Traumfänger

Um den Traumsound des heiß geliebten Röhrenamps einzufangen, gab es bisher keine bessere Methode als die Box mit einem guten Mikrofon abzunehmen. Der Transducer soll vergleichbar gute Ergebnisse bringen – zu jeder Zeit, an jedem Ort und auch noch Gehör schonend. 

Von Harald Wittig


Der Transducer ist ein vollständig analog aufgebauter Lautsprecher- und Mikrofonierungs-Simulator für Gitarrenverstärker. Sowohl auf der Bühne als auch im Studio ersetzt er die Gitarrenbox und das Abnahmemikrofon. Der Gitarrist kann also über seinen gewohnten Röhren-Amp spielen und die Endstufenverzerrung Ton gestaltend nutzen, ohne dass dies mit gesundheitsschädlichem Höllenlärm einher ginge. Gerade der klagbewusste Homerecordler muss bei Aufnahmen nicht länger zu einem Line 6 Pod, einem Behringer V-Amp, zu digitalen Modelling-Amps wie einem Vox AD 15 oder zur Software greifen. Dass jedenfalls letzteres ganz und gar keine schlechte Lösung ist, bewiesen die Tests des Guitar Rig von Native Instruments und Amplitube von IK Multimedia in Ausgabe 7/2006. Nur: Die Gitarre über den eigenen Amp, mit dem der Musiker längst eine Art Symbiose eingegangen ist, fühlt sich einfach anders an und klingt im Ergebnis besser. Es spielt sich eben doch inspirierter mit dem eigenen Besteck. Außerdem soll der teure Boutique-Verstärker mit handverdrahtetem Innenleben und gematchten Röhren nicht in der Vitrine enden, sondern für den optimalen Gitarrenton sorgen.
Bei der Präsentation und Vorführung des Transducers am SPL-Stand auf der diesjährigen Musikmesse machten die Ohren der kompletten Redaktion von Professional audio Magazin Augen: Mit dem Transducer schien die Gleichung „Gitarre + Kabel + Amp = Traumsound“ ohne klangliche Abstriche aufzugehen (siehe hierzu den Vorbericht in Ausgabe 5/2007). Dabei ist der silbergraue Kasten mit knapp 1.100 Euro auch noch erschwinglich – immerhin liegt eine gute 4×12 Zoll-Box preislich fast gleichauf. Selten hat die Redaktion ein Testgerät sehnlicher erwartet als den Transducer: Beeindruckende Demonstration hin oder her – was wirklich in einem Gerät steckt, lässt sich am Besten durch einen intensiven Praxistest ermitteln. Tatsächlich hatten wir Glück und bekamen ein Testgerät zur Verfügung gestellt. Denn ein wenig Glück gehört hier in der Tat dazu, denn der Transducer habe sich nach Auskunft von SPL binnen kürzester Zeit bereits zum Verkaufsschlager entwickelt.

Erfahrene Gitarristen werden vermutlich gähnen und sagen: „Alter Hut, Lautsprechersimulation kenn´ ich. Klingt trotzdem nicht so genial wie meine alte Box. Da nehme ich doch lieber mein altes Power Soak und fahre die Leistung runter. Das klingt noch am Annehmbarsten.“ Tatsächlich reduziert auch der Transducer die Leistung der Verstärkerendstufe. Wie beim mittlerweile historischen Power Soak von Tom Scholz, dem ebenfalls nicht mehr hergestellten Marshall Power Brake oder immer noch aktuellen Geräten wie dem Silencer von The Tube Amp Doctor, erfolgt die Drosselung der Verstärkerleistung über Widerstände. Allerdings haben die Entwickler des Transducers die Leistungswiderstände nach eigener Aussage danach ausgesucht, die tonale rückwärtige Beeinflussung der Arbeitsweise der Verstärkerendstufe minimal zu halten, um möglichst viel vom Klangcharakter des Verstärkers zu erhalten. Der Kenner weiß, dass die ersten Power Attentuator/Leistungsabschwächer, namentlich das Power Soak, der Altair, aber auch noch das Power Brake die Klangqualität negativ beeinflussten: So klingen Amps mit dazwischen geschalteten Leistungsabschwächern der ersten und zweiten Generation eigentümlich flach, weniger dynamisch und vor allem im Höhenbereich verhangen-bedämpft. Das hat einen ganz simplen Grund: Ein Lautsprecher verhält sich eben nicht wie ein herkömmlicher Widerstand, sondern interagiert mit der Endstufe und bildet ein recht komplexes System, bei dem viele Faktoren klangentscheidend mitspielen. Fairerweise muss gesagt werden, dass die jüngere Generation dieser Leistungsdrossler insoweit deutlich aufgeholt hat. Inzwischen gibt es einige Geräte wie den genannten Silencer, die wirklich gut klingen. Von einem flachen, verhangenen Klang kann hier guten Gewissens nicht mehr gesprochen werden, wenngleich nach wie vor umstritten ist, ob diese Geräte auch wirklich natürlich klingen.

