Eines für Alles zum Zweiten

Izotope legt die zweite Version seines Channelstrip-Plug-ins Alloy vor, das mit einer Vielzahl neuer Features aufwartet und das Veredeln von Spuren und Subgruppen künftig noch flexibler, komfortabler und klanglich vielseitiger gestalten soll. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht.

Von Georg Berger 

Was fürs Mastering recht ist, ist fürs Tracking und Mixing schon lange billig. Die Rede ist von der Mastering-Software Ozone der amerikanischen Software-Company Izotope, die unter einem Dach gleich mehrere Prozessoren zum gezielten Veredeln von Mixen bereitstellt. Getreu des Eingangs erwähnten Spruchs haben also zahlreiche Anwender in der Vergangenheit die exzellente Klangqualität von Ozone auch zum Veredeln einzelner Spuren und Subgruppen genutzt, was allerdings mit dem großen CPU-Hunger der Software teuer erkauft wurde. Konsequenterweise wurde daher recht schnell der Ruf nach einer gezielt für die Einzelspur-Bearbeitung programmierten Software im Stile und in der Klangqualität von Ozone laut. Vor knapp zwei Jahren hat der Hersteller mit der Erstversion von Alloy diesen Rufen nachgegeben und vor kurzem legte Izotope schließlich das erste Major-Update seines opulent ausgestatteten Channelstrip-Plug-ins vor, das viele Gene der Ozone-Anwendung geerbt hat, jedoch einen individuellen Weg hinsichtlich Signal-Bearbeitung und Ausstattung folgt. Auffällig ist das jetzt neu designte, größere GUI, das sich farblich und layouttechnisch an die ebenfalls in diesem Jahr erschienene fünfte Version von Ozone annähert und visuell zum Mastering-Prozessor gleichzieht (siehe Test in Heft 4/2012). Außer diesen augenfälligen Änderungen ist im Kern logischerweise zunächst alles beim Alten geblieben. Ebenso wie Ozone versammeln sich im rund 200 Euro kostenden Alloy 2 Plug-in gleich mehrere Prozessoren, die in einen Host-Rahmen eingefasst sind und sich per Knopfdruck im zentralen Display aufrufen lassen.

Der Reihe nach finden sich Standard-Werkzeuge wie ein Equalizer und zwei separate Dynamik-Prozessoren, bestehend aus einer jeweils individuell einstellbaren Kompressor- und Noise Gate/Expander-Sektion. Das Arsenal wird mit ausgewiesenen Spezialisten in Sachen Signalbearbeitung komplettiert, namentlich einem De-Esser, Exciter, Limiter und Transient Shaper. Besonderheit: Dynamics, Exciter und Transient Shaper lassen sich sowohl im Breitband-, als auch im Multiband-Modus betreiben, wobei maximal drei einstellbare Bänder zur Verfügung stehen und dem Anwender mächtige Werkzeuge zur detaillierten Signalformung an die Hand geben. Der Clou: Uns ist bislang noch kein Transienten-Prozessor mit Multiband-Unterstützung im Test untergekommen, was bereits seit der Erstversion existent ist und Alloy mit einem einzigartigen Feature adelt. Daneben trumpft Alloy übrigens mit weiteren einzigartigen Features auf, die wir an späterer Stelle noch erläutern.
Ebenso bereits in der Erstversion enthalten und von Ozone übernommen, ist auch der interaktive Graph-Dialog, der ein völlig freies Anordnen der Teil-Prozessoren im Signalfluss erlaubt. Besonderes Feature hierbei: Die beiden Dynamics-Module können in ein paralleles Routing versetzt werden, was quasi eine Parallel-Kompression de Luxe erlaubt,  beide Signalzweige lassen sich mit individuellen Dynamik-Bearbeitungen versehen. Aus Gründen der Phasenstabilität müssen beide Prozessoren dabei über die gleiche Zahl und identische Einstellung an Bändern verfügen, was nachvollziehbar ist. Das Bedienkonzept des Plug-ins ist dabei denkbar einfach, wobei Ozone-Anwender, die das erste Mal mit Alloy 2 arbeiten, ohne Zeitverzug weiter arbeiten können. Das GUI zeigt als ständige Bedienelemente eine Knopfleiste am unteren Rand zum Aufruf und Bypass Schalten der Prozessoren und zum Laden von Presets sowie Fader und Meter-Anzeigen auf der rechten Seite zum Einstellen und Ablesen der Ein- und Ausgangspegel. Neu ist dabei der Overview-Button, der nach Klick auf einen Schlag im zentralen Display die wichtigsten Parameter der momentan im Einsatz befindlichen Prozessoren zeigt. Damit können rasch notwendige Einstellungen ohne lästiges Klicken durch die Einzel-Module realisiert werden, was den Workflow entsprechend beschleunigt. Neu sind auch Buttons zum Aufruf globaler Presets und von Modul-Presets. Über die Global-Presets werden direkt mehrere Prozessoren eingestellt, wohingegen die Modul-Presets Einstellungen für nur einen (Teil-)Prozessor besitzen. Damit lässt sich rasch ein individuelles Setup an Einstellungen zusammenstellen. Settings eines Prozessors innerhalb eines Global-Presets können umgekehrt auch als Modul-Preset gespeichert werden. Damit zieht Alloy 2 zu Ozone 5 gleich und offeriert dem Anwender ein weiteres Plus an Komfort und Flexibilität. Die Global-Presets sind dabei sinnvoll nach verschiedenen Kategorien und Instrumenten-Gruppen wie etwa Drums, Gitarren, Gesang oder Post Production unterteilt. Die Zahl an mitgelieferten Presets hat sich im Vergleich zur Vorversion übrigens auf rund 200 erhöht. Doch damit fängt der Reigen an neuen Features erst an. Sämtliche Dynamik-Effekte verfügen jetzt über ein sogenanntes Gain-Trace-Display, das fortan ein visuelles Feedback über den Grad des Dynamik-Eingriffs gibt. Im Test erweist sich diese Anzeige als sehr hilfreich, die sich in Form weißer und/oder gelber Linien über die in Echtzeit durchlaufende Wellenform legt und Auskunft über die resultierenden Amplituden im Vergleich zum Original gibt. Besitzer der Advanced Version von Ozone 5 werden sich über die Möglichkeit freuen, sich die von Alloy 2 bearbeiteten Signale über die sogenannte Meter Tap Funktion im Spektrogramm der mächtigen Meter-Bridge anzeigen zu lassen.

