Studio-fit als Vokalist

Weiter geht es mit den „Tipps für Musiker im Studio“. In unserer zweiten Folge machen wir die Vokalisten und Sänger unter Ihnen Studio-fit. Beim Singen spielen vor allem Zustand und Vorbereitung der Stimme eine wichtige Rolle…

Von Sylvie Frei

Die menschliche Stimme ist ein ganz besonderes Instrument. Sie  nutzt unseren Kehlkopf mit den Stimmbändern als Klangerzeuger und ist damit untrennbar mit dem Körper verbunden. Um als Sänger bereit für eine Performance zu sein, müssen Sie deshalb noch mehr auf physiologische, aber auch psychologische Details achten als Ihre Bandkollegen an den Instrumenten. Genau wie diese ihre Instrumente warten und pflegen, ist es an Ihnen, Ihre Stimme, Ihr Gehör und Ihren ganzen Körper angemessen zu behandeln und fit zu halten. Das gilt für Proben, Auftritte und Studioaufnahmen in gleichem Maße. Doch für die Studio-Arbeit kommen noch einige Besonderheiten hinzu, die Sie im ersten Moment vielleicht noch nicht im Blick haben, die Ihnen, Ihren Mitmusikern und dem Aufnahmeleiter jedoch am Ende viel Blut, Schweiß, Tränen, Zeit und Geld sparen können.

Physiologische Voraussetzungen

Der Sänger ist ein Stimm-Sportler

Wer seine Stimme zu mehr als dem alltäglichen Sprechen, Lachen und gelegentlichem Rufen nutzt, also viel mehr, viel lautere, leisere, längere, kürzere und deutlich anders geformte Töne als normal produziert und das über mehrere Stunden am Tag, der nutzt seine Stimme wie ein Sportler seine Muskeln. Rennt etwa der Sportler nach einer längeren Pause mit nur Gehen, Treppensteigen und einem gelegentlichen Sprint eine lange Strecke, hat er am nächsten Tag Muskelkater und braucht mehrere Tage, um diesen wieder loszuwerden. Das Gleiche passiert einem Sänger, der seine Stimme nach einer Pause plötzlich wieder mehr nutzt als gewohnt. Die Folge sind heisere Stimmbänder und auch die benötigen Zeit, um sich wieder zu erholen. Genau diese Zeit haben Sie während einer mehrtägigen Aufnahmesession im Studio nicht. Daher gilt es, Heiserkeit und Erkältungen, die sich auf die Stimmbänder, Nasen- und Nasennebenhöhlen klanglich bemerkbar machen können und zum Verlust von Stimmumfang, Stimmqualität und im schlimmsten Fall zeitweise Verlust der Stimme führen können, unbedingt zu verhindern. Dazu können Sie aktiv beitragen:

 

Tägliche Stimm- und Körperroutine

Gerade wenn Sie nebenberuflich als Sänger arbeiten und nicht ständig startklar für die Bühne sind oder gerade zum ersten Mal ins Studio gehen, gilt es, Ihre Stimme und Ihren Körper gezielt auf die Belastung vorzubereiten. Nur so lässt sich Heiserkeit konsequent vermeiden. (Falls Sie dauerhaft einsatzbereit sein müssen, gehören diese Dinge sowieso zu Ihrem täglichen Brot – Sie können also direkt zum nächsten Absatz springen.)

Beginnen Sie mindestens zwei bis drei Wochen vor dem Studiobesuch wieder mit Ihrer Stimm- und Körperroutine. Dazu gehören Lockerungsübungen für die Muskulatur, Atem- und Stützübungen für das Zwerchfell sowie Einsing- und Stimmübungen. Außerdem schadet es nicht, auch das Hör- und Intonationsvermögen durch Intervall- und Akkordsingen zu schulen. Als zusätzlicher körperlicher und geistiger Ausgleich empfiehlt sich Meditation, Spazierengehen, leichtes Yoga oder eine andere moderat ausgeübte Sportart. Warnung: Übertreiben Sie es nicht mit dem Sport, intensives Bauchmuskeltraining kann sich beispielsweise negativ auf die Zwerchfellatmung auswirken, körperliche Überlastung wirkt sich ebenfalls negativ auf die Gesangsleistung aus.

Gehen Sie insgesamt langsam und behutsam vor. Am ersten Tag sollte Ihre gesamte Routine inklusive Übungen und Einsingen nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Üben Sie danach maximal für eine halbe Stunde Ihr Repertoire für die Studioaufnahme. Behalten Sie die Einsing- und Lockerungs-Routine für die kommenden Wochen – auch an den Aufnahmetagen – bei. Die Übungszeit für das eigentliche Repertoire können Sie langsam von Tag zu Tag steigern, Sie sollten allerdings nicht mehr als zweieinhalb Stunden am Stück singen. Machen Sie zwischendurch immer mal wieder eine längere Pause, in der Sie nur sanfte Einsing- und Lockerungsübungen wiederholen. Horchen Sie dabei deutlich in sich hinein, sobald etwas wehtut oder nicht guttut, haben Sie sich verkrampft, überbeansprucht oder Ihr Stimmsitz ist nach hinten verrutscht. Analysieren Sie genau, was passiert ist, korrigieren Sie Ihr Verhalten. Sollte das öfter vorkommen, holen Sie sich Rat bei einem geübten Sänger, Ihrem Gesangslehrer oder Vocal-Coach, denn manchmal ist es schwierig, die eigenen Fehler zu erkennen, die von einem Außenstehenden sofort enttarnt werden.

Vermeiden Sie Unterkühlungen

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