
Gut, die Anreise in den Westen der USA ist kein Zuckerschlecken. Die Zeit ist neun Stunden gegen die europäischen Besucher und Aussteller und die reine Flugzeit liegt über zehn Stunden.
Die Entschädigung kommt aber sofort. Die Temperaturen liegen bei 20 Grad, die Sonne lacht einem ins Gesicht.
An der diesjährigen Winter-Namm-Show beteiligen sich über 1500 Aussteller aus aller Welt und präsentieren ihre Produkte in den Hallen des Anaheim Convention Centers. Dabei ist alles bestens organisiert und für die richtige Unterhaltung gesorgt.
Nach dem Motto "A Belief in music", gibt es hier alle Produktneuheiten aus der Musikbranche. Damit fängt 2008 mit der NAMM-Show sch
on einmal sonnig an und verspricht, ein interessantes und ereignisreiches Jahr auch für die Pro-Audio-Branche zu werden.
Rund um das Convention Center sind Stehtische und Pavillions aufgebaut, die den hungrigen und durstigen Besuchern alles bieten, um nach den Streifzügen durch die klimatiserten Hallen ihre Pause an der frischen Luft relaxed genießen zu können.
Am Stand von Euphonix gibt es Neues zu berichten. Ich treffe Derk Hagedorn, der mir einen Produktspezialisten ruft, um die brandneuen Artist-Serie detailiert vorzustellen. Eins ist sofort klar: Das Design der Controller ist schon mal überzeugend. Der MC Mix und der MC Control wenden sich im Gegensatz zu den sonst sehr teuren Euphonix-Consolen an eine andere Zielgruppe. Auf die Belange von kleinern DAW-basierten Projektstudios oder kleineren Regie-Räumen un
d Arbeitsplätzen großer Studios zugeschnitten, ermöglichen sie die Kontrolle über die DAW. "Dabei ist eigentlich die Software der Star", erklärt uns Hagedorn. Das Eucon-Protokoll bietet, in Verbindung mit allen gängigen Sequenzern (Apple Logic, Steinberg Cubase und Nuendo, Digidesign Pro Tools, Ableton Live etc.) die intuitive Kontrolle über den Mix. Die Besonderheit ist, dass die Controller über Ethernet-Kabel an die DAW andocken. Das hat den großen Vorteil, dass mehrere DAW vernetzt und mit nur einem Controller gesteuert werden können. Das bekommen wir auch direkt eindrucksvoll demon
striert. Über einen Shortcut springt der Bildschirm zwischen Nuendo, Logig und Cubase hin und her und immer sind sofort alle Bedienelemente einsatzbereit. Zur Zeit ist die Software zwar nur für den Mac erhältlich, aber schon bald soll auch die PC-Variante erhältlich sein. Ist die Software aber einmal installiert, kann auf alle angeschlossenen DAWs zugegriffen werden - auch PCs. "Wir arbeiten eng mit den Herstellern der Sequenzer zusammen und versuchen optimale Lösungen zu schaffen. Zum Beispiel sollen auch die Plug-ins von UA perfekt intergriert werden. Mit der PC-Variante wollen wir dann auch die Cubase-Gemeinde erreichen und die Artist-Serie als umfassende Controller-Units etablieren." Der MC Mix soll Anfang Februar auf den Markt kommen und rund 600 Euro kosten. Einen exklusiven Test hat sich Professional audio Magazin schon gesichert.
Am Stand von Sony gibt es Nachwuchs in puncto Mobile Rekorder. Neben dem PCM-D1 steht der deutlich kleinere PCM-D50. Optisch sehr ähnlich, liegt der entscheidende Vorteil im Preis. Deutlich unter 1000 Euro soll der Rekorder kosten. Dabei können die Kapseln des integrierten Stereo-Mikrofons in drei unterschiedliche Stellungen gebracht werden. Er kann zwar nur im Wav-Format aufzeichnen, jedoch auch mp3s abspielen. Er liegt gut in der Hand und ist ähnlich aufwendig verarbeitet wie sein Vorgänger. Derzeit auf dem hierzulande noch nicht erhältlich ist die Eroberung des europäischen Marktes aber nur eine Frage der Zeit.
