Der Kreis schließt sich

Euphonix erweitert mit dem MC Transport seine Artist-Controller-Serie um einen weiteren nützlichen Helfer für das Rechner gestützte Studio. Der neue Controller will dabei mit Highend-Profiqualitäten und höchstem Bedienkomfort punkten. Ob und für wen sich die Anschaffung lohnt, erfahren Sie im Test. 

Von Georg Berger

Wer bislang Produkte der amerikanischen Highend-Konsolen-Schmiede Euphonix erwerben wollte, musste dafür sehr tief in die Tasche greifen. Doch seit vorigem Jahr richtet sich der Hersteller mit den DAW-Controllern seiner Artist-Serie gezielt an Homerecordler und kleine Projektstudios. Die kostengünstigen Geräte haben dabei viele Features der größeren Konsolen geerbt. Allem voran bedienen sich die Artist-Modelle des proprietären Eucon-Protokolls, das anders als bei den Mitbewerbern, über herkömmliche Netzwerkschnittstellen übertragen wird und Daten laut Hersteller 250-mal schneller und achtfach feiner aufgelöst als die MIDI-Schnittstelle überträgt. Wer mit Sequenzern wie unter anderem Apple Logic Pro, Steinberg Nuendo und sogar mit Interfaces von Apogee oder Metric Halo arbeitet, kann direkt über das Eucon-Protokoll mit diesen kommunizieren und profitiert von der hohen Übertragungsgeschwindigkeit.

Für Applikationen ohne Eucon-Schnittstelle wie etwa Pro Tools, konvertiert der Controller die Eucon-Daten ins Mackie Control- oder HUI-Protokoll. Einziger Wermutstropfen für Windows-Anwender: Die Artist-Controller arbeiten nach wie vor ausschließlich mit Mac-Rechnern zusammen. Den Startschuss der Artist-Serie markierte die achtkanalige Faderbox MC Mix (Test in Heft 3/2008). Wenig später folgte mit dem MC Control eine Mastersektion mit allen Schikanen (Test in Heft 8/2008), die in Ausstattung und Bedienung viele Parallelen zur zehnfach teureren MC Pro Konsole aufweist. Einziger negativer Punkt damals im Test: Das schlecht verarbeitete Jog-/Shuttle-Rad, das mehr die Funktion eines stylischen, hübsch anzuschauenden Accessoires ausübt. Mit dem jüngsten Zuwachs der Artist-Serie, dem rund 600 Euro teuren MC Transport wetzt Euphonix diese Scharte jetzt mehr als deutlich aus und rundet sein Sortiment an DAW-Controllern eindrucksvoll ab .

Zentrales Bedienelement und Hingucker des Transport-Controllers ist das riesige Jog-Rad, das von einem in der Höhe abgesetzten Shuttle-Kranz und sieben zweifarbig hinterleuchteten Transport-Tasten eingefasst wird. Euphonix rückt mit seinem jüngsten Wurf diese klassischen DAW-Bedienelemente ins Rampenlicht und misst ihnen eine fast schon überbetont wirkende Aufmerksamkeit bei, die in Produkten der Mitbewerber oftmals als Randnotiz verkommen. Dabei ist der MC Transport weit mehr als die Luxus-Ausgabe einer kabelgebundenen Fernbedienung mit eingeschränkter Funktionalität. Doch der Reihe nach.

Äußerlich setzt sich das komplett schwarz eingefärbte Metall-Gehäuse des MC Transport vom Silber der beiden anderen Modelle ab und setzt einen eindeutigen Akzent innerhalb der Modellreihe. Gleich geblieben ist die Möglichkeit, durch Abnahme der Kunststoffseitenteile den MC Transport nahtlos mit dem Mix- oder Control-Modell zu verbinden und eine in sich geschlossene einheitliche Konsolen-Oberfläche zu schaffen. Über integrierte Klappfüße lässt er sich neigen und anheben. Die mitgelieferten, ansteckbaren Kunststoff-Standfüße fehlen ebenso wenig und wirken nach wie vor wenig robust. Ganz anders verhält es sich beim zentralen Bedienelement, dem kombinierten Jog-Rad und Shuttle-Kranz. Euphonix hat hochwertige Komponenten verwendet, die ansonsten nur in reinen Profi-Controllern anzutreffen sind und die Konkurrenz im vergleichbaren Preissegment blass aussehen lässt. Das kugelgelagerte, ungerastete Jog-Rad lässt sich lautlos drehen und fällt durch einen sanften, geschmeidigen Lauf auf, mit dem sich präzise Einstellungen vornehmen lassen.