Nun ist der Transducer aber weitaus mehr als ein Power Attentuator, der erst mal nur leiser machen soll. Er ersetzt schließlich den Lautsprecher des Verstärkers komplett und simuliert ihn. Gleichzeitig ahmt das Gerät sogar eine Mikrofon-Abnahme des Lautsprechers nach, um somit klanglich die klassische und immer noch bevorzugte Aufnahmetechnik für E-Gitarren nachzuempfinden. Da bei der elektrischen Gitarre der Lautsprecher neben dem Instrument und dem Verstärker mit einem ungefähren Anteil von wenigstens 20 Prozent effektiv am Klanggeschehen beteiligt ist, ist allein die Lautsprecher-Simulation keine leichte Aufgabe für einen Entwickler.
Die beiden Entwickler des Transducer, Ralf Reichen und Jens Gronwald, legten die eigene Messlatte sehr hoch: Der Transducer soll nicht eine annähernde, sondern dank eines neuartigen Konzepts der Signalverarbeitung eine vollständige Simulation anbieten. Der Musiker soll ein authentisches Spielgefühl haben, der Transducer verhalte sich also wie eine echte Gitarrenbox. Auch wenn es kaum zu glauben ist, so soll die Schaltung des Transducers auch die unterschiedlichen Laufzeiten von tiefen und hohen Frequenzen eines Gitarrenlautsprechers übertragen, dabei die volle Dynamik des Verstärkers wiedergeben und auch noch die Attack-abhängige Kompression werde realistisch verarbeitet. Als ob das nicht schon genug wäre, bilde das Gerät nicht nur einen bestimmten klassischen Boxentyp, sondern das Ansprechverhalten einer Vielzahl von Boxen mit entsprechender Lautsprecherbestückung authentisch ab.
Ralf Reichen, der Chef des Kölner Unternehmens Tonehunter, habe an dieser Simulation nach Aussage von Hermann Gier von SPL mindestens zwei Jahre gearbeitet. Der enorme Erfahrungsschatz, den der Kölner Tonfetischist beim Tunen, also der klanglichen Optimierung von Gitarrenverstärkern und der Entwicklung von Custom-Amps und Effektgeräten erworben hat, habe bei der langwierigen Entwicklung eine wichtige Rolle gespielt. Zudem wurden die ersten Prototypen von Profigitarristen und Toningenieuren für Studio-Produktionen eingesetzt, somit unter professionellen Bedingungen getestet. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt, denn gerade Musiker haben höchste Ansprüche an die Klangqualität. Wer das nicht glauben will, sollte exemplarisch mal den Fuhrpark von soundverliebten Meistergitarristen wie Eric Johnson, Stevie Ray Vaughan, Martin Landau oder Steve Lukather, die in einschlägigen Magazinen in der Regel aufgelistet sind, durch gehen. Klangfetischismus ist nicht allein eine Sache von versponnenen Esoterikern, sondern auch unter Praktikern weit verbreitet.

