Trotz ihrer Flexibilität und Usability kämpfen virtuelle Cabinet- und Mikrofonierungs-Simulatoren noch immer um breite Akzeptanz bei Gitarristen und Tontechniker. Mit dem Torpedo VM-202 könnte sich das allerdings ändern.
Der französische Hersteller und Digitalspezialist Two Notes Audio Engineering hat nach seinem vielversprechenden Debüt mit dem einkanaligen Cabinet und Mikrofonierungs-Simulator Torpedo VB-101 (Test, Ausgabe 6/2010) keinesfalls die Füße stillgehalten. Jetzt legen die Entwickler um Firmengründer Guillaume Pille mit dem zweikanaligen Torpedo VM-202 nach. Das Ziel: klangliche Vielseitigkeit ohne riesigen Equipment-Fuhrpark, keine Störgeräusche (Tritt-, Körperschall und Übersprechen), authentische Sounds ohne bandscheibengefährdende Schlepperei. Das digitale 19-Zoll-Gerät bearbeitet die individuellen Grundsounds eines Setups (Preamp und Effektgeräte) und ergänzt diese um die restlichen Glieder der Signalkette, namentlich Poweramp, Lautsprecherbox einschließlich Mikrofonierung sowie einer Post-FX-Sektion. Der Preis des Torpedo VM-202 liegt bei rund 1.600 Euro und damit gut 700 Euro unter dem damaligen Einführungspreis, was den vielversprechenden Simulator umso attraktiver macht. Der Torpedo VM-202 bietet einen umfangreichen Fuhrpark von über 30 unterschiedliche Gitarren- und Bass-Boxen-Simulationen, der zudem ständig erweitert wird. Neue Modelle stehen zum Download auf der Hersteller-Homepage bereit. Vom Fender Twin Reverb über legendäre Marshall-Modelle bis hin zur Diezel 4x12-Boutique-Box und Ampeg-Cabinets sind jede Menge Boxenmodelle dabei, die Zupferherzen höher schlagen lassen (siehe Übersicht der Basisausstattung Seite 60). Hinzu kommen acht Mikrofonklassiker vom Shure SM57 bis zum Royer R-121, die sich im virtuellen Aufnahmeraum positionieren lassen. Schließlich hat der Hersteller die Simulation eines Poweramps integriert, der unter einem Röhrenaustausch und das Wechseln der Verstärkertopologie gestattet. Guillaume Pille verrät uns: „Es handelt sich bei den emulierten Röhren um die Modelle 6L6, EL34, KT88 und EL84.“ Die Entwickler nahmen jeweils zahlreiche Messungen an Röhren des gleichen Typs vor, um modellspezifische Mittelwerte zu ermitteln – Marken- und Hersteller-unabhängig. „Grundsätzlich“, so erfahren wir von Pille, „ist im VM-202 das gleiche Motherboard wie im VB-101eingebaut. Der Hauptunterschied ist, dass der VM-202 für die beiden Kanäle zwei DSP-Dual-Prozessoren benötigt.“ Der Torpedo VM-202 ist ebenfalls mit einer Remote-Software steuerbar. Diese unterscheide sich geringfügig, da der VM-202 zweikanalig aufgebaut und um das neue Poweramp-Modul ergänzt ist. „Ansonsten“, schließt Pille, „ist die Hardware gleich, allerdings besitzt der Torpedo VM-202 im Gegensatz zum VB-101 keine Loadbox.“ Dabei setzt der Hersteller auf OP-Amps anstatt Übertrager und legt gesteigerten Wert auf die A/D- und D/A-Wandler. Diese arbeiten mit einer Maximal-Auflösung von 192 Kilohertz bei 24 Bit, wobei der interne Signalprozessor auf 96 Kilohertz mit 32 Bit Fließkommaberechnung getaktet ist.
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