Der Shuttle-Kranz steht dem in nichts nach. Das Bedienelement ist mit Federn sozusagen schwebend aufgehängt und lässt sich, ähnlich wie ein Pitchbend-Rad, wahlweise nach links oder rechts bewegen, um beim Loslassen wieder blitzschnell in die mittlere Ausgangsposition zurück zu schnellen. Eine Gummifläche auf der Kranzoberseite sorgt für sicheren Halt der Finger. Die bereits erwähnten Transporttasten warten mit sehr kurzen Schaltwegen auf, die blitzschnell und präzise reagieren. So muss es sein. Etwas behäbiger reagieren die hinterleuchteten silbernen Soft-Key-Taster, die verschiedene Funktionen ausführen. Abgerundet wird die Ausstattung von einem Zahlenblock, der primär zur Eingabe von Werten dient und einem fast schon unsichtbar integrierten Graphik-Display, das sich Euphonix nach unserem Geschmack getrost hätte sparen können. Im Test liefern die darin angezeigten spärlichen Informationen keinen nennenswerten Mehrwert. Überschaubar zeigt sich die Stirnseite, die mit einer Netzgeräte- und einer Cat.5-Netzwerkbuchse aufwartet. 

Die Funktions- und Bedienweise des MC Transport dürfte sich selbst blutigen Anfängern bereits nach kurzer Zeit erschließen. Die verschiedenen Funktionen des Jog-/Shuttle-Rads sind durch Druck auf die Soft-Key-Tasten wählbar. Mit der Shift-Taste rechts unterhalb des Rads lässt sich eine zweite Befehlsebene erreichen, die das Arsenal ausführbarer Befehle und Aktionen verdoppelt. Wer etwa mit dem Jog-Rad eine horizontale Zoom-Funktion ausführen will, muss zuvor den damit belegten Taster drücken. Sie ist dann solange auf das Bedienelement geroutet, bis ein anderer Jog-/Shuttle-Befehl angewählt wird. Highlight: Mit an Bord des MC Transport ist die sogenannte Assign-Funktion, die bereits seit langem in den großen Konsolen existiert und jetzt seine Premiere in der Artist-Serie feiert.Ähnlich wie der AI-Knob im CC121 Controller von Steinberg (Test in Heft 11/2008) oder das Speed Dial in den Controllern von Novation (Test in Heft 7/2009), lässt sich jeder Parameter im Sequenzer mit dem Jog-Rad komfortabel editieren.

Test DAW-Controller Euphonix MC Transport

Ein Klick mit der Maus auf das gewünschte Bedienelement reicht. Noch komfortabler wäre es jedoch, lediglich den Mauszeiger über den Regler zu legen. Über den Ziffernblock lassen sich primär Werte in zuvor angeklickte Zahlenfelder eintragen. Erwartungsgemäß sind auf den Transporttasten die üblichen DAW-Steuerfunktionen ausführbar. Maximal vier MC Mix, ein MC Control und ein MC Transport lassen sich mittels Ethernet-Switch/-Router miteinander zu einer mächtigen 36-Kanal-Konsole mit Master- und Transport-Sektion ausbauen. Weitere Kombinationen innerhalb dieses Rahmens, etwa ein MC Mix und ein MC Transport sind selbstverständlich auch möglich. Wir würden uns zusätzlich wünschen, mehr als einen MC Transport in einen Netzwerkverbund mit anderen MC-Modellen integrieren zu können, was momentan (noch?) nicht möglich ist, jedoch die Arbeit etwa im Postproduction- und Video-Bereich deutlich komfortabler gestalten würde.

