Was hat eigentlich die Zukunft der Musikbranche und Recording-Praxis mit dem ganzen Gerede über das Web 2.0 zu tun? Das haben wir uns auch gefragt und vom einfachen Filesharing auf Webwolken über kreative Communities bis hin zu praktischen Plug-ins für Audio-Netzwerke einige interessante Antworten entdeckt.
Haben Sie ihr Poesie-Album oder Freundschaftsbuch aus der Schulzeit noch? Genau, diese eingebundenen Bücher mit leeren Seiten oder vorgefertigten Profilen, die reihum den Mitschülern anvertraut wurden, um das eigene Klassen- oder Jahrgangstufen-Netzwerk zu fixieren. Wenn Sie sich daran erinnern und vor allem an den Hype, der in einem bestimmten Alter der Adoleszenz um diese bunten Bücher und die personalisierten Einträge seiner Community gemacht wurden, fällt es ihnen auch nicht schwer, die aktuellen Entwicklungen im Web 2.0 zu verstehen. Facebook, Xing, MySpace, YouTube und StudiVZ, oder auch die auf die Musikszene zugeschnittenen Portale á la Last.fm, Regioactive, Musocity oder Flotones funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie das unschuldige Poesiealbum von damals. Der Unterschied besteht nur darin, dass die eingetragenen Daten, hochgeladenen Bilder, Videos und Audio-Files ständig verfügbar und jedem einzelnen der jeweiligen Community gleichzeitig zur Verfügung stehen. Benötigte man damals ungefähr ein halbes Jahr bis jeder wusste, dass Christian Hubschrauberpilot werden will und seine Lieblingsfarbe blau ist, können heute alle geaddeten ‚Freunde‘ des virtuellen Netzwerks über jede noch so belanglose Neuigkeit informiert werden – sofort und per Mausklick. So entstehen und verlagern sich Freundeskreise und Szenen ins Virtuelle und bilden Netzwerke die meist einen kleinsten gemeinsamen und verbindenden Nenner haben. Bei allen Sorgen und Bedenken der Urheberrechtler sowie Daten- und Verbraucherschützer breitet sich die Web 2.0- und Social Network-Welle immer weiter aus und verknüpft, was zu verknüpfen ist. Mit Google Buzz leitet beispielsweise gerade der Internet-Gigant eine große Offensive ein. Der neue Dienst bringt alle Kommunikationsmöglichkeiten des Internets (E-Mail, Chat, Social und Private Community) in einer Anwendung zusammen, bietet Vernetzung mit Twitter & Co und macht natürlich auch vor dem mobilen Markt – Google Buzz als Handy-App – nicht halt. Man kann die Entwicklungen gutheißen oder nicht, aufhalten wird man sie nicht können. Vielmehr geht es aber wie bei allen Neuerungen, um deren sinnvolle Nutzung unter ethisch moralischen Gesichtspunkten.
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