Wie aus einem Guss

Cakewalk ist unter die Hardware-Hersteller gegangen und präsentiert mit dem Sonar V-Studio VS-700 ein gezielt auf ihr Sequenzer-Flaggschiff Sonar hin konzipiertes System mit allen Schikanen. Sonar-Anwender, und solche die es werden wollen, brauchen fortan nichts mehr anderes.

Von Georg Berger 

Bei Digidesign gehört es zur Philosophie, Steinberg ist ebenfalls auf den Zug aufgesprungen getan und hat sogar voriges Jahr noch einmal kräftig nachgelegt. Selbst ein Unternehmen wie Native Instruments will da nicht zurückstehen. Die Rede ist von der Herstellung von Hardware, die gezielt auf die Steuerung der eigenen Software-Entwicklungen hin konzipiert ist. Im Vergleich zu Drittanbieterprodukten wollen die Software-Häuser mit ihren Hardware-Lösungen eine deutlich bessere Verzahnung von Soft- und Hardware garantieren, bei der am Ende eine deutlich organischere Bedienung steht. Drittanbieter, die nicht denselben intensiven Einblick in die Tiefen der Software erhalten, sind je nach Feature-Umfang deshalb im Nachteil und müssen sich zunehmend neuer Konkurrenz stellen. Der amerikanische Software-Spezialist Cakewalk ist jetzt auch in das Lager der Gemischtwaren-Hersteller gewechselt und präsentiert mit dem Sonar V-Studio VS-700 ein Rundum-Sorglos-Hardware-System zur Bedienung ihres Sequenzer-Flaggschiffs Sonar. Die zweigeteilte Lösung, bestehend aus dem DAW-Controller VS-700C und dem Audio-Interface-Rack VS-700R, bietet alles was zur Aufnahme und Abmischung von Musik nötig ist. Die Hardware kommt dabei aus dem Hause Roland, was nicht großartig überrascht. Denn Cakewalk gehört schon seit einiger Zeit zum japanischen Großkonzern.   Wer das Komplett-System inklusive Sonar 8 Producer erwerben möchte, muss allerdings tief in die Tasche greifen. Satte 4.500 Euro werden für das VS-700 aufgerufen. Cakewalk bewegt sich damit im oberen Preissegment und schielt eindeutig auf eine betuchte Klientel mit Profi-Ansprüchen. Zwar sind die Komponenten auch einzeln erhältlich sowie einsetzbar und das Komplettsystem kann man auch ohne Sonar 8 erwerben, was etwas günstiger ausfällt (siehe Tabelle auf Seite 22). Doch mit Preisen jenseits von 2.000 Euro pro Hardware-Komponente dürfte selbst der Erwerb nur einer Komponente für einige Sonar-Fans zu teuer sein. Mit dem kompakten VS-100 bietet das amerikanische Unternehmen für diesen Kundenkreis ein zwar wesentlich abgespecktes aber auch deutlich billigeres Hardware-Pendant an. Die Auslieferung soll demnächst erfolgen.

Jenseits irgendwelcher Budget-Fragen erhält der Anwender mit dem VS-700 in jedem Falle ein exzellent verarbeitetes System, das sehr wertig ausfällt und mit einigen Überraschungen aufwartet, was das Preis-Leistungsverhältnis deutlich positiv beeinflusst. So enthält das VS-700 Rack zusätzlich die Hardware-Klangerzeugung des Roland-Synthesizers Fantom, dessen Klangvorrat überdies durch Einbau von sogenannten ARX-Karten aufpreispflichtig erweiterbar ist. Der Käufer erhält also zwei Geräte in Einem, was deutlich günstiger ausfällt als ein Kauf der separaten Modelle. Teile der Technik in der VS-700 Konsole, wie unter anderem die hochauflösenden und berührungsempfindlichen Motorfader und auch die Mikrofonvorverstärker im VS-700-Rack, stammen aus dem Digitalmischpult Roland M-400, wie uns Produktmanager Dirk Prior vom deutschen Edirol-Vertrieb verrät. Einen Mehrwert erhält die Konsole überdies durch die Möglichkeit, auch gleichzeitig das lineare Videoschnitt-System Edirol DV-7DL mit anzusteuern. Ein simpler Knopfdruck genügt. Dies geschieht über das proprietäre V-Link Protokoll, das über die MIDI-Schnittstellen übertragen wird. Wer also gleichzeitig mit Audio und Video arbeiten will, kann sich zumindest den Erwerb des DV-7-Controllers sparen. Schade ist, dass zurzeit nur das DV-7DL-System ansprechbar ist, was aber durch kommende Soft- und Firmware-Updates hoffentlich demnächst auch für alle anderen Video-Produkte von Edirol möglich ist. 

