Moderne Klassiker

Im Digital-Zeitalter feiert eine lange zu Unrecht unterschätzte Mikrofongattung ihre Wiederauferstehung: Das Bändchen ist zurück und soll Produktionen mit charaktervollem Eigenklang bereichern und vor steriler Kälte bewahren.

Von Michael Nötges und Harald Wittig


Als in 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts das Kondensator-Mikrofon die Tonstudios weltweit eroberte, sah es eine zeitlang so aus, als würde eine Mikrofongattung, die jahrzehntelang für den guten Ton sorgte, aussterben: Bändchen-Mikrofone. Heutzutage, wo viele Produzenten nicht mehr das klinisch reine Hochglanzprodukt anstreben, sondern die sprichwörtliche analoge Wärme vergangener Zeiten wiedergewinnen wollen, erleben die Bändchen-Mikrofone ihre Renaissance. Denn ihnen ist ein besonderer, gerne als warm beschriebener Klang zu Eigen. Richtig eingesetzt sind sie daher eine wirkungsvolle Alternative zu den neutralen, ehrlichen und mitunter nüchternen Kondensator-Mikrofonen. Grund genug für Professional audio Magazin acht aktuelle Bändchen-Mikrofone eingehend unter die mess- und hörtechnische Lupe zu nehmen, um herauszufinden, was wirklich dran ist am neu entstandenen Kult ums Bändchen.

Neben echten Klassikern wie dem M 130 und dem M 160 von Beyerdynamic, besteht das Testfeld aus modernen Versionen legendärer Vorbilder sowie gänzlich neuen Entwicklungen. Die getesteten Mikrofone eint daher nur das Funktionsprinzip, ansonsten unterscheiden sich die acht Kandidaten zum Teil beträchtlich in den technischen Details. Deshalb lassen wir – entgegen den Gepflogenheiten der bisherigen Mikrofontests – die Kandidaten nicht in einem klassischen Vergleich gegeneinander antreten. Stattdessen finden Sie auf den folgenden Seiten acht Einzeltests, denn damit können wir den unterschiedlichen Varianten der Bändchen-Konstruktion am Besten gerecht werden.
Bevor es in die Tiefen der Einzeltests geht, sei zum besseren Verständnis das Arbeits-Prinzip kurz erläutert. Beim Bändchen-Mikrofon dient eine hauchdünne Aluminiumfolie, die zwischen den Polen zweier Permanent-Stäbchenmagnete eingespannt ist, als Membran (siehe die Makroaufnahme auf dieser Seite). Das Bändchen schwingt im Takt der auftreffenden Schallwellen zwischen den beiden Magneten vor und zurück. Aufgrund der extrem geringen Membranmasse kann es den Schwingungen äußerst schnell und akkurat, fast ohne jegliche Verzögerung folgen: Bändchen-Mikrofone bieten daher beste Vorraussetzun-gen für ein exzellentes Impulsverhalten. Allerdings sind sie auch echte Sensibelchen und verlangen erhöhte Sorgfalt beim Um-gang: Behandeln Sie Ihr Bändchen-Mikro wie ein rohes Ei, setzen Sie es keinen stärkeren Erschütterungen aus. Achten Sie peinlichst darauf, dass es nicht auf den Boden fällt und – vor allem – blasen Sie niemals in die Kapsel, anderenfalls erleidet die Alufolie den verfrühten Bändchen-Tod. In der Praxis sollten Sie bei Gesangs- oder auch Querflöten-Aufnahmen den Popp-Schutz nicht vergessen und ganz allgemein empfiehlt es sich, die Mikrofone nicht…

zu nahe zur Signalquelle zu positionieren, denn der Nahbesprechungseffekt ist bei den Bändchen-Typen besonders ausgeprägt. Schließlich reagieren diese Mikrofone sehr empfindlich auf Wind und Körperschall: Daher sollte die Stativaufhängung von guter Qualität sein, beim Freilufteinsatz – bitte nur bei Flaute – gehört ein Windschutz zur unverzichtbaren Ausrüstung. Aber eigentlich ist dieser Mikrofon-Typ kein Out-door-Modell.

Die klassischen Bändchen-Mikrofone gehören zur Gattung der dynamischen Mikrofone, arbeiten also passiv und benötigen keine Versorgungsspannung. Deswegen gehört das Einschalten der Phantom-Spannung am Mikrofonverstärker ebenfalls zu den Todsünden. Allerdings gibt es inzwischen auch aktive Bändchen-Mikrofone, die mit internen Vorverstärkern ausgestat-tet sind. Der Grund für diese vergleichsweise junge Variante: Bändchen-Mikrofone traditioneller Bauweise sind, auch wenn sie mit kräftigen Übertragern im Gehäuseinnern ausgestattet sind, prinzipbedingt sehr leise; das winzige Signal muss also vom Mikrofon-Vorversträker extrem angehoben werden. Dieser sollte daher sehr rauscharm sein. Die aktive Variante ist inso-weit genügsamer, da ihre Ansprüche an die Rauscharmut etwas geringer ausfallen und zusammen mit einfacheren Vertretern der Verstärkerzunft gute klangliche Ergebnisse möglich sind. Das getestete Sontronics Sigma ist übrigens ein solcher aktiver Typ. Im Test griff die Redaktion auf den vorzüglichen Grace M801 zurück.