Natürlich ist auf der NAMM-Show überall Musik. An zahlreichen Ständen sind Musiker engagiert, die sowohl die neuesten Musikinstrumente, als
auch Equipment präsentieren. Allerdings ist die Lautstärke angenehm und erträglich, so dass Gespräche immmer möglich sind. Es erinnert nicht wirklich an die Musikmesse in Frankfurt. Insgesamt sind alle viel entspannter und die Atmosphäre ist familiärer.
Am Stand von Native Instruments berichten Jörg Beckmann, Marketing Manager, Instruments Devision und Produktmanager Florian Grote über die neueste Offensive der berliner Software-Firma. Es geht um den Kore Player, der als kompakte, kostenlose Version von Kore 2 entwickelt wurde. Mit sechs integrierten Audio-Engines dient er als Einsteiger-Produkt zur Kore-Plattform. Er hilft beim Finden, Verwalten
und Abspielen der NI-Sounds und ist in jeden Sequenzer einzubinden. Mit den Kore Soundpacks erweiterbar, hat er aber auch schon einige Sounds mit an Bord, die sich zum Kennenlernen der Kore-Bedienoberfläche hervorragend eignen. Der offizielle Release des Kore-Players ist der 1. März 2008. Mehr Informationen gibt es unter www.native-instruments.com/kore2.
Tascam wartet mit zwei neuen Produkten auf: Dem mobilen Rekorder DR-1 und dem digitalen Acht-Spur-Rekorder SP-02. Der DR-1 hat ein integriertes Stereo-Kondensatormikrofon, dessen Kapseln im Winkel verstellbar sind. Aufgezeichnet wird auf eine SD-Card mit einer Speicherkapazität von einem Gigabyte. Faustgroß kann sowohl im Wav- als auch MP3-Format aufgezeichnet werden und das mit einer maximalen Auflösung von 96 Kilohertz bei 24 Bit Wortbreite. Mit von der Partie sind Trittschallfilter, analoger Peak-Limiter und ein chromatisches Stimmgerät für Instrumentalisten. Außerdem bietet das Overdub-Feature die Möglichkeit Sprache, Gesang oder auch Instrumenten-Aufnahmen über einen bestehenden Track zu legen. Der DP-02 bietet für Achtspuraufnahmen zwei XLR-/Line-Eingänge mit Phantomspannung, um auch Aufnahmen mit Kondensatormikrofonen anfertigen zu können. Je ein Zweiband-Equalizer pro Kanal ermöglicht das Filtern (Shelf-Charakteristik) der Höhen und Bässe. Über die USB-2.0-Schnittstelle können einzelne Tracks, Mixe oder Backup-Files problemlos auf den PC oder Mac übertragen werden. Der DP-02 besitzt eine 40 Gigabyte Festplatte einen Multi-Effekt-Prozessor mit Gitarren-, Bass-, Gesangs und Schlagzeug-Programmen. Außerdem einen weiteren Hall-Prozessor, dessen Send-, und Return-Wege regelbar sind. Zum schnellen Brennen vom Rough-Mixen und Backups verfügt der DP-02 außerdem über einen eingebauten CD-Brenner.
Ab März wird das Desktop Konnect 6 Firewire-Audio-Interface von t.c. electronic verfügbar sein. Mit den gleichen Recording-Features wie der Rest der Konnekt-Serie ausgestattet, zeigt sich das neue Interface im handlichen Desktop-Design. Dabei geht es dem Hersteller um intuitives Aufnehmen von Instrumenten, Gesang oder Keyboards. Das Desktop Konnekt 6 soll rund 300 Dollar kosten.