Aufbau und Installation des VS-700 gehen recht flott und unkompliziert über die Bühne. Die Konsole wird als erstes über das mitgelieferte SCSI-3-Kabel mit dem Rack verbunden. Von dort aus geht es per USB-Kabel schließlich in den Computer. Mehr ist nicht nötig. Zuvor ist die Installation von – sofern nicht vorhanden – Sonar 8 Producer erforderlich und anschließend der notwendigen Treiber und Applikationen, mit der die Hardware-Software Kommunikation etabliert wird. Abschließend muss nach Start von Sonar 8 die Hardware in den einzelnen Dialogen des Optionen-Menüs angemeldet werden. Über das Bedienfeld/Controller-Menü binden wir die Konsole ein. Der Audio-Treiber des Racks wird schließlich über das Audio-Menü eingebunden. Sehr schön: Wie von Sonar gewohnt, lässt sich jeder Ein- und Ausgang separat aktivieren, was der Performance des Rechners zugute kommt. Dies schließt auch den integrierten Fantom VS Synthesizer ein und sogar die separat aktivierbare ARX-Karte. Wie erwähnt, kann man die beiden Hardware-Komponenten auch unabhängig voneinander betreiben und im Falle des VS-700 Racks lässt sich zusätzlich ein weiteres Modell ins Setup integrieren. Im Solo-Betrieb muss die Konsole direkt per USB mit dem Rechner verbunden werden. Das zweite Rack muss ebenfalls separat an eine weitere USB-Schnittstelle angeschlossen und über die Wordclock-Schnittstelle mit dem ersten verbunden sein. Wichtig: Hinter den USB-Anschlüssen muss derselbe Controller arbeiten, damit die Audio-Ports des zweiten Racks erkannt werden. Ein Hub sorgt nach Angaben des Handbuchs bei Bedarf für Abhilfe. Alles in allem erhält der Anwender also ein kinderleicht installierbares System und dank der modularen Auslegung ist der Kauf des kompletten Systems nicht zwingend erforderlich.

