In Folge Vier der Serie „Mikrofone der Profis“ nennt Jochen Weyer, erfahrener Toningenieur in den Bruchsaler HOFA-Studios, nicht nur seine Lieblingsmikrofone, sondern gibt auch jede Menge praxiserprobter Tipps.
? Herr Weyer, passend zum Vocal-Workshop in dieser Ausgabe: Gibt es das ultimative Gesangs-Mikrofon?
! Schön wär’s. Es gibt nur das zur Stimme passende Mikrofon. Deswegen gilt es, genau hinzuhören und auszuprobieren. Ganz grundsätzlich empfiehlt sich ein Großmembran-Mikrofon, gerne auch mal mit Röhren-Schaltung. Ich selbst wähle gerne zwischen dem Brauner VM1, dem AKG „The Tube“ oder dem Studio-Standard schlechthin, dem Neumann U87. Das sind tolle Mikrofone – und jedes klingt anders. Das AKG beispielsweise ist eine Neuauflage des berühmten C12 und hat einen ganz eigenen, sehr weichen und samtenen Klang. Für Stimmen, die bei lauten Passagen hart und schrill klingen, kann es Wunder wirken, während es bei warmen Stimmen schon fast dumpf klingt. Zu solchen Stimmen passt das Brauner VM1 mit seinen sehr deutlichen, präsenten, gleichzeitig aber sehr schönen Höhen. Ich selbst mag inzwischen ein sehr viel nüchterneres Mikrofon wie das U87 lieber, das sich ohnehin für praktisch alle Anwendungen eignet. Andererseits habe ich schon Produktionen miterlebt, wo ein SM 58 mit Gewinn zum Einsatz kam. Es kommt wirklich auf den Künstler, die Stilistik und – nicht zu vergessen – die Raumakustik beziehungsweise den Klang der Stimme im Aufnahmeraum an. Es muss also nicht notwendig ein mehrere tausend Euro teures Mikrofon sein.
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