Abseits dessen finden sich in den einzelnen Prozessoren weitere Neuheiten, die wir ebenfalls nicht unerwähnt lassen wollen. Den Anfang macht der Equalizer, dem die Entwickler gleich eine ganze Reihe neuer Filtercharakteristiken verpasst haben. Unter der Bezeichnung Vintage Low/High Shelf finden sich jetzt Emulationen, die sich am Klang und Regelverhalten der legendären Pultec-EQs orientieren. Darüber hinaus verfügt der Alloy-Equalizer jetzt auch über Baxandall-Höhen- und Bassblenden, die mit einem besonders weichen und subtilen Regelverhalten aufwarten (siehe dazu auch den Test des Dangerous Music BAX EQ in Heft 3/2012). Komplettiert wird das Arsenal durch resonanzfähige Shelf- sowie Brickwall-Passfilter, die den Alloy Equalizer in Version 2 zu einem Tausendsassa in Sachen Frequenzbearbeitung machen und das Pendant der Vorversion eher klein und nichtig aussehen lässt. Besonderheit: Mit Hilfe des Mausrads lässt sich in und aus der Kurven-Graphik zoomen, um sowohl einen Gesamt-Überblick zu erhalten, als auch präzise Detail-Einstellungen vornehmen zu können. Sehr schön: Das Feature, Frequenzbereiche isoliert abzuhören indem mit gedrückter Alt-Taste in das interaktive Equalizer-Display geklickt wird, ist nach wie vor existent und hilft im Test auf effiziente Art, Stör- und Resonanzfrequenzen auf die Spur zu kommen. Die Bandbreite dieses „Alt-Solo-Filters“ ist übrigens im Optionen-Menü dynamisch einstellbar.