Durch ihren Aufbau sind Bändchen-Mikrofone prädestiniert für die Konstruktion offener Gradientenempfänger. Als einzige dy-namische Mikrofone bieten sie prinzipbedingt eine bi-direktionale Achter-Charakteristik. Ausnahmsweise gibt es auch solche mit Hypernieren-Charakteristik wie das Beyerdynamic M 160. Wie sein Pendant, das M 130, sind bei ihm zwei Bändchen im Abstand von einem Millimeter hintereinander montiert. Diese so genannten Doppelbändchen-Mikrofone offerieren zumindest theoretisch die Vorraussetzungen für bessere akustische Eigenschaften, da im Vergleich zum einfachen Bändchen das sehr kurze Doppelbändchen bei gleichem Innenwiderstand aus noch dünnerer Folie gefertigt werden kann und somit noch weniger Masse und damit Trägheit besitzt. Diese Mikrofone können also ein noch besseres Impulsverhalten bei gleicher Ausgangsspannung aufweisen.

Zum guten Schluss ein Wort zu den Messwerten: Da Bändchen-Mikrofone wegen ihres charakteristischen Eigenklangs ge-schätzt werden und gerade nicht neutral klingen wollen und sollen, sind die Frequenzgänge nicht nach den üblichen Maßstäben (gleichmäßig, ausgesprochen linear und so weiter) zu bewerten. Gleichwohl geben Sie einen Hinweis auf den Klang des jeweiligen Mikrofons. Verstehen Sie daher die Frequenzgänge als Ergänzung zu unseren Klangbe-schreibungen und lassen Sie sich von einer gebirgigen Kurve nicht all zu sehr beirren: Denn Bändchen-Mikrofone sind eine Klasse für sich und daher echte Musikinstrumente des Tonin-genieurs.

Beyerdynamic hat derzeit drei Bändchenmikrofone im Produktportfolio, von denen uns zwei – das M130 und M160 – für unseren Mikrofontest vorliegen. (Das für Vocal- und Instrumentalsolisten optimierte M260 lassen wir aufgrund seiner Spezialisierung außen vor.) Als Stereo-Pärchen, eignen sich die beiden anderen Kandidaten aufgrund der unterschiedlichen Richtcharakteristik (Acht und Hyperniere) bei ähnlichen Klangeigenschaften für Aufnahmen in Mitte-Seite-Stereofonie. Zurück gehen deren Konstruktion und Bauweise auf die erstmals in den 1950er Jahren entstandenen Debütanten M30 und M31, deren Weiterentwicklung 1962 in der Vorstellung des M130 mündete. Einige Jahre später entstand dann das M160 und seitdem genießen die mit unterschiedlicher Richt-charakteristik konzipierten Doppelbändchen-Mikrofone weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Dass beide Modelle, für die jeweils rund 500 Euro anzulegen sind, nach über 40 jähriger Produktionszeit immer noch gefragt sind, lässt auf hohes Niveau schließen. Geliefert werden beide mit einem Kunststoff-Etui und einer Mikrofonklammer.

Der Kleinere fängt an. Das gerade einmal 13 Zentimeter hohe und nur 150 Gramm schwere M130 sieht aus wie eine schlanke Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Figur mit zu groß geratenem Kopf. Das robuste und gut verarbeitete Messing-Gehäuse wird in einem senkrechten Ring um den feinmaschigen Mikrofonkorb – der gerade einmal einen Durchmesser von 38 Millimetern hat – weitergeführt. Die exzellente Verarbeitung vermittelt dabei glaubwürdig, dass der Bühneneinsatz kein Problem sondern eine lohnende Herausforderung für das M130 darstellt. Durch die Aufteilung des verchromten Korbs in zwei Halbkugeln, ist die Ausrichtung der Kapsel mit Achtercharakteristik und damit die Lage der beiden Bändchen innerhalb der silbernen Schutzkugel markiert. Sofort ist klar: dieses Mikrofon wird von der Seite besprochen. Das M130 ist mit einem Doppelbändchen-System ausgestattet, das eine erhöhte Empfindlichkeit besitzt. Sie liegt in diesem Fall bei 1,2 mV/Pa. Aufgrund der kleinen Bauweise kommt allerdings auch mit zwei Bändchen immer noch relativ wenig Membranfläche zusammen, so dass zusätzlich ein Weicheisendraht das gesamte System umspannt und das Mag-netfeld zusätzlich verstärkt. Der Draht dient außerdem als HF-Reflektor, der die Höhenwiedergabe verbessern soll. Die winzige und massive Bauweise minimiert aber vorteilhafter Weise die Eigenresonanzen und die Beeinflussung des akustischen Feldes durch das Gehäuse. Außerdem gilt: Je schmaler das Bändchen ist, desto besser zeigt sich die Hö-henwiedergabe.

Die beiden Membranen aus Aluminium sind mit einem Abstand von 0,5 Millimeter hintereinander angeordnet, was im Gegensatz zu nebeneinander eingespannten Bändchen Off-Axis-Verfärbungen verhindert. Das M130 gilt damit als frequenzunabhängiger Druckgradientenempfänger, der über den gesamten Übertragungsbereich mit einer gleich bleibenden Achtercharakteristik aufwartet.