„Mit dem Monitor SR lässt sich der Monitor ST auf einen umfassenden Monitor-Controller erweitern“, erklärt Bob Muller von Dangerous Music. Der ST bietet die Auswahl unterschiedlicher Eingangssignale, das Umschalten zwischen unterschiedlichen Monitoren, ein Talkback-System und einen Kopfhörerverstärker. Damit liefert er alle Fe
atures die früher von der Master-Sektion großer analoger Konsolen übernommen wurden. Die vier Eingänge des SR können sowohl als Stereo- als auch Surround-Signale kontrolliert werden und erweitern den Monitor ST auf einen Surround-Controller. Das interne Routing ermöglicht das Umschalten zwischen Stereo- und Surround-Betrieb, wobei sich die Haputmonitore und der Subwoofer geteilt werden. Das Ganze Setup ist über eine handliche Fernbedienung zu bedienen. Brandneu und erst in den nächsten Monaten lieferbar ist jetzt das Additional Switching System. Im Wesentlichen ist das A.S.S. ein D/A-Converter mit vier AES/EBU, beziehungsweise S/PDIF-Eingängen. Außerdem erweitert
es das System um die Kontrolle von Video-Signalen, die in der Vidswitch-Sektion verwaltet werden können. Mit allen drei 19-Zoll-Geräten bleibt für die Audio- und Video-Post-Produkttion-Suite kaum ein Wunsch offen.
Das ist auch nach der Show der Fall. An allen Ecken gibt es kleine Partys, reichlich zu essen und zu trinken um den Messetag gebührend ausklingen zu lassen. Zahlreiche Bühnen bieten Live-Musik. Im Foyer spielt eine Big-Band Jazz Standards. Angel Eyes ist der Titel der die müden, aber glücklichen Besucher in den Abend entlässt. Doch Schluss ist mit Sicherheit noch nicht- Die Nachtschwärmer treffen sich zum Besispiel in der Lobby des Marriott Hotels, um bei dem ein oder anderen Glas Bier noch ein wenig zu plaudern.
Thomas Wendt, Public Relation Manager und Timothy Self, Senior VP Sales & Marketing von Propellerhead sind guter Dinge. In entpannter Runde geht es weniger um neue Produkte - Reason 4 ist ja gerade erst erschienen - sondern um Sinn oder Unsinn von Messen, wie der NAMM-Show oder der Prolight & Sound in Frankfurt. "Die Präsenz auf einer Messe kostet eine Menge", erklärt Self und fährt dann fort: "Aber man muss es machen und hoffen, dass es sich am Ende lohnt. Es ist nicht nur der Stand, sondern das ganze Drumherum. Die ganze Firma ist Wochen damit beschäftigt und kann sich vor der Messe nur um wenig anderes kümmern." Auch wenn es dem sympathischen Schweden wahrscheinlich die ein oder andere schlaflose Nacht und ein paar graue Haare mehr beschert, die gute Laune lässt er sich dadurch nicht verderben.
Am Stand von IK-Multimedia gibt es mit dem StompIO eine Hardwarelösung der bekannten Verstärkeremulationen. Besonders für den Live-Einsatz konzipiert, zeigt sich die Hardware als Floor-Board, das Gitarristen und Bassisten bestens bekann sein sollte. Alle Sounds sind über den Controller steuerbar, so dass der Computer zum Betreiben zwar notwendig ist, aber irgendwo auf der Bühne stehen kann, ohne dass der Blick auf den Monitor notwendig wäre. Zusammen mit der Hardware bekommt man die Software Amplitube2, Ampeg SVX sowie Amplitube
Jimi Hendrix. Amplitube 2-User bekommen außerdem noch kostenlos die neue Amplitude Metal-Edition dazu. Über angeschlossene Expression-Pedale können alle Parameter ferngesteuert werden. Außerdem soll zur Musikmesse in Frankfurt eine weitere Software veröffentlich werden: Amplitube X-Gear ermöglicht das Handling aller Amplitube Produkte in einem so genannte Shell-Host. Damit reicht demnächt eine Oberfläche um sämtliche Amplitude-Software zu kontrollieren.
Universal Audio präsentiert auf der eine Signature Edition des Ch
annelstrips LA-610. Bestehend aus Pre-Amp und optischen Kompressor ist er auf 500 Einheiten limitiert, dabei natürlich handgefertigt und mit ausgewählten Röhren bestückt. Außerdem finden sich CineMag Ausgangs-Transformatoren in dem edlen Gehäuse, das im schwarzen Look ein Leckerbissen für audiophile Equipment-Enthusiasten ist. Eine Unterschrift von Bill Putnma Jr. gibt es gratis dazu.
