Test Röhrenmikrofone Horch RM2J und RM3

 

Ohrenbalsam

Im digitalen Zeitalter feiern Röhrenmikrofone eine triumphale Rückkehr in die Tonstudios der Welt.  Einen ganz besonderen Status genießen dabei die handgebauten Edel-Mikrofone von Horch, die wahres Balsam für feine Musiker- und Produzenten-Ohren sein sollen.

Von Harald Wittig


Die Stuttgarter Mikrofonmanufaktur mit dem sinnigen Namen Horch wurde im Jahr 1990 von Gibbs Platen gegründet, der sich mit seinen hervorragenden Jazz- und Rockproduktionen im eigenen Studio „Zuckerfabrik“ einen tadellosen Ruf erspielt hat: Zu den Meilensteinen seiner Produzentenlaufbahn gehören – um nur einige wenige zu nenne – etliche Alben mit dem international besetzten United Jazz + Rock Ensemble, der britischen Jazz-Fusion-Legende Colosseum, dem Pianisten Wolfgang Dauner und den US-Jazzmeistern Charlie Mariano, John Scofield, Alphonse Mouzon und Larry Coryell sowie dem Grandseigneur der Jazz-Violine Stéphane Grappelli und dem belgischen „Young Django“ Philip Catherine.
Als erfahrener Tonprofi arbeitete Platen selbstverständlich mit den besten Mikrofonen der Welt, wobei sein Herz vor allem für Röhrenmikrofon-Legenden von Neumann schlägt. Sein erklärter Liebling für Gesangsaufnahmen war immer das Neumann M49, das neben dem ELA M251 und dem AKG C12 zu den begehrtesten Vintage-Mikrofonen überhaupt gehört. Allerdings stellte Platen fest, dass die originalen M49-Modelle häufig in keinem guten Zustand mehr waren und vor allem klanglich altersbedingt viel von ihrem Klang verloren hatten. Anstatt sich nach Alternativen aus der aktuellen Mikrofonproduktion namhafter Hersteller umzusehen, ging Platen mehrere Siebenmeilen-Schritte weiter und gründete die Unternehmung Horch. Sein Ziel: Die Entwicklung und Fertigung von Edel-Schallwandlern in Röhrentechnik, die sich klanglich an historischen Vorbildern orientieren, dabei aber sämtliche Probleme der Originale nicht mehr aufweisen. Das erste Horch-Mikrofon, das RM2 stellte folgerichtig eine Variante des M49 dar. Zunächst verwendeten der Hersteller für die erste Ausführung des RM2 noch originale Neumann-Bauteile, schon bald aber selbstentwickelte, in penibler  Kleinarbeit und kleinster Auflage  hergestellte Bauelemente. Als besonderen Hingucker versah Platen das RM2 mit einem echten, von innen beleuchteten Brillanten an der Frontseite des Mikrofons, der als gestalterischer Akzent den Edel-Anspruch unterstreichen sollte.

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