Im Hörtest bringt das M130 eine stramme Leistung. Es klingt insgesamt sehr ausgewogen und neutral, zeigt aber trotzdem seine wahre Seele. Der Bassbereich und die unteren Mitten tönen voll und warm und verleihen der Gitarrenaufnahme den typischen Bändchen-Sound, ohne dabei die Höhen zu vernachlässigen. Diese zeigen sich natürlich und durchsetzungsstark, wirken dabei aber niemals aufdringlich. Das Impulsverhalten ist ausgezeichnet und die körperhafte Räumlichkeit der Achtercharakteristik liefert ein natürliches und lebendiges Klangbild. Die feine Auflösung und das direkte Ansprechen führen zu differenzierten und detailreichen Aufnahmen. Die Anschlaggeräusche der rechten Hand erscheinen angenehm zurückhaltend und das Atmen des Gitarristen ist zwar vorhanden und verleiht der Aufnahme die nötige Authentizität zeigt sich aber lediglich dezent im Zusammenhang des detailreichen Klangbildes.

Optisch ist das M160 seinem kleinen Bruder sehr ähnlich. Mit guten 15 Zentimetern ist es einen guten Kopf größer und wiegt natürlich dementsprechend mehr: 156 Gramm. Zwei Punkte grenzen die beiden Mikrofone – neben der Größe – aber deutlich voneinander ab. Im Gegensatz zum M130 ist die Kapsel des M160 waagerecht im Mikrofonkorb integriert. Auch hier wird die Lage, des Doppelbändchen-Systems durch einen schwarzen Ring angezeigt, der in Äquatormanier den Korb umschlingt. Zwei gegenüberliegende rote Punkte auf diesem Großkreis markieren die Längsausrichtung der Membranen, deuten also die Einspannpunkte an.

Das M160 wird von vorne besprochen, wobei darauf zu achten ist, dass die beiden Markierungen nach oben und unten deuten, damit die Bändchen senkrecht ausgerichtet sind und damit Off-Axis-Verfärbungen vermieden werden, die bei waagerechter Ausrichtung auftreten können. Der zweite wesentliche Unter-schied ist die für Bändchenmikrofone untypische Hypernieren-Charakteristik des M160. Das Bedämpfen der Rückseite ist kein leichtes Unterfangen, da es die Frequenzunabhängigkeit und die Linearität des Frequenzganges, gerade in den Mitten verschlechtert. Um den Frequenzgang akustisch zu entzerren verwendet Beyerdynamic ausgetüftelte Schallführungen, die den Frequenzgang wieder gerade biegen. Solche Resonatorkammern, die an die Kapsel angeschlossen sind, dienen gerade bei Gradientenempfängern außerdem zur Erhöhung der oberen Grenzfrequenz, die konstruktionsbedingt immer etwas zu kurz kommt. Die Hypernierencharakteristik macht das M160 unempfindlicher für akustisch schwierige Umgebungen, wie im Live-Einsatz oder bei gleichzeitiger Aufnahme mehrer Schallquellen und ist deswegen flexibler einsetzbar als das M130, erreicht allerdings nicht den räumlichen Klang eines Mikrofons mit Achtcharakteristik.

Klanglich ist offensichtlich, dass das M160 aus demselben Stall kommt wie das M130. Die Ansprache ist sehr direkt und das Impulsverhalten steht dem des M130 in nichts nach. Die feine Auflösung zeigt sich auch hier in der nuancierten Darstellung von Details, die unbeirrbar ehrlich übertragen werden. Die charakteristische Wärme von Bändchenmikrofonen ist vorhan-den aber sehr zurückgenommen und zeigt sich in einer dezenten Veredelung der unteren Mitten. Es wirkt insgesamt etwas nüchterner als das M130, was aber keinesfalls negativ gemeint ist, sondern den gradlinigen neutralen Charakter beschreibt. Mit kühlem Kopf liefert es eine authentische, natürlich klingende Aufnahme.

Fazit: Die Klassiker von Beyerdynamic zeigen, warum sie seit über 40 Jahren im Studio und auf den Bühnen dieser Welt zu Hause sind. Ihre Verarbeitung ist tadellos und durch ihre kompakte und robuste Bauweise sind sie sehr flexibel einsetzbar. Beide verfügen über einen ausgewogenen Klang, der sich insbe-sondere durch hervorragendes Impulsverhalten und feine Auflösung auszeichnet. Als Stereopärchen eignen sie sich besonders für Aufnahmen im MS-Verfahren – M130 Achtcharakteristik und M160 Hypernierencharakteristik – wobei das M160 sich sachlich neutral zeigt und das M130 den typischen Bändchen-Sound liefert.

Das RBM10A von BM-Microphones misst in der Länge 17,5 Zentimeter, wiegt fast 500 Gramm und der Durchmesser des Kopfes beträgt 37 Millimeter. Das matte messingfarbene Gehäuse ist sauber verarbeitet und wirkt wie ein runder Wehr-turm. Eingesperrt hinter einem feinmaschigen Gitter, das durch die drei Millimeter breiten Schlitze, die ringförmig um den Kopf angeordnet sind durchscheint, befindet sich das zirka 4,5 Zentimeter lange und 2 Mikrometer dicke Aluminiumbändchen. Die Kapsel ist also nicht frei von allen Seiten für den Schall zugänglich, sondern der Acht-Charakteristik der Kapsel entspre-chend nur von vorne und hinten. Da von der Seite im 90-Grad-Winkel praktisch kein Signal aufgenommen wird, sind die Schlitze hier für einen guten halben Zentimeter unterbrochen. Bei Gegenlicht ist die sensible Kapselkonstruktion mit dem zwischen zwei Magneten eingespannten Bändchen zu erkennen. Die Empfindlichkeit liegt laut unseren Messungen bei sehr guten 2,3 mV/Pa.

