Vergleichstest Effekt-Plug-ins bis 50 Euro

Die Low-Cost-Offensive

Billig muss nicht zwangsläufig auch schlecht bedeuten, oder doch? Professional audio hat sich jeweils acht Equalizer- und Kompressor-Plug-ins sowie fünf virtuelle Hall-Prozessoren bis maximal 50 Euro zum Test kommen lassen, um genau dieser Frage nachzugehen. Wer durchgefallen ist und wer den hochpreisigen Mitbewerbern ordentlich Konkurrenz macht, erfahren Sie in unserem aufwändigen Vergleichstest.

Von Georg Berger und Thomas Peulen

Mal Hand aufs Herz: Haben Sie sich nicht auch schon einmal mit einem Stoßseufzer die Frage gestellt, warum Effekt-Plug-ins der angesagten Hersteller immer so viel Geld kosten? Ist Ihnen anschließend die Frage in den Sinn gekommen, ob eine vergleichbare Qualität nicht auch günstiger zu haben ist? Nun, die erste Frage wollen wir unbeantwortet lassen, wohl aber einige Antworten auf die zweite Frage liefern. Denn jenseits der Platzhirsche in den oberen Preisregionen tummeln sich am Markt viele Plug-in-Schmieden, die mit erheblich niedrigeren Verkaufspreisen für ihre Produkte um die Gunst des Kunden buhlen. Dabei geizen die Low-Cost-Plug-ins nicht mit Features, wie professionell gestalteten Bedienoberflächen und Ausstattungsmerkmalen, die man bei der teuren Konkurrenz zuweilen sogar vergeblich sucht. Doch Aussehen und Features ist das eine, der Klang und das Regelverhalten das andere. Es gilt also herauszuarbeiten, was die Billig-Konkurrenz auch in dieser Disziplin zu leisten vermag und wie es um ihre Tauglichkeit in der Praxis bestellt ist. Bei den Recherchen und dem Zusammenstellen des Testfelds sind wir zunächst von der Fülle an Produkten und Herstellern förmlich erschlagen worden. Um diesem (Über-)Angebot Herr zu werden, kristallisierte sich schnell heraus, dass wir fürs erste eine Obergrenze bei nur 50 Euro ziehen konnten und mussten. Auffällig: Sämtliche Anbieter in diesem Preissegment bewerben und vertreiben ihre Produkte ausschließlich über das Internet in Eigenregie. Die Bezahlung erfolgt zumeist in Dollar über Paypal, einige Hersteller nutzen das Bezahl-Portal Share it. Beide Portale verfügen übrigens über Bezahlformulare auch in Deutsch. Bemerkenswert: Viele Anbieter geizen auf ihren Produktseiten mit detaillierten Informationen zu den angebotenen Produkten, was nicht nachvollziehbar ist. Dafür bieten alle Hersteller jedoch den Download von Demo-Versionen an, mit denen sich die Tauglichkeit der Produkte eingehend testen lässt. Mehr noch, weisen sie ausdrücklich auf dieses Angebot hin, um dem Kunden nicht die berühmte Katze im Sack anzudrehen. Allerdings legen nur die allerwenigsten Hersteller ihren Produkten eine Bedienungsanleitung bei, was schade ist und zusammen mit den spärlichen Produktinformationen ein möglicher Grund für die günstigen Verkaufspreise ist. Ein anderer Grund für die günstigen Preise besteht in der Tatsache, dass es sich zumeist um Ein-Mann-Unternehmen handelt, was die Kosten entsprechend niedrig hält. Viele Hersteller beabsichtigen dabei auch nicht, sich eine existentielle Grundlage durch den Verkauf ihrer Produkte zu schaffen und betreiben das Entwickeln von Plug-ins als Hobby, wie etwa der Holländer Jeroen Breebaart mit seinem Red Phatt Pro Kompressor. Im Haupt-Beruf ist er als leitender Wissenschaftler in der Forschungsabteilung des Elektronik-Herstellers Philips angestellt und erhält durch den Verkauf seiner Produkte quasi eine Art Aufwandsentschädigung. Doch zurück zu unseren Auswahlkriterien: Nachdem wir das Angebot durch Ziehen einer Preisgrenze deutlich reduziert hatten, blieb immer noch eine riesige Fülle an Produkten. Im nächsten Schritt konzentrierten wir uns daher auf die wichtigsten Studio-Effekte, also Equalizer, Kompressoren und Hall. Am Schluss wählten wir jeweils acht Equalizer und Kompressoren sowie fünf Hall-Plug-ins aus, die sich einer kritischen Überprüfung unterziehen mussten. Wichtig: Als Meßlatte für den Vergleich zogen wir die serienmäßig mitgelieferten Pendants aus Cubase 5 heran, an denen sich die Test-Kandidaten messen lassen müssen. Doch genug der Vorrede. Als erstes widmen wir uns den Equalizern. 

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