Bei der Metamorphose des Reichenschen Prototyps zum Seriengerät verdiente sich Jens Gronwald den Lorbeer, denn ihm sei es gelungen, die Point-to-Point-Verdrahtung des Prototypen in ein Platinenlayout zu übertragen. Hermann Gier bezeichnet diese Leistung Gronwalds als „wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Serienfertigung“. Klangentscheidend beim Transducer seien die einzelnen Komponenten, wobei nicht weniger wichtig deren Zusammenspiel, die Gesamtabstimmung und eben auch das Layout seien.
Hauptverantwortlich für das authentische Wiedergabeverhalten des Transducers sei das Erzeugen der „richtigen“ harmonischen Obertöne. So ließen SPL einen speziellen Übertrager des deutschen Trafoherstellers Lehle entwickeln, der in Verbindung mit tonal selektierten Kondensatoren und Operationsverstärkern (OPs) eine insoweit perfekt kalibrierte Signalkette entstehen lasse. Allen, die jetzt fragen, was denn bitteschön „tonal selektiert“ bedeuten soll, antwortet Hermann Gier: „Die Selektion der OPs ist in der Tat auch aufwändig. Jeder OP muss im Transducer gehört werden. Dabei fallen circa 30 Prozent als unbrauchbar durch.“ Dies gelte im Übrigen sogar für die Potentiometer, so dass es schon überrascht, dass der Transducer nicht teuerer ist.

Mit dem Transducer sollte jeder E-Gitarrist klar kommen, denn grundsätzlich erschließt sich die Bedienung von selbst. Allerdings gilt es einige wichtige Regeln bei der Verkabelung zu beachten, bevor der Saitenquäler in die Tiefen des Transducer-Sounds eintauchen kann. Obwohl das Gerät bis 200 Watt maximal belastbar ist, sollten bestenfalls allerhöchstens 100 Watt-Verstärker mit dem Silbergrauen verbunden werden. Denn bereits ein 100 Watt-Röhrenbolide – es muss nicht immer Marshall sein – erreicht durchaus Spitzenwerte von weit über 100 Watt. Vor allem wenn noch die bei Gitarristen ungebrochen populären Bodentreter vorgeschaltet sind. Es ist ausschließlich der 8 Ohm-Ausgang der Endstufe zu nutzen, im Gegensatz zu den meisten Leistungsabschwächern hat der Transducer keine variable Impedanzanpassung. Das hat einmal mehr klangliche Gründe, denn noch Aussage der Entwickler habe sich die 8-Ohm-Wicklung als am Besten klingend erwiesen. Schließlich weisen SPL und Tonhunter darauf hin, dass als heißer Draht nur ein ausgewiesenes Lautsprecherkabel mit einem Querschnitt von mindestens 1,5 m² Verwendung finden sollte. Aus klanglichen Gründen (Signalverlust) ist eine Kabellänge von höchstens drei Metern das Höchstmaß aller Dinge. Wir gehen im Test insoweit auf Nummer Sicher, als dass wir ein Vovox-Lautsprecherkabel mit 1,5 Metern Länge verwenden.