Der Frequenzgang des RBM10A weist mit dem Peak bei 350 Hertz eine für Bändchen-Mikrofone typische Anhebung der unteren Mitten auf, auffällig und möglicherweise entscheidend für den Eigenklang des Mikrofons könnte die Anhebung bei etwa 120 Hertz sein, die bis hinunter zu 30 Hertz kontinuierlich ansteigt. Wenn das RBM10A trotzdem nicht zu undifferenziertem Mulmen neigt, könnte dies an der ausgepräg-ten Überhöhung zwischen vier und sechs Kilohertz liegen. Allerdings muss dann auch das Auflösungsvermögen entsprechend gut sein, anderenfalls kann beim bloßen Hören ein ganz anderer Eindruck entstehen. Insoweit sollten Sie auch hier den Frequenzgang nicht als allerletzte Wahrheit missverstehen: Er lässt eben nur vorsichtige Schlussfolgerungen auf den Klang zu, ohne dass sich diese beim Klang bewahrheiten müssen.

Das für seine Größe relative schwere Mikrofon wird mit einer praktischen Mikrofonspinne, die dem Gewicht entsprechend stabil konstruiert ist, einem Holzkasten und einem Pencil-Case geliefert. Es ist also an alles gedacht.

Die Spinne zeichnet sich durch eine praktische Bügelkonstrukti-on aus, die eine feste Arretierung des Mikrofons gewährleistet. Zum Einspannen müssen zwei Metallbügel zusammengedrückt werden, wodurch sich ein mit Filz gepolsterter, an einer Seite offener Zylinder auseinander biegen lässt. Jetzt ist der Durch-messer groß genug, um das Mikrofon hinein zu schieben. Beim Loslassen der Bügel zieht sich die Metallröhre wieder zusammen und umschließt den Mikrofonschaft fest.

Das RBM10A klingt warm und ein wenig mittenbetont, ohne dabei die Höhen komplett zu vernachlässigen. Allerdings sind diese in typischer Bändchenmanier zurückhaltend. Das Impulsverhalten macht eine gute Figur, so dass dynamisch gespielte Passagen auf der klassischen Gitarre ihrer natürlichen Artikulation entsprechend wiedergegeben werden. Die abgerundeten unteren Mitten und Bässe, die sich etwas in den Vordergrund schieben erzeugen die angenehme Wärme, die sich bei Sprachaufnahmen durch den Nahbesprechungseffekt noch verstärken lassen und dünnen Stimmen aus der Patsche helfen können. Höhen gibt das Mikrofon durchaus wieder, allerdings wirken diese zurückgenommen, auch kommen sie nicht allzu klar. Das liegt beim RBM10A an der nur mittelmä-ßigen Auflösung, die uns nicht restlos zu begeistern weiß. Diese hörbare Schwäche bei der Abbildung feiner Details sorgt im Zusammenhang mit den zurückhaltenden Höhen dafür, dass pointierte Details, wie die Nagelgeräusche beim Anschlag einer Gitarrenseite oder filigranes Zirpen der Saiten, etwas unterbe-lichtet abgebildet werden.

Fazit: Mit rund 250 Euro ist das RBM10A von BM-Microphones eine relativ kostengünstige Anschaffung. Das robust wirkende Bänd-chenmikrofon zeigt seine Stärke im warmen, mittenbetonten Sound, der durch verkürzen des Besprechungsabstands noch verstärkt werden kann. Für dünne Stimmen oder überpräsente Saiteninstrumente die ersehnte Rettung.

Die Soundwave Research Laboratories in Ashland, Massachusetts entwickeln bei weitem nicht nur Bändchenmikrofone, sondern betreiben Materialforschung, beschäftigen sich mit Nanotechnologie, entwickeln Sensoren und Messfühler für medizinische Geräte und konzipieren eigene Messalgorithmen. Diese grenzüberschreitende Kompetenz und das Know-How aus verschiedenen Disziplinen nutzen sie nicht zuletzt auch für die Entwicklung ihrer Bändchen-Mikrofone, die unter dem Namen Crowley & Tripp und mit dem Ziel ein Optimum an klanglicher Qualität zu erreichen, gefertigt werden.