Was die einzelnen Komponenten zu leisten im Stande sind, wollen wir jetzt näher betrachten. Allerdings können wir aufgrund der Fülle an Features nur die wichtigsten Highlights beleuchten. Aus diesen Gründen müssen wir auch auf eine nähere Betrachtung des Fantom VS Synthesizers verzichten. Für Interessierte seien an dieser Stelle dennoch die wichtigsten Highlights kurz umrissen: Die Klangerzeugung des Fantom VS ist identisch zur Keyboard-Version und es bieten sich dieselben Möglichkeiten zum Editieren der Sounds und integrierten Effekte. Unterschied: Der maximal 128-stimmige Synthesizer wird über einen per Software realisierten Editor im Sequenzer programmiert und verwaltet. Der Fantom VS Editor ist dabei als herkömmliches VST-Plug-in realisiert und wie ein virtuelles Instrument ins Synthesizerrack von Sonar ladbar. Die im Editor vorgenommenen und gespeicherten Einstellungen werden direkt an die Klangerzeugung im Rack übertragen, dort berechnet und an die Ausgänge geleitet. Befindet sich eine ARX-Karte im VS-700-Rack wird diese unabhängig vom Fantom VS von Sonar wie ein separates Sound-Modul behandelt. Eine eigene Plug-in-Instanz ist dafür erforderlich und ein separater ARX-Treiber ist im Audio-Menü zu aktivieren, möchte man die Sounds der Erweiterungskarte nutzen. Wichtig: Der Fantom VS ist erst ab der Firmware-Version 1.1 lauffähig.   Als Erstes widmen wir uns der VS-700 Konsole, die mit ihrem beeindruckenden Erscheinungsbild eindeutig in Richtung Profilager schielt. Wer sich für einen Kauf entscheidet, muss ausreichend Platz für den mit knapp zehn Kilogramm vergleichsweise schweren Controller schaffen. Mit einer Breite von zwei nebeneinander aufgeschlagenen Exemplaren von Professional audio ist die VS-700C kein zierliches Desktop-Gerät sondern eine waschechte Mixkonsole, die ihren Anspruch auf die Hauptrolle beim Produzieren von Musik einfordert. Der Hingucker auf der Bedienoberfläche ist der sogenannte T-Bar. Das T-förmige Fader-Bedienelement findet sich normalerweise in Video-Mischkonsolen und dient dort zum Überblenden von Bildsequenzen. Beim Ansteuern eines DV-7-Videosystems führt der VS-700-T-Bar folglich auch diese Funktion aus. Im reinen Sonar-Betrieb lassen sich mehrere teils geniale Funktionen ausführen: So ist per Tastendruck ein Plug-in-Parameter, bei Surround-Mixen die Front-Rear-Balance einstellbar und im X-Ray Modus ist es sogar möglich, sämtliche geöffneten Plug-in-Fenster und Editoren ein- und auszublenden. Mit der letztgenannten Möglichkeit schießt die VS-700C eindeutig den Vogel ab. Denn ab sofort braucht man sich keine Gedanken mehr über eine aufgeräumte Sonar-Bedienoberfläche machen. Mit einer einfachen Handbewegung hat man direkt den Überblick über das Projektfenster oder den virtuellen Mixer und blendet nach entsprechender Arbeit an den Spuren die Fenster zwecks Detailarbeit wieder ein. Das zweite, in DAW-Controllern eher selten anzutreffende, Bedienelement mit Hingucker-Potenzial ist der Joystick. Seine primäre Aufgabe besteht im Positionieren von Spuren/Signalen im Surround-Panorama. Ein beigeordnetes Poti reguliert dabei den LFE-Anteil. Per Tastenkombination bietet sich jedoch eine weitere geniale Funktion: Geöffnete und aktive Plug-in-Dialoge und Editoren lassen sich mit dem Joystick wie von Zauberhand komfortabel bewegen und völlig frei auf dem Bildschirm positionieren, was bislang noch kein von uns getesteter DAW-Controller zu leisten im Stande ist. Zusammen mit der X-Ray-Funktion des T-Bar verdient Cakewalk dafür ein Sonderlob in Sachen Bedienkomfort.

