen sechs und zwölf Uhr zu finden. Außerdem ist der Mikrofoneingang trafo- und der Line-Eingang elektronisch symmetriert. Die numerische Skalierung ist keine große Hilfe und eher verwirrend, so dass beim Einpegeln wohl mehr auf das Trial-and-Error-Prinzip gesetzt werden muss. Die Feinjustierung geschieht über je einen grauen Drehregler der professionell auf der Nullposition einrastet und für beide Signalwege verantwortlich ist. Hier ist die Beschriftung eindeutig und übersichtlich gelöst: der Regelbereich liegt zwischen -10 und +10 Dezibel. Jeder Kanal ist mit zwei schwarz beschrifteten, überdimensionierten Tastschaltern für die Phantomspannung und die Phasendrehung ausgestattet. Zusätzlich verfügen beide über einen Kippschalter, um die Impedanz der Mikrofoneingänge von Hi-Z auf Lo-Z zu schalten. Dabei ändert sich der Eingangswiderstand von 1200 auf 300 Ohm.
Über zwei weitere dreistufige Kippschalter können die Samplingfrequenzen für das PCM- und das DSD-Format eingestellt werden. Ist die Basis 44,1 Kilohertz gewählt, kann über die Positionen Hi, Mid und Lo des zweiten Schalters der Faktor eins, zwei oder vier (44,1 kHz, 88,2 kHz und 176,4 kHz) wirksam werden. Die zugehörigen Kontroll-LEDs leuchten rot. Auf der Basis von 48 Kilohertz sind analog dazu neben der Basisfrequenz die Samplingfrequenzen 96 und 192 Kilohertz verfügbar. Zwei Sync-LEDs wecken die Neugier, sich die Anschlussmöglichkeiten auf der Rückseite anzuschauen.