Von Georg Berger

Dass die Küchenweisheit „Was nichts kostet, ist auch nichts“, nicht immer trifft, will das Unternehmen HOFA, genauer gesagt die Software-Abteilung, mit einer Reihe von Freeware-Plug-ins beweisen, die als kleine Helferlein dem Tonschaffenden verlässliche Unterstützung bieten wollen. Oberflächlich betrachtet erscheint das eine oder andere Plug-in mit seiner Ausstattung und Funktionalität banal, sogar auch überflüssig. Doch das liegt wie immer im Auge des Betrachters respektive im Bedarf. Mittlerweile besteht das 4U-Bundle aus vier Plug-ins, dem 4U Goniometer & Korrelator, dem 4U Meter, Fader & MS-Pan, dem 4U ProjectTime und als jüngstem Zugang dem 4U+ BlindTest. Jedes Plug-in ist über die wichtigsten Schnittstellen sowohl in 32-, als auch 64-Bit-Systemen einsetzbar. Sehr schön in allen Produkten ist die Möglichkeit, die Oberfläche dynamisch in der Größe skalieren zu können, ein Feature das immer noch nicht zu den Selbstverständlichkeiten zählt. Schauen wir uns das Quartett einmal näher an. Das Goniometer-Plug-in, das übrigens auch Teil des IQ-Analyzers ist (Test in Heft 03/2015) gibt Auskunft über die Stereo-Breite und Phasenlage eines eingespeisten Signals. Sinnvollerweise wird es in den Summenkanal insertiert, um dort als Anzeige-Instrument dem Tonschaffenden Auskunft über die erstellte Arbeit zu geben. Zwei Ansichten sind verfügbar, einmal die Goniometer- und einmal die Korrelations-Anzeige. Die Goniometer-Ansicht zeigt dabei gleich drei Werte auf einmal an: Peak, Hold und Energy, die in Form entsprechend großer und unterschiedlich farbiger Kreise angezeigt werden. So sind sowohl punktuell auftretende Ereignisse, als auch die Verteilung über die Gesamtdauer entsprechend gut erkennbar. Alternativ dazu zeigt die Korrelations-Darstellung die Verteilung in Form von Linien an, um den Grad der Monokompatibilität des Signals überprüfen zu können. Als Teil des IQ-Analyzers ist das Goniometer eher unscheinbar in der Oberfläche integriert. Als Freeware spielt es jedoch mächtig auf, GUI-Skalierung sei Dank.
Das nächste Helferlein ist ein kombiniertes Stereo-Meter- und Fader-Plug-in. Große Besonderheit sind eine Reihe von Buttons, die aus dem vermeintlich banalen Laut-Leise-Macher einen Monitoring-Controller im Mini-Format machen. Umschaltung zwischen Stereo und Mitte-Seite-Decodierung, separate Gain-Änderung pro Kanal, eine Mono- und Mute-Funktion, separate Phasen-Invertierung für die Kanäle und ein Meter-Abgriff wahlweise vor oder nach dem Volume-Fader, lassen das Meter, Fader & MS-Pan Plug-in im Vergleich zu manch einem Summen-Fader in virtuellen DAW-Mixern augenfällig herausstechen. Doch es geht noch weiter. Der Clou ist der graphische Dual-Panpot, der es sogar erlaubt, Stereo-Signale in die Überbreite zu verteilen. Dazu werden die Dreiecke im Panorama-Kreis einfach in die untere Hälfte versetzt. Aber nicht übertreiben, ansonsten landet man bei Mono. Eine kleine Auswahl an R-128-kompatiblen Meter-Skalierungen sowie ein Intersample-Peak-Modus runden die Ausstattung des Meter-Plug-ins ab und geben dem Anwender ein verlässliches Instrument, um Pegel ordentlich im Auge und Griff zu behalten. Einzig die mausgraue Färbung der Meter-Anzeige, die zwar zum corporate Design der HOFA-Plug-ins gehört, stört uns. An dieser Stelle wäre uns der Mainstream in den üblichen Farbtönen grün, orange und rot ungleich lieber gewesen. Aber das hatten wir ja auch schon im Test des IQ-Analyzer 2 angemerkt. Im Summenkanal insertiert, profitieren wir im Test am meisten von der Mono-Funktion, der kanalweisen Phaseninvertierung und dem genialen Dual-Panner, selbst in den DAWs der Platzhirsche.
