Von Freda Ressel

Edler Ohrenschmaus: Der W n°4 von radius sieht nicht nur elegant aus, er klingt auch richtig gut.

Als Hersteller von Peripheriegeräten wie Headsets und Kopfhörer für Apple-Produkte ist radius aus Japan seit Mitte der 1990er Jahre aktiv. Seine eigenständigen Hi-Fi-Produkte sind allerdings außerhalb der japanischen Inseln weniger bekannt, was sich mit allerdings mit dem für Hi-Res-Wiedergabe konzipierten In-Ear-Flaggschiff W n°4 (UVP: 499 Euro) bald ändern könnte.

Die in vornehmem Weinrot glänzenden Gehäuse der Ohrhörer bestehen aus Kunststoff, was sie mit einem Gewicht von 18 Gramm angenehm leicht macht. Für den besonders „royalen“ Look sind die Hörer mit schwarzen und vergoldeten Elementen versehen. In der Mitte der Hörerrückseite findet sich die Öffnung eines Bassreflexkanals. Auch Hersteller von In-Ears bedienen sich gerne des Bassreflex-Prinzips, das eine tiefere Grenzfrequenz bei gleicher Treiber- und Gehäusegröße ermöglicht, sodass die Hörer trotz ihrer Kompaktheit eine solide Basswiedergabe leisten.
Der W n°4 arbeitet mit einem ausgeklügeltem DDM (Dual Diaphragm Matrix) genannten Zwei-Wege-System, das mit zwei Treibern arbeitet, die koaxial auf einer gemeinsamen Achse angeordnet sind. Im hinteren Bereich sitzt ein dynamischer Treiber für die Bass- und Mittenwiedergabe mit einer 13 mm Membran mit Berylliumbeschichtung. Diese verbessert laut Hersteller den Frequenzgang am oberen Ende des Übertragungsbereiches (15 kHz), da durch die harte Oberfläche die Membran weniger schwingt und die Verzerrung geringer ist. Als (Ultra-)Hochtöner wird ein 12 mm piezoelektrischer Treiber mit einer mehrlagigen Piezo-Keramikmembran verwendet. Bei diesem entsteht der Schall durch das Anlegen von Spannung an eine Keramikplatte, die sich proportional verformt und so Schwingung erzeugt. Vorteile dieser Treiberart sind ein geringes Gewicht und ein sparsamer Energiebedarf. Durch Löcher in der Aufhängung des Piezotreibers gelangen die Schwallwellen des dynamischen Treibers am Hochtöner vorbei ins Ohr. Dadurch soll laut Hersteller ein besonders weites Frequenzspektrum nahtlos wiedergegeben werden. Die Übernahmefrequenz zwischen den Treibern liegt bei 13 kHz – der Hochtöner übernimmt also nur die höchsten Randfrequenzen zwischen 13 und 15 kHz. Den restlichen Übertragungsbereich übernimmt der breitbandige Tiefmitteltöner.

Das Y-förmige Kabel ist 120 cm lang und textilummantelt. Es endet in einem angewinkelten, vergoldeten 3,5 mm Stereoklinkenstecker. Mit einer MMCX Steckverbindung ist das Kabel an den Ohrhörern befestigt – und das so fest, dass wir es nur mit Mühe gewaltfrei abnehmen konnten. Durch den Textilüberzug ist das Kabel rau und etwas starr. Bei Berührung sind verhältnismäßig laute Kabelgeräusche zu hören. Die Kopfhörerseiten sind sowohl am Kabelanschluss als auch am Hörer gut sichtbar mit Buchstaben markiert.

An Zubehör bringt der W n°4 eine Kurzanleitung, eine runde Transportbox und ein Mikrofaserreinigungstuch mit, das für die Reinigung der für Fingerabdrücke anfälligen hochglänzenden Oberfläche der Ohrhörergehäuse praktisch ist. Außerdem sind Silikonohrstöpsel in vier Größen (XS, S, M und L) beigelegt. Diese lassen sich in zwei verschiedenen Positionen am Hörer befestigen, sodass es möglich ist, durch tieferes Einsetzen in den Gehörgang die Abschirmung von Außengeräuschen zu steuern. Die Ohrhörer sitzen angenehm fest und wackelfrei. Durch ihr leichtes Gewicht stören sie auch bei langem Gebrauch nicht.

Im Hörtest offenbart der W n°4, dass er nicht nur elegant aussieht, sondern auch klanglich absolut überzeugen kann. Er klingt plastisch, ausgewogen und nuanciert mit einer sehr feinen Auflösung. Die Bässe reichen tief und sind knackig und trocken, wenn auch im Tiefbassbereich etwas dezent, während die Mitten klar und rund kommen. Die Höhen zeigen das volle Potential des Piezo-Hochtöners, denn sie sind wunderschön differenziert und lebendig. Flirrenden Flöten und Streicher wie auf der Jònsi-Aufnahme „Go Do“ kommen spielerisch und in keiner Weise scharf. Die Abstimmung der Lautstärke der beiden Treiber ist optimal. In der Stereoabbildung zeigt sich der W n° 4 sehr plastisch, wenngleich er hier in der Breite etwas besser aufgestellt ist als in der Tiefenstaffellung.
Durch seinen musikalischen, nicht schönfärbenden Charakter mit einer exzellenten Auflösung eignet sich der W n°4 hervorragend für die Wiedergabe hochauflösender Musikstücke. Sowohl als professionelles Kontrollinstrument im Studiobereich als auch für den privaten Musikgenuss ist er uneingeschränkt zu empfehlen.

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