Während herkömmliche Bändchenmikrofone meistens über eine einzige Klangcharakteristik verfügen, zeigt das Naked Eye zwei unterschiedliche Klangcharakteristika, je nach dem, ob es von vorne oder von hinten besprochen wird. Diese so genannte Co-re Voicing Technology liefert auf der einen Seite einen klassischen runden Bändchen-Sound, kann aber durch Drehen des Mikrofons um 180 Grad auch einen strahlenden crispen Klang erzeugen. Den Hintergrund dieses Klangdesigns erklärt uns Bob Crowley höchst persönlich: „Durch den Gebrauch unterschiedlicher Materialien und Sound-Design-Techniken auf jeder Seite des Bändchens können die Frequenzgänge manipuliert und den Wünschen unserer Kunden entsprechend angepasst werden, ohne den Output zu verringern und Störgeräusche zu erzeugen.“ Orientiert haben sich die Entwickler dabei am Sound zweier Mikrofone aus ihrer Produkt-Serie: dem Proscenium und dem Studio Vocalist. Beide kosten um die 1700 Euro. Das Naked Eye bietet beide klanglichen Ei-genschaften, ist aber mit rund 750 Euro für ein Viertel des Preises zu haben.

Das blau-metallische, gute 13 Zentimeter lange Gehäuse mit einem Durchmesser von 4 Zentimetern, hat die Form eines Zy-linders. Es wiegt 430 Gramm und die Kapsel, die hinter einem feinen Gitter verborgen das obere Drittel des Gehäuses einnimmt, hat eine Acht-Charakteristik. Das eingespannte Aluminium-Bändchen ist knappe fünf Zentimeter lang und wiegt verschwindend geringe 0,0018 Gramm. Um das Mikrofon an dem mitgelieferten Haltebügel zu befestigen, kann ein Gewindering im Boden herausgeschraubt, das Mikrofon auf eine dafür vorgesehene kleine Plattform gestellt und anschließend der Verschluss wieder arretiert werden. Ergebnis: das Mikrofon ist bombensicher mit dem Montier-Bügel verbunden. Zwei walnussgroße schwarze Kugeln dienen als praktischer Ersatz für Flügelmuttern. Diese Befestigungsart erweist sich als äußerst sicher für die Mikrofonausrichtung, muss sich aber den Kritikpunkt anlasten lassen, dass keine Trittschalldämpfung durch Abfederung erfolgt.  

Die beiden von vorne und hinten gemessenen Frequenzgänge sind erstaunlicherweise sehr ähnlich. Beide fallen unterhalb von 150 Hertz sanft ab und kennzeichnen sich durch die bändchentypischen Absenkung oberhalb von acht Kilohertz, bei der Front-Messung erfolgt die Absenkung etwas rapider. Im Mittenbereich sind beide Frequenzgänge weitestgehend linear mit minimalen Abweichungen. Die Empfindlichkeit beträgt 2,9 mV/Pa, was für ein dynamisches Mikrofon erfreulich hoch.

Man kann es drehen und wenden wie man möchte, das Naked Eye klingt einfach gut. Die Front Position liefert einen dunkeln Sound, der sowohl durch seine ausgeprägte Wärme, als auch durch die zarten und ausgewogenen oberen Mitten und Höhen beeindruckt. Das Impulsverhalten ist sehr gut und liefert gerade im Mittenbereich ein direktes aber keinesfalls verfärbtes Ergebnis. Weiterhin führt die gute Auflösung zu einer differenzierten Darstellung des Klangbildes, das im übertragenen Frequenzbereich detailreich auflöst. Dies ist auch bei Aufnahmen der Fall, die über die Rückseite angefertigt werden. Crispere und brillantere Höhen, sowie eine deutliche Ausdünnung verändern allerdings den Grundklang und erinnern ein wenig an die strahlenden Höhen von Kondensatormikrofonen, wenngleich das Naked Eye hier konstruktions-bedingt nicht soweit hinaufreicht. Besonders deutlich kommen in dieser Position die Anschlag- und Rutschgeräusche der Akustikgitarre zum Vorschein, ohne dabei zu nerven.

Fazit: Das Naked Eye ist ein erstaunliches Bändchenmikrofon. Mit zwei klanglichen Charakteristika ausgestattet, ist es besonders vielseitig einsetzbar. Da es sich letztlich um zwei Mikrofone in einem handelt, ist es trotz des nur scheinbar hohen Preises fast schon ein Schnäppchen.

Das R 14 des im US-Staat Virginia beheimateten Mikrofon-Herstellers Peluso stellt eine zeitgemäße Variante einer echten Bändchen-Mikrofon-Legende dar: In klanglicher Hinsicht ist sein Design vom legendären RCA Modelle 44 inspiriert, das in den 50ger Jahren des vorherigen Jahrhunderts zur Grundausstattung jeder amerikanischen Radio-Station gehörte und den Sprechern zum markanten, einschmeichelnd-sonoren Stimm-Timbre verhalf. Außerdem wurde mit dem RCA 44 Musik-Geschichte geschrieben, denn der King, Elvis Aaron Presley höchst selbst sang damit die bahn brechenden Sun-Aufnahmen ein.

Das R 14 ist folgerichtig ein klassisches, passives Bändchen-Mikrofon und hat die gängige Achter-Richtcharakteristik. Äußerlich hat es nichts mit dem klobigen Vorbild gemein: Seine schlanke Form in silbernen Seidenmatt-Finish wirkt wesentlich eleganter und vorneh-mer. Der Aufbau der Kapsel ist bemerkenswert: Das Bändchen ist zwischen zwei kräftigen Neodymium-Magnete eingespannt, außerdem haben die Entwickler der Kapsel einen speziellen Ausgangsübertrager spendiert. Der wurde von Tom Reichenbach, Chef des amerikanischen Unternehmens Cine Mag Transformers entwickelt, deren Audio-Transformatoren von Kennern zu den weltweit besten gezählt werden. Durch diese Konstruktion verspricht sich der Hersteller vor allem einen „erstaunlichen Realismus“.
Das R 14 wird im gefütterten Holzetui mit einer Spinne von guter Qualität geliefert, die Trittschall, auf den Bändchen-Mikrofone allgemein besonders sensibel reagieren, wirksam abfedert.

