Das neue Raumwunder

Schenkt man den Insidern Glauben, die den Bricasti M7 Hallprozessor, ob gehört oder nicht, in den Himmel loben, dann dürfte es sich um eine neue Referenz in Sachen Raumsimulation handeln. Irgendwas muss ja daran stimmen, oder?

Von Georg Berger

Beim Lesen des italienisch klingenden Firmennamens Bricasti drängen sich automatisch eindeutige Impressionen auf, die an gutes Essen, angenehme Temperaturen und südländisches Flair erinnern. Doch Bricasti ist weder eine italienische Provinz, oder eine neue Weinsorte, noch wird der Hallprozessor M7 dort produziert. Bricasti ist vielmehr ein noch junges amerikanisches Unternehmen mit Sitz in Medford, Massachusetts. Die Firmenbezeichnung ist eine Zusammensetzung aus den Anfangssilben der Vornamen beider Firmengründer Brian Zolner und Casey Dowdell. Die Silbe „TI“ steht dabei für Technical Innovation. Das erforderliche Know-how für ihr Erstlingswerk erhielten sie über viele Jahre hinweg bei einer namhaften Firma, die einen weltweit exzellenten Ruf für ihre Hallprozessoren genießt. Für die Entwicklung des M7, der Hall auf Basis von Algorithmen simuliert, benötigten Zolner und Dowdell drei Jahre. Die Premiere feierte der M7 schließlich Anfang dieses Jahres auf der NAMM-Show in Anaheim/Kalifornien. Bei dieser Premiere des knapp 3.800 Euro teuren Hallprozessors waren nicht nur wir vor Ort in Anaheim vom Klang des Hallprozessors begeistert. Wenige Monate später, auf der Musikmesse in Frankfurt, konnten wir die ersten Eindrücke von damals noch einmal überprüfen (siehe Heft 5/2007) und die Vorfreude auf einen richtigen Test wuchs. Jetzt endlich ist der M7 lieferbar und stand uns für einen intensiven Hör- und Praxistest zur Verfügung.   Ein edles Äußeres  Der M7 ist ein 19-Zoll-Stereo-Hallprozessor mit einer Höheneinheit. Hält man das Gerät erstmals in Händen, überzeugt es spontan durch eine grundsolide Verarbeitung. Das Gehäuse glänzt in poliertem Edelstahl und die edle Frontplatte erinnert verblüffend an das Haus-Design des Hifi-Nobelherstellers Mark Levinson: Die aus gefrästem Aluminium bestehende einteilige Frontplatte ist schwarz eloxiert und weist eine charakteristische Stufigkeit auf, ähnlich einem Erker an einem Haus, die die Bedienelemente in der Höhe hierarchisch aufteilt. In dieser abgestuften Einteilung sticht als oberstes Element das zweizeilige 14-Zeichen-LED-Display mit beigeordneten Cursortasten hervor. Seine gut lesbaren und in rot leuchtenden Ziffern – Kontrast selbstverständlich einstellbar – setzen überdies einen farblichen Akzent. Eine Stufe darunter finden sich die zentralen Bedienelemente ur Programmierung des M7 in Form eines weich laufenden Endlos-Drehreglers zur Parametereingabe, sowie sechs weiteren satt klickenden Tastern zur Auswahl und zum Speichern sowie zur Editierung von Presets und globalen Einstellungen.

