Der Gipfel der Genüsse

Mit dem ECS-410 stellt Summit Audio einen brandneuen Channelstrip vor. Der Namenszusatz Everest deutet an, dass die Entwickler nichts weniger als die Weltspitze der professionellen Audiotechnik anstreben.

Von Raphael Hornbruch

Beste Zutaten, eine hohe Verarbeitungsqualität und ein eigener Klang haben die Signalprozessoren von Summit Audio berühmt gemacht. Das Portfolio der renommierten Edelschmiede aus Gardnerville/Nevada besteht aus einer Reihe von Mikrofon-Vorverstärkern, Kompressoren und Equalizern, die sich seit der Firmengründung vor 30 Jahren einen Spitzenplatz in den Topstudios der Welt erobert haben. Dabei bedienen sich die Entwickler einer Kombination aus feinster Röhren- und Transistortechnik, um das Beste aus beiden Welten miteinander zu vereinen. Erlaubt ist, was ein gutes Klangergebnis verspricht.

Der ECS-410 ist eine Zusammenstellung von Schaltungen aus Summit-Signalprozessoren der Classic-Line-Serie und vereint einen hochwertigen Mikrofon- und Instrumenten-Vorverstärker, einen parametrischen Equalizer in passiver Schaltungstechnik, einen Kompressor und eine klangveredelnde Ausgangsstufe zu einem Highend-Channelstrip. Wie die Landsleute von Universal Audio mit ihrem Twin Finity-Preamp (Test in Ausgabe 1/2009) oder auch SPL mit der Gainstation 1 (Test in Ausgabe 6/2006), setzt auch Summit Audio beim Schaltungsdesign auf eine Kombination von Röhren- und Transistorverstärker. Der Anwender hat also die Wahl, welches Schaltungsdesign ihn klanglich mehr anspricht und wählt als Eingangsstufe entweder Röhre oder Transistor. Darüber hinaus – das unterscheidet den ESC-410 von den beiden Mitbewerbern – verstärkt zusätzlich die Ausgangsstufe, Drive-Bus genannt, das Ausgangssignal wahlweise mit einer Röhren- oder einer Transistorschaltung, in der gezielte Übersteuerungen möglich sind, was weitere Klangvarianten schafft.
Besonderer Clou des Amerikaners ist eine integrierte Routing-Matrix, die es dem Anwender ermöglicht, alle Sektionen beliebig miteinander zu verschalten, um beispielsweise den Equalizer vor oder hinter den Kompressor schalten zu können und so vielfältige Klangvariationen zu ermöglichen. Doch damit nicht genug, verfügt jede einzelne Sektion über eigene Anschlüsse an der Rückseite, so dass der ECS-410 nicht nur als Recording-Frontend verwendbar ist, sondern auch als universeller Klangveredler in der Mischung und im Mastering eingesetzt werden kann. Mit 3950 Euro ist dieser Channelstrip schon in der Oberklasse angesiedelt, wobei sich der hohe Preis angesichts der flexiblen Einsatzmöglichkeiten und der Klangvarianten schnell relativiert. Im Vergleich zu einem selbst zusammengestellten, vergleichbaren Gerätepark von Summit-Prozessoren ist der ESC-410 schon fast ein Schnäppchen. Wenn er auch klanglich halten kann, was die Amerikaner versprechen, spielt der Preis für den anspruchsvollen Profi ohnehin nur eine untergeordnete Nebenrolle.

Der Everest Channelstrip ist auf jeden Fall ein echter Hingucker. Die mit diagonalen Linien aus Lichtkanten und LED-Ketten recht ungewöhnlich gestaltete Frontplatte ist reliefartig aus einem Stück massivem Aluminium gefräst. Alle anderen Seiten des robusten Gehäuses bestehen aus mattschwarzem Metallblech. Die Lüftungsöffnungen in der Abdeckplatte, die das Summit-Logo in vergrößerter Form darstellen, dienen der Wärmeableitung aus dem Geräteinnern. Die Schalter am Gerät sind allesamt als Kippschalter ausgeführt, die Taster in der Routing-Sektion verfügen über integrierte LEDs. Zusätzlich leuchtet in jeder aktivierten Sektion eine Routing-LED. Sehr übersichtlich. Die gekapselten Potentiometer sind sehr leichtgängig. Auf öl- oder silikongedämpfte Potis hat der Hersteller bewusst verzichtet, da diese aufgrund der Temperaturentwicklung der Röhren im Innern des Geräts auf Dauer keinen gleichmäßigen Lauf gewährleisten. Obwohl die Potentiometer in Form, Größe und Farbe unterschiedlich gestaltet sind, ist die Unterteilung in einzelne Module jedoch nicht sofort klar erkennbar.