Doch die Artist-Controller können ihren Dienst auch Stand-alone verrichten, das gilt auch für den MC Transport. Damit das funktioniert, ist zunächst die Installation der mitgelieferten Eucontrol-Software erforderlich. Über den mitinstallierten Settings-Dialog sind eine Reihe zusätzlicher Features, Einstell- und Programmiermöglichkeiten erreichbar, die sämtliche Artist-Geräte zu flexibel einsetz- und anpassbaren Werkzeugen machen. Erwähnenswert: Ganz gleich, ob nur ein Artist-Controller oder ein Verbund betrieben wird, bietet sich über die Eucontrol-Software die Möglichkeit, verschiedene im Netzwerk angeschlossene Computer bequem mit einem Tastendruck zentral vom Arbeitsplatz aus anzusprechen, Computer-Tastatur und Maus inklusive. Gleiches gilt auch für den Wechsel von gleichzeitig geladenen Applikationen, was in gleichem Maße bequem über die Bühne geht. Sehr schön: Die Artist-Geräte nehmen beim Aktivieren der neuen Applikation automatisch die dementsprechenden individuellen Tasten- und Fader-Routings an. 

Einstellmöglichkeiten für den MC Transport bieten sich im Anpassen der Display-Dimmer-Zeit sowie der Reaktionsgeschwindigkeit von Jog-Rad und Shuttle-Kranz, die im General- und Preferences-Reiter des Settings-Fensters erreichbar sind. Der Großteil der übrigen Unter-Dialoge dient primär zur Einstellung und Verwaltung der beiden anderen Modelle. Zentraler Einstell-Dialog für den MC Transport ist der Soft-Key-Dialog. Über diesen Editor lassen sich sämtliche Bedienelemente – die Tasten des Ziffernblocks eingeschlossen – mit neuen Funktionen und Befehlen belegen. Damit erweitern sich die Einsatzmöglichkeiten des MC Transport enorm. Mehr noch, bietet sich durch diese Option die Möglichkeit, den MC Transport anstelle des MC Control als zentrale Schaltzentrale zu nutzen und Aufgaben einer Master-Sektion zu übernehmen. Dies dürfte für viele Anwender je nach Anspruch und Budget in jedem Fall eine willkommene Alternative darstellen. Doch zurück zum Soft-Key-Editor: Der Dialog teilt die Oberfläche des MC Transport quasi in drei Teile: das Jog-/Shuttle-Rad inklusive Transporttasten, die sechs Soft-Key-Tasten oberhalb davon und den Ziffernblock, wählbar über das Section-Ausklappmenü. Daraufhin erscheint im Graphik-Display des Editors das virtuelle Pendant der gewählten Sektion inklusive Funktionsbeschriftung.

Test DAW-Controller Euphonix MC Transport

Ein Klick auf den Shift-Button zeigt die Befehlsroutings der zweiten Funktionsebene. Das Programmieren neuer Funktionen geschieht dabei kinderleicht. Wir wählen einen Taster aus, vergeben einen Namen im Label-Feld und klicken anschließend auf den Command-Button. Ein neues Editor-Fenster öffnet sich, in dem die eigentliche Programmierung stattfindet. Außer vorprogrammierten Eucon-Befehlen, die individuell umfangreich für jeden Eucon-fähigen Sequenzer ausfallen, stehen Keyboard-Shortcuts und ein spezielles Wheel-Menü zur Belegung dezidierter Controller-Befehle zur Auswahl. Besonderheit: Es lassen sich sogar mehrere Befehle gleichzeitig als sogenanntes Macro definieren, die durch Druck auf das entsprechende Bedienelement simultan ausgeführt werden. Die vorgenommenen Routings sind abschließend als sogenanntes Application Set speicherbar. Im Test haben wir Funktionen wie etwa den Aufruf des Mixers oder des Verbindungs-Menüs von Nuendo 4 in Windeseile auf die Soft-Key-Tasten durch Programmieren von Shortcuts geroutet. Wichtig: Sobald auf die Tasten des Ziffernblocks Befehle geroutet sind ist eine Eingabe von Werten nicht mehr möglich. Wer Befehle jedoch separat nur auf einer Funktionsebene versammelt, kann durch Nutzen der Shift-Taste sowohl Werteeingaben als auch Befehle über die Zifferntasten ausführen.

