SSL hat sich von seinem Duende-Konzept, dem Berechnen der eigenen Plug-ins via Hardware DSP-Interface, verabschiedet und offeriert die komplette Plug-in-Palette seit kurzem in einer rein nativen Version. Worin ihre Vorzüge bestehen, wie sich mit den Plug-ins arbeiten lässt und was aus der Hardware wird, haben wir für Sie herausgefunden.
Vor fünf Jahren legte die britische Mischpult-Schmiede SSL mit seinem Duende-System einen glänzenden Einstand im Software-Bereich hin (siehe Test in Heft 10/2006). Fortan ließ sich mit einer Kombination aus Plug-ins und Hardware DSP-Interface originaler SSL-Sound in jede DAW portieren. Die Urversion, bestehend aus einem 19-Zoll-Firewire-Interface sowie dem EQ and Dynamics- und dem Bus Compressor-Plug-in (siehe Kasten), erfuhr alsbald eine Reihe von Weiterentwicklungen und Erweiterungen. So offerierte SSL Interface-Varianten in Form einer PCI-Karte und in einer kompakten Desktop-Version, Duende mini genannt. Die SSL-Programmierer waren seitdem ebenfalls nicht untätig und präsentierten rasch weitere Plug-ins, die aufpreispflichtig erworben werden konnten. Anders als die mit der Hardware gelieferten Plug-ins, die auf Algorithmen der C-Serien-Mischpulte basieren und den Klang der XL 9000 K Analog-Konsole emulieren, verfolgen diese Plug-ins ganz eigene konzeptionelle Wege. Losgelöst von der virtuellen Abbildung einer Hardware-Vorlage widmen sich das Drum- und Vocalstrip-Plug-in der Aufgabe, Schlagzeug- und Gesangs-Aufnahmen gezielt zu edlem Klang zu verhelfen (siehe Kasten). Das X-EQ- und X-Comp-Plug-in haben sich mit ihrer Ausstattung dem Mastering verschrieben (siehe Kasten). Mit dem True Stereo Hall-Plug-in X-Verb erfährt die Palette an verfügbaren SSL-Plug-ins schließlich seinen vorläufigen Abschluss (siehe Kasten). Bis auf den X-Verb sind sämtliche Plug-ins übrigens sowohl mono als auch stereo einsetzbar. Soweit so gut. Mit den vor kurzem vorgestellten rein nativen Versionen der oben erwähnten Plug-ins fügt SSL der Duende Produkt-Historie jetzt ein überraschendes neues Kapitel hinzu, das schon als Sensation zu bezeichnen ist. Denn der Abschied von der DSP-gestützten Berechnung der eigenen Software bedeutet nicht nur für den Hersteller einen gewaltigen Einschnitt. SSL erklärt diesen Schritt mit den jetzt verfügbaren Ressourcen und Möglichkeiten der Computer-Technik, die in den Augen des Herstellers eine DSP-Unterstützung des Audio-Rechners obsolet macht. Das Argument ist schlüssig, denn moderne Rechner sind mittlerweile mit Mehrkern-Prozessoren ausgestattet, die deutlich mehr Rechenvorgänge rascher abarbeiten können als die Rechner-Generation vor fünf Jahren. Trotz ausreichender DSP-Leistung gelangen die externen Interfaces im direkten Vergleich mittlerweile ins Hintertreffen, wobei der Hauptschuldige die Firewire-Schnittstelle mitsamt der im Computer definierten Bus-Architektur ist, die mit ihrem Datendurchsatz nicht mehr mithalten kann, sich als Flaschenhals erweist und jetzt zu Latenzen führt. Zusätzlicher Vorteil dieser strategischen Neuausrichtung: Die Produktion von Hardware ist künftig überflüssig, was die Gesamtkosten für die Plug-ins entsprechend senkt. Außer dem Kauf einzelner Plug-ins in einer Preisspanne zwischen knapp 160 bis 280 Euro offeriert der Hersteller zusätzlich zwei Bundles: Das rund 430 Euro kostende Essential-Bundle enthält die beiden Klassiker EQ and Dynamics Channelstrip sowie den Bus Compressor. Für etwa 1.000 Euro ist fast die gesamte Palette an bisher erschienenen Plug-ins in Form des Studio Bundle erhältlich (Das X-Verb Plug-in ist nicht im Studio-Bundle enthalten und muss für knapp 280 Euro extra erworben werden.). Hält man dabei den damaligen unverbindlichen Preis des allerersten Duende-Systems in Höhe von knapp 1.600 Euro dagegen, ist das schon eine erhebliche Ersparnis im Vergleich zu beiden Bundles. Erstkäufer erhalten mit den nativen Versionen also jetzt deutlich mehr fürs Geld.
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