Neues findet sich auch in den beiden identisch ausgestatteten Dynamics-Modulen. Außer den erwähnten Gain-Trace-Displays verfügen beide jetzt über einen sogenannten Detection-Filter im Sidechain, um das Steuersignal von unerwünschten Frequenzbereichen zu bereinigen. Nicht alltäglich ist dabei, dass die im entsprechenden Display einstellbaren Low- und Highshelf-Filter sogar resonanzfähig sind. Doch nicht nur dieses Feature wurde von Ozone 5 entlehnt. Der sogenannte All Band-Dialog zeigt im Multiband-Modus, ähnlich wie der Overview-Dialog, sämtliche Parameter der einzelnen Dynamics-Bänder auf einen Schlag. Das simultane Einstellen eines Parameters in allen Bändern ist via Link-Button möglich. Ansonsten ist alles beim Alten geblieben. Kompressor- und Gate-/Expander-Sektion erlauben das Einstellen negativer Ratio-Werte (Upward Compression/Expansion), es steht ein Vintage- und Digital-Modus mit entsprechend unterschiedlichen Regelverhalten zur Auswahl, es lässt sich zwischen Soft- und Hardknee-Charakteristik umschalten und der Regelschaltkreis kann zwischen Peak- und RMS-Analyse umgeschaltet werden. Via Mix-Regler lässt sich intern auch eine parallele Signalverarbeitung realisieren. Damit verfügen die Dynamics-Module über so ziemlich alle Features, die ein moderner Kompressor besitzen soll. Sämtliche Einstellungen können logischerweise separat für jedes Band gemacht werden. Das eigentliche Highlight, bereits seit der Erstversion existent, findet sich in den Möglichkeiten zum Sidechaining. So können nicht nur externe Signale zum Steuern des Regelschaltkreises eingesetzt werden, sondern auch einzelne Frequenzbänder im Multiband-Modus, von Izotope „Crosschaining“ genannt. Das gibt es wirklich nicht alle Tage, denn über ein Dropdown-Menü kann beispielsweise der Kompressions-Schaltkreis des ersten Bands vom Frequenzbereich des dritten Bands via Sidechain gesteuert werden.

Komplett redesignt und überarbeitet wurden  in Alloy 2 die Algorithmen von Exciter und Transient Shaper, wobei die Ausstattung im Wesentlichen gleich geblieben ist. Sehr schön: Wie gehabt lassen sich die vier Verzerrer-Modi Tube, Tape, Warm und Retro im Exciter mit Hilfe einer XY-Matrix via Maus dynamisch überblenden und mischen, was nicht zur Selbstverständlichkeit zählt. Ozone 5 kann das beispielsweise nicht. Dazu zählt auch die Möglichkeit, per Width-Parameter auf die Stereobreite des prozessierten Signals einzugreifen. Ebenso wie in Ozone 5 verfügt der Psychoakustik-Prozessor in Alloy 2 jetzt über ein per interaktivem Display einstellbares Post-Filter zum nachträglichen Feinschliff des bearbeiteten Signals. Das in Highshelf-Charakteristik ausgelegte Filter ist dabei vor dem Output des Prozessors integriert und sorgt für ein behutsames Zügeln allzu dominant klingender Höhenanteile. Erfahrene Anwender wissen nur allzu gut um die verführerische Kraft dieses Klangverbesserers und die Gefahr, leicht zuviel des Guten zu tun, besteht immer. Doch es gibt auch Situationen in denen ein Kompromiss zwischen Zuviel und Ausreichend getroffen werden muss. Wer sich für ersteres entscheidet, erhält mit dem Post-Filter jedenfalls ein Werkzeug an die Hand, um ohne Einsatz des Equalizers wohldosiert diesem Zuviel entgegenzusteuern. Einmal mehr haben die Izotope-Entwickler bei diesem Feature mitgedacht und einen Prozessor um ein praxisgerechtes Feature erweitert. Auf Nachfrage teilt uns Izotope Produktmanager Brett Bunting mit, dass die Algorithmen für den Exciter zwar von Ozone 5 entlehnt sind, jedoch gezielt für Alloy modifiziert wurden. Insgesamt geht der Alloy-Exciter dabei deutlich kraftvoller und nachhaltiger ans Werk als das Ozone-Pendant. In Bezug auf den Transient Shaper Algorithmus hüllt er sich allerdings in Schweigen und gibt lediglich bekannt, dass der Prozessor, wie übrigens alle anderen Dynamik-Module auch, mit einer Look-ahead-Funktion arbeiten. Über den Zero Latency-Button lässt sich die Funktion übrigens auch deaktivieren, was folglich zu geringeren Latenzen, teils aber auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. Wir erfahren schließlich noch, dass die Entwickler intensiv an der Verbesserung der Analyse-Logik zum Erkennen von Attack- und Release-Phasen eingespeister Signale gearbeitet haben. Die kinderleichte Bedienung bleibt davon unberührt. Im Test nehmen wir mit Hilfe des Attack- und Release-Reglers nachhaltig Einfluss auf beide Hüllkurvenanteile. Später dazu mehr. Der überschaubar ausgestattete Limiter hat schließlich auch eine Neuheit erfahren. In Alloy 2 ist ab sofort ein unabhängiges Bearbeiten beider Stereokanäle möglich. Das besondere Feature via Phase Rotate Fader asymmetrische Wellenformen zu glätten ist bereits aus der Vorversion bekannt. Besonderheit: Die Phasenfunktion ist in Alloy 2 jetzt nicht mehr als separater Block im Graph-Dialog verschiebbar. Das schaltbare DC Offset sowie die Phasenumkehrfunktion wurden ebenfalls in Version 2 eingespart. Einerseits beraubt Izotope den Anwender damit zwar um zwei wichtige Features. Andererseits sorgt diese Entscheidung für Übersichtlichkeit. Um DC Offset anzuwenden und die Phase zu drehen, müssen wir also auf die Möglichkeiten der DAW zurückgreifen. Aber damit können wir sehr gut leben.

