Reportage Orgelbau Klais

Königsdisziplin

Sie finden Orgeln dröge, altbacken und furchtbar langweilig? Kein Problem, Ihnen kann geholfen werden. Ein Blick hinter die Kulissen der renommierten Orgelbaumanufaktur Klais genügt, um die Königen der Musikinstrumente in völlig neuem Licht zu sehen.

Von Michael Nötges

Philip C. A. Klais, Werkstattleiter der Orgelbaumanufaktur Klais in vierter Generation, betätigt wieder und wieder den Keilbalg, um mit dem manuell erzeugten Luftstrom die Pfeifen auf der Windlade anzublasen. Was bis ins 19. Jahrhundert bei großen Orgeln schon Mal 12 Kalkanten (Blasebalgtreter) ins Schwitzen brachte, kostet Klais in diesem Moment nur eine leichte Pumpbewegung aus dem Handgelenk. Er betätigt unaufhörlich den fußgroßen Keilbalg einer schmucken Orgel-Miniatur, die der sympathische Rheinländer zu Vorführzwecken auf den Besprechungstisch platziert hat. Der typische „Orgelwind“ ist auch beim rund einen Meter hohen Modell deutlich zu hören. Klais zieht eins der beiden Register, wodurch sich eine sogenannte Schleiflade verschiebt und den Luftstrom zu einer Zinnpfeifenreihe lenkt. Die andere Manubrie, wie die Registerknäufe auch genannt werden, ermöglicht das Ziehen des zweiten Registers, wodurch der Luftstrom zu einer weiteren Pfeifenreihe aus Holz gelangt.

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