Der dritte Kandidat im Bund(l)e, das ProjectTime-Plug-in hat primär nichts mit Signalverarbeitung zu tun und dürfte nur allzuleicht das meiste Kopfschütteln aufgrund seiner Sinnhaftigkeit auslösen. Doch gerade das Banale ist das Geniale an diesem Helferlein. ProjectTime ist zwar nicht mehr und nicht weniger als eine Stopp-Uhr. Das Plug-in wird in einen beliebigen Kanal insertiert und misst, wie lange das Projekt geöffnet ist. So erhält der Tonschaffende eine verlässliche Auskunft darüber, wie lange er an der Produktion eines Projekts gesessen hat. Durch die Möglichkeit, einen Offset-Wert einzugeben – etwa die kumulierte Zeit aus den vorhergehenden Sessions – zeigt ProjectTime dabei stets die Gesamtdauer an. Ganz gleich ob Amateur oder Profi, ProjectTime gibt Auskunft wieviel Zeit in ein Projekt investiert wurde und lässt sich nicht nur als Grundlage für Abrechnungen (auf Stunden-Basis) nutzen, sondern auch als Kontroll-Instanz einsetzen um etwa Arbeitsprozesse zu optimieren. Schlussendlich ist zumindest in unseren Augen, das vermeintlich banale und überflüssige Plug-in am Ende dann doch nicht.
Das vierte und jüngste Freeware-Produkt ist das 4U+ Blindtest-Plug-in, das mit seiner Funktionalität so ziemlich alleine im weiten Rund dasteht. In der Freeware-Version können bis zu drei Spuren geladen und gehörsmäßig untereinander verglichen werden. Die kostenpflichtige Version für knapp 40 Euro gestattet im Unterschied dazu das Laden beliebig vieler Spuren bei ansonsten identischem Funktionsumfang. Dabei wird der Ursprung der Spuren während der Testphase verborgen und die Reihenfolge zufällig angeordnet. Möglichkeiten zur Bewertung der Spuren mit Hilfe von Sternen (bis zu zehn Stück) und das Eingeben kurzer Anmerkungen etwa zu den Höreindrücken, bieten ausreichend Komfort, um entscheiden zu können, welche Version nun die klanglich Beste ist. Sinn und Zweck, den wir aus unserer täglichen Praxis nur allzu gut nachempfinden können: Beim gehörsmäßigen Vergleichen kann es rasch passieren, dass man sich durch Pegel-Anzeigen, ein hübsches GUI und anderen visuellen Reizen mehr oder weniger unbewußt in seinem Urteil beeinflussen lässt. Das BlindTest-Plug-in verhindert dies, nicht zuletzt einmal mehr durch die Möglichkeit, das GUI beliebig groß zu skalieren, um Effekt-Plug-ins, virtuelle Mixer und das Arrangement-Fenster zu verdecken. Das Prozedere ist dabei denkbar einfach. Das BlindTest-Plug-in wird in die Spuren insertiert, die miteinander verglichen werden sollen. Vorteil: Die Plug-in-Instanzen sind untereinander vernetzt, so dass nur lediglich eine Oberfläche genutzt werden kann. Bei Bedarf – in der VST3-Version werden die Spurnamen automatisch übernommen – kann im BlindTest-GUI für jede Spur ein Name eingetragen werden. Sehr schön: Über den Analyse- und Compensate-Button können die Spuren hinsichtlich ihrer Lautstärke analysiert werden, wobei nach Druck auf Compensate die Lautstärke der anderen Spuren an die Spur mit dem niedrigsten Output angeglichen wird. Damit herrscht Gleichstand in Sachen Lautstärke und ein Faktor, der nur allzu leicht zu falschen Ergebnissen führt, ist schon einmal beseitigt. Ein Druck auf den Start-Button oben links würfelt die Spuren beliebig durcheinander, ein neuer Dialog erscheint, der jetzt die gleiche Zahl an anonymisierten Einträgen zeigt, die sich per Solo-Button isoliert abhören lassen. Wie erwähnt können dort Anmerkungen und Bewertungen eingetragen werden. Ist ein Ergebnis entstanden reicht ein weiterer Druck auf den Start-Button und der erste Dialog erscheint, der jetzt die Sterne-Bewertung zu jeder Spur zeigt. Auf die Art können unterschiedliche Mix-Varianten, verschiedene Effekt-Kombinationen oder Plug-in-Settings rasch und vor allem unvoreingenommen unter die Lupe genommen werden. Im Test duplizieren wir im letztgenannten Fall einfach die Spur und nehmen im Duplikat alternative Settings vor oder setzen ein anderes Plug-in mit ähnlichem Sound ein. Im Test sind wir regelrecht begeistert vom BlindTest-Plug-in, denn es spielt uns für unsere tägliche Arbeit perfekt in die Hände. Tonschaffende, denen es an Entscheidungsfreude mangelt oder die nachweislich des Öfteren ihre Entscheidungen nur nach dem Bling-Bling-Faktor von Plug-ins getroffen haben, dürfte das BlindTest-Plug-in ein nützlicher Helfer sein. Allen anderen sei die Freeware-Version ebenfalls unbedingt empfohlen, denn HOFA präsentiert mit 4U+ BlindTest eine gleichsam einfache wie effiziente Möglichkeit in Sachen Qualitäts-Kontrolle. Daumen hoch.

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