Seitenanfang 

Einzig der De-Esser hat bis auf das neu integrierte Gain-Trace-Display keine weiteren Verbesserungen erfahren. Wie bereits in der Vorversion verfügt der Prozessor über einen Broadband- und Multiband-Modus, was ein wenig irreführend ist. Im Broadband-Modus arbeitet der De-Esser – Nomen est Omen – als herkömmlicher Breitband-Kompressor und empfiehlt sich damit als zusätzliches Dynamik-Werkzeug, wenngleich mit überschaubaren Einstellmöglichkeiten – ein Ratio-Parameter ist nicht verfügbar. Der Multiband-Modus macht aus dem De-Esser jedoch erst den sogenannten Zischlaut-Entferner. Allerdings lässt sich im Crossover-Display lediglich der Frequenzbereich definieren, indem die auftretenden Zischlaute im Pegel reduziert werden sollen. Es stehen also in diesem Sinne lediglich zwei Bänder zur Verfügung, wobei die Dynamikreduktion erwartungsgemäß ausschließlich auf das De-Essing-Band einwirkt.  

Alloy 2 verfügt über noch weitaus mehr praxisgerechte und teils pfiffige Features. Sie werden zumeist über den Optionen-Dialog aufgerufen und eingestellt, um das Plug-in den eigenen Wünschen und der Performance des Rechners anzupassen. Doch alle Funktionen nennen zu wollen, würde den Rahmen des Artikels bei weitem sprengen. Festzuhalten bleibt jedoch, dass die Ausstattung von Alloy 2 trotz der Vielzahl an Neuheiten nicht an den Funktionsumfang seines Mastering-Gegenübers Ozone 5 reicht. Allerdings ist der Grad an Einstellmöglichkeiten und nicht zuletzt auch die Menge an teils einzigartigen Zusatz-Funktionen recht komplex. Dennoch bietet sich Alloy 2 durch das leicht verständliche Bedienkonzept sowohl für gestandene Routiniers, als auch für Einsteiger in die Tontechnik an. Ein ganz anderes Thema ist jedoch der Leistungshunger des Channelstrip-Plug-ins. Von Izotope Produktmanager Brett Bunting erfahren wir, dass nur Teil-Algorithmen von Ozone 5 in Alloy implementiert wurden, die auch für Mixing-Zwecke geeignet sind. Sie dienen jedoch nur als Ausgangsbasis für eine gezielte Weiterentwicklung, die speziell auf die Anforderungen von Alloy ausgerichtet ist. Im Test kann sich Alloy 2 in Sachen Leistungshunger folglich deutlich besser in Szene setzen als Ozone 5. Eine Alloy-Instanz lässt das VST-Meter von Nuendo 5.5 auf etwa zehn Prozent hochschnellen. Der Einsatz von fünf Instanzen auf einem Quadcore-Rechner zeigt einen Wert von etwa 45 Prozent an. Im Vergleich zu anderen Plug-ins ist das zwar durchaus hoch. Doch darf nicht vergessen werden, dass bis zu sechs Prozessoren gleichzeitig ans Werk gehen. Auffällig ist auch, dass der Multiband-Einsatz einzelner Module teils zusätzliche CPU-Performance benötigt. Doch in der Praxis wird man kaum sämtliche Alloy-Module gleichzeitig einsetzen und ein Multiband-Einsatz zählt immer noch zu den Spezial-Anwendungen für besonders problematisches Material, das jedoch nur routinierten Anwendern anempfohlen sei. Schließlich: Wer in einer Spur drei oder vier Einzel-Plug-ins einsetzt, wird mit einer ähnlichen Prozessorlast konfrontiert sein. Daher geht der Leistungshunger von Alloy 2 voll und ganz in Ordnung. 