Unabhängig von diesen Besonderheiten findet sich ein standesgemäßes Arsenal an weiteren Bedienelementen, bestehend aus Tastern, sehr griffigen, gerasteten Endlos-Drehreglern mit Schaltfunktion, professionellen 100-Millimeter Motorfadern, Transport-Tasten sowie einem Jog-/Shuttle-Rad. Bemerkenswert: Vier Modifier-Tasten vervielfachen den Vorrat an per Taster ausführbaren Funktionen. Sogar Kombinationen aus mehreren Modifier-Tasten plus Funktionstasten sind möglich und machen aus der VS-700C eine mächtige Schaltzentrale, bei der man leicht den Überblick verlieren könnte. Dankenswerterweise legt Cakewalk eine detaillierte Dokumentation über sämtliche Default-Tastenkombinationen bei, mit der man den Wust an Möglichkeiten schnell kennenlernt. Die Bedienoberfläche ist hingegen sinnvoll in verschiedene Funktionsbereiche unterteilt und versucht erst gar nicht, individuelle Wege zu gehen (siehe Abbildung auf Seite 18). Wer bereits Erfahrung im Umgang mit DAW-Controllern gesammelt hat, wird sich bereits nach kurzer Zeit auf der VS-700C heimisch fühlen.   Im Test entdecken wir immer wieder Parallelen zum Mackie MCU Pro Controller (Test in Heft 5/2007). So bietet die Channelstrip-Sektion hier wie dort das gleiche Repertoire an Eingriffsmöglichkeiten zum Regulieren der Lautstärke, der Panpots sowie zum Ausführen von Mute-, Solo- und scharf Schalten der Spuren. Mit den Select-Tasten bietet sich zudem eine weitere Option zur Anwahl eines Kanals. Ein Antippen des Faders reicht aber auch, was sich jedoch bei Bedarf deaktivieren lässt. Sehr bequem: In Verbindung mit der Control-Taste, lässt sich übrigens für den gerade selektierten Kanal ein Effekt-Plug-in auswählen und gezielt in einen bestimmten Insert-Slot laden. Globale Funktionen der Channelstrip-Sektion, wie den Aufruf weiterer einzelner Spuren oder in Bänken zu je acht Kanälen, das globale Aktivieren von Mute, Solo und Spurscharfschaltung bieten weiteren Komfort. Überdies lässt sich in Verbindung mit den Select-Tasten pro Kanal die Spurautomation aktivieren und drei Taster erlauben ein blitzschnelles Umschalten zwischen den Spuren, Bussen und Ausgangskanälen auf die Channelstrips. Besonderheit: Ein Masterfader reguliert grundsätzlich die Lautstärke des Hauptausgangs. Im Unterschied zum Mackie MCU Pro offeriert die VS-700C-Konsole zusätzliche komfortable Optionen, die wir in den Controller-Modellen der Euphonix Artist-Serie seinerzeit hochgeschätzt haben. Dazu zählt eine Swap-Funktion, mit der sich die Parameter von Drehregler und Fader vertauschen lassen sowie eine Kanalzug-Sperrfunktion. Per Tastenkombination arretieren wir nach eigenen Wünschen das Spurenrouting in den einzelnen Kanalzügen der VS-700C. Beim Umschalten auf die weiteren Spuren-Bänke ändert sich anschließend nur das Routing auf den nicht arretierten Kanalzügen. Im Handumdrehen erstellen wir im Test mit dieser Funktion verschiedene Spuren-Settings, die auf bequeme Art das Arbeiten an Details im Mix realisieren.   Einen individuellen Weg beschreitet Cakewalk beim Editieren von Equalizern, Aux Sends und Plug-in-Parametern. Im Gegensatz zu den genannten Modellen von Mackie und Euphonix, bei denen diese Arbeiten über die Drehregler der Channelstrip-Sektion geschieht, haben die Entwickler in die VS-700C eine eigene Channelstrip-Control-Sektion spendiert, die das Gleiche auf sehr übersichtliche Art realisiert.

Ähnliches lässt sich bei Mackie nur durch Zukauf des C4 Pro-Controllers realisieren. Der Cakewalk-Controller bietet mit dieser Sektion, bestehend aus zwölf Drehreglern und zehn Tastern, ein pfiffiges und ergonomisch exzellentes Konzept, das uns besser gefällt als die Mackie- und Euphonix-Lösung. Im Test selektieren wir einen Kanal, drücken den Equalizer-Knopf und haben in der Control-Sektion Zugriff auf sämtliche Parameter des Entzerrers. Die Fader und Drehregler der Channelstrip-Sektion bleiben unangetastet, wir brauchen nicht zwischen Channelstrip- und Effekt-Modus hin- und herschalten und wir haben stets vollen Zugriff auf den Mixer. Durch Druck auf den Send- und ACT-Button lassen sich überdies die Sends und Parameter der Insert-Effekte in den einzelnen Spuren editieren. Über die Page-Tasten erreichen wir gegebenenfalls weitere Parameter, die über die verfügbare Anzahl an Reglern und Tasten hinaus gehen. Wer mag, kann pro Drehregler-Reihe die Werteanzeigen fest auf das zweizeilige Display routen. Beim Bedienen der übrigen Regler wechselt das Display jedoch grundsätzlich die Ansicht und zeigt die Werteänderung des gerade editierten Parameters an. So hat man ständig alle relevanten Werte im Blick. Einziger Wermutstropfen: Zurzeit unseres Tests ist das fünfte und sechste Band des Sonitus Equalizers nicht über die Control-Sektion erreichbar, was jedoch durch ein Firm- oder Software-Update leicht behebbar sein sollte.   Alles in allem macht die Arbeit mit dem Cakewalk-Controller einen Riesenspaß. Der Griff zur Maus reduziert sich merkbar und anfangs müssen wir uns regelrecht zwingen, Funktionen und Befehle über die Möglichkeiten der VS-700C auszuführen, die sich Dank der Modifier-, der Project-Buttons und der Funktions-Taster im Access Panel in Hülle und Fülle finden. Wem das Routing der Befehle auf die Access-Taster missfällt oder einen bestimmten Sonar-spezifischen Befehl vermisst, ruft in Sonar einfach den VS-700 Editor auf. Im Surface-Reiter der Anwendung lassen sich Befehle neu hinzufügen oder umverteilen und mit Hilfe der Modifier-Tasten auf verschiedene Bedien-Ebenen versetzen. Wer mag, kann auch Transport-Funktionen und sogar Computer-Keyboard-Shortcuts auf die Tasten programmieren. Sehr schön: Über den Alternate-Encoding-Dialog lassen sich insgesamt vier verschiedene Parameter auf die Drehregler der Channelstrips programmieren, die sich nacheinander durch Druck auf den Assign-Button aufrufen lassen. Dies ist individuell für die Tracks, die Busse und die Eingangs-Sektion des Racks möglich. Wer es gewohnt sein sollte, etwa die Send-Lautstärken über die Channelstrips zu regulieren, kann dies damit bequem realisieren. Der ACT-Reiter im VS-700 Editor erlaubt indes ein gezieltes Zuweisen und Neuverteilen von Plug-in-Parametern auf die Bedienelemente der Control-Sektion. Wahlweise kann dies aber auch on-the-Fly durch Druck auf den ACT-Button in den Plug-ins und durch Bewegen von Plug-in-Parameter und Hardware-Regler erledigt werden. Cakewalk demonstriert hier nochmals auf anschauliche Weise wie bequem das Leben mit der seit Sonar 6 eingeführten sogenannten „Active Controller Technology“ sein kann. Vergleichbares liefert ansonsten nur noch Novation mit seiner Automap-Technik (siehe Test auf Seite 76).   Die übrigen beiden Reiter des VS-700 Editors kümmern sich um Funktionen und Einstellmöglichkeiten des Audio-Interface-Racks, das wir nachfolgend etwas näher betrachten wollen: Das VS-700R bietet acht analoge Ein- und zehn analoge Ausgänge. Zusätzlich finden sich ein Monitor-Ausgang und ein „Sub“ genannter zweiter Lautsprecher-Ausgang, etwa für Control-Room-Aufgaben.

