Von Sylvie Frei

Der US-amerikanische Hersteller Peluso hat jüngst mit dem P-87 ein Großmembran-Mikrofon auf den Markt gebracht, das sich als Nachbau der 1970er-Jahre-Version des legendären Neumann U 87 vorstellt. Mit einem unverbindlichen Richtpreis des Herstellers von 1486 Euro ist es allerdings rund um die Hälfte günstiger als die noch heute erhältliche Version des Neumann-Klassikers.
Das P-87 sieht dem Vorbild schon äußerlich sehr ähnlich und ist mit umschaltbarer Richtcharakteristik (Kugel, Niere, Acht), einer -10 dB-Vordämpfung und einem Trittschallfilter wohl ausgestattet. Es kommt in einem stabilen gepolsterten Transportkoffer samt stabiler Metall-Mikrofonspinne, Adapter-Mutter für Mikrofon-Stative mit kleinem Gewinde und einer Windschutzkappe aus Schaumstoff daher. Mit einer Größe von 20 mal 5,6 Zentimetern und einem Gewicht von etwas mehr als 500 Gramm benötigt das P-87 ein stabiles Mikrofonstativ, das auch unter dem zusätzlichen Gewicht der elastischen Metall-Spinne nicht einknickt.
Beim Test im Professional audio-Studio, bei dem wir eine klassische Sopran-Opernarie sowie eine Folknummer mit akustischer Gitarrenbegleitung und Stimme aufgenommen haben, hinterlässt das P-87 einen wahrlich exquisiten Klangeindruck, nachdem wir es eigentlich für den Allround-Einsatz, aber auch gerade für Gesangsstimmen empfehlen können. Sämtliche Aufnahmen zeichnen sich durch ein für eine Großmembran sehr ordentliches Impulsverhalten, eine detaillierte Abbildung von Transienten, aber dennoch einen sehr organischen, musikerfreundlichen und klassischen Charakter aus. Die Stimme klingt, wenn auch bei weniger schön artikulierten Übergängen angenehm rund und organisch. Der Präsenzbereich wird erwartungsgemäß etwas, aber nicht übertrieben gefeaturet. Abgesehen davon klingt das Mikrofon vom Bass bis in die Höhen sehr ausgewogen. Der Nahbesprechungs-Effekt ist beim P-87 eher durchschnittlich ausgeprägt und kann so ohne größere Vorsicht zur subtilen Klanggestaltung vom Sänger genutzt werden. Abgesehen vom unterschiedlichen räumlichen Eindruck klingt das P-87 in allen Richtcharakteristiken nahezu identisch. Insgesamt klingen unsere Aufnahmen schon ohne jegliche Nachbearbeitung sehr fertigproduziert. So fügt sich die Arien-Stimme bereits perfekt in das Orchesterplayback ein, ohne dass wir mit dem Equalizer nachhelfen müssen. Damit spielt sich das P-87 verdient in unsere Spitzenklasse.

Erschienen in Ausgabe 1/2016

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 1486
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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