Auf der untersten Stufe befinden sich schließlich vier horizontal positionierte Tasten, die bei Betätigung zuvor gespeicherte Hall-Presets blitzschnell aufrufen. Zwei Drehschalter zur Inbetriebnahme des M7 sowie zur Anpassung des Eingangspegels in elf Stufen – pro Stufe erhöht sich der Pegel um zwei Dezibel – finden sich ebenfalls dort und beschließen den Reigen der Bedienelemente. Der Tap-Taster besitzt allerdings noch keine Funktion, die bekommt er durch ein künftiges Update. Die silbernen Taster und Drehknöpfe bestehen ebenfalls aus Aluminium und unterstreichen noch einmal den vornehmen Gesamteindruck. Ihre angerauten Oberflächen sorgen für sichere Bedienung.   Keine Kompromisse bei der Verarbeitung  Die Anschlüsse auf der Rückseite des M7 sind fest mit der Gehäuserückseite verschraubt. Die analogen Ein- und Ausgänge sind als XLR-Buchsen ausgelegt und auf digitaler Seite finden sich zwei AES3-Anschlüsse, ebenfalls in XLR-Form. Die MIDI-Ein- und Ausgangsbuchsen führen momentan noch keine Signale. Auf Nachfrage teilt uns Brian Zolner mit, dass demnächst darüber MIDI-Program changes und -Sysex Dumps ausführbar sein sollen. Bricasti möchte damit Anwendern im Live- oder Theaterbereich entgegenkommen, die etwa über ein Mischpult Presets blitzschnell wechseln müssen. Ein Update der Firmware über diese Schnittstelle oder die Fernsteuerung des M7 über MIDI-Controller ist indes nicht vorgesehen beziehungsweise geplant. Updates erfolgen durch Austausch des Flash Memory Chips auf der Haupt-Platine und sollten vom Fachhändler durchgeführt werden. Eine Fernsteuerung ist der demnächst optional erhältlichen Fernbedienung M10 vorbehalten, die sich via serieller RS 422-Schnittstelle, realisiert über eine der zwei Sub-D-neun-Pol-Buchsen, ans Gerät anschließen lässt. Die zweite Sub-D-Buchse auf der Rückseite dient zur Vernetzung mit weiteren M7. Insgesamt vier Geräte sollen sich darüber in Reihe schalten und anschließend gemeinsam mit einer M10 simultan steuern lassen. Bricasti denkt da an Surroundsound-Anwendungen. Mehr noch, soll sich dieses Gesamtsystem mit der M10 als Steuerzentrale wie ein einziges Gerät verhalten und die Berechnung eines einzelnen Hall-Algorithmus anteilig auf die vier M7 verteilen. Zurzeit sollen laut Auskunft der Entwickler bereits zwei kombinierte M7 als Surroundhall in einem Filmmusikstudio in Los Angeles ihren Dienst verrichten.   Auffällig auf der Rückseite sind schließlich zwei Bereiche mit Lüftungslöchern. Links verrichtet ein kleiner, sehr geräuscharm drehender Lüfter seinen Dienst, der die Luft über die mittleren Löcher des Geräts ansaugt und wieder nach draußen transportiert. Diese Kühl-Maßnahme ist notwendig, denn der M7 wird im Test schon recht warm. Das knappe, aber informative Handbuch empfiehlt bei einer Montage im Rack sogar entweder den Einbau eines speziellen Racklüfters und in jedem Falle die Reservierung einer zusätzlichen freien Höheneinheit, die sich zu gleichen Teilen über und unter dem M7 verteilen sollte.  Zielgruppe: Das Profi-Lager  Der Grund für die Hitzeentwicklung wird beim Blick ins Innere deutlich. Dort finden sich zunächst ein lineares, speziell entwickeltes Trafo-Netzteil für die analoge Sektion und ein Hochleistungs-Schaltnetzteil zur Stromversorgung der digitalen Sektion des M7. Diese Dual-Netzteiltechnologie soll für optimalen Klang sorgen. Beide Abteilungen, Analog- und Digitalsektion, sind konsequent getrennt voneinander aufgebaut. Dies dokumentiert sich auch im Layout der Bauteile. Drei getrennte Platinen sind auf dem Gehäuseboden verschraubt, die sich isoliert voneinander um die AD-/DA-Wandlung, die digitale Signalverarbeitung und die Stromversorgung kümmern. Dieses Konzept ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Die Gefahr, durch Brummeinstreuungen Abstriche beim Klang hinnehmen zu müssen ist dadurch minimiert. Es würde sich sogar die Option anbieten, eine rein digitale Ausgabe des M7 ohne AD-/DA-Wandlung herauszubringen.   