Die Würfel haben gefallen

Einst als Geheimtipp schlechthin zum sogenannten „Real Life-Check“ für Studiomixes gefeiert, doch lange von der Bildfläche verschwunden, kehrten die würfelförmigen Auratone-Passiv-Lautsprecher jüngst zurück in die Audio-Welt. Wir haben nachgehört, wie der 5C Super Sound Cube klingt und welchen Aufgaben er auch heute noch im Studio übernehmen kann.

Von Sylvie Frei

Sie sind wieder da, die einst so beliebten Würfel-Monitore des US-amerikanischen Herstellers Auratone. Der Auratone 5C Super Sound Cube ist ein passiver Ein-Weg-Lautsprecher für das Nahfeld mit einem geschlossenen Gehäuse und kompakten Maßen, dessen nahezu baugleicher Vorfahre in den 1970er- und 1980er-Jahren sowohl als HiFi-Lautsprecher als auch in Tonstudios als Zweit- und Dritt-Referenz eingesetzt wurde. Seit 1990 wurde der einst so beliebte Monitor jedoch nicht mehr gebaut – bis heute. Mittlerweile produziert der Enkel des einstigen Erfinders den Lautsprecher wieder, der nun für einen UVP von 464 Euro (fürs Stereo-Paar) zu haben ist. Gar nicht mal so viel – selbst wenn man die Anschaffung einer passenden Endstufe mit einkalkuliert. Was die 5C können und wie sie sich im Messlabor und in der Praxis bewähren, haben wir für Sie getestet. Für den Vertrieb der Klangwürfel in Deutschland sorgt übrigens der Hargesheimer Pro-Audio-Vertrieb Audiowerk (www.audiowerk.de).

Kurzer Rückblick

Auratone – Moment, da klingelt doch was, besonders bei denjenigen unter uns, die schon in den 1970er- und 1980er-Jahren zu den Tonschaffenden und/oder Musikkonsumenten gehörten. Die 1974 von Auratone-Gründer Jack Wilson zunächst als HiFi-Boxen konzipierten, nahezu würfelförmigen Ein-Weg-Lautsprecher wurden damals rasch zum beliebten Standard für den Film- und Video-Einsatz. Künstler wie Quincy Jones, Frank Zappa oder die Beach Boys nutzen die Lautsprecher unter anderem zum privaten Musikgenuss – die Liste der berühmten Nutzer ist lang.
Doch auch in Tonstudios wurde man auf die Soundwürfel aufmerksam. Bemerkenswerte Eigenschaften der Lautsprecher waren vor allem ihr durch die Ein-Punkt-Schallquelle sehr präzises Stereobild (denn wo nur ein Weg und eine Membran ist, kommt es zu keinem Phasenproblem) und ihres überaus linearen Frequenzgangs im Mittenbereich. In den Höhen und Bässen sollen die Klang-Würfel indessen ihre Schwächen gehabt haben. Aufgrund dieser Klangkonstellation wurden die Auratones jedoch bewusst in Tonstudios als Zweit- oder Dritt-Abhöre eingesetzt, um Mischungen auf ihre Alltagstauglichkeit und Monokompatibilität zu überprüfen. Denn die Wiedergabegeräte der 1970er- und 1980er Jahre waren eben Küchenradios, Autoradios und günstigere HiFi-Lautsprecher, die nur wenig mit den gewöhnlich deutlich klangkompetenteren Erst-Referenzabhören in den Studios gemein hatten. Nicht viel anders sieht es heute mit dem Verhältnis zwischen Studiomonitoren und den winzigen, integrierten Handy- oder Laptop-Lautsprecher aus. Aus diesem Grund ist der Zweit- oder Drittcheck einer Mischung über eine eher „suboptimale“ Alltagsabhöre heute wieder so essenziell wie damals. Denn nur wenn es auch auf einer solchen Wiedergabelösung gut klingt, kann sich der Sound quasi überall hören lassen.
Ein guter Grund die Auratones wieder zum Leben zu erwecken, dachte sich wohl auch Jack Wilsons Enkel Alex Jacobsen. Seitdem werden die unter dem Namen 5C Super Sound Cube gehandelten Lautsprecher wieder in US-Handarbeit in Nashville Tennessee hergestellt und möchten einen erneuten Siegeszug in die Tonstudios antreten als „recording-monitors for the real world“ – so das Label auf der Rückseite der Lautsprecher.