Soweit die Verkabelung hergestellt ist und die Röhren des Amps vorgeglüht sind, kann der Gitarrist sich mit den eigentlichen Bedienelementen vertraut machen. Der erste große Drehregler, „Speaker Action“ genannt, hat es bereits in sich. Im Vorbericht in Ausgabe 5/2007 war zu lesen, dass sich hiermit der Membranhub des simulierten Lautsprechers einstellen lasse. Ein Körnchen Wahrheit steckt zwar in dieser gut gedachten Aussage, im Ergebnis ist sie aber doch falsch. Hinter dem Regler steckt weitaus mehr. Jeder Lautsprecher verkraftet nur eine bestimmte Pegelstärke, überschreitet der Lautsprecher seine Leistungsgrenze, beginnt er zu übersteuern, also zu verzerren. Während dieser, salopp nach dem gängigen Membranmaterial als „Pappenzerre“ bezeichnete Effekt bei Abhörmonitoren gänzlich unerwünscht ist, trägt er bei Gitarrenverstärkern zum gewünschten Klangbild bei. Die zusätzlich entstehenden Obertöne bilden zusammen mit den Oberwellen der übersteuerten Endstufe den Gesamtsound, der seit der so genannten British Invasion unter Führung der Herren Clapton, Page und Beck Ende der sechziger Jahre zum buchstäblich guten Ton in der Rockmusik gehört.
Die Wirkungsweise dieses Pegelstellers ist so effektiv wie einfach erklärt. Im Bereich von 0 bis 35 Prozent bleibt das Signal sauber, gleichzeitig ist der Pegel entsprechend niedrig. Wer einen Ultraclean-Sound anstrebt, wird also Speaker-Action kaum über etwa 30 Prozent aufdrehen. Mit dem zweiten großen Drehregler, diesmal „Miking Level“ genannt, kann der geringe Pegel wieder ausgeglichen werden. Dieser Regler simuliert nämlich pfiffigerweise das Verhalten des Abnahmemikrofons vor der Box. So wie Sie ihren Mikrofonvorverstärker in Abhängigkeit zur Schallquelle, die auf das angeschlossene Mikrofon trifft, einpegeln, arbeiten Sie mit dem Miking-Level-Regler. Gleichzeitig simuliert der Regler den Schalldruck, der auf das Mikrofon auftrifft. Ein Mikrofon verhält sich nämlich bei einer lauten Schallquelle anders als bei einer leisen. So soll die Erhöhung des Miking Levels eine stärkere Kompression und damit ein dichteres Klangbild mit ausgeprägtem Mittenbauch bewirken. Geringere Werte im Bereich von etwa 40 bis 55 Prozent sollen dagegen eine feinere und ausgeprägtere Höhendarstellung mit deutlich schlankeren Mitten begünstigen. Also gerade richtig für die Anhänger des amerikanischen Cleansounds der Marke Fender.
Letztere werden sich auch darüber freuen, dass der Transducer die Charakteristik zweier Boxentypen, der offenen und der geschlossenen, über einen entsprechend beschrifteten Kippschalter erlaubt. Wer auf den Spuren von Hendrix mitten im Klanggewitter steht, wählt selbstverständlich „closed“, also die geschlossene Bauweise, Telepicker und Strat-Enthusiasten entscheiden sich umgekehrt für „open“. Da kommt der zweite Kippschalter, der mit „Speaker Voicing“ beschriftet ist, gerade recht, denn hierüber kann das charakteristische Ansprechverhalten eines Alnico- (Stellung „sparky/funkelnd“) oder Keramik/Ferrit-Lautsprechers (Stellung „mellow/weich) mit einem Fingerschnippen eingestellt werden. Da schnalzt der Kenner spontan mit der Zunge, weiß er doch, was schon Repliken berühmter Alnico-Lautsprecher von Jensen oder Celestions berühmter Blue kosten. Der Transducer soll den Alnico-Sound also bereits eingebaut haben und die Fans weicher klingender Keramik-Lautsprecher werden auch bedacht – nicht schlecht.
Die Beschreibung der Ausstattung wäre unvollständig, ohne eine kurze Erläuterung zu den beiden letzten Schaltern „Microphone Selction“ und „Microphon Distance“. Es gibt die Wahlmöglichkeit zwischen einem feiner auflösenden Kondensatormikrofon und einem etwas groberen, dafür druckvolleren dynamischen Schallwandler à la Shure SM 57. Der Pegel wird logischerweise über Miking Level eingestellt und am rückwärtigen Ausgang Mic Level Output abgegriffen. Von dort geht es in einem Mikrofonvorverstärker oder in den Eingang des Mischpults, was weitere Möglichkeiten der Klanggestaltung bietet. Wer das Signal direkt über die Wandler seines Audio-Interfaces in den Rechner oder auf ein Aufnahmegerät schicken möchte, wählt alternativ einen der Ausgänge Line Output 1 oder 2. Zwar begibt sich der Anwender dann den Möglichkeiten der aufwändigen Mikrofonierungs-Simulation, dafür wird kein Mikrofonvorverstärker mehr benötigt. Der Transducer hat einen solchen integriert und der sei auch noch in „traditioneller SPL-Qualität“ ausgeführt.

Wer erstmals seinen Comboverstärker oder sein Topteil mit dem Transducer verbindet, ist gut beraten, die Seiten 20 und 21 der guten Bedienungsanleitung aufzuschlagen: Hier finden Gitarrist und Toningenieur brauchbare Ratschläge zum Pegeln des Transducers und gute Einstellvorschläge für diverse Sounds von Vintage Clean bis Heavy. Wir empfehlen gleichwohl jedem nachhaltig, sich Zeit zu nehmen und den Transducer über die Ohren einzustellen. Die Investition zahlt sich jedenfalls aus, denn der Transducer unterstützt den Musiker kompetent bei der Verwirklichung des goldenen Tons.