Sorgt der erste Blick auf die Frontplatte des Geräts also ein wenig für Verwirrung, erweist sich die Anordnung der Bedienelemente bereits nach kurzer Arbeit mit dem Gerät als durchaus praktikabel. Lediglich die in rot gedruckten Parameternamen in der Kompressorsektion lassen sich schlecht ablesen. Verwirrend ist auch die Nullstellung der Regler, die sich für Kompressor und EQ wie gewohnt in 12-Uhr-Stellung, jedoch für die Regler der Ausgangssektion in 3-Uhr-Position befinden. Die Skalierung des Potis hingegen ist sehr fein und gut ablesbar. Auf der Rückseite des Geräts befinden sich sämtliche Anschlüsse des Summit-Kanalstreifens, der mit insgesamt 13 Ein- und Ausgangsbuchsen reichhaltig bestückt ist. Die Audioein- und Ausgänge jedes Moduls sind als XLR-Buchsen, die Ausgänge von Pre-Amp und Drive-Bus zusätzlich als symmetrische 6,3-Millimeter-Klinkenbuchsen vorhanden. Dazu gesellen sich ein Insert für den Pre-Amp sowie ein Sidechain-Insert und ein Link-Eingang zur Stereoverkopplung des Kompressors.

Die Pre-Amp-Sektion ist mit Phantomspeisung, einer Pad-Funktion, einem Polaritätsumschalter und einem Hochpassfilter komfortabel ausgestattet. Der stufenlos regelbare Vorverstärker mit leichtgängigem Gain-Regler erlaubt eine maximale Anhebung von 60 Dezibel, die Aussteuerungsanzeige fällt mit zehn LEDs sehr üppig aus. Das Ausgangssignal des Pre-Amps wird wahlweise über eine Röhren- oder eine Transistorstufe geführt, die Auswahl erfolgt mit Hilfe des Output-Select-Schalters. Dies gilt jedoch nur für Mikrofonsignale. Eine am frontseitigen Instrumenteneingang angeschlossene E-Gitarre oder ein Bass werden automatisch immer in der Röhrenstufe verstärkt. Dafür sind die Pegelabsenkung und das Hochpassfilter dem Mikrofonsignal vorbehalten. Während, wie im Messlabor ermittelt, die Absenkung 24 anstelle der angegebenen 20 Dezibel beträgt, senkt das Hochpassfilter tiefe Frequenzen unterhalb von 60 Hertz mit sechs Dezibel pro Oktave sehr sanft ab. Sehr praktisch: Das verstärkte Mikrofonsignal liegt an beiden Ausgängen gleichzeitig an, so dass man beispielsweise über den XLR-Ausgang aufnehmen kann, während der Klinkenausgang für Monitorzwecke an einen Kopfhörer- oder Instrumentenverstärker angeschlossen wird. Dank des niedrigeren Ausgangspegels am Klinkenausgang (-10 dBV) empfiehlt der Hersteller, diesen Ausgang zur Sicherheit auf eine separate Spur aufzunehmen, falls in der eigentlichen Aufnahme mit höherem Pegel Übersteuerungen auftreten sollten. Desweiteren gibt es eine Insert-Buchse zum Einschleifen von externen Prozessoren.

