Von Golf über Psychobilly zum Pop

Abseits von der medialen Aufmerksamkeit aktuell angesagter Musiker, gibt es auch bemerkenswerte Karrieren von Musikschaffenden hinter den Kulissen des Musik-Business, die nicht minder atemberaubend und wendungsreich sind. Einer dieser Shooting-Stars ist Daniel Flamm, der als Songschreiber für Udo Lindenberg und Christina Stürmer zurzeit mächtig durchstartet.

Von Georg Berger

Der Gebrauch abgedroschener, weil inflationär eingesetzter Schlagworte und Superlative ist immer sehr knifflig und besitzt leicht einen schalen Beigeschmack. Betrachtet man aber die wechselhafte Vita und die Karriere von Daniel Flamm, dann lässt sich dies nicht anders als mit den Schlagworten „Shooting Star“ und „Wunderkind“ umschreiben. Der 29-jährige Flamm kann auf ein turbulentes letztes Jahr zurückblicken, in dem er als Songschreiber an Udo Lindenbergs aktuellem Album „Stärker als die Zeit“ beteiligt war und auch für die aktuelle Single „Seite an Seite“ von Christina Stürmer verantwortlich zeichnet. Beide Produktionen gehen zurzeit durch die Decke, ein Erfolg, von dem manch einer ein Leben lang nur träumen kann. Dabei sah für den in Ratingen-Lintorf bei Düsseldorf geborenen Flamm zunächst alles ganz anders aus. Doch lesen Sie selbst.

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Hallo Daniel, erzähl uns zunächst einmal ein bischen etwas über Dich. Wie bist Du zum Musik machen gekommen, was waren Deine Anfänge, welches Musikinstrument hast Du gelernt?

Eigentlich habe ich ganz klassisch mit musikalischer Früherziehung angefangen. Später wurde ich zum Klavier und noch später zur Geige „genötigt“. Das habe ich ein paar Jahre gemacht und mich in der klassischen Musik herumgetrieben. Dann fand ich aber für mehrere Jahre Sport besser als das Musik machen. Im Alter zwischen 7 bis 14 Jahren habe ich in der Schulzeit Golf als Leistungssport betrieben und war auch im Nationalkader. Ich war ganz gut darin und man nahm an, dass da bei mir eine Karriere bevorstünde .Ich spielte übrigens im Kader zusammen mit Martin Kaymer, der ja mittlerweile Deutschlands Golfer Nummer eins ist.
Der Startschuss, selber Musik zu machen, kam schließlich mit 14 Jahren und der Veröffentlichung des „Garage Inc.“-Albums von Metallica. Auf MTV und VIVA sah ich das Video zu „Whiskey in the Jar“ und ich fand das total irre und spannend, was da ablief. Auf einmal öffnete sich eine Welt, die ich so noch gar nicht kennengerlernt hatte und genau da wollte ich hin : Dahin wo die verrückten Dinge passieren. Daraufhin wollte ich selbst Gitarre lernen. Also bin ich mit 14, 15 in die Musikschule gegangen und habe mir einen Gitarrenunterricht verpasst. Schon bei den Probestunden haben die Lehrer gemerkt, dass der Junge Talent haben könnte, nicht zuletzt weil ich da auch sehr viel Seele, Zeit und Energie reingelegt habe. Denn ich wollte ja schnell Rockmusik machen und all das tun, was ich in dem Metallica-Video gesehen habe – einfach ganz schnell in der Rock’n Roll Welt mitmischen, Klares Ziel war dann : Rockstar werden. Nebenbei habe ich auch die ganze Rockmusik-Geschichte nachgeholt und natürlich blieben auch Sachen wie Piercings und bunte Haare nicht aus, die mit der Golf-Ideologie geclasht haben. Außerdem merkte ich schnell, dass man mit der verruchten Rocker-Nummer auch irgendwie besser bei den Mädels ankam, was natürlich sehr angenehm war. Das Gitarrenspiel habe ich echt schnell erlernt. Ich war richtig versessen darauf und im Alter von 17 Jahren fragte mich mein Gitarrenlehrer, ob ich denn nicht als Gitarrist bei einer Band mit Plattenvertrag mitspielen wolle, deren Mitglieder allerdings alle zehn Jahre älter waren als ich. Also habe ich dort vorgespielt und die fanden das Klasse und sagten schließlich, „OK, den nehmen wir mal mit auf Tour“. Zu der Zeit kollidierte das natürlich mit der Schule. Gottseidank haben meine Lehrer das damals mitgemacht, nachdem ich denen glaubhaft versichert hatte, dass ich Berufsmusiker werden wollte. So bin ich dann mit der Psychobilly/Punk’n Roll Band Heartbreak Engines auf Europa-Tour gegangen. Das habe ich schließlich jahrelang getan, wobei die schulischen Leistungen darunter extrem gelitten haben.
Als sich Heartbreak Engines auflösten, spielte ich in diversen Bands in Düsseldorf und Köln. Mit 21 hatte ich dann eine kanadische Freundin, Sarah Blackwood (jetzt Mitglied in der Band Walk off the earth, die mit dem Cover von Gotye „Somebody that I used to know“ einen veritablen youtube-Hit gelandet haben; https://www.youtube.com/watch?v=bK3XtXVZhFg), mit der ich zu zweit durch Europa, Kanada, Russland und die USA getourt bin.
Während der Tourpausen machte ich mir immer mehr Gedanken, ob das Leben als Tour-Musiker so wirklich das Wahre ist, wobei ich mich gleichzeitig immer mehr auch für andere Instrumente und das Song schreiben interessierte.

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