Digital verfügt das Cakewalk-Interface über XLR- und Cinch-Buchsen zum übertragen und empfangen von Stereo-S/PDIF- oder -AES/EBU-Signalen. Ein Adat-Interface sowie Wordclock-Anschlüsse, ein MIDI-Buchsenpärchen, die erwähnten SCSI-3- und USB-Schnittstellen runden die Palette an Anschlüssen ab. Besonderheit: Die Analog-Eingänge verfügen über separate XLR- und symmetrische Klinkenbuchsen. Ein simultaner Betrieb ist jedoch nicht möglich. Die Frontplatte gibt sich recht spartanisch ausgestattet. Außer dem Netzschalter und einem Drehschalter zur Einstellung der Samplingrate tummeln sich lediglich Anzeigen in Form von Status-LEDs und LED-Meter-Ketten. Kopfhörer- und Instrumenten-Eingänge sucht man vergeblich. Diese finden sich dafür vorne auf der VS-700-Konsole. Über einen Schiebeschalter lässt sich dort ein einziger, „Aux in“ bezeichneter, unsymmetrischer Eingang zwischen Line- oder Hi-Z-Impedanz umschalten. Sehr schön: Ein beigeordnetes Poti erlaubt auf bequeme Art die Einstellung des Gain. Kopfhörer- und Monitor-Lautstärke werden ebenfalls an der Konsole eingestellt. Nachteil: Diese wichtigen Features und Bedienelemente sind zwar ergonomisch sinnvoll in die Konsole integriert worden. Doch wer zunächst nur eines der beiden Geräte erwirbt, wird nur wenig Freude daran haben und bei Kauf ausschließlich des Racks sehr wichtige Features wie die Kopfhörer-Anschlüsse nicht nutzen können. Das ist in diesem Fall etwas unkonsequent gedacht und liefert schwerwiegende Argumente für einen Nicht-Kauf des VS-700R als Einzelgerät. Ein weiterer Kritikpunkt findet sich im Samplingraten-Wahlschalter, was jedoch nicht primär dem VS-700R anzulasten ist, sondern eher Sonar 8 (siehe auch Test auf Seite 24) betrifft: Im Test müssen wir bei jeder Änderung der Samplingrate sowohl an der Hardware, als auch im Audio-Menü des Sequenzers das Programm schließen und wieder neu starten. Ein automatisches Angleichen der Samplingrate in der Software nach Umschalten an der Hardware ist nicht möglich. Das betrifft auch andere Audio-Interfaces und ist in jedem Fall ein Manko der Software. Damit nicht genug des Meckerns, wenngleich dieser Kritikpunkt durchaus verschmerzbar ist: Das V-Studio-Rack vermag zwar mit Samplingraten zwischen 44,1 bis 192 Kilohertz zu arbeiten. Wer jedoch Aufnahmen mit 192 Kilohertz anfertigen will, kann dies lediglich simultan über die ersten vier Analog-Eingänge und den erwähnten Aux-In erledigen. Ein S/MUX4-Modus, wie etwa im Fireface 400 von RME zu finden, ist nicht vorhanden. Digitale Aufnahmen sind also lediglich im S/MUX2-Modus bis maximal 96 Kilohertz möglich, was jedoch den meisten Anwendern durchaus genügen dürfte.    Die Mikrofonvorverstärker hinter den Analog-Eingängen sind über den VS-700 Editor einstellbar. Wer das Komplettsystem erwirbt, kann sie selbstverständlich bequem über die Konsole erledigen. Besonderheit: Jeder Eingang wird zusätzlich mit einem digitalen Kompressor geadelt, der hinter den Vorverstärkern insertiert ist und ebenfalls über die Editor-Software respektive die VS-700-Konsole einstellbar ist. In jedem Kanal lässt sich separat die Phantomspannung, ein 20-Dezibel-Pad, ein Hochpassfilter und eine Phasenumkehrfunktion aktivieren, was den professionellen Anspruch unterstreicht.

