Reportage element x

Das fünfte Element     

Kunst, vor allem moderne Kunst, hat den Ruf sperrig, wenig populär und fern des realen Lebens zu sein. Das Gegenteil beweist auf eindrucksvolle Weise das Ballett-Theater in Dortmund. Im Rahmen des Kulturhauptstadt-Jahrs Ruhr.2010 feiert das Ensemble mit seiner Tanz-Aufführung element x zurzeit einen Riesen-Erfolg und vereint neue klassische Musik mit der von Pink Floyd und David Bowie. Professional audio war vor Ort und hat sich in den Bann der Aufführung ziehen lassen.  

Von Georg Berger 

Wer heutzutage ins Ruhrgebiet fährt, spürt schon lange nichts mehr von den muffigen Klischees von vorgestern, die der Region oft immer noch hartnäckig anhaften. Das hat auch die europäische Union erkannt und das nahtlos ineinander übergehende Städtegeflecht zwischen Duisburg und Dortmund 2010 zur Kulturhauptstadt Europas ausgerufen. Seit Anfang des Jahres finden unter dem Schlagwort „Ruhr.2010“ in allen Städten der Region unzählige Veranstaltungen zum Kulturhauptstadt-Jahr statt, die Einwohnern und Besuchern demonstrieren, dass der „Ruhrpott“ einiges mehr zu bieten hat, als Kohle-Zechen, Schwer-Industrie und Schimanski. Ein Kern-Stück innerhalb des Kultur-Programms bildet dabei das sogenannte „Henze-Projekt“, eine Hommage an den Komponisten Hans Werner Henze. Wie ein roter Faden ziehen sich Aufführungen von Werken des Komponisten durch das Kulturhauptstadt-Programm, was durchaus als mutig zu bezeichnen ist. Denn das Werk des Neutöners Henze ist ganz der Moderne verpflichtet und verlangt dem Zuschauer/-hörer aufgrund seiner Komplexität und Sperrigkeit ein bisweilen hohes Maß an Verständnis ab. Umso erstaunlicher ist es, dass sich eine Veranstaltung innerhalb des Henze-Projekts zurzeit als wahrer Publikums-Renner erweist. Die Rede ist von der Tanz-Performance „element x“, einer Produktion des Dortmunder Ballett-Theaters. Den musikalischen Mittelpunkt der Aufführung bilden Teile aus Henzes „Royal Winter Music“, einer zweiteiligen Sonate für Gitarre solo, worin der Komponist die Seelenzustände verschiedener Charaktere aus Dramen von Shakespeare. Abgesehen vom sehr hohen spieltechnischen Anspruch fordert Henze Interpreten und Zuhörer gleichermaßen vor allem wegen seiner komplexen Klangsprache. Damit nicht genug, hat sich das Dortmunder Ballett einen ganz und gar ungewöhnlichen Aufführungsort für die Produktion ausgesucht: Das Harenberg City Center, ein 18-stöckiges Büro-Gebäude in der Innenstadt von Dortmund.

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