Passiver Ein-Weg-Würfel

Äußerlichkeiten und Ausstattung
Der 5C Super Sound Cube ist mit den kompakten Maßen von rund 17 x 16 x 17 Zentimetern noch immer fast würfelförmig und dem Original sehr ähnlich. Das geschlossene Gehäuse besteht aus 16 Millimeter dicken laminierten MDF-Platten und bringt drei Kilogramm pro Lautsprecher auf die Waage. Die Beschichtung ist auf der Vorder- und Rückseite schwarz, ansonsten ist der Klangwürfel rundherum mit dunklem Holzfurnier beklebt.
Das einzige Chassis mit Konus-Pappmembran ist zentral in der Mitte der Frontfläche montiert und misst 11,4 Zentimeter, was viereinhalb Zoll entspricht. Als Anschlüsse für das Hi-Fi-Verbindungskabel zur Endstufe dienen zwei auf der Rückseite zentral verbaute Schraubklemmen, welche das Kabel sicher vom Herausrutschen abhalten und einen stabilen Kontakt herstellen.
Die 5Cs besitzen eine Eingangsimpedanz von acht Ohm und sollten mit einer Endstufe versorgt werden, die pro Lautsprecher etwa 50 Watt Leistung mitbringt.

Ein-Weg-System – Vor- und Nachteile
Größter Vor- und Nachteil der 5C ist ihr Ein-Weg-Konzept, bei dem die einzige Membran den gesamten Frequenzbereich abdecken muss. Demnach verwundert es an dieser Stelle nicht, dass eine Membran mittlerer Größe gewählt wurde, die in einem Drei-Wege-System als Mitteltöner-Membran dienen könnte. Für diesen Bereich hat sie auch die passende Größe. Weniger ideal ist sie indessen für den Hoch- und Tieftonbereich, denn sie als einzige Membran aber dennoch übernehmen muss.
Der große Vorteil des Ein-Weg-Systems kommt dadurch zustande, dass ein einziges Chassis automatisch dem Ideal der Punktschallquelle entspricht und damit sehr gute Voraussetzungen für ein differenziertes Stereobild schafft. Phasenprobleme durch weitere Chassis treten hier gar nicht erst auf. Bei Mehrwege-Systemen kommen aufwendigere Koaxial-Lösungen diesem Ideal am nächsten.

Geschlossenes Gehäuse
Anders als bei einem Großteil der heute erhältlichen Aktiv-Studio-Monitore in kompakterer Größe, die mittlerweile fast ausschließlich mit Bassreflexgehäusen arbeiten, besitzt der passive 5C ein geschlossenes Gehäuse. Vorteil: Der Gehäuse-Aufbau ist denkbar einfach und der Lautsprecher lässt sich leicht abstimmen. Tiefe Frequenzen werden außerdem mit weniger Verzerrung (aber auch weniger Pegel) wiedergegeben und eventuelle Strömungsgeräusche durch ausströmende Luft aus Bassreflexkanälen bleiben natürlich aus. Nachteilig ist der grundsätzlich geringere Pegel der geschlossenen Box im Vergleich zur offenen Bauweise.

Aufstellung im Stereo-Setup
Auch bei einem Ein-Weg-System ist die Aufstellung im Stereo-Dreieck mit dem Membranmittelpunkt auf Höhe der Ohren des Hörers auf einem vibrationsfreien Untergrund das Mittel der Wahl. Zum Test der Monokompatibilität, für den die Auratones in der Vergangenheit ebenfalls eingesetzt wurden, genügt ein einzelner zentral angeordneter 5C.
Des Weiteren gibt es lediglich die üblichen Details zu beachten: Stellen Sie sicher, dass die Verbindungskabel zur Endstufe ordnungsgemäß, sowohl an den Lautsprechern als auch am Verstärker, angeklemmt sind, drehen sie den Gain auf Null und schließen sie die Audiosignale an, bevor sie die Endstufe einschalten. So vermeiden Sie plötzliche Lautstärke-Peaks und damit Ohr- und/oder Lautsprecherschäden. Wenn sie soweit sind, können Sie das Audiosignal abspielen und die Endstufe auf die gewohnte Abhörlautstärke einstellen.

Sehr lineare Mitten

Beim analogen Messen des Frequenzgangs zeigt der 5C, was sich aufgrund der Klangbeschreibungen des 1970er-Vorfahrens und der Bauform vermuten ließ. Der Mittenbereich, besonders zwischen 650 Hertz und fünf Kilohertz ist in der Tat ausgesprochen linear. Um die eingrenzenden Frequenzen dieses Bereichs (auf einer Höhe von 500 und sechs Kilohertz) finden sich zwei dezente Anhebungen um maximal ein Dezibel, bevor die Kurve unterhalb 500 Kilohertz sanft und ungleichmäßig, oberhalb sechs Kilohertz etwas steiler und gleichmäßiger abfällt. Im Bassbereich ist bei etwa 80 bis 100 Hertz, im Höhenbereich bei etwa 19 Kilohertz Schluss. Ein derartiger Frequenzgang wäre für eine Erstreferenz im Studio selbstverständlich undenkbar, obwohl der besagte Mittenbereich der 5C in der Linearität selbst teuren Spitzenklassemonitoren die Show stiehlt. Der frühe Abfall in den Höhen und Bässen wäre für einen Studio-Monitor eigentlich ein K.O.-Kriterium, würde man ihn nicht genau zu dem Zweck verwenden, für den die Auratones früher eingesetzt wurden: Die Simulation Bass- und Höhen-schwacher Alltags-Abspielgeräte. Dafür bringen auch die heutigen 5C den richtigen Frequenzgang mit.