Die Hauptrolle im M7 spielen jedoch die sechs DSP-Chips des amerikanischen Herstellers Analog Devices, die zur Berechnung des Hall-Algorithmus dienen. Es handelt sich dabei um das Standard-Modell ADSP-BF561 Blackfin, das mit einem Dualcore Prozessor ausgestattet ist und mit 600 Megahertz Taktfrequenz arbeitet. Insgesamt verfügt der M7 also über die Prozessorkapazität eines gut ausgebauten Pentium IV Singlecore-Rechners. Bricasti hat diesen Chip, der eigentlich für Video-Kameras und -Recorder, oder für Consumer Multimedia-Geräte gedacht ist, für eigene Zwecke neu programmiert. Mit dieser mehr als opulenten Ausstattung bietet der M7 für seinen Algorithmus eine Rechenkapazität, die keinem momentan erhältlichen Software-Plug-in zur Verfügung steht.  Doch der Reigen bemerkenswerter Leistungsfeatures setzt sich weiter fort. Im analogen Betrieb erfolgt die interne digitale Signalverarbeitung mit 96 Kilohertz Samplingfrequenz, ein Wert, den mancher Mitbewerber selbst bei seinen Topprodukten für die rein digitale Signalverarbeitung scheut. Aber da setzt Bricasti noch einen drauf: Der M7 ist in der Lage, bei ausschließlicher Nutzung der AES-Schnittstelle gar mit 192 Kilohertz Samplingfrequenz zu arbeiten und schlägt damit sogar das Referenzgerät von Lexicon, den 960L. Da muten die im M7 verbauten Schaltrelais, die sich beim Betätigen des Eingangspegelstellers und bei Änderung des Effektanteils und der Ausgangslautstärke mit sanftem Klicken zu Wort melden, schon wie selbstverständlich an. Der Hersteller geht auch in Details keine Kompromisse ein.   Geballte 6 x 600 Megahertz Rechenpower an Bord  Die Hardware macht jedoch nur 50 Prozent, wenn nicht gar weniger des Gesamtpakets M7 aus. Schließlich wurde sie gebaut, um die eigens entwickelten Hall-Algorithmen realisieren zu können. Anders als bei vielen Mitbewerbern, die in ihren Produkten unterschiedliche mathematische Rechenvorschriften für die einzelnen Hallarten integrieren – ein Kompromiss aus klanglicher Flexibilität und verfügbarer Rechenleistung, der sich quasi in einem Aufwasch um Predelay, early Reflections und Nachhall en bloc kümmert –, findet sich im M7 lediglich ein einziger Algorithmus. Aber der hat es in sich. Die geballte Rechenkraft der Prozessoren lässt erahnen, dass hier etwas Besonderes am Werk ist. Der Bricasti-Algorithmus war von Anfang an darauf ausgelegt, ohne Abstriche die größtmögliche Palette an Raumsimulationsvarianten zu produzieren. An Bord befinden sich 108 Werks-Presets, die in die sechs Kategorien Hall, Room, Plate, Ambience, Spaces und Chambers unterteilt sind, und alle bedienen sich dieses einen Algorithmus.

 Bricasti ist bei der Entwicklung seiner Raumsimulation einen völlig eigenen und innovativen Weg gegangen, der die bisherigen Konzepte algorithmisch erzeugten Nachhalls über den Haufen wirft. Der Algorithmus ist nämlich noch einmal in drei Unter-Algorithmen mit ganz speziellen Aufgaben unterteilt, die simultan zur Erzeugung des Gesamtklangs beitragen. Man könnte also sagen, dass der M7 eigentlich doch mit drei Hall-Algorithmen ausgestattet beziehungsweise sogar ein Dreifach-Hallprozessor ist, was uns Brian Zolner einschränkend bestätigt. Denn jeder Teil-Prozess erzeugt zwar autark seine ganz eigene Form von Raumsimulation. Jedoch