Ein sorgsam aufgenommener Leadvocal-Track, der alle Emotionen des Songs transportiert, ist nur eine Seite der Erfolgsmedaille. Die andere bilden geschickt eingesetzte Backing-Vocals, die den Hauptsänger kraft- und sinnvoll unterstützen. Wie Sie ein solches Vocal-Arrangement klanglich und technisch umsetzen, erfahren Sie im zweiten Teil unseres Vocal-Workshops.
Ob einfacher Country-Song oder pompöser Charity-Charthit: Background-Vocals gehören zur Pop- und Rockmusik wie die Gitarrenwand zum Heavy-Metal. Bei genauem Hinhören offenbart sich nämlich selbst beim vermeintlich vokal einfach gehaltenen Rocksong ein mehr oder minder dichtes Geflecht aus Vorder- und Hintergrundstimmen, je nach Genre und Melodieeignung auch in mehrstimmigen Sätzen. Vor allem in dramaturgisch bedeutsamen Teilen des Songs – dem Chorus beispielsweise – scheint der Gesang förmlich „aufzugehen“ und den Hörer von überall her mit der Ohrwurmmelodie zu überrollen. Während mancher Chart-Erfolg sogar von einer markanten Zweitstimme lebt, erklingen vokale Pop-Arrangements dennoch auch gern subtil, einzelne Stimmen sind bisweilen schwer herauszuhören und oft weiß der unbedarfte Hörer gar nicht so genau, wie viel Stimmen von welcher Position des Stereobildes nun ertönen – ihm wird durch den vokalen Vielklang lediglich vermittelt, dass dieser Part den oder einen Kern des Songs darstellt. Einen, den er idealerweise nicht vergisst. Genau diese Eigenschaft stellt einen der großen Vorzüge reichhaltiger Backing-Vocals dar: Sie unterstreichen markante Parts inhaltlich, indem sie die Leadvocals durch Dopplungen andicken und können durch Mehrstimmigkeit sowohl Melodie als auch Harmonik des Songs hervorheben. Background-Vocals können aber auch mit vollkommen neuen Melodielinien als eigenes Arrangement im Song eingesetzt werden – sozusagen als Antwort auf die Leadphrasen beispielsweise oder im melodischen Kontrast zur Hauptstimme. In technischer Hinsicht können Backing-Vocals der Leadstimme zu mehr Durchsetzungskraft verhelfen, vor allem in Rocksongs werden sie häufig auch deswegen eingesetzt, um den Sänger nicht in den stereophonen Gitarrenwänden untergehen zu lassen.
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