Innere Werte

Wandler von PrismSound sind teuer, haben einen legendären Ruf und man findet sie in Top-Studios auf der ganzen Welt. Lesen Sie, warum das so ist. 

Von Hans-Günther Beer 

Vor etwa 20 Jahren von den beiden ehemaligen Neve-Ingenieuren Graham Boswell und Ian Dennis gegründet, avancierte das junge, im südenglischen Cambridge beheimatete Unternehmen PrismSound Ltd. innerhalb kurzer Zeit zum anerkannten Spezialisten für digitale Audio-Lösungen. Erstes Highlight des inzwischen stark gewachsenen Ingenieur-Teams war die Entwicklung eines Übertragungssystems für die BBC anlässlich der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona. Heute ist PrismSound sowohl ein äußerst renommierter Studio-Ausstatter wie auch Hersteller hochwertiger Audio-Messysteme, die auch von deutschen Unternehmen wie Blaupunkt und Loewe eingesetzt werden.  Der zum Test anstehende Wandler Dream ADA-8XR ist ein Mehr-Kanal-Wandler, der direkt von den Flaggschiffen im PrismSound-Programm, den Modellen AD2 und DA2 abgeleitet wurde. Während die Wandler der beiden Zweikanal-Modelle völlig diskret aufgebaut sind, sahen die Entwickler für den Dream ADA-8XR die Bausteine AK4395 von AKM und CS5381 von Cirrus Logic vor, also die besten Modelle der beiden Spezialhersteller. Die Upgrade-Politik des Herstellers erlaubt allerdings, sofern verfügbar, ein Aufrüsten auf aktuellere Wandlerbausteine. Auf diese Weise lässt der ADA-8XR immer Anschluss am neusten Stand der Technik und schützt so die hohe Investition über die normale Abschreibungsfrist hinaus. Das Grundkonzept des Dream-Wandlers lässt sich am Besten mit extremer Variabilität umschreiben, das eine Vielzahl von Ausstattungsvarianten bietet.  Die getestete Standard-Ausführung ist mit achtkanaligen AD- und DA-Wandler-Boards ausgestattet. Als Analogeingänge stehen auf der Rückseite des mit über acht Kilogramm vergleichsweise schweren Gehäuses zwei Buchsenreihen mit XLR-Anschlüssen zur Verfügung, die digitalen Aus- und Eingänge werden über eine SUB-D-Buchse herausgeführt. Alternativ kann der Dream ADA-8XR auch als reiner AD- oder DA-Wandler mit je 16 Kanälen geordert werden. Aber damit nicht genug: In die Options-Schächte auf der Rückseite passen auch ein Firewire-Interface, ProTools-Mix- beziehungsweise -HD-Module oder ein DSD-Modul für SACD-Recordings im Sony-DSD-Format. Intern arbeitet der Dream ADA-8XR grundsätzlich mit einem Arbeitstakt von 352,8 Kilohertz, das entspricht dem achtfachen von 44,1 Kilohertz und ist eine Art Zwischenfrequenz, die jede Datenkonvertierung zwischen den vom ADA-8XR beherrschten PCM-Samplingraten (32 bis 192 kHz) und dem DSD-Format (2.8224 MHz) erleichtert. Der ADA-8XR verarbeitet Daten mit den Wordlängen 16, 20 und 24 Bit und damit alle heute üblichen PCM-Formate.

