Wer unmittelbar am Bahndamm in der Kölner Südstadt ein Tonstudio baut, muss total verrückt sein. Falsch, denn Reinhard Kobialka zeigt seit über 15 Jahren mit seinen Topaz Audio Studios wie das akustische Kunststück gelingen kann.
„In Stoßzeiten rauschen hier alle paar Minuten die Güterzüge vorbei“, erklärt uns Reinhard Kobialka entspannt, während wir im charmant unprätentiösen Aufenthaltsraum seiner Topaz Audio Studios einen Kaffee schlürfen. Wie zur Bestätigung sind zunächst ein dumpfes anschwellendes Grollen und dann das rhythmische Rattern eines vorbeieilenden Zuges zu hören. Dann herrscht wieder Stille. Eine gewisse Skepsis macht sich breit, dass hier tatsächlich auch Aufnahmen von sensibler Jazz-Musik oder Singer-Songwritern stattfinden soll. Ein Studio direkt am Bahndamm – wo gibt es denn so was? Als könnte der studierte Schlagzeuger, Produzent und Studiobesitzer nicht nur ausgezeichnet trommeln, sondern auch Gedanken lesen, erklärt er, dass die Bahntrasse in den beiden Regien und den Aufnahmeräumen nicht zu hören sei. Das sei keine leichte Übung gewesen und er selbst hätte während des Baus oft genug Zweifel am Gelingen des Kunststücks gehabt – aber es ist gelungen. Das Bauvorhaben begann Mitte 1993 und dauerte ungefähr 20 Monate. „Im Grunde haben wir das ganze Haus am Ende neu gebaut“, berichtet Kobialka. Der Architekt wollte eigentlich auf den alten Mauern aufsetzen, stellte dann aber fest, dass die marode Substanz nicht ausreichte. Die größte Herausforderung war aber eigentlich die akustische Entkopplung durch eine spezielle Raum-in-Raum-Konstruktion. „Die Firma Gerb aus Essen hat die Technologie zur Entkopplung geplant, geleifert und teilweise auch eingebaut“, verifiziert Kobialka. „Wobei ein Studio für die eigentlich schon fast zu klein war. Die kümmern sich viel um den Schwingungs- und Erdbebenschutz kompletter Gebäude sowie Industrie- und Maschinenanlagen.“
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