Das Messlabor von Professional audio Magazin ermittelt eine Empfindlichkeit von 1,1 mv/PA, ein sehr geringer Wert, der gerade für klassische Bändchenmikrofone charakteristisch ist. Der Frequenzgang des R 14 ist von einer auffälligen Anhebung im unteren Mittenbereich zwischen 120 und 200 Hertz, gefolgt von einem zweiten Gipfel bei 350 Hertz geprägt, gleichzeitig fallen die Höhen hier erst ab fünf Kilohertz ab. Das lässt auf einen einerseits warmen, vollen Klang mit einer gewissen Zeichnung der Höhen- und Obertonstruktur schließen.
In der Praxis ist die praktische Arbeit mit dem R 14 sehr angenehm. Klanglich hält es in etwa, was die Frequenzgang-Messung verspricht: Der Klang ist ausgesprochen warm und rund, bei einer guten Auflösung. Dadurch bekommen Stimmen tatsächlich ein angenehmes, sonores Timbre – unser Testsprecher scheint sich in Bing Crosby verwandelt zu haben. Akustische Gitarren mag das R 14 auch: Archtops be-kommen eine gewisse Vorkriegs-Klangqualität, wie sie von alten Big-Band und Combo-Aufnahmen bekannt ist. Dank der besseren Aufnahmemedien können wir hier sehr schön das gute Impulsverhalten des Mikrofons nachhören, das dem Mitten-Punch der akusti-schen Jazz-Gitarre gut folgen kann. Eine Flamencogitarre behält ihren knackig-perkussiven Ton – hier zeigt sich, dass das R 14 auch die Höhen berücksichtigt – gleichzeitig bekommen die Aufnahmen einen gewissen warmen Darmsaiten-Effekt. Das Mikrofon liefert also genau das, was wir von ihm erwarten: Vintage-Sound at it´s Best in zeitge-mäßer Form.

Fazit: Das R 14 von Peluso liefert viel Vintage-Sound im zeitgemäßen Gewand und steht vor allem Gesangsstimmen in balladesken Stücken sehr gut und verleiht akustischen Instrumenten jenen besonderen Klang, der nie begehrter als heute war.

Aus China kommt das Ribbon R 1 von SE Electronic und lässt einiges erwarten, immerhin bewies das Röhren-Großmembran-Mikrofon Gemini beim großen Vergleichstest in Ausgabe 11/2006, dass die chinesischen Ingenieure sich auf das Design von hochwertigen Mikrofo-nen verstehen. Das R 1 ist zunächst ein typisches Bändchen-Mikrofon: Es handelt sich um ein dynamisches, passiv aufgebautes Mikrofon mit Achter-Charakteristik, Herzstück der Kapsel ist ein zwei Micrometer dickes Bändchen. Allerdings stellt das R 1 eine echte Neuentwicklung dar und soll einen deutlich größeren Frequenzbereich abdecken können, als die meisten Mitbewerber. So soll es den Höhenbereich bis sieben Kilohertz gleichmäßig abdecken können, der Bändchen-typische Höhenabfall erfolge mithin später und dabei sehr sanft und gleichmäßig, so der Hersteller.
Das mit rund 1000 Euro vergleichsweise teure Mikrofon wird im stabilen Alu-Koffer mit zusätz-licher blauer Schutzhülle aus einem samt-artigen Stoff geliert. Die Spinne aus schwerem Metall – wie das R 1 selbst im etwas unschein-baren grauen NVA-Finish – hält das Mikrofon sicher in einem Metallring, der seinerseits elastisch aufgehängt ist. Insoweit haben die Entwickler ihr Kind gut vor gefährlichem Trittschall geschützt.

Mit einem ermittelten Empfindlichkeitswert von 2,3 mv/Pa ist das R 1 ein wenig lauter als viele flüsterleise Kollegen und bildet im Test mit dem Grace Design Pre-Amp ein gutes Team. Tatsächlich zeigt die Messung des Frequenzganges, dass der Hersteller nicht zu viel versprochen hat: Die Kurve verläuft im Bereich von einem bis hinauf zu fast exakt sieben Kilohertz sehr gleichmäßig, wenngleich der nachfolgende Abfall nicht weniger steil als bei den Mitbewerbern, dafür aber deutlich später erfolgt. Interessant ist weiter, dass das R 1 einerseits eine leichte Anhebung bei etwa 350 Hertz aufweist, während es unterhalb 100 Hertz – anders als viele Bändchen-Mikrofone – leicht abfällt. Das lässt den Schluss zu, dass das R 1 weniger fett, dafür differenzierter mit weiterem Frequenzspektrum klingt.