Der Wandler offeriert eine ganze Reihe von Spezialfunktionen, die ihn als universelles Arbeitstier im Studio auszeichnen. Die Funktion Overkiller beispielsweise ist in allen Kanälen des AD-Wandlers integriert und arbeitet als progressiver Peak-Limiter, um digitales Übersteuern zuverlässig zu verhindern. Alle analogen Ein- und Ausgänge können, bezogen auf 0 dBFS in einem Bereich von +5 bis +24 dBu, in 0,5 Dezibel-Schritten variiert werden. Die Kanalbalance ist in einem Bereich von ± 0,5 Dezibel in 0,05 Dezibel-Schritten ebenfalls editierbar – in der Praxis ein hilfreiches Feature. Als zentrales Bedienelement dafür fungiert auf der rechten Seite der sehr aufwändig gefrästen Frontplatte das Menü-Panel mit einem kleinen, in intensivem Blau hinterleuchtete LCD-Display und den dazu gehörenden Cursertasten. Dort lassen sich auch alle anderen Parameter in den umfangreichen Menüs editieren: Unter anderem verschiedene Noise-Shaping-Verfahren für das Herunterrechnen von 24-Bit- in 16-Bit-Signale. Neben dem Standard-Algorithmus für das Dithern bietet der Dream ADA-8XR das hauseigene Super Noise Shaping (SNS) mit vier verschiedenen Algorithmen. Mit dem Kürzel MRX bezeichnet PrismSound ein eignes, im Wirkungsgrad veränderbares Word-Mapping-Verfahren, das es bis zu einer Samplingfrequenz von 96 Kilohertz erlaubt, 24-Bit-Signale auf Recordern, die im 20- oder 16-Bit-Modus arbeiten, aufzeichnen. Ein weiteres Feature ist ein DRE (Dynamic Range Enhancement) genanntes Verfahren, mit dem 20-Bit-Signale direkt auf 16-Bit-Medien, beziehungsweise 24-Bit-Signale auf 20-Bit-Medien abgespeichert werden können, ohne dass dafür Spuren geopfert werden müssen. Dabei werden die niedrigeren Signal-Pegel bis etwa -20 dBFS unverändert und die höheren Pegel mit einem speziellen, datenreduzierten Format aufgezeichnet.   Um das Arsenal an Konvertierungsmöglichkeiten komplett zu machen: Ist die als Erweiterung verfügbare DSP-Option eingebaut, lässt sich der DREAM ADA-8XR auch als vollwertiger Format-Konverter einsetzen und erlaubt das synchrone Konvertieren von Sample-Raten. Damit der Toningenieur die fast unüberschaubare Zahl an Features und Funktionen beherrschen kann, haben sich die Entwickler ein besonderes Bedienkonzept ausgedacht. Neben dem schon erwähnten blauen LCD-Display bietet der Dream ADA-8XR sogenannte Access-Buttons, die ebenfalls blau eingefärbt sind. Ein großer Teil der Frontplatte ist mit einer Grafik bedruckt, welche die möglichen Signalflüsse darstellt. Dort sitzen, den jeweiligen Funktionen zugeordnet, die verschiedenen Acces-Buttons. Nach Tastendruck wird im Display sofort, ohne umständliches Suchen, das entsprechende Menü aufgerufen, und kann nun editiert werden.   Um das Signal-Management zu vereinfachen, stellt der Dream ADA-8XR zwei Signalpfade zur Verfügung, von denen der eine üblicherweise den Signalweg der AD-Wandlung und der andere den der DA-Wandlung repräsentiert. Allerdings kann jeder Pfad mit Hilfe der Access-Buttons oder direkt in den Menüs individuell konfiguriert werden. Bis zu sechs vom Benutzer definierte Einstellungen lassen sich abspeichern – von Haus aus bringt der Dream ADA-8XR die häufigsten Grundkonfigurationen schon als Presets mit. Für einen Wandler dieser Klasse selbstverständlich, bietet der Dream ADA-8XR eine aufwändige Aufbereitung der Wordclock-Signale und lässt sich auf verschiedenste Quellen synchronisieren. Eine Besonderheit des Wandlers: Er lässt unterschiedliche Samplefrequenzen für den internen Signalpfad und für das eingespeiste Digitalsignal zu. Liegt beispielsweise an einem der Eingänge ein 44.1-Signal an und intern wird mit 48 Kilohertz getaktet, so folgt die interne Samplerate multipliziert mit dem Verhältnis 48000/44100.  Toningenieure werden in der Praxis ein weiteres Austattungsdetail des Dream ADA-8XR zu schätzen wissen: seine ausgetüftelten Monitor-Funktionen. Es stehen ein Paar unsymmetrische Analog-Ausgänge (Cinch-Buchsen), ein unsymmetrischer Digital- (BNC) und auf der Front ein Kopfhörerausgang zur Verfügung. Im per Access-Button aufzurufenden Monitor-Menü sind die unterschiedlichsten Konfigurationen (Mix-Mode, Pairs-Mode etc.) sowie unterschiedliche Pegeljustagen abrufbar.

  

