Sci-Fi Sound

Die Vertonung eines Sci-Fi-Films, ein extravagantes Sounddesign oder ein zeitgemäßer Werbespot stehen plötzlich auf dem Produktionsplan aber die passenden Klänge fehlen. Kein Grund zur Sorge, denn die Sample-Library FX Revolution Vol. 1 hilft, die Sound-Datenbank effektiv zu erweitern.

Von Michael Nötges

Soundprogrammierer Oliver Schmitt gehen offenbar auch nach über 2700 programmierten Sounds und Loops, die er für seine erste Sample Library Club Revolution Vol. 1 (Test, Ausgabe 11/2008) programmierte, die Ideen nicht aus. Für die Sample-Library FX Revolution Vol. 1 stürzt sich der unermüdliche Klangschrauber auf Effekt-Sounds und -Loops, die vor allem die Herzen der Techno-, Minimal- und House-Produzenten höher schlagen lassen. Gleichwohl verspricht er aber auch einen reichhaltigen Fundus an futuristischen Klängen, die sich bei Audio-Produktionen für Film, Werbung, Web-Design oder Computerspiele als inspirierender Baukasten erweisen. Die Library FX Revolution Vol. 1 kostet 85 Euro (Download 79 Euro) und hält auf einer DVD mehr als 300 Loops sowie über 600 Effekte und Sounds im Wav-Format (24 Bit/16 Kilohertz) bereit. Schmitt setzt also auf Klasse statt Masse. Die Einzelklänge sind in neun Ordnern (Atmos, Backwards, Impacts, LFO-Madness, Oneshots, Percussive, Processed, Sweeps und Transmission) thematisch organisiert. Alle Loops liegen im AIFF- und REX-Format vor. Das freut zum einen die eingeschworenen Mac-User und ermöglicht zusätzlich das direkte Bearbeiten der Loops mit Propellerheads Recycle-Software. Allerdings frisst die üppige Formatauswahl Platz für zusätzlichen Content, denn 4,7 Gigabyte sind so schnell ausgereizt. Schmitt setzt auf Qualität und Bedienkomfort, also gibt’s auch diesmal wieder alle Daten der Einzelsounds im EXS- und NKI-Format für den EXS-Sampler (Mac/Logic) und den Kontakt-Player 2/3 von Native Instruments. Als einzelne Instrumente angelegt, lassen sich die Sounds komfortabel über die Sampler direkt auf verschiedenen Tonhöhen abspielen. Die Samples klingen allesamt absolut rauscharm und sind auf hohem, professionellem Niveau produziert. Die Atmos entführen uns beim Abspielen unmittelbar in futuristische Klangwelten. Sphärige Space-Sounds, lösen wabernd, knackende Ambient-Geräusche ab.

Das exzellent klingende Sounddesign kommt mal esoterisch lieblich wie aus der Yoga-Stunde, dann aber wieder dunkel bedrohlich, wie aus einem Horrorfilm. Im nächsten Moment brodelt und pfeift eine cineastische Endzeitstimmung und wechselt über in ein schräges Glockenkonzert. Gefolgt von Klängen, die an futuristisches Türenquietschen und Szenen aus einem Raumschiff erinnern, landen wir schließlich bei heftigen Panning-Effekten und Unterwasserklängen, die auch dem modernen Dokumentarfilm gut zu Gesicht stehen. Wer’s am liebsten extrem und schräg mag, ist mit den außergewöhnlichen und abwechslungsreichen Klängen aus dem Madness-Ordner gut bedient: Zu hören sind ritardiernde oder schneller werdende Modulationen mit an- und abschwellender Lautstärke, knorrige Psycho-Sounds und verrückte Klangexperimente. Außerdem hat Schmitt noch eine ganze Menge kreativer Backward-, Sweep- und Percussive-Sounds programmiert, die eingefahrene Hörgewohnheiten mitunter kreativ erweitern. Die Oneshot-Sounds sind in drei Gruppen unterteilt: long, short und tonal. Klanglich finden sich hier Fetzen aus dem bereits Gehörten wieder. Wobei die langen Samples (bis zirka fünf Sekunden) weniger den Namen Oneshot verdienen. Dafür zeigen sich die kurzen Klangattacken als wahre Fundgrube fürs Sounddesign und die Computerspiele- und Filmvertonung.   Die Loops liegen in zwei unterschiedlichen Tempi (127 und 140 bpm) vor. Nach kräftigen Mainbeats sucht man allerdings verzweifelt. Die Enttäuschung hält sich aber in Grenzen, da sich die Loops stattdessen als perfekte Klangergänzung entpuppen – schließlich heißt die Library auch FX- und nicht Beat-Revolution. Die Loops zischen und knacken, flirren und strotzen mit jeder Menge Panning- und Delay-Effekten. Manchmal erscheint es etwas zu viel des guten, aber alles in allem erweisen sie sich als perfekte Add-on-Beats zu bestehenden Arrangements. Sie lassen sich problemlos untereinander kombinieren und elegant zu bestehenden Grooves hinzufügen. Dabei verleihen die Loops der Produktion unmittelbar einen frischen und modernen Anstrich. Sehr kreativ lässt es sich beispielsweise mit den zahlreichen zerhackten Vocal-Loops arbeiten. Die Schleifen grooven bereits in sich, so dass schnell eine extravagante, rhythmische Basis aus mehreren Loops kreiert ist.   FX Revolution Vol. 1 ist eine Ergänzungs-Library für Electro-, House- und Dance- Produzenten auf hohem klanglichem Niveau. Ihre wahre Stärke liegt aber in der Vielzahl inspirierender Klänge, die sich gleichermaßen fürs Sounddesign als auch das Vertonen von Filmen oder Computerspielen eignen

Erschienen in Ausgabe 06/2009

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 85 € / 79 €
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: gut – sehr gut

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