bedingen diese Teil-Simulationen einander und reagieren gemeinsam auf Parameter, wie etwa die einstellbare Raumgröße. So kümmert sich der erste Teil-Prozess um die Anfangsphase des Gesamt-Nachhalls, die bei den Mitbewerbern unter dem Begriff early Reflections subsumiert wird und beim M7 eher mit dem Begriff „Anhall“ oder „Frühhall“ beschreibbar ist. Der Frühhall, so Zolner, erzeugt keine Erstreflexionen auf Basis multipler Verzögerungseinheiten. Er simuliert den Gesamtklang in der Entstehungsphase eines Raumklangs zwischen Null bis 100 Millisekunden. Der Frühhall-Algorithmus erzeugt dabei einen sehr komplexen und dichten Klang, der mit aufwändigen Zufalls-Operationen hergestellt wird. Deshalb gibt es keine unerwünschten schallharten Reflexionen oder künstlich klingende Artefakte. „Zur Erzeugung des Frühhalls setzen wir mehr Prozessorleistung ein als ein kompletter M6000 von TC Electronic“, berichtet der Entwickler. Zur Wirkung dieses aufwändig produzierten Frühhalls erklärt er schließlich: „Man kann sich diesen Klang am besten als die Rauminformation vorstellen, die ein Mikrofon bei Direktabnahme eines Instruments immer noch einfängt. Die 20 verschiedenen Frühhall-Presets im M7 besitzen jedes für sich eine eigens hergestellte Rechenvorschrift. Mit Auswahl von höheren Preset-Nummern wird das virtuelle Aufnahme-Mikrofon dabei immer weiter von der Schallquelle weg bewegt.“    Ein Hall-Algorithmus mit drei Teil-Prozessen  Der zweite Teil-Prozess im M7 lässt sich am besten mit dem Begriff „Tiefhall“ umschreiben. Er simuliert ebenfalls einen Frühhall, allerdings unterhalb von 80 Hertz. Dieser Prozess arbeitet in Abhängigkeit zur einstellbaren Raumgröße und dem nachfolgenden eigentlichen Nachhall. Der Tiefhall soll dem Raumklang mehr Energie und Fundament im Bassbereich hinzufügen, allerdings ohne den anschließenden Nachhall zu verwaschen. Der Effekt ist ähnlich dem, wenn Raum-Mikrofone in die Ecken eines kleinen Aufnahmeraums gestellt werden, wo die tiefen Frequenzen vermehrt auftreten. Der dritte Teil-Prozess kümmert sich schließlich um die Erzeugung des Nachhalls mit seinen verklingenden Hallfahnen. Mit dem M7 haben sich die Entwickler bemüht, einen komplett neuen Raumsimulations-Prozess herzustellen. „Der M7 ist deshalb kein Lexicon Nachbau“, betont Zolner, „Die Herausforderung bestand darin, die Probleme bisheriger algorithmischer Techniken zu beseitigen, die den Klang färben, verzerren oder sogar in der Tonhöhe beeinflussen und das in einen Echtzeit-Prozess zu implementieren.“   Wer nun glaubt, der M7 sei wegen dieses neuartigen Konzepts schwer zu bedienen der irrt. Überschaubare 15 einstellbare Parameter hat der Hersteller in den M7 integriert, die sich zum Teil an gewohnten Parametern orientieren und sich genauso bedienen lassen (siehe Abbildungen auf den Seiten 22 und 24). So findet man sattsam bekannte Einstellmöglichkeiten wie Gesamthalldauer, Predelay, Raumgröße und Tiefpassfilter – Rolloff genannt –, die auf das Gesamtsignal einwirken. Zusammen mit dem Diffusion- und Density-Parameter, wirken diese Einstellmöglichkeiten auf alle drei Teil-Prozesse ein. Der Tiefhall ist nicht editierbar und lässt sich lediglich über den VLF Cut-Parameter in der Lautstärke anteilig auf den Gesamtklang hinzumischen. Der Frühhall ist über die Parameter early Select zur Auswahl eines Presets und einem eigenen early Rolloff-Tiefpassfilter editierbar. Die Einstellmöglichkeiten für den Nachhall orientieren sich an Mitbewerbern wie etwa dem Lexicon PCM 91 oder dem TC Electronic M3000 (siehe Hallschwerpunkt in Heft 9/2006). So ist es hier wie dort möglich, für drei