Der Kompressor wartet mit den üblichen Einstellmöglichkeiten auf. Allerdings bietet der Ratio-Parameter nur fünf fest eingestellte Verhältnisse bis hin zum Limiting zur Auswahl, die allerdings nur sehr fummelig einzustellen sind. Im Test weiß der Kompressor durch einen neutralen Klang zu überzeugen, der insgesamt eher die Aufgaben eines Pegel-Dompteurs als die eines Klangmalers erfüllt. Last but not least offeriert der vierte Reiter des VS-700 Editors einen Direct-Monitor-Mixer, mit dem sich die anliegenden Eingangssignale anteilig auf den Monitor-, Sub- und die koaxialen oder symmetrischen Digitalausgänge abmischen lassen. Per Drucktaster an der Konsole hat man für jeden der beiden Kopfhörerausgänge die Wahl, ob darauf der Monitor- oder Sub-Ausgang geroutet werden soll. Mischungen für die Regie und den Instrumentalisten sind somit leicht erstellt. Insgesamt fällt die Ausstattung und Bedienung des VS-700R sehr zufriedenstellend aus.  

Im Meßlabor zeigt sich das V-Studio-Rack ebenfalls von seiner besten Seite. Die Geräusch- und Fremdspannungsabstände bewegen sich bei den Mikrofon-, Line- und beim Instrumenten-Eingang in Bereichen zwischen 80 bis 89 Dezibel (siehe Tabelle). Einziger Ausreißer ist der Aux-In bei deaktivierter Hi-Z-Funktion, die bei lediglich 50,8 und 60 Dezibel für Fremd- und Geräuschspannung liegt. Etwas schwach zeigt sich das VS-700R auch in Sachen Empfindlichkeitsbereich für die Eingänge, die bei durchschnittlichen -45 Dezibel liegen. Leise dynamische Mikrofone dürften es schwer haben, ausreichend zur Geltung zu kommen. Doch das ist der einzige schwerwiegende Kritikpunkt. In Sachen Klirrfaktor zeigt sich das Cakewalk-Interface mit durchschnittlichen 0,015 Prozent, gemessen über die Frequenz, sehr gut aufgelegt. Die Übersprechdämpfung ist mit durchschnittlichen -90 bis -95 Dezibel exzellent. Gleiches gilt auch für das Ergebnis bei Messung der Gleichtaktunterdrückung, die einen fast kontinuierlichen Kurvenverlauf bei etwa -78 Dezibel zeigt. Die FFT-Spektren für Mikrofon, Line und Instrument zeigen zwar harmonische Verzerrungen zweiter und dritter Ordnung. Jedoch reichen sie beim Mikrofon-Eingang lediglich bis