Formel Eins

Mac User, die ein standesgemäßes Audio-Interface für zwischendurch und unterwegs suchen, werden jetzt bei Apogee fündig: Mit One definiert der amerikanische Edelhersteller die Formel Eins-Klasse neu.    

Von Harald Wittig 

Die Apogee Electronics Cooperation mit Sitz im kalifornischen Santa Monica im Los Angeles County existiert seit nunmehr 25 Jahren und gilt für viele Audio-Profis in aller Welt als Synonym für A-D-/D-A-Wandler der absoluten Spitzenklasse. Seit einigen Jahren entwickeln die Amerikaner auch Geräte für den semiprofessionellen Anwender und den Amateur, beispielsweise die achtkanalige Vorverstärker-Wandler-Kombination Ensemble mit zwei Firewire-Schnittstellen (Test in Ausgabe 2/2007) und vor allem das zweikanalige Firewire-Audio-Interface Duet. Gerade das Duet hat schnell Fans gefunden, zumal es nur mit rund 470 Euro zu Buche schlägt – ein zumindest für Apogee-Verhältnisse echter Schnäppchen-Preis. Mit dem brandneuen One, unserem Testkandidaten, gehen die Amerikaner noch mal eine Preisetage tiefer und präsentieren ein einkanaliges USB-Audio-Interface, das für rund 245 Euro um die Gunst der Mac-User wirbt. Genau: Wie alle Apogee-Geräte, die speziell für den Betrieb mit einem Rechner konzipiert sind, bleiben PC-Nutzer gänzlich außen vor. Aber wer weiß? Vielleicht wird mancher aufgrund dieses Tests vom Glauben abfallen und zu Apple konvertieren.   

Auf den ersten Blick erscheint das One ein halbes Duet zu sein: Es beschränkt sich bei halber Größe mit einer maximalen Abtastrate von 48 Kilohertz bei einer Bit-Tiefe 24 Bit exakt auf die halbe Samplingfrequenz gegenüber dem Duet, die Kanalzahl ist auf – Nomen est Omen – auf einen einzigen reduziert. Das Gehäuse ist diesmal nicht aus Aluminium, sondern aus schwarzem Kunststoff, wohingegen der große MultifunktionsDrehregler aus Aluminium die nahe Verwandtschaft des Einkanalers zum Duet unterstreicht. Das One ist kaum größer als ein Handy oder ein I-Pod und findet sein Plätzchen auf jedem Arbeitstisch zwischen Tastatur und Maus, der Mobilist packt es in die Tasche seines Mac Book – oder alternativ auch mal in der Hosen- oder Jackentasche. Die enge Bindung zu Apple ist auch im Design erkennbar. Das Gerätchen erinnert an die ungemein erfolgreichen Multimedia-Geräte des Kultherstellers und sieht richtig schick aus.  Zum Lieferumfang gehört ein USB-Kabel zum Anschluss an den Mac, über den USB-Port erfolgt auch die Stromversorgung. Ein zweiter Port neben dem USB-Anschluss des One  dient als Anschluss für die mitgelieferte Kabelpeitsche mit zwei Anschlussbuchsen: Einer Klinkenbuchse zum Anschluss eines Instruments, beispielsweise einer E-Gitarre oder eines E-Basses, wobei es sich praktischerweise um einen hochohmigen oder HiZ-Anschluss handelt, so dass auch Instrumente mit passiven Tonabnehmern ohne Klangverluste anschließbar sind. Die zweite Buchse ist als symmetrischer XLR-Eingang ausgelegt und dient als Mikrofonanschluss. Das One akzeptiert dynamische Tauchspulen- und passive Bändchen-Mikrofone sowie Kondensatormikrofone, wobei für diese Typen die 48 Volt-Phantomspannung zuschaltbar ist.  Allerdings ist für die Aktivierung der Speisespannung die mitgelieferte Steuer- und Mixing-Software Maestro zwingend erforderlich – am Gerät selbst ist das nicht möglich.