Mit dem AT2020 USB bietet Audio Technica
jetzt ein Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik, das sich via USB-Schnittstelle direkt an den Computer anschließen lässt. Aufbauend auf dem AT2020 eignet es sich dank der digitalen Schnittstelle besonders für Aufnahmen im kleinen Homestudio, Podcaster oder mobiles Recording, da kein zusätzliches Interface benötigt wird. Im Lieferumfang enthalten ist ein dreibeiniger Desktop-Ständer.
Der analoge Synthesizer-Hersteller Doepfer bietet zur NAMM-Show einige neue Module an. Mit von der Partie sind der A-137 Wave Multiplier 2, der Filter Pool A-106-6 XP VCF, der Bit C
runcher/Modifier A-189-1 oder das Manual Gate A-164-1. "Mittlerweile gibt es weit über 100 Module, die wir in den letzten zehn Jahren entwickelt haben und wir bekommen aus Kreisen der Benutzer immer wieder neue Anregungen, um ganz neue Module zu entwickeln", erklärt Dieter Döpfer vor seiner eindrucksvollen Modul-Wand. Neben den ganzen digitalen Klangerzeugern gibt es eben auch noch den analogen Weg, der laut Doepfer weder besser noch schlechter ist, sondern eifabch eine ganz andere Klangästhetik verfolgt. Mehr zu den neuen Modulen gibt es unter www. doepfer.com.
Wer die israelische Firma Wave bisher nur wegen ihrer Software Plug-ins kan
nte muss sich auf ganz neue Seiten einstellen. Der iGTR ist ein portabler Gitarren-Sound-Prozessor, der bequem in jede Hosentasche passt. Er vefügt über drei Effekt Module (Ambience, Effekt und Amplifier) über die sich der Klang beeinflussen lässt. Auswählbar sind Hall-, Delay-, und Chorus-Effekte, deren Intensität über einen Regler eingestellt werden kann. Außerdem bietet es zusätzlich einen Phaser-, Tremolo- und Wah-Effekt und die Möglichkeit die Verstärkeremulation im Klang anzupassen (warm, normal, bright). Zum Üben und für Unterwegs ist der iGTR eine kompakte Lösung, für untriebige Gitarristen.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Am Stand des Kabelherstellers Klotz treffen wir T.M. Stevens, der sich gerade ein paar neue Kabel organisiert. Bodo Falkenriet fragt mit einem Lachen: "Wo bleiben die denn immer ab, dass du schon wieder welche brauchst?" Die Antwort von T.M.Stevens kommt prompt: "Bei den Gigs packen die Roadies sie einfach in irgendwlche Kisten und so habe ich nach einer Show meisten deutlich weniger als vorher." Dann lacht er und sagt: "Manchmal gibt es abends aber auch einen Teller Klotz-Spaghetti."
Es ist Wochenende und obwohl die Messe noch nicht vorbei ist, strömen die Messebesucher, Aussteller und natürlich auch die Journalisten in die gerade angebrochene kalifornische Nacht. Unmittelbar nach Beendigung des Messetages finden rund um das Conventions-Center in Anaheim unterschiedliche Konzerte und Workshops statt. Spontan werden Besucher zu einer Drum-Session mit Percussion-Instrumenten animiert und immemr weiter angeheizt, sich dem Rhythmus hinzugeben. Stretch-Limousinen
halten vor den Hilton- und Marriott Hotels und kutschieren die Künstler zu ihren Auftritten. Auf mehreren Bühnen zeigen sie ein abwechslungsreiches Programm unterschiedlichster Musikrichtungen. Hier ist für jeden etwas dabei und langweilig wird es garantiert nicht. Gefällt die eine Band nicht, reicht der kurze Weg über die Straße zu einer der nächsten Bühnen und da ist mit Sicherheit etwas dabei, was den eigenen Geschmack entspricht. So
klingen die Abende mit reichlich Musik und guter Laune aus und beschließen die NAMM-Show 2008 wie sie begonnen hat: Mit guter Laune und einem entspannten Gefühl unter den Musikbegeisterten.