Was ist ein CV/Gate?

Unter dieser Buchstaben-Wort-Kombination wird eine analog aufgebaute Methode zur Fernsteuerung von Synthesizern und Synthesizer-Komponenten beschrieben, die lange vor Einführung der MIDI-Schnittstelle existierte. CV steht dabei als Abkürzung für „Control Voltage“, also Steuerspannung. Bis heute findet sich diese Steuermöglichkeit in modularen Synthesizer-Systemen. Der MS-20 Synthesizer von Korg bot diese Möglichkeit durch ein integriertes Anschlussfeld ebenfalls an. Die Ein- und Ausgänge der separat geführten CV- und Gate-Leitungen sind als Klinkenbuchsen ausgelegt. So war es durch Verbinden herkömmlicher Klinkenkabel möglich, gleichzeitig zwei Synthesizer in einer Master-Slave-Anordnung zu spielen. Die CV-Leitung übermittelt dabei die Steuerspannung, die dem empfangenden Synthesizer etwa die zu spielende Tonhöhe mitteilt. Über die Gate-Leitung – oft auch als Trigger bezeichnet – erhält der empfangende Synthesizer schließlich die Information, wie lange die über die CV-Leitung übermittelte Tonhöhe gehalten werden soll. Je nach Ausstattung der Prä-MIDI-Synthesizer mit entsprechenden Ein- und Ausgängen war es möglich, außer der Tonhöhe etwa auch die Filter-Eckfrequenz, die Resonanz, das Modulations- oder Pitchbendrad fernzusteuern. Eine kombinierte Verbindung aus CV- und Gate-Leitung ist dafür, je nach Anwendungszweck, nicht erforderlich. Die über Potis steuerbaren Oszillatoren, Filter und Hüllkurven in analogen Synthesizern werden nach demselben Prinzip, jedoch nur intern, gesteuert.

Die Abkürzung VCO für „Voltage controlled Oszillator“ meint in dem Zusammenhang nichts anderes. Zwei Arten und Techniken zur Übermittlung von CV- und Gate-Signalen haben sich in der damaligen Zeit etabliert. So nutzt die Volt/Oktave-Technik bei der Übermittlung von Steuerspannungen eine logarithmische Methode, bei der eine Spannung von einem Volt bezogen auf die Tonhöhe eine Oktave umfasst. Wird also zuerst eine Spannung von zwei Volt und anschließend eine von vier Volt gesendet, dann liegt das zuletzt gesendete Signal zwei Oktaven über dem ersten. Im Gegensatz dazu definiert die Hertz/Volt-Technik eine Oktave durch simples Verdoppeln oder Halbieren der Steuerspannung. In oben angeführtem Beispiel würde die Spannungsänderung eine Transponierung von lediglich einer Oktave nach sich ziehen. Die Gate-/Trigger-Informationen wurden ebenfalls mit zwei unterschiedlichen Techniken übermittelt. Der V-Trigger, auch Voltage- oder positiver Trigger genannt, übermittelt durch Senden einer Spannung in einem Bereich zwischen zwei bis zehn Volt – je nach Hersteller –, beispielsweise dass eine Note angeschlagen wurde. Wird die Taste am Synthesizer losgelassen quittiert der V-Trigger dies mit einer Spannung von Null Volt. Im Gegensatz dazu arbeitet der sogenannte S-Trigger, auch Short Circuit- oder Negativer Trigger genannt, in umgekehrter Weise. So liegt bei nicht  gedrückter Taste permanent eine hohe Spannung an, die erst bei Tastendruck vermindert wird. Die Existenz dieser zwei Methoden führte dazu, dass sich Synthesizer unterschiedlicher Hersteller nicht ohne weiteres miteinander verbinden ließen, da zur damaligen Zeit kein verbindlicher Standard definiert wurde. CV- und Trigger-Verfahren mischten sich bunt von Instrument zu Instrument miteinander. Diese babylonische Signalverwirrung wurde schließlich mit Einführung der MIDI-Schnittstelle beseitigt.

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