Wir kommen später noch auf die Maestro-Software zurück, jetzt verweilen wir noch bei der Hardware und ihrem bemerkenswertesten Ausstattungsmerkmal: Das Apogee-Interface hat nämlich ein eingebautes Kondensatormikrofon, so dass der Musiker unterwegs, beispielsweise im Hotelzimmer, auf die Schnelle musikalische Einfälle aufnehmen kann. Laut Hersteller handelt es sich aber nicht um einen Billigschallwandler wie er in jedem Notebook verbaut ist. Das interne Mikrofon soll stattdessen durchaus Studio-Qualität bieten, so dass Unterwegs- oder Heim-Aufnahmen auch für professionelle (Demo-)Produktionen verwendbar sind. Das Mikrofon muss laut Hersteller nicht notwendig axial besprochen werden, auch bei Off-Axis-Besprechung – wenn das One beispielsweise auf dem Arbeitstisch liegt und die Membran zur Decke zeigt – sollen sich Verfärbungen in engen Grenzen halten. Apogee ließ das Mikrofon für solche Fälle von professionellen Toningenieuren abstimmen, das Ergebnis nennt sich „Tuned Aperture Microphone“- Technik und ist patentrechtlich geschützt. Was das eingebaute Mikrofon wirklich leistet, klären wir im Rahmen des Praxistests.  Ausgangsseitig gibt es lediglich eine 3,5 Millimeter-Mini-Stereoklinke, die in der Regel als  Kopfhörer-Anschluss dient. Alternativ, über entsprechende Adapter-Kabel, lassen sich auch Aktiv-Lautsprecher anschließen.      Um das One bestimmungsgemäß, also im Verbund mit einem Apple-Rechner,  zu nutzen, ist zunächst die mitgelieferte, auf das Audio-Interface abgestimmte Maestro-Software zu installieren. Wer bereits eines oder mehrere Apogee-Geräte einschließlich Maestro hat, kommt übrigens nicht um die Installation herum, denn die verschiedenen Maestro-Versionen sind auf die jeweiligen Geräte zugeschnitten und nicht untereinander austauschbar. Wer einen topaktuellen Mac mit dem Betriebssystem Snow Leopard hat, muss unbedingt das Maestro-One-Update unter  support.apogeedigital.com/index.php/one/downloads herunterladen, die dem Gerät beigepackte Software wird nicht von Snow Leopard unterstützt. Mit dem Update ist die Installation von Maestro, die auch Core Audio und ASIO-Treiber beinhaltet, sehr zügig erledigt. Der Rechner fragt den Benutzer sogleich, ob One als Haupt-Interface fungieren soll, was Mac Book-Besitzer sicherlich freudig bestätigen werden, um auf langen Bahnfahrten die 100 Gigabyte große I-Tunes-Sammlung in Top-Qualität hören zu können.  Wie bereits erwähnt, dient Maestro der Konfiguration der Ein- und des Ausgänge sowie der Regelung von Ausgangslautstärke und Aufnahme-Pegel. Außerdem ermöglicht der Maestro-Mixer latenzfreies Monitoring: Ist als Ausgang „Out L-R“ gewählt, ist das Eingangssignal direkt über den im Gerät eingebauten „Low Latency Mixer“ direkt auf den Ausgang geroutet. Damit nicht genug: Spielt oder singt der Musiker zu einem GarageBand- oder Logic-Playback regelt die Software das Verhältnis von Playback- und Live-Signal und leitet es ebenfalls auf den Hardware-Mixer. Im Ergebnis gibt es dann – das ist abhängig von der Leistungsfähigkeit des Rechners – keine oder nur eine minimale Verzögerung.    Wer möchte, kann auch den Aufnahmepegel und die Ausgangslautstärke über Maestro-Control mit der Maus regeln. Mit dem großen, griffigen Drehregler geht das aber sehr viel komfortabler und – dank der feinen Rastung des Reglers – feinfühliger. Außerdem fungiert der Hardware-Regler auch als Funktions-Wahlschalter, um beispielsweise zwischen dem Instrumenten-Eingang und dem internen Mikrofon oder zwischen Eingang und Ausgang umzuschalten. Dafür ist der Regler zu drehen, bis die entsprechende Funktionsanzeigen-LED aufleuchtet, zur Bestätigung genügt ein kurzer Druck. Nett: Beim Regeln/Einpegeln erscheint auf dem Monitor das grau hinterlegte Mac-Quadrat mit der typischen Balken-Anzeige, das an und für sich nur der On-Board-Hardware zu geordnet ist. Ein weiterer Beleg, dass Apogee und Apple eng zusammenarbeiten. Überhaupt ist die Einbindung des One in die entsprechende Apple-Aufnahme-Software absolut narrensicher. Vor allem der Recording-Einsteiger kann, unterstützt von der beiliegenden Schnellstart-Anleitung, sehr schnell mit der Standard-Mac-Software GarageBand aufnehmen. Es empfiehlt sich, den optionalen, rund 20 Euro teueren „Mic Mount“ gleich mitzukaufen, denn mit dieser Kombination aus Interface-Halter und Stativ-Adapter lässt sich das One sehr viel besser ausrichten. Apogee rührt für das One kräftig die Werbetrommel und verspricht unter anderem einen „Weltklasse-Mikrofonvorverstärker“. Das ist angesichts der im Professional audio-Messlabor ermittelten Werte allerdings etwas hochgegriffen: Das FFT-Spektrum weist zwar keinerlei harmonische Oberwellen auf, allerdings überschreitet der Noisefloor bei einzelnen Frequenzen die -70 dB-Marke. Das ist immer noch sehr gut, allerdings nicht unbedingt „Weltklasse“. Auch die ermittelten Werte für den Geräusch- und den Fremdspannungsabstand sind mit 75,4 beziehungsweise 72,1 Dezibel gut, aber nicht sensationell: Sind beispielsweise sehr leise Mikrofone an das One angeschlossen, ist nicht auszuschließen, dass das Eigenrauschen des Preamps störend auffällt – was uns direkt zum Praxistest leitet.