 Zur Überwachung aller analogen oder digitalen Pegel dient das Meter-Panel mit acht LED-Ketten inklusive Peak-Hold-Funktion sowie Overload-, Signal- und Warnanzeigen. Dort finden sich auch die Spurwahlschalter und die Tasten für Peak-Hold, die Umschaltung zwischen den beiden Pfaden und der obligatorische Access-Button. Das alles verpackten die Konstrukteure in ein sehr aufwändig gefertigtes Gehäuse mit gebürsteten Aludeckeln und der schon erwähnten schicken und dicken Fronplatte, die liebevoll aus dem Vollen gefräst ist. Auch dadurch wird der ADA-8XR zu einem Schmuckstück in jedem Studio. Erfreulich ist außerdem, dass der Wandler, obwohl mit Elektronik voll gestopft, ohne Lüfter auskommt, also völlig geräuschlos seinen Dienst versieht.   Den versieht er während des Tests zuerst einmal am Messcomputer Audio Precision 2722. Die Messwerte, wer hätte es auch anders erwartet, stellen dem britischen Wandler durch die Bank ein sehr gutes Zeugnis aus. Fremd- und Geräuschspannungsabstände liegen an der Grenze des theoretisch Machbaren. Die Linearität der Ein- und Ausgangswandler sind sehr gut, erst unterhalb von -120 Dezibel zeigen die Kurven ein unlineares Verhalten der Wandler. Die Diagramme für über die Frequenz aufgenommene Klirr- und Störgeräusche zeigen durchweg sehr gute Resultate, die harmonischen Verzerrungen liegen unterhalb von 0,003 beziehungsweise 0,002 Prozent. Jitter ist auch für den ADA-8XR kein Thema, er beträgt knapp eine Nanosekunde – ein exzellenter Wert. Die Frequenzgänge verlaufen, wie es sich gehört, schnurgerade und zeigen keinerlei Tendenzen zur Schönfärberei. Ob sich diese Neutralität auch im Klang wiederfindet, soll der ausführliche Hörtest zeigen. Dort tritt der ADA-8XR gegen den allen Testern wohlbekannten Aurora 8 von Lynx und den erst kürzlich getesteten RME ADI-8QS an, beide wie der PrismSound achtkanalige AD-/DA-Wandler. Als Mikrofonvorverstärker dienen einmal der Tube-Tech MEC 1A, Test Seite 74, und der Lake People F355, der ein Muster an Neutralität darstellt. Die Vorverstärker werden mit Signalen von den Kleinmembran-Mikrofonen Schoeps MK 4/CMC 6UG sowie den Großmembranen Microtech Gefell M 930 gefüttert. Um eine reproduzierbare analoge Referenz und damit eine hundertprozentige Vergleichbarkeit sicher zu stellen, speisen wir allen Wandlern analoge Signale von Masterbändern, abgespielt auf der Telefunken Bandmaschine M15A ein. Wie bei Vergleichen zwischen sehr guten Wandlern zu erwarten, muss man sich die Unterschiede regelrecht erarbeiten.

 

 Grundvorrausetzung ist absolute Pegelgleichheit. Im Test zeigen sich zwischen dem Lynx- und dem RME-Wandler auf der einen Seite und dem PrismSound auf der anderen zwei in Details unterschiedliche Klangbilder. RME und Lynx klingen ungemein klar, sauber und sehr differenziert in den Höhen. Gleichzeitig gefallen sie durch eine strukturierte Feindynamik. Der Lynx ist darüber hinaus in den unteren Mitten ein wenig vordergründiger, der RME ganz oben einen Hauch offener. Der PrismSound ähnelt grundsätzlich sehr dem RME, setzt aber überall sozusagen noch einen drauf. Ihn als warm klingend, wie das in englischsprachigen Magazinen gerne beschrieben wird, wäre der falsche Ansatz. Vielmehr klingt er auf eine bestimmte Weise selbstverständlicher und noch homogener. Das Klangbild erhält einen stabileren Zusammenhalt, wirkt also noch mehr aus einem Guss. Dies fällt ganz besonders bei analog aufgezeichneten, komplexen Orchesterwerken auf. Der Raum zwischen den Instrumenten wirkt so, als sei er mit Klang gefüllt, gleichzeitig klingen Soloinstrumente kompakter und plastischer. Wohl gemerkt, dieser Klang-Unterschied muss hart erarbeitet und penibel herausgehört werden, ist auch reproduzierbar, fällt aber fast nur im direkten Vergleich auf. Hat man sich eine Minute lang wieder auf einen anderen Wandler eingehört, fällt es schon schwer, sich daran zu erinnern. Bei längeren Hörsitzungen wiederum, manifestieren sich die jeweiligen Eigenschaften sehr klar. Dies zeigt einerseits die hohe Klasse der drei Wandler, anderseits aber auch die besonderen klanglichen Vorzüge des PrismSound Dream ADA-8XR. Er hat das gewisse Etwas. 

Fazit

Mit dem ADA-8XR haben die Entwickler in jeder Beziehung einen Traum-Wandler kreiert. Seine klanglichen Eigenschaften sind überragend und seine Flexibilität in der Konfiguration beispielhaft. Im harten Studioalltag kann er darüber hinaus eine enorme Anpassungsfähigkeit an wechselnde Anforderungen in die Waagschale werfen. Außerdem verdaut er jedes Datenformat und kann auch fast jedes erzeugen. So muss ein Referenzwandler gestrickt sein. Sein stolzer Preis relativiert sich sehr schnell, denn er ist definitiv eine Langfrist-Investition.

Erschienen in Ausgabe 10/2007

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 9150 €
Bewertung: überragend
Preis/Leistung: gut

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