Im Praxistest ist ein Fender Concert Amp, ein zweikanaliger Vollröhrenverstärker, mit dem Transducer verbunden. In dieser Kombination werden die E-Gitarrenspuren für zwei unterschiedliche Stücke in verschiedenen Transducer-Einstellungen eingespielt. Für eine rasch hingeworfene Bossa Nova ergänzen einige Overdubs mit der Fender Stratocaster die zuvor unter Sonar 6 aufgenommenen Konzertgitarrentakes (Harmoniegitarre und Melodie). Dabei bleibt zunächst der Mic Level-Ausgang ungenutzt, stattdessen geht ´s direkt über Line Output 1 in den Lynx Aurora 8 Wandler, die im Studiorechner verbaute Lynx AES 16-Karte bringt die Klänge auf die Festplatte. Nach gründlichem Soundcheck entscheidet sich der Gitarrist und Komponist in Personalunion beim Gitarrenverstärker für den Normalkanal und dreht den Volumeregler bereits auf 5 auf. Das ergibt bereits mit den Single Coils der Strat einen angegrunchten Sound, sofern die Gitarre voll aufgedreht ist. Da es klanglich in Richtung Blackface-Clean/Twin Reverb gehen soll, steht der Speaker Action-Regler des Transducers auf einem Wert von 30 Prozent, als Boxentyp kommt natürlich nur „open“ in Betracht, Speaker Voicing wiederum steht auf „sparky“.
Gerade beim Einspielen von Overdubs sind Latenzen Todfeinde des Musikers, deswegen verdient das Aufnahmesetup eine nähere Betrachtung. Der Transducer ist wie gesagt vollständig analog aufgebaut, es gibt also keine Latenzen. Wer jetzt aber lediglich über sein Audio-Interface den simpeln Weg DAW und wieder zurück bestreitet, führt diesen unbestreitbaren Vorteil ad absurdum. Beim Test sieht die Signal- und Gerätekette dementsprechend wie folgt aus:
Über Line Output 1 des Transducers geht es in den Wandler, über Line Output 2 ist das Gerät ganz standesgemäß mit dem SPL Monitor- und Talkback-Controller verbunden. Am „Cue Mix“ – Ausgang des Controllers hängt der Lake People Phone-amp F399: Damit ist es ein Leichtes, einen praxisgerechten Kopfhörermix zu erstellen. Hierüber hört der Musiker jetzt das Gitarrensignal und das Playback. Nicht vergessen: Die Overdub-Spur unbedingt im Sequenzer-Programm stumm schalten, sonst kommt das Gitarrensignal zweimal in den Controller.

Schon bei den ersten Takes wird klar, wie wertvoll der Transducer für klangbewusste E-Gitarristen ist. Vergessen Sie mal getrost Mastervolume-Regler und Recording Line-Out Ihres Amps. Der Transducer erlaubt dem Gitarristen, den Röhrenamp aufzureißen und die Endstufe zu kitzeln, ohne dass Gehör und Behausung Schaden nehmen würden. So reagieren Fender Amp und Transducer hochmusikalisch auf die Spielweise des Gitarristen. Je nach Anschlagsdynamik mischen sich zum klaren Grundklang harmonische Obertöne, die angenehm ins Ohr gehen und das Spiel unterstützen. Bei zurückgedrehtem Volume-Poti der Gitarre erklingt der typische Fendersound, jener klare, glitzernde, dabei stets warme Ton, der seit fünfzig Jahren ungebrochen beliebt ist. Ist die Gitarre voll aufgedreht, geht der Ton Richtung Clapton, als dieser während seiner „Just One Night“-Phase Richtung Tulsa unterwegs war. Es ist überhaupt kein Problem den Klang des eingebauten Emminence-Speakers des Verstärkers mit dem Transducer nachzubauen. Hierfür genügt eine Feinabstimmung des Speaker Action-Reglers (siehe Messdiagramm auf Seite XX). Genauso ist es möglich, das Klangverhalten eines alten Jensen-Speakers nachzuschrauben – verfrühte Pappenzerre inklusive. Wer beispielsweise seinen Amp mit den begehrten JBL D-120 ausgestattet hat und bisher der Meinung war, dass dieser Klang unmöglich zu simulieren ist, sollte mal den Transducer antesten. Die Redaktion übernimmt keine Garantie, aber vertraut fest darauf, dass der Transducer einen eineiigen Zwillingssound auf die Festplatte zaubern wird.