Für den Praxistest verbinden wir das One mit einem aktuellen Mac Book Pro und nehmen unter Logic Pro 9 mehrere Takes mit Konzertgitarren auf – sowohl mit dem eingebauten Mikrofon als auch mit unserer Großmembran-Referenz, Microtech Gefell M 930.    Beim Einpegeln stellen wir fest, dass das eingebaute Mikrofon vergleichsweise geringempfindlich ist, so dass der Gain-Regler für einen praxisgerechten Arbeitspegel recht weit aufgedreht sein muss. Aber Vorsicht: Auf dem letzten Drittel des Regelwegs steigt das Rauschen beträchtlich an. Das Rauschen kommt höchstwahrscheinlich vom Mikrofon selbst, denn ein vergleichbares Störgeräusch hören wir mit dem – allerdings mit 20,7 mV/Pa sehr lauten – M 930 nicht. Versuchsweise reisen wir den Preamp nämlich voll auf, können aber über den AKG K 702-Kopfhörer in dieser Extremeinstellung nur ein dezentes Eigenrauschen im Hintergrund hören. Klanglich kann sich das One-Mikrofon aber hören lassen: Sein Auflösungsvermögen und Impulsverhalten sind auf dem Niveau von Mittelklasse-Kondensatormikrofonen. Die Tiefenwiedergabe kann ebenfalls überzeugen, denn die Bässe der bassstarken Konzertgitarre kommen klar und präzise definiert und auch der Mittenbereich ist erklingt jedenfalls bis etwa zwei Kilohertz insgesamt ausgewogen. Neutral klingt das interne Mikrofon dennoch nicht, denn eine unüberhörbare Höhen-Anhebung sorgt für eine gewisse Präsenz im Klang, die zumindest bei der Nah-Mikrofonierung von Instrumenten nicht jedermanns Sache ist. Für Stimmen – Sprache und vor allem Gesang – passt diese Klangeigenschaft hingegen gut und sorgt für Luftigkeit und Frische. Tatsächlich weist das Mikrofon wie von Apogee versprochen nur geringe Off-Axis-Verfärbungen auf. Die besten Aufnahmen gelingen jedoch nach wie vor bei axialer Ausrichtung auf die Schallquelle, wahre Wunder vollbringt das One-Mikrofon, vor allem beim bereits beschriebenen Szenario, wo die Membran zur Decke zeigt, nicht. Aber mal im Ernst: Das hat doch niemanden überrascht?  Ebenfalls wird es niemanden überraschen, dass die Aufnahmen mit dem M 930 deutlich besser klingen – immerhin kostet dieses Spitzenmikrofon viereinhalb Mal so viel wie das kleine Interface. Allerdings blüht ein Topmikrofon nur mit einem adäquaten Preamp auf. Den hat das winzige Interface nämlich, wobei der Vorverstärker nicht auf allerhöchste Neutralität oder Eigenklanglosigkeit getrimmt ist. Stattdessen sorgt er für füllige Bässe und einen guten Schuss  einschmeichelnde Wärme, wobei die Entwickler bei der klanglichen Abstimmung alles goldrichtig gemacht haben: Sie haben genau den Mittelweg zwischen einem „überlebensgroßen Klang“ und sachliche, vollkommen nüchterne Verstärkung gefunden.                  

Fazit

Mit dem One hat Apogee ein schickes, einkanaliges USB-Audio-Interface geschaffen, das vor allem für den mobilen Mac Book-User eine dicke Empfehlung wert ist. Dank des eingebauten, richtig guten Kondensatormikrofons kann sowohl der Recording-Einsteiger als auch der gestandene Profi auf die Schnelle, also im Formel 1-Tempo, gute Aufnahmen machen.  Mit einem externen Top-Mikrofon gelingen sogar qualitativ hochwertige Aufnahmen.

Erschienen in Ausgabe 04/2010

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 235 €
Bewertung: gut
Preis/Leistung: gut

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