Das R 1 klingt zunächst wie ein Bändchen-Mikrofon: Der Grundklang ist groß und warm und kann Stimmen und Instrumente hörbar andicken. Zusätzliche Kontur bekommen sie durch die angenehmen, runden Höhen. Gerade im abdeckbaren Höhenbereich, desgleichen in den Mitten, zeichnet das R 1 mit erstaunlich feiner Auflösung, was beispielsweise einer Konzertgitarre sehr gut steht: Diese klingt richtig vornehm und edel, undifferenziertes Mulmen in den Bässen aufgrund eines allzu ausgeprägten Mittenbauchs ist bei sorgfältiger Positionierung des Mikrofons ausgeschlossen. Wir machen auch einen Take mit Querflöte und auch hier überzeugt das R 1, da es die Höhen nicht unterschlägt und ihnen gleichzeitig Schärfe, hervorgerufen durch einen harten Ansatz, nimmt. Als Gesangsmikrofon ist es vor allem für mittlere und hohe Stimmen eine gute Wahl. Es liefert hier klangliche Ergebnisse, die das Beste aus beiden Welten vereinen, soll heißen: Stimmen bekommen die typische, so zusagen alte, sonore Wärme und Fülle, wirken dabei aber gleichzeitig klar und modern, mithin zeit-gemäß. Für profane Aufgaben wie Verstärkerabnahme ist das R 1 schon fast zu schade, da es eine so gute Figur als Klangmaler für Lead-Stimmen und sensible akustische Instrumente, vorzugsweise akustische Gitarren und hohe Streicher (Violi-ne) macht.

Fazit: Das R 1 von Se Electronics ist ein feines Bändchen-Mikrofon, dass Tradition und Moderne gekonnt vereint. Wegen seiner sehr guten klanglichen Eigenschaften ist es gerade für anspruchsvolle Aufnahmen eine gute Wahl.

Mit einem Kampfgewicht von gut 1.300 Gramm und seinen imposanten Ausmaßen ist das MC-04 von SM Pro Audio ein ziemlicher Brocken, hinter dem die feingliedrigeren Bändchen-Kollegen verschwinden. Das mit knapp 180 Euro sehr kostengünstige Mikrofon hat einen gewissen Retro-Charme. Hergestellt wird es in China, die Verarbeitung ist insgesamt ordentlich und sauber, niemand darf in dieser Preisklasse Filigranarbeit erwarten. Die Entwickler hängten das schwere MC-04 in einen am Ring unterhalb des Schutzkäfigs mit zwei Rändelschrauben fixierten Stahlbügel, der als Schockabsorber fungiert. Eine ähnliche Konstruktion hat beispielsweise auch das Orpheus von Sontronics (Test in Heft 11/2006). Grundsätzlich kann diese Konstruktion wie eine gute Spinne störende Vibrationen abfedern. Die MC-04-Variante besteht insoweit im Test, wenngleich die Montage am Stativ ein wenig hakelig ist, was am hohen Gewicht des Mirkofons liegt. Zum Lieferumfang gehört ein Aluminiumkoffer, in dem das Mikrofon aufrecht stehend, also senkrecht zur Einsprechrichtung aufbewahrt ist. Auf diese Weise ist das empfindliche Bändchen weniger gefährdet, bei Nichtbenutzung abzusinken und schlaffer zu werden, was den Klang verschlechtern kann. Zusätzlichen Schutz erhält das MC-04 durch eine gepolsterte Tragetasche. Ein Mikrofon-Kabel komplettiert das Zubehör.

Mit einer Empfindlichkeit von gerade Mal 1 mV/Pa gehört das MC-04 zu den ganz leisen Vertretern seiner Zunft und lässt den Pre-Amp kräftig schuften: Hier bewährt sich ein Vorverstärker mit üppigem Verstärkungsreserven wie der Grace Design oder auch der BG No. 1 von D.A.V. Electronics (Test in Heft 12/2006). Das MC-04 liefert einen Frequenzgang, der von einem deutlichen Abfall ab den oberen Mitten bei einem Kilohertz bis hinauf zu fünf Kilohertz geprägt ist. Zusammen mit der erkennbaren Anhebung zwischen 70 und 120 Hertz lässt der Kurvenverlauf einen betont dunklen Klang vermuten, der aber nicht notwendig dumpf und mulmig sein muss.

Das MC-04 macht seinem Frequenzgang Ehre und klingt extrem voll und fett. Die oberen Mitten sind sehr zurückgenom-men, die Höhen eher erahn- als hörbar, als ob das Mikrofon einen eingebauten High-Cut-Filter hätte. Allerdings sollte man sich Zeit nehmen und mit dem Mikrofonabstand experimentie-ren: Während allzu große Nähe den Sound zu bassig-tiefmittig macht, können zusätzliche 30 Distanz Abstand zum Mikrofon wahre Wunder wirken. Dass das MC-04 dennoch weniger klar als andere Bändchen-Mikrofone klingt, liegt an dem vergleichsweise nur durchschnittlichen Auflösungsvermögen.

Das MC-04 ist aber keineswegs ein schlechtes Mikrofon, es sollte nur gezielt eingesetzt werden: So kann es einem hart klingenden Gitarren-Amp zu einem wesentlich weicheren Klang verhelfen, nasal-präsente Stahlsaitengitarren tönen auch voller und runder und als Drum-Overhead nimmt es grellen Becken die Schärfe. Schließlich profitieren auch helle, dünne Stimmen vom MC-04, die an Körper und Volumen gewinnen. Insoweit ist dieses Mikrofon weniger noch als andere Bändchen-Mikrofone ein Allrounder, sondern eher für die genannten Spezialanwen-dungen geeignet.