Frequenzbereiche unterschiedlich lange Nachhallzeiten bequem und präzise einzustellen. So lässt sich über zwei Crossover-Parameter für den hohen und tiefen Frequenzbereich ein Schwellenwert wählen, ab dem die Hallfahne ausgehend von der eingestellten Gesamthalldauer unterschiedlich lang ausklingen soll. Der Schwellenwert für den tiefen Frequenzbereich ist einstellbar zwischen 80 Hertz bis 4,8 Kilohertz, der hohe erlaubt Einstellungen zwischen 200 Hertz bis 16 Kilohertz. Für jeden so definierten Frequenzbereich ist es anschließend möglich, über den Multiply-Parameter, angelehnt an den eingestellten Wert der Gesamthalldauer, eine eigene Nachhalldauer einzustellen. So kann für den tiefen Frequenzbereich ein Wert zwischen 0,2 und vier und für den hohen ein Bereich zwischen 0,2 bis eins angewählt werden. Wenn also eine Halldauer von 1,5 Sekunden eingestellt ist und für den tiefen Nachhall ein Faktor von zwei, dann klingt der tiefe Frequenzbereich insgesamt drei Sekunden lang nach. Je nach Einstellung erhält der Anwender also eine in drei Frequenzbereiche unterteilte und unterschiedlich lang klingende Hallfahne – das so erzeugte Mittenband besitzt dieselbe Nachhalldauer wie im Time Parameter eingestellt. Das Konzept erinnert da an das Prinzip des S3 Multiband-Kompressors von Drawmer (Test in Heft 8/2007), der über zwei Filter das zu bearbeitende Signal in drei Bänder teilt. 

Digitale Signalverarbeitung mit 192 Kilohertz  Dank der überschaubaren Anzahl an editierbaren Parametern erfolgt die Bedienung des M7 mit den Tastern und dem Endlos-Drehrad übersichtlich und kinderleicht. Wir verlieren uns nicht in einem Wust an unüberschaubaren Unter-Menüs und können den M7 im Test bereits nach wenigen Minuten mit traumwandlerischer Sicherheit editieren. Die erwähnten Mitbewerber PCM 91 und M3000 sind da ungleich komplexer. Zentrale Bedienelemente sind der Endlos-Drehregler zur Werteänderung und die zwei Cursor-Tasten zum Aufruf einzelner Parameter-Seiten. Der Programm-Taster ruft die Speicherbank des M7 auf. Mit dem Cursor wählen wir zunächst die Hallart, etwa Room oder Ambience, aus. Anschließend entscheiden wir mit dem Drehregler über das gewünschte Preset, drücken anschließend auf Enter und schon ist es geladen. Bei Betätigung des Edit-Tasters erreichen wir die Hall-Parameter und können das momentan geladene Preset editieren. Änderungen an den Parametern erfolgen dabei komfortabel in Echtzeit und benötigen keine umständliche Bestätigung mit der Enter-Taste. Dies ist erst wieder bei Editierung der globalen Einstellmöglichkeiten nötig, die über den System-Taster erreichbar sind. Dort lässt sich der Eingangskanal – links, rechts, oder stereo – , die Signalart – analog oder digital – , die Ausgangslautstärke in drei Stufen (acht, 16 oder 24 Dezibel) sowie der Lautstärkeanteil von Direkt- und Effektsignal zwischen -60 bis Null Dezibel oder auf deaktiviert einstellen. Jede Bestätigung mit der Enter-Taste wird durch das satte Klicken eines Relais im Inneren begleitet. Drei Parameter zum Aktivieren und Deaktivieren des Schreibschutzes für die User-Speicherbank sowie zum Löschen derselben beschließen den Reigen der Einstellmöglichkeiten. Das Speichern von Eigenkreationen erfolgt ebenfalls problemlos durch Nutzung der Register- und Store-Tasten in Verbindung mit dem Drehregler und den Cursortasten. Das Speichern eines Presets auf eine der vier Favoriten-Tasten geht noch leichter. Dazu braucht nur der gewünschte Taster für mehr als eine Sekunde gedrückt zu werden.   