Soundiron Petroglyph

von Georg Berger

Flintstones. Meet the Flintstones. They’re the modern stoneage Family“, lag uns auf den Lippen, als wir das erste Mal von der Petroglyph-Library des amerikanischen Soundware-Produzenten Soundiron hörten, deren klanglicher Inhalt sofort an die sympathische Zeichentrick-Steinzeit-Familie gemahnte. Denn nicht mehr und nicht weniger als eine Sammlung an Klängen von steinzeitlichen Artefakten sind auf Petroglyph enthalten und katapultieren die kleine, rund 300 Megabyte leichte und rund 50 Euro kostende Library in Sachen Exotik aus dem Stand auf die oberen Plätze. Wer jetzt sofort abwinkt und denkt, dass Stein, der auf Stein geklopft wird, einfach nur ein belangloses „Klack“ erzeugt, irrt gewaltig. Als Ausgangsmaterial wurden Axtköpfe, Speer- und Pfeilspitzen, vorsintflutliche Werkzeuge und Gegenstände wie Hämmer, Meißel, Stößel, Schalen, Mörser, Ahlen und Schleifsteine aus unterschiedlichen Materialien wie etwa Osidian, Schiefer, Sandstein, Granit, aber auch Knochen herangezogen und hinsichtlich ihrer musikalischen Verwertbarkeit untersucht und schließlich gesamplet. Die Artefakte selbst stammen laut Hersteller von verschiedenen nordamerikanischen und prä-kolumbianischen Naturvölkern. Welches Völkerkunde-Museum die Produzenten für dieses Projekt plünderten, bleibt selbst auf Nachfrage allerdings ein Geheimnis. Jedenfalls seien keine der Artefakte nach Abschluss der Aufnahmen beschädigt oder zerstört worden. Zum Großteil sind – wen wunderts bei diesem Material – perkussive Klänge enthalten, die sich auf sieben Presets verteilen. Diverse Plings und Clicks, die teils eher metallisch und wie klimperndes Geld klingen, aber auch eindeutig ihre steinerne Herkunft vermitteln sind zu hören. Hinzu kommen seltsam fremdartige tonale Sounds irgendwo zwischen Marimba, Xylophon, kleinen Glöckchen und hohlen, stumpfen Glasflaschen, die kein uns bekanntes Percussion-Instrument auf diese Art erzeugt sowie eine Reihe kratzender, scharrender Spektren, bei denen man förmlich hört wie sich Stein auf Stein abreibt. Zumeist sind dies nur kurze, impulsartige Klänge, die in ihrer Grundgestalt eher zart, subtil und zerbrechlich wirken. Beim ersten Hören entsteht so leicht der Eindruck, dass sich diese Sounds nur schwerlich in Arrangements durchsetzen. Tatsächlich dürfte ihr Einsatz auch zumeist in klanglich, exotisch dahingetupften i-Tüpfelchen bestehen. Aber das schaffen die Sounds mit ihrem eigentümlichen Charakter, wenngleich eher verhalten, aber trotzdem auf nachhaltige Weise. Dies gilt, wohlgemerkt, nur für den Fall, in dem die Samples in ihrer Originalgestalt eingesetzt werden. Ganz anders sieht das aus, wenn die zur Verfügung gestellten Sounddesign-Parameter zum Einsatz kommen. Außer einer zweistufigen Hüllkurve sowie die Möglichkeit den Sample-Start nach hinten zu versetzen, sorgt ein Filter für nachhaltiges Anfetten der Sounds. Die Geheimwaffe stellt aber der Jitter-Parameter dar, hinter dem eine Kombination aus Vibrato und Ringmodulation werkelt und den Samples einen rauen, teils verzerrten und metallisch klingenden, an Frequenzmodulation erinnernden aggressiven Charakter verleiht. Eine per Reiter aufrufbare Effekt-Sektion mit den üblichen Studio-Effekten, aber auch einer Gitarren-Amp-Simulation sorgt für weiteres ohrenfälliges Ausformen der Samples. Ein überschaubar ausgestatteter, aber dennoch flexibel einstellbarer Arpeggiator lässt im Handumdrehen ein wahres Feuerwerk an perlenden Steinzeit-Percussion-Sounds entstehen, die in Summe schließlich nichts mehr vom vormaligen Leisetreter-Charakter übrig lassen.

Soundiron Petroglyph ist eine steinstarke Sample-Library mit hohem Jabba-Dabba-Do-Faktor, die mal auf subtile, mal auf vordergründige Weise Klang-Exotik aus vergangenen Zeiten ins Hier und Jetzt holt. Vieles klingt irgendwie vertraut aber trotzdem immer irgendwie seltsam und eigenartig. Aber genau das ist es, was diese Library auszeichnet. Klang-Gourmets und Produzenten auf der Suche nach dem Besonderen dürften diese kleine aber feine Klangsammlung mit Sicherheit in ihr Herz schließen.  

Erschienen in Ausgabe 03/2016

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 49
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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