Wenn jemand in Deutschland weiß, wie es um die Pro-Audio-Branche bestellt ist, was Lehre und Wissenschaft leisten und wohin der Weg des vermeintlichen Traum-Business geht, ist das der Präsident des Verbands Deutscher Tonmeister (VDT) Prof. Carlos Albrecht.
Prof. Carlos Albrecht hat in seinem Berufsleben mehr als 1.000 CD-Produktionen durchgeführt und leitete zuletzt als diplomierter Toningenieur über 12 Jahre das Erich-Thienhaus-Institut (ETI) an der Hochschule für Musik in Detmold. Seinen Abschluss zum Ton- und Bildingenieur machte er 1972 am Robert-Schumann-Konservatorium und der FH Düsseldorf und stieg dann als angestellter Toningenieur zunächst im renommierten Tonstudio Bauer – heute Bauer Studios GmbH (siehe Reportage, Ausgabe 12/2009) – ein. Albrecht kennt das Leben als Berufsmusiker ebenso wie die freie und festangestellte Tätigkeit und somit die ganze Bandbreite des Berufsalltags eines Tonmeisters/-ingenieurs. Während seiner 40 Jahre im Geschäft hat Albrecht in über 60 Studios weltweit gearbeitet und kennt die Pro-Audio-Szene wie seine Westentasche. Neben seiner Präsidentschaft beim VDT ist Albrecht trotz seiner offiziellen Pensionierung nach wie vor ein gefragter Mann, der seine unbezahlbare Expertise und Erfahrung gerne weitergibt. Professional audio sprach mit dem Altmeister des guten Tons über die Bedeutung des VDT, Lehre und Wissenschaft und den Status Quo der Pro-Audio-Branche.
? Sie sind seit 2009 Präsident des VDT und außerdem Lehrbeauftragter am ETI und der hdpk (siehe Reportage in Heft 2/2010). Das bedeutet Termine, Reisen, Messen, Vorträge, Vorlesungen, Interviews und vieles mehr. Sieht so der wohlverdiente Ruhestand mit 67 aus?
! Nun, zu dem Job an der hdpk bin ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Geplant war eigentlich zunächst nur, im Kuratorium der Hochschule mitzuwirken, weil ich grundsätzlich neugierig bin, was die neuen Studiengänge anbelangt. Als der Lehrbetrieb losging mangelte es aber an passenden Dozenten. Da die hdpk eine privatwirtschaftlich geführte Hochschule ist, gibt es keine Altersbegrenzung und deshalb habe ich den Lehrauftrag, übernommen. Ich muss sagen, es macht mir großen Spaß und ich gebe gerne weiter, was ich im Laufe der Zeit gelernt habe. Am ETI habe ich tatsächlich auch noch einen Lehrauftrag, der seinen Ursprung in einer Kooperation mit der Universität Paderborn hat, die seit geraumer Zeit existiert. Diese Aufgabe zusätzlich zu übernehmen, war meinem Nachfolger neben seiner Einarbeitung zu viel. Es ist eben noch kein Tonmeister vom Himmel gefallen, der direkt ein fertiges Lehrkonzept hat und sich ganz nebenbei auch noch um solche Kooperationen kümmern kann. Deswegen habe ich mich angeboten, den Lehrauftrag an dieser Stelle zu übernehmen. Das langt dann aber auch. Präsident des VDT bin ich ja auch noch und damit dann endgültig im absoluten Rentner-Stress.
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