In Sachen Klang und Regelverhalten orientiert sich Alloy 2 ohne Wenn und Aber an seinem Mastering-Gegenpart Ozone. Der Grundklang ist durchweg transparent mit leichten Anleihen an den Analog-Sound. Die Bässe erscheinen nach einer Bearbeitung klar und druckvoll, die Höhen erhalten je nach Einsatz der Teil-Effekte und Einstellungen, auf eigentümliche Art einen seidigen Schimmer, der sehr edel klingt und den anliegenden Signalen schmeichelt. Das Regelverhalten fällt im Großen und Ganzen sehr organisch, bisweilen sogar subtil aus und lässt so gut wie keine Klangfärbungen zu. Doch in Extremstellungen können einzelne Module, allen voran der Exciter, Transient Shaper, aber auch die Dynamics, recht schnell bissig und letztlich doch klangfärbend auf Signale einwirken. Alles in allem ist Alloy 2 jedoch ein behutsames Plug-in, das sich nicht in der Vordergrund spielt, aber dennoch nachhaltig und merkbar für eine nachhaltige Klangverbesserung des eingespeisten Signals sorgt. Im Test nähern wir uns den Eigenschaften des Plug-ins zunächst über die mitgelieferten Presets. Dabei müssen wir gerade den Hut vor den exzellent programmierten Global-Presets ziehen, die durchweg musikalisch und ästhetisch überzeugen können. Bereits nach wenigen Handgriffen haben wir die Presets unseren eigenen Bedürfnissen angepasst. Dabei begeistern uns in besonderem Maße die Vocal-, Drum-, Post Production- und Broadcast-Presets. Die Special Effect-Presets zeigen schließlich dann doch, dass Alloy 2 nicht nur das Zeug hat, als nüchternes Signal-Werkzeug ans Werk zu gehen. Dafür gibts in jedem Fall ein Extra-Lob. Die Klangeigenschaften jedes Teil-Prozessors jetzt en detail vorstellen zu wollen, würde jedoch jetzt zu weit führen, weshalb wir uns auf die bemerkenswertesten konzentrieren wollen. Der Zuwachs an Filtercharakteristiken im EQ hat dem Modul in jedem Falle hörbar gut getan. Die Baxandall-Filter gehen sehr zart ans Werk. Die Vintage-Shelf-Filter gefallen hingegen durch ein kraftvolles Zupacken, wobei sie im Vergleich zu ausgewiesenen Pultec-Emulationen und anderen passiven Equalizern doch eher klinisch-neutral klingen, aber dennoch musikalisch ins Material eingreifen. Die Dynamics-Sektion entpuppt sich im Test als gutmütiger Zeitgenosse, der einiges an Aufwand erfordert, um absichtlich unerwünscht klingende Ergebnisse  zu erhalten. Im Digital-Modus bei aktiviertem Hard Knee empfiehlt er sich als blitzschnell zupackender Effekt. Umgekehrt führt der Vintage-Modus mit Soft Knee zu wunderbar weich und subtil klingenden Ergebnissen. Erst das Einstellen negativer Ratio-Werte verwandelt das Dynamics-Modul in ein nachhaltig eingreifendes Sounddesign-Instrument. Exciter und Transient Shaper bestechen im Test durch sehr hohe Kraftreserven, die eingespeiste Signale in  Extremstellungen im ersten Fall mit deutlich hörbaren Verzerrungen versehen können und im zweiten Fall vom Ursprungssignal nicht mehr viel übrig lassen.   

Fazit

Izotope legt mit Alloy 2 ein in weiten Teilen erweitertes Signalbearbeitungs-Werkzeug vor, das eingespeiste Signale ohne zusätzlich färbende Beigaben nachhaltig veredelt. Das Plus an Bedienkomfort und Ausstattung sowie die vielen Extra-Features und Eingriffsmöglichkeiten sind ohne Wenn und Aber eine Empfehlung wert. Anwender, die bei der Arbeit auf den färbenden Vintage-Klang setzen, sollten hingegen auf die vielen zahlreichen Emulationen analoger Hardware ausweichen. Wer jedoch ausschließlich das Beste aus seinen Aufnahmen ohne weiteren Schnickschnack holen will, erhält mit Alloy 2 ein zweifellos mächtiges Werkzeug an die Hand.

Erschienen in Ausgabe 10/2012

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 199 (79 Upgrade, 399 im Bundle mit Ozone 5)
Bewertung: sehr gut – überragend
Preis/Leistung: sehr gut

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