Höreindruck

Für unseren Hörtest schließen wir die 5C Sound Cubes an eine kompakte PA 250 SD -Endstufe des Herstellers lb an, den uns der Vertrieb zum Test mit zur Verfügung gestellt hat. Er versorgt unsere zwei 5C-Boxen mit den notwendigen jeweils 50 Watt Leistung. 

Beim Hören über die Auratone-Monitore mischen sich extrem gute mit eher unangenehmen Klang-Eindrücken. Zunächst wäre da ein überaus differenziertes Stereobild mit einer äußerst präzisen Tiefenstaffelung zu erwähnen, bei dem so mancher Studiomonitor auch aus den höheren Preisklassen vor Neid erblassen könnte. Die Signale lassen sich im Raum hervorragend orten, was den 5C geradezu perfekt für das Platzieren von Signalen im Stereopanorama macht. Auch das Impulsverhalten ist ausgesprochen gut – einzelne Signale werden klar umrissen dargestellt, im Mittenbereich klingen die Aufnahmen und Musikstücke, die wir abspielen, als ob sie direkt live vor unseren Augen performt werden würden – der Lautsprecher selbst tritt klanglich gar nicht in Erscheinung. Anders sieht es bei einem bestimmten Frequenzbereich im höchsten Mittenbereich aus, der zu einer unangenehmen Resonanz führt und bei sehr höhenreichen Aufnahmen (Sopranstimmen, hohe Flöten) zu hörbaren Verzerrungen führt. Dies kommt uns allerdings auch von den eingebauten Lautsprechern im Laptop oder Handy bekannt vor – könnte also beim Mischen tatsächlich von Vorteil sein, um den Höhenanteil etwas zu zügeln und unter Kontrolle zu halten. Bässe finden im eigentlichen Sinne bei der Wiedergabe über die 5Cs nur sehr eingeschränkt statt. Von sehr tiefen Basstönen lässt sich nur durch deren Obertöne feststellen, dass überhaupt ein Ton angeschlagen wurde, moderate Bässe und die tiefen Mitten klingen zwar präzise aber je tiefer die Lage, desto leiser und zurückhaltend.
Solange sich die Produktion allerdings überwiegend im moderaten Mittenbereich bewegt, klingen die 5C extrem gut. In diesem Bereich können sich die Dynamik und die Räumlichkeit der abgespielten Musikstücke voll entfalten.

Einsatzempfehlung

Eines ist nach dem Hör- und Messtest klar: Der 5C ist alles andere als ein Allround-Lautsprecher, sondern ein Spezialist. Das Ein-Weg-System kennt klare Grenzen, was die Wiedergabe der Bässe und Höhen angeht und ist damit tatsächlich als klassische Zweit- oder Drittabhöre geeignet, wenn es darum geht, den Mix oder das Mastering auf seine Alltagstauglichkeit zu überprüfen. Darüber hinaus bringt der Lautsprecher allerdings ein hervorragendes Stereobild mit einer überragenden Tiefenstaffelung mit – von diesen Eigenschaften kann der Mix natürlich ebenso profitieren. Soll der 5C als HiFi-Lautsprecher eingesetzt werden, sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass lediglich Mitten-lastige Produktionen (Pop, Rock, Jazz, mitunter Klassik) gut herüberkommen – alles mit viel Bass (beispielsweise HipHop, Metal, Ambient) und viel Höhen (klassische Musik mit Sopraninstrumenten, Ambient) zieht indes den Kürzeren. Allerdings haben Sie mit den 5C ein regelrechtes 3D-Hörerlebnis mit Life-Faktor.

Fazit

Der Auratone 5C Super Sound Cube könnte tatsächlich wieder zur ersten Wahl werden, wenn es um eine Alltags-Referenz im Studio geht. Ein sehr gutes Impulsverhalten und eine überragende Räumlichkeit machen die Lautsprecher außerdem auch zum Panning-Geheimtipp. Von einer Fullrange-Studio-Lösung könnten die Klangwürfel jedoch kaum weiter entfernt sein – dies wollen sie aber auch nicht sein.

Erschienen in Ausgabe 02/16

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 499
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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