Der Kompressor wurde als sehr universell ausgelegt. Zu den Bedienelementen des Kompressors gehören die üblichen Regler für Threshold, Attack und Release sowie dem obligatorischen Gain-Regler für den Aufholverstärker. Dazu gesellt sich ein Kippschalter mit der Bezeichnung „Type“, mit dem sich zwei Kompressortypen vorwählen lassen: Classic und Tight. Die Classic-Variante arbeitet als Soft-Knee-Kompressor mit einer maximalen Verdichtungsrate von drei zu eins.
Im Tight-Modus packt der Kompressor hingegen ordentlich zu und fängt Signalspitzen sehr effektiv ab, neigt allerdings bei Extremeinstellungen zum Pumpen. Diese Arbeitsweise eignet sich dank seines höheren möglichen Kompressionsverhältnisses von bis zu 10:1 optimal zur Spitzenbegrenzung bei hohem Einsatzpunkt. So ist der Kompressor des ECS-410 einerseits als klanggestalterischer Dickmacher einsetzbar, versieht andererseits als schnell eingreifendes Werkzeug vor A/D-Wandlern zuverlässig seinen Dienst. Die Gain-Reduction-Anzeige ist mit zehn LEDs gut bestückt, ein kombinierter Bypass/Link-Schalter aktiviert den Kompressor beziehungsweise die Link-Funktion, die im Verbund mit einem zweiten ECS-410 eine Stereobearbeitung zulässt. Dazu werden beide Kompressormodule über eine rückseitige Link-Buchse miteinander verbunden. Weiterhin befindet sich an der Rückseite ein Side-Chain-Insert, so dass auch De-Essing oder Ducking-Funktionen realisierbar sind.

Auch der passive Equalizer hält einige schaltungstechnische Schmankerl bereit. Das auf Spulen und Kondensatoren basierende Design des Dreiband-Equalizers ist passiv aufgebaut, wodurch unerwünschte Phasenverschiebungen vermieden werden. Die Randbänder lassen sich per Kippschalter zwischen Peak- und Shelving-Charakteristik umschalten, die fest eingestellte Bandbreite des Mittenbands beträgt etwas mehr als zwei Oktaven. Jeweils sechs Einsatzfrequenzen lassen sich mit gestuften Frequenzschaltern für die Tiefen, Mitten und Höhen auswählen. Die Frequenzbereiche überlappen sich nicht, so dass krasse Klangverbiegungen nicht möglich sind. Die maximale Anhebung beziehungsweise Absenkung ist über Drehregler mit rastender Nullstellung beeinflussbar und fällt mit maximal 12 Dezibel eher moderat aus, was allerdings sehr gut zum Charakter des Equalizers passt, der sich im Hörtest, soviel sei an dieser Stelle schon verraten, als musikalischer, natürlich klingender Entzerrer präsentiert.
Der schaltbare Bypass nimmt den Equalizer aus dem Signalweg und erlaubt auf diese Art einen schnellen A/B-Vergleich.

Die Drive-Bus-Abteilung stellt sozusagen die Master- oder Ausgangssektion dieses Edel-Kanalzuges dar – mit dem großen, massiven Ausgangsregler als Kanalfader. Das weiß hinterleuchtete VU-Zeigerinstrument zeigt den Pegel am Drive-Bus-Ausgang an. Kernstücke dieser Abteilung sind zwei Ausgangsverstärker, von denen einer auf Röhrenbasis, der andere in Transistortechnik aufgebaut ist. Mittels Umschalter auf der Frontseite wird eine der beiden Schaltungen aktiviert. Damit beim Umschalten von Solid-State auf Röhre der Klang sofort vergleichbar ist, ohne dass die Röhre erst auf Temperatur kommen muss, läuft das Signal stets durch beide Verstärker. Die Umschaltung erfolgt hinter den Ausgängen, so dass der Klangunterschied sofort hörbar ist. Da auch der Drive-Bus über eine Eingangsbuchse auf der Rückseite verfügt, kann der Anwender zwecks Klangveredelung Signale ausschließlich der Ausgangsstufe zuführen.
Ein mit Drive bezeichneter Regler bestimmt den Eingangspegel und damit den Grad der Verzerrung in der Ausgangsstufe. Die zugehörige, orange Drive-LED zeigt die Intensität der Verzerrung an, während eine weitere, rote LED über Signalspitzen im Ausgangsbus informiert, die ihre Ursache in einem zu hoch ausgesteuerten Eingangssignal, oder aber in starken Anhebungen im EQ beziehungsweise im Aufholverstärker des Kompressors haben können. Insofern handelt es sich nicht um eine mehrstufige Ampel-Anzeige, da Übersteuerungen im Ausgangsbus auftreten können, ohne dass der Drive-Bus aktiv ist. Da Busübersteuerungen unerwünscht sind, sollte die rote LED nach Möglichkeit nicht aufleuchten.