Das Programmieren neuer Controller-Befehle auf das Jog- und Shuttle-Rad ist ein wenig komplizierter, geht aber, einmal verstanden, ebenfalls flott von der Hand. Dazu muss im Command-Editor das Wheel-Menü gewählt und separat für die Bewegung nach links und rechts ein eigener Keyboard-Shortcut, etwa das simultane Drücken einer Pfeiltaste plus Zifferntaste, programmiert werden. Anschließend muss der unter einer sprechenden Bezeichnung neu programmierte Wheel-Befehl durch einen zweiten Aufruf des Command-Editors auf eine Soft-Key-Taste geroutet werden, die zum Aktivieren der Funktion dient. Im Test haben wir für Nuendo 4 binnen weniger Minuten eine Nudge- und Trim-Funktion erstellt, mit der wir Spuren beschneiden und im Arrangement ohne lästiges Anklicken und Ziehen mit der Maus hin- und herbewegen. Sind die Tasten mit den einzelnen Jog-/Shuttle-Funktionsaufrufen einmal verinnerlicht, geht die Arbeit flott und unkompliziert über die Bühne. Wir zoomen in eine Spur, schneiden mit unserer Trim-Funktion überflüssige Teile ab, zoomen wieder heraus und spulen mit der Shuttle-Funktion zur nächsten Spur, die wir bearbeiten wollen. Die gleichen Arbeitsschritte ausschließlich mit der Maus ausgeführt, dauern länger und geschehen im Fall der Spurbeschneidung längst nicht so präzise wie mit dem Jog-Rad.

Test DAW-Controller Euphonix MC Transport

Insgesamt macht die Arbeit mit dem MC Transport nicht zuletzt wegen der großen und griffigen Bedienelemente einen Riesenspaß. Mehr noch, möchten wir den Bedienkomfort alsbald nicht mehr missen, was wir beim Ausführen der gleichen Funktionen am MC Control deutlich spüren.

Bei allem Lob darf jedoch eines nicht vergessen werden: Ein Stand-alone-Einsatz des MC Transport ist im Audio-Bereich wenig sinnvoll. Trotz der Fülle an Einstellungen und programmierbaren Funktionen sind wesentliche Aufgaben bei der Arbeit logischerweise nicht oder nur umständlich möglich. Anders jedoch im Video-Bereich, wo ein MC Transport im Verbund mit der Computer-Tastatur sehr wohl den Workflow deutlich verbessert. Im Audio-Bereich ist der Neuling vielmehr eine willkommene Ergänzung, um ein bestehendes Controller-Setup optimal zu erweitern. Mehr noch bietet sich mit dem Transport-Controller und seinen, wenngleich abgespeckten Master-Sektions-Fähigkeiten, ein kostengünstiger Einstieg in die modular ausgerichtete Artist-Welt, etwa in Kombination mit einem MC Mix-Modell. Anwender können ab sofort mit einem noch professioneller ausgestatteten Frontend arbeiten.

Fazit

Mit dem MC Transport hält ein luxuriöser Controller Einzug in die Artist-Modellreihe von Euphonix, der mit eindeutigen Profiqualitäten aufwartet, die ansonsten sündhaft teuer zu bezahlen sind. Für Besitzer des einen oder anderen MC-Controllers ist die Anschaffung ein Muß. Einsteigern bietet sich dank der modularen Möglichkeiten ab sofort eine noch kostengünstigere Alternative in ein professionell ausgerichtetes Controller-System.

Erschienen in Ausgabe 11/2009

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 499 €
Bewertung: sehr gut – überragend
Preis/Leistung: sehr gut

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