Der Transducer läuft zur absoluten Topform auf, wenn er seine Stärken als Mikrofonierungs-Simulator ausspielen kann. Hierfür wird eine kleine Ballade aus eigener Feder mit Begleit- und Melodiegitarre eingespielt. Das Setup bliebt grundsätzlich gleich, allerdings geht es jetzt über Mic Level Output in den Referenzvorverstärker, den Lake People Mic-Amp F355, von da über den ersten Ausgang in den Lynx Aurora 8, über den zweiten in den SPL-Controller. Für die Harmoniestimme ist der Halstonabnehmer der Strat erste Wahl, der erste Kanal des Verstärkers ist ganz auf Fender-Clean eingestellt, der Transducer simuliert einmal mehr eine offene Box mit Alnico-Lautsprecher. Speaker Action steht auf sehr moderaten 20 Prozent, zum Ausgleich steht Miking Level auf etwa 57 Prozent. Als virtuelles Abnahmemikrofon fällt die Wahl auf „Condensor“. Da der Klang weicher und weniger obertonreich sein soll, steht der Microphon Distance-Schalter auf „ambient“. Tatsächlich klingt die naturbelassene Aufnahme detailreich, warm und nach Aufnahmeraum – kaum zu glauben, dass hier weder ein Mikrofon noch ein Raum für die zusätzlichen Klangfarben sorgen. Eigentlich geht der Take bereits so voll in Ordnung, zur Tiefenstaffelung und Verbreiterung des Klangbilds kommt dennoch noch ein wenig Hall vom Altiverb 6 auf die Spur. Die Melodielinie soll hingegen etwas direkter nach vorne kommen und spritziger klingen. Der crispe Ton der Strat in der zweiten Zwischenstellung der Tonabnehmer (Mittel- und Stegtonabnehmer zusammen) kommt tatsächlich am Besten rüber, wenn Microphon Distance auf „close“ steht. Die Töne perlen in bester Knopfler-Marnier, ohne dass sündhaft teueres Vintage-Equipment im Einsatz wäre. Im direkten Vergleich wird der an und für sich sehr gute Recording Preamp Sessionmaster JD 10 von Award Session, der sich schon bei vielen Aufnahmen bewährt hat, eindeutig auf den zweiten Platz verwiesen: Mit dem Transducer klingt es einfach noch besser und authentischer.
Zum guten Schluss darf es „off the record“ auch mal heftig krachen – Amp und Gitarre sind voll aufgerissen, der Transducer simuliert eine heftig übersteuerte 4x12er Box mit Celestion G 12 H-Speakern. Sicher, ein Fender Amp ist kein Marshall-Top, so dass es nicht Hendrix-mäßig klingen kann. Gleichwohl kommt der Sound über Kopfhörer äußerst druckvoll und sehr dynamisch rüber. Die Güte des Transducers wird letztlich auch darin ohrenfällig, dass auch bei #9-Akkorden die Einzeltöne des Voicings sauber und trennscharf aufgelöst werden. Wer weiß, vielleicht hätten sich Jimi Hendrix und sein Toningenieur Eddie Kramer glücklich geschätzt, hätte es schon damals einen Transducer gegeben, der den Hendrix-ton eingefangen und auf die Platte – pardon aufs Band gebracht hätte. Denn an diesem Gerät ist beim besten Willen nichts, aber auch gar nichts auszusetzen.

Fazit

Mit dem Transducer ist den Tüftlern von Tonehunter und SPL ein ganz großer Wurf gelangen, denn er wird den hohen Erwartungen, den die Redaktion nach dem Ersteindruck von der Musikmesse bekommen hat, vollauf gerecht. Das Gerät ist intuitiv zu bedienen, die Einbindung in die Studioumgebung ist kinderleicht und die Klangqualität spricht für sich und dürfte die Messlatte für vergleichbare Geräte ein gutes Stück noch oben versetzt haben. Mit dem Transducer können Gitarristen im Studio und auf der Bühne mit etwas Geschick ihren goldenen Ton realisieren, das wertvolle Gehör schonen und beim Spielen vollständig ihrer Inspiration freien Lauf lassen.

Erschienen in Ausgabe 07/2007

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 1099 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut – überragend

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