Von Georg Berger

Wer an Gitarren aus chinesischer Fertigung denkt, wird nicht selten diverse Horror-Szenarien aus schlampiger Verarbeitung, minderwertigen Bauteilen und/oder umweltverträglich höchst fragwürdigen Materialien vor seinem inneren Auge haben. Doch dieses Klischee wird gehörig Lügen gestraft, wenn es sich um virtuelle Ausgaben dieser Zupfinstrumente handelt, die vom chinesischen Hersteller Ample Sound stammen. Für den Test haben wir uns das 3 in 1 Acoustic Bundle mit den Sounds von drei akustischen Gitarren – einer Taylor 714, einer nicht näher bezeichneten Steel-String sowie einer Klassik-Gitarre, basierend auf einer Alhambra Luthier – vorgenommen und das Ganze mit der Ample Bass A Library abgerundet, die den Sound eines Guild B54-CE Akustik-Bass enthält. Kostenpunkt fürs Bundle: Rund 350 Euro, was einen Preisvorteil von rund 160 Euro im Vergleich zum Einzelkauf der Librarys ausmacht (Stückpreis: knapp 170 Euro). Der Akustik-Bass geht für circa 120 Euro über die Ladentheke, ein insgesamt sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Zum Abspielen wird eine mitgelieferte, eigens entwickelte Host-Player-Software (Stand-alone und in allen üblichen Schnittstellen) benötigt. Die GUIs der Librarys zeigen außer dem Instrument selbst, in der unteren Hälfte eine Reihe von Parametern. Ein Klick aufs Griffbrett, etwa auf der G-Saite im fünften Bund, lässt konsequenterweise den entsprechenden Ton, also C, erklingen. Das Einspielen wird aber eher mit Hilfe des Keyboards geschehen. Dritte Möglichkeit: Wer über eine midifizierte Gitarre mittels hexaphonischem Pickup verfügt, kann neuerdings auch diese Option ziehen. Artikulationen wie unter anderem Sustain, Palm Mute, Hammer-on/-off oder Slap im Akustik-Bass werden per Key-Switch aufgerufen. Abseits dessen finden sich weitere charakteristische Sounds, die permanent auf bestimmte Zonen der Tastatur gemappt sind, etwa Flageoletts und diverse Fingergeräusche. An Einstellmöglichkeiten finden sich diverse Fader zum Einstellen virtueller Mikrofone (Stereo, Mono, Direct) und zum Austarieren der Lautstärke etwa der begleitenden Neben-/Saitengeräusche. Die Gitarren besitzen überdies eine eigene Effekt-Sektion mit einer Auswahl üblicher Gitarren-Bodeneffekte. Der Ample Bass A kommt mit einer EQ-Sektion für die virtuellen Mikros und die Nebengeräusche.
Der Clou: Sämtliche Instrumente besitzen einen Tab-Player, der nicht nur Songs in Gitarren-Tabulatur anzeigt. Die Host-Software ist in der Lage, Tabulaturen im GP3/4/5/X-Format zu laden und anschließend abzuspielen. Beigelegt ist zwar lediglich eine Demo-Tabulatur, aber im Internet finden sich unzählige kostenlose Tabs in diesen Formaten. Im Test funktioniert das tadellos und ohne weiteres Editieren am Instrument erklingen authentisch lebendige Gitarren-Linien. Solch ein Feature ist uns jedenfalls bislang noch nicht begegnet. Doch es geht noch weiter: In den Gitarren-Librarys sorgt der Strummer-Dialog für ein detailliertes Spiel geschlagener Akkorde. Dazu lassen sich 24 Slots mit Akkorden bestücken (insgesamt 540 mögliche Kombinationen), die anschließend in einem Sequenzer-Dialog in eine Abfolge inklusive diverser Spielvorträge, unter anderem Auf- und Abschlag, Legato, Legato + Slide oder Hammer-on/off gebracht werden können. Der Dialog offeriert noch viele weitere Detail-Einstellungen, die ein authentisches Spiel garantieren. Das alles muss, möchte man das Optimum herausholen, erst einmal erlernt werden. Von Vorteil dabei ist, wenn zumindest Kenntnisse über die instrumentalen-technischen Möglichkeiten einer Gitarre existieren. Doch einmal im Griff überzeugen sämtliche Instrumente durch eine atemberaubende Authentizität. Klanglich sind sämtliche Instrumente ebenfalls ohne Fehl und Tadel. Der Sound ist transparent und die Eigenheiten jedes Instruments werden akkurat wiedergegeben. Wem das Angebot an loop-basierten Zupfinstrumenten-Librarys bislang in Sachen Eingriffsmöglichkeiten zu eingeschränkt war, sollte sich in jedem Fall die Ample Sound-Produkte einmal näher anschauen.
Soundbeispiele:

www.amplesound.net

Erschienen in Ausgabe 02/16

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 219
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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