Das im Großen und Ganzen hervorragend gelöste Bedienkonzept lässt nur wenige Wünsche offen. So vermissen wir lediglich einen Bypass-Button und hätten uns einen Drehregler zum Ausbalancieren zwischen Direkt- und Effektsignal gewünscht oder zumindest einen kombinierten Parameter im System-Menü, ähnlich dem Early-/Reverb-Mix. Denn der Aufruf der separaten Direkt- und Effektanteils-Seite gerät doch recht umständlich. Auffällig ist auch, dass sich der M7 entweder nur analog oder nur digital betreiben lässt. Eine kombinierte Signalführung, etwa analog rein und digital raus, würde den M7 in puncto Flexibilität noch besser aussehen lassen. Da ist sicherlich noch einiges an Spielraum vorhanden.   Mustergültige Messergebnisse  Im Messlabor von Professional audio Magazin hat sich auch der M7 den üblichen Messungen zu unterziehen. Das Ergebnis ist nur mit einem Wort zu beschreiben: Exzellent. Die Fremd- und Geräuschspannungsabstände der analogen Sektion betragen hervorragende 95,5 und 98,8 Dezibel. Der maximale Eingangspegel ist mit 4,901 dBu auf beiden Kanälen bis auf die dritte Stelle hinter dem Komma identisch. Die Messungen von Gleichtaktunterdrückung und Übersprechdämpfung klopfen schon an die Messgrenzen des Audio Precision 2722 Messcomputers an. Die Kurve für die Gleichtaktunterdrückung verläuft von 20 Kilohertz bis 20 Hertz abwärts von sehr guten -65 Dezibel bis auf einen fantastischen Wert von -135 Dezibel. Im relevanten Bereich liegt die Kurve zwischen -70 und -90 Dezibel. Einen ähnlichen Verlauf zeigt auch die Übersprechdämpfung. Die Kurve setzt ab 20 Kilohertz abwärts bei einem exzellenten Wert von -85 Dezibel an um bis hinab auf 20 Hertz schließlich unterhalb von -160 Dezibel zu enden. Die Messung des Gesamtklirrfaktors über Frequenz ergibt einen Wert von 0,001 Prozent. Dieselbe Messung über Pegel zeigt denselben durchschnittlichen Wert zwischen Null bis +15 Dezibel. Darüber steigt er rasant an. Zwischen +5 und +10 Dezibel sinkt der Klirrfaktor sogar bis auf exzellente 0,0007 Prozent. Die digitale Verarbeitung analoger Signale im M7 erfolgt blitzschnell. Die Messung der Latenzzeit ergibt 1,452 Millisekunden. Im digitalen Betrieb messen wir einen Jitter von sehr guten 1,5 Nanosekunden.   Der anschließende intensive Hörtest gerät zu einem reinen Ohrenschmaus. Der Bricasti M7 empfiehlt sich mit einem exzellenten Grundsound, der Maßstäbe setzt. Signale werden auf eine subtile Art mit seinem feinen Raumklang wie von einem zarten Schleier luftig umhüllt. Der Klangcharakter der Presets ist als natürlich und authentisch zu bezeichnen. Mehr noch entsteht beim Hören der Eindruck, dass der M7 die Originalsignale unangetastet lässt und seine Rauminformationen nur dort einfügt, wo sie sinnvoll sind. Selbst bei starken und schon unnatürlichen Effektanteilen lassen die Presets anliegende Signale immer noch transparent und ungefärbt hindurch. Dies wird besonders deutlich, als wir für den Test bereits fertig abgemischte Musik mit schon vorhandenem Raumanteil durch den M7 noch einmal verhallen. Eigentlich ein Unding, das bei vielen Hallgeräten auch prompt zu einem verwaschenen und undeutlichen Soundbrei führt. Hier zeigt der M7 seine wahre Klasse: Er schafft es, die Aufnahme in seiner Räumlichkeit, Transparenz und Luftigkeit zu erhalten und gleichzeitig auf subtile Art in einen anderen aber, deutlich vernehmbaren akustischen Raum zu versetzen. Dieses Merkmal spricht für die hohe Qualität der M7-Raumsimulation. Produzenten klassischer Musik werden den feinen Klang des M7 bestimmt mögen und auch nicht mehr missen wollen. Im Rundfunk bei Hörspielen, aber auch in allen Bereichen des Filmes dürfte er demnächst ebenfalls als Stammgast anzutreffen sein. Er arbeitet sogar so subtil, dass er sich auch fürs Mastering eignet, sofern der Wunsch besteht, Aufnahmen abschließend in einen anderen Raum zu versetzen.  