Das einzigartige Routing-System Touch-Patch ermöglicht eine schnelle und intuitive Zusammenstellung der Everest-Module in zehn verschiedenen Konfigurationen. Dazu besitzt der ECS-410 ganz rechts an der Vorderseite zehn Taster, die im gedrückten Zustand leuchten und somit das gewählte Routing anzeigen. Zusätzlich befindet sich in jeder Sektion eine LED, die ihre Aktivität im Signalweg anzeigt.
Die Touch-Patch-Schaltmatrix ersetzt auf elegante Art und Weise das Signalrouting über eine externe Patchbay, was das Ausprobieren verschiedener Routing-Variationen schneller gestaltet und dank Schalt-Relais für ein störungssicheres Signalrouting sorgt.
Jedes Modul, das nicht auf den internen Ausgangsbus geroutet ist, kann über die eigenen Ein- und Ausgänge mit externen Audiosignalen beschickt werden. Ist beispielsweise am Touch-Patch der Taster „Pre-EQ-Drive-Bus“ gedrückt, bearbeitet der ECS-410 ein am Pre-Amp angeschlossenes Mikrofonsignal mit dem Vorverstärker, dem Equalizer und dem Drive-Bus. Der Kompressor kann in diesem Fall ein anderes Signal bearbeiten, das mit dem Ein- und Ausgang der Dynamiksektion verbunden wird. Schaltet man per Touch-Patch den Kompressor in den Signalweg, bearbeitet der Kompressor nun das Mikrofonsignal. Genial: Sämtliche Ausgänge bleiben selbst dann aktiv, wenn das Signal innerhalb des Geräts geroutet ist. Auf diese Art und Weise lässt sich ein Signal hinter jedem Prozessor abgreifen, um es beispielsweise einzeln auf verschiedenen Spuren aufzuzeichnen. Der Ingenieur muss sich dann erst später beim Mischen entscheiden, ob er das pure Mikrofonsignal, das komprimierte oder mit dem Equalizer bearbeitete, oder das in der Röhrenstufe des Drive-Busses angedickte Signal im Mix verwenden will. Sollen alle Sektionen unabhängig voneinander verschiedene Signale verarbeiten, muss der No-Route-Taster gedrückt sein. In diesem Schaltzustand ist dann auch der Einsatz des Drive-Busses als separates Modul möglich.

Bei der Ermittlung der Audio-Messdaten zeigt sich der Everest von seiner besten Seite. Die Messungen von Fremd- und Geräuschspannungsabstand für die Mikrofoneingänge sind mit 71,6 und 76,7 Dezibel zwar nur Mittelklasse und auch der Instrumenteneingang ist mit 61,3 beziehungsweise 70,2 Dezibel für die Fremd- und Geräuschspannung nicht ganz lupenrein, allerdings liefert die Klirrfaktor-Messung der Mikrofoneingänge mit 0,01 Prozent für den Transistor-Vorverstärker ein sehr gutes Ergebnis. Für Röhren-Verstärker typisch ist der höhere Klirrwert von durchschnittlich 0,1 Prozent, der aber immer noch als gut zu bezeichnen ist. Bei der Messung der Gleichtaktunterdrückung über Frequenz verläuft die Kurve sehr gerade und bleibt durchgängig unter -75 Dezibel.