Fazit:
Das kostengünstige MC-04 ist ein gutes Mikrofon, sofern es sinnvoll eingesetzt wird. Aufgrund seines sehr günstigen Preises ist nicht nur für Einsteiger, sondern auch für Anspruchsvolle, die einen Spezialisten für besondere Aufgaben benötigen, eine Empfehlung wert.

Das Sigma von Sontronics ist mit seinem vor-nehmen gold-schwarzen Gewand ein richtiges Schmuckstück. Sein auffälliger Retro-Look ist beabsichtigt, denn das Sigma soll optisch und klanglich die Zeiten der großen Vokalisten der Bigband-/Swing-Ära heraufbeschwören, bezie-hungsweise das Stimmtimbre von Ella Fitzgerald, Billie Holliday oder Louis Armstrong in die Gegenwart holen. Das von dem großen, rechteckigen Schutzkäfig behütete Alu-Bändchen ist laut Hersteller weniger als zwei Micrometer dick, insoweit befindet es sich in bester Gesellschaft mit anderen höherwertigen Bändchen-Mikrofonen. Allerdings unterscheidet sich das Sigma konstruktiv in einem wesentlichen Punkt: Es hat einen internen Vorverstärker, ist also ein aktives Bändchen. Deswegen benötigt es auch Phantomspeisung – also nicht wundern, wenn das Mikrofon keinen Mucks von sich gibt, weil Sie die Schaltung als erfahrener Bändchen-Benutzer wie gewohnt nicht aktiviert haben.
Die Firma Sontronics hat dem Sigma eine spezielle Halterung auf das eckige Gehäuse maßgeschneidert. Diese elastische Halterung verfügt über insgesamt acht Auflage/Dämpfungs-Punkte, nimmt das Mikrofon über ein sauber geschnittenes Gewinde auf Auch das Hartschalen-Köfferchen mit Aluschließ-Profil ist von guter Qualität, wenngleich das Zahlen-Schloss eigentlich überflüssig ist und kaum vor Diebstahl schützt.

Als aktives Bändchen-Mikrofon hat das Sigma eine erwartungsgemäß wesentlich höhere Ausgangsspannung als die klassischen Pas-siv-Konstruktion: Das Messlabor ermittelt mit 14 mv/Pa einen Wert, der sich mit Kleinmemb-ran-Kondensator-Mikrofonen messen kann und die gängige Empfindlichkeit von Bändchen-Mikrofonen um das zehnfache übertrifft. Bänd-chen-typisch ist dagegen der Frequenzgang: Neben einem Peak bei 150 und 300 Hertz weist er einen steten, aber gleichmäßigen Ab-fall ab 1,5 Kilohertz auf, ab vier Kilohertz geht die Kurve noch steiler in den Keller. Das spricht einmal mehr für einen ausgeprägt war-men Klang mit zurückgenommenen oberen Mitten und Höhen, der nicht notwendig topfig und muffig sein muss.

Klanglich steht das Sigma in bester Bändchen-Tradition, der angestrebte Vintage-Sound, den die Designer versprochen haben liefert das Sigma ohne Frage: Es ist ein großer, warmer Klang, gewissermaßen die Entsprechung zum gold-schwarzen Gewand des Mikrofons. Ob-wohl es in den Höhen tatsächlich zurückhaltend ist, löst es dennoch hier fein auf und Transienten wie beispielsweise der Anschlagsimpuls des Plektrums in den hohen Lagen einer Jazzgitarre gibt es sauber und rund wieder. Es lässt hier allerdings ein wenig die Knackigkeit vermissen und klingt eigentümlicherweise älter als beispielsweise das Peluso R 14. Dass es nicht dazu neigt, Stimmen und Instrumente wie in Watte gepackt, dumpf-mulmig klingen zu lassen, liegt sowohl am sehr guten Impulsverhalten, der hohen Auflösung und dem nur dezent überhöhten unteren Mittenbereich. Als Ge-sangsmikrofon, vorzugsweise für Jazziges, Souliges und allgemein für Balladen macht es eine Klassefigur und wird auch echten Powerstimmen gerecht. Auch Trompeter kön-nen mit dem Sigma dem goldenen Ton mancher Swing-Heroen wie Roy Eldridge nahe kommen – aber Vorsicht: Auf gemessenen Abstand zum Mikrofon achten, sonst könnte es fürs Bändchen böse enden. Schließlich, wenn wir schon bei den Swing-Vergleichen sind: Klarinettisten werden mit dem Sigma den King of Swing, Benny Goodman, sehr viel leichter imitieren können, während Flötisten im Sound von Count Basies Meisterflötist Frank Wess die Luftsäule zum Schwingen bringen werden.

Fazit: Das Sigma von Sontronics sieht retro aus und klingt auch so, womit es sich als Gesangsmikrofon für alle Stimmen und für Blech- und Holzbläser empfiehlt, die auf der Suche nach einem ganz besonderen warmen Goldton sind.

Erschienen in Ausgabe 02/2007

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 499 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut – überragend

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