Ein exzellenter Highend-Klang  Der M7 hat es dabei nicht nötig, sich in den Vordergrund zu drängen. Dort, wo bei anderen Halleffekten die Rauminformation dominiert und im besonderen die Hallfahnen schon eher plakativ zu bezeichnen sind, hält sich der M7 vornehm zurück und geht äußerst subtil zu Werke. Zwar lassen sich auch mit dem Bricasti-Prozessor Effekt-Räume erstellen. Doch seine Domäne liegt nicht in der Produktion von deutlich vernehmbaren Hallfahnen, sondern im Erzeugen von natürlicher Räumlichkeit. Wir können das Beispiel von Brian Zolner zur Wirkungsweise des M7 hundertprozentig bestätigen: „Wenn Sie einen natürlichen Hall hören, dann entspannen Sie sich, da der Raum den Klang umhüllt. Das ist so ähnlich wie beim Besuch einer Konzerthalle für klassische Musik. Wenn ich etwa in der Boston Symphony Hall sitze, dann höre ich nicht den Hall, sondern den Raum.“    Sämtliche Presets empfehlen sich durch hohe Musikalität. Beim Test mit Naturaufnahmen erhalten wir beim Ausprobieren der Spaces-Presets unterschiedliche räumliche Eindrücke, die entsprechende Vorstellungen in den Köpfen der Hörer erzeugen. So klingen Schritte auf Kies bei Einsatz des Tanglewood-Presets, als ob ein tiefes Tal mit hohen Bergwänden durchschritten wird, an denen sie sich im Panorama noch einmal brechen und zurückgeworfen werden. Beim Car Park Preset ist deutlich ein tunnelartiger Raum mit niedriger Decke zu hören. Beim Cavern-Preset erhalten wir den Eindruck, am Anfang einer Höhle zu stehen. Die Schritte dringen dabei tatsächlich vom Inneren der Höhle ans Ohr.   Mit den Einstellmöglichkeiten am M7 ist es ein leichtes, die Presets zum Teil drastischen Änderungen zu unterziehen, die aber immer noch authentisch klingen und ein präzises Modellieren des Raumes gestatten. Dabei reicht es mitunter schon, sich auf die Parameter für den Direkt- oder Effektanteil, den early-/Reverb-Mix oder die Rolloff-Parameter zu beschränken. Gerade die eingebauten Filter sollten immer im Einsatz sein, liefern sie doch das berühmte Salz in der Suppe. Bei Deaktivierung ist ansonsten ein sehr künstlicher Raumklang zu vernehmen, der spitz und scharf ist. Der VLF Cut entpuppt sich im Test als Geheimwaffe. So sorgt das Hinzumischen des Tiefhalls für die nötige Portion an Räumlichkeit, ohne jedoch die Bassfrequenzen zu überhöhen oder überdeutlich in den Vordergrund zu drängen. Der Effekt ist am Besten mit der Integration eines guten Subwoofers in einer Abhöranlage zu vergleichen. Plötzlich vergrößert sich der imaginäre Abhörraum – denn gerade im subsonischen Bereich tut sich hinsichtlich Räumlichkeit eine Menge.   

Fazit

Bricasti legt mit seinem Erstlingswerk M7 eine innovative undwohldurchdachte Lösung zur Raumsimulation vor. Dabei haben es die Amerikaner geschafft, nicht nur einen bloßen Nachhall-Prozessor zu produzieren. Die Domäne liegt bei der Erzeugung von natürlicher Räumlichkeit, bei der die Hallfahnen durch Unauffälligkeit glänzen. Damit setzen sie eine neue Meßlatte für algorithmisch simulierten Raumklang. Das macht allerdings die Mitbewerber nicht überflüssig. Denn jedes Hallgerät besitzt, ähnlich einem Musikinstrument seine ganz eigenen Qualitäten. Der M7 wird da in Zukunft seine eigene Nische besetzen und den Mitbewerbern ordentlich Konkurrenz machen.   

 

Erschienen in Ausgabe 10/2007

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 3749 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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