Im Praxistest wollen wir nicht nur herausfinden, wie der Vorverstärker des ECS410 klingt, sondern selbstverständlich auch, wie vielfältig die Klangvariationen mit den verschiedenen Röhren- und Transistorkombinationen sind. Dazu nehmen wir eine Reihe von Vokal- und Gitarrenspuren in unterschiedlichen Routing-Konstellationen mit 24 Bit und 96 Kilohertz in Cubase 5 auf. Die Vergleichsaufnahmen werden wie immer mit dem Lake People F355 Vorverstärker erstellt.
Zunächst nehmen wir uns die Pre-Amp-Sektion vor und gehen vom Vorverstärkerausgang direkt auf den Lynx-Wandler Aurora 8 und von dort in den Rechner. Als Erstes wählen wir die Transistor-Variante des Pre-Amps. Die Aufnahmen mit dem Solid-State-Vorverstärker des ECS-410 klingen sehr edel und kommen mit frischen, knackigen Höhen dem F355-Klang sehr nahe, wenngleich die Mitten einen Hauch kräftiger ausfallen. Als nächstes aktivieren wir die Röhrenstufe und wiederholen die Aufnahme. Nun nehmen sich die Höhen etwas zurück, während die Mittenbetonung noch etwas zunimmt, was insbesondere der Akustikgitarre eine wärmere Note verleiht. Die Vokalaufnahmen bekommen bei aktivierter Röhren-Schaltung einen seidigen Glanz und lassen gerade die Gesangsstimmen gehauchter und rauchiger ertönen.
Neugierig auf die klanglichen Möglichkeiten des Drive-Busses betätigen wir den Pre–Drive-Bus-Schalter im Touch-Patch-Panel und routen so das Signal durch Pre-Amp und Ausgangsstufe. Das Signal wird am Drive-Bus-Ausgang aus dem Gerät herausgeführt, der Kompressor und der Equalizer befinden sich nicht im Signalweg. Wir gehen direkt aufs Ganze und stellen den Drive-Regler auf zehn. Das Resultat ist ein rauer, angezerrter Klang. Das Signal wird stark verdichtet und klingt dadurch sehr wuchtig. Gleichzeitig wirken kurze Peaks weniger sprunghaft und dynamisch. Also nehmen wir für den nächsten Aufnahme-Take den Drive-Regler zurück auf zwei und erhöhen zum Pegelausgleich den Ausgangsregler. Die Verzerrungen verschwinden, das Klangbild wird wieder offener und transparenter. Aber auch in der moderaten Einstellung klingt das Signal immer noch sehr kompakt und komprimiert.
Bei gleichen Reglerstellungen schalten wir um auf die Röhrenstufe und erhalten einen runden, bauchigen Klang. Die Höhen werden weicher, allerdings auch leicht verwaschen wiedergegeben. Die Dynamik wird auch hier kräftig eingeschränkt und erinnert stark an den Bandsättigungseffekt aus den Tagen analoger Bandmaschinen. Die Wellenform-Darstellungen der Cubase-Aufnahmen machen dies auch optisch deutlich und bestätigen insofern unseren Höreindruck.

Als Nächstes spielen wir einige Instrumentenspuren eines vorhandenen Projektes einzeln durch die Sektionen den ECS-410 und lassen unserem Spieltrieb an den Knöpfen freien Lauf. Ergebnis: Auch mit deaktiviertem Pre-Amp drückt der ECS-410 bereits aufgenommener Signalen seinen Stempel auf. So eignet sich der Drive-Bus zur nachträglichen Veredelung der Instrumentenspuren. Neben dem Kompressionseffekt sorgt die Wahl der Ausgangsstufe für vielfältige Klangvariationen. Bei weit aufgedrehtem Drive-Regler sind ordentliche Verzerrungen möglich, die gerade für Bass- und E-Gitarrensounds besonders interessant sind. Ein trocken aufgenommener Bass wird im Röhrenmodus und dem Drive-Regler auf acht knurriger.
Die Übersteuerung der Solid-State-Stufe klingt naturgemäß nicht so angenehm wie die Röhren-Zerre, komprimiert aber auch weniger heftig. Gerade akustische Instrumente und cleane E-Gitarrensound profitieren eher von moderaten Drive-Einstellungen der Transistor-Stufe. Durch einfaches Umschalten zwischen Tube und Solid-State lässt sich schnell die richtige Einstellung finden.

Für sich genommen arbeitet der Kompressor in der Classic-Einstellung sehr subtil und erzielt eine nahezu unhörbare, musikalische Kompression. Auch bei einer Gain-Reduction von zwölf bis 15 Dezibel auf der Anzeige ist kein Pumpen oder Atmen zu vernehmen. Die Verdichtung bleibt stets luftig und schnürt nicht ein. Somit eignet sich der Classic-Kompressor insbesondere für eine gleichmäßige Durchschnittskompression mit niedrig eingestelltem Threshold.
In der Tight-Einstellung arbeitet der Kompressor unhörbar, solange der Threshold-Wert hoch eingestellt ist und somit nur Pegelspitzen abfängt. Bei starken bis extremen Bearbeitungen vernimmt man zunehmend unerwünschte Artefakte wie Pumpen und Atmen. Somit eignet sich der Tight-Modus, wie bereits erwähnt, eher für kurze Spitzenbegrenzungen

Im Hörtest nehmen wir auch den Equalizer unter die Lupe. Dieser entpuppt sich in Aktion als sehr vielseitig. Instrumente und Gesang formt und färbt er nach unseren Vorstellungen. Die zur Verfügung stehenden, schaltbaren Frequenzen sind sorgsam ausgewählt und erweisen sich als äußerst praxisnah. Intuitiv und nach Gehör bedienbar ist der Equalizer ohnehin. Die maximale Anhebung beziehungsweise Absenkung von zwölf Dezibel reicht völlig aus, um auch krasse Korrekturen vorzunehmen. In erster Linie ist der passive EQ aber ein musikalischer Klangfärber, der bereits bei leichten Anhebungen hörbar eingreift.

Die Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Module potenziert die Klangvielfalt. Zum Beispiel reicht in Verbindung mit der Drive-Bus-Bearbeitung eine sanfte Classic-Einstellung des Kompressors aus, um Fingeranschläge und schmatzende Slap-Geräusche bei Bässen sauber herauszuarbeiten. Auch ein Schlagzeugmix bekommt mit der Tight-Einstellung des Kompressors und einer satten Röhrensättigung im Drive-Bus mehr Biss und Dicke. Wer noch mehr Röhrensound mag, der kann mittels Re-Amping den Vorverstärker als klanggestaltendes Element in den Signalweg nehmen. Damit erhöhen sich die Variationsmöglichkeiten noch einmal. Wir treiben es auf die Spitze und schicken bereits aufgenommene Spuren vom Pre-Amp bis zum Drive-Bus durch das ganze Gerät. So kommt ein Saxofon-Solo mit der Röhre im Vorverstärker nasaler und im besten Sinne nöliger rüber, während es über den Transistorausgang luftiger und klarer klingt. Der Bandsättigungseffekt ist bei aktivem Drive-Bus allgegenwärtig und bietet eine weitere Klangvariante zu dem schon flexiblen Kompressor.
Gute Erfahrungen beim Re-Amping haben wir auch mit dem oben erwähnten Schlagzeug-Mix gemacht. Verzerrungen bis hin zu härtestem Industrial-Sound sind kein Problem für den Everest. Da es sich bei der Schlagzeugspur um einen Stereomix handelt, hätten wir uns noch einen zweiten ECS-410 für die Stereoverarbeitung gewünscht. All diese Variationen lassen sich erst dank der schnellen Umschaltung zwischen Röhre und Solid-State sowie der Touch-Patch-Funktion herausfinden und miteinander vergleichen. Experimentierfreudige Klangbastler werden ihre helle Freude an diesem Gerät haben.

Fazit

Der Summit Everest ECS-410 ist ein äußerst gelungener Channelstrip. Die Verarbeitungsgüte, die hohe Qualität der Bauteile, das schlüssige Gesamtkonzept, vor allem aber das breite klangliche Spektrum überzeugen auf der ganzen Linie. Hinzu kommt eine komfortable und einfache Bedienung. Ein Profigerät mit echtem Boutiqueflair für Klanggourmets, das jeden Cent wert ist.

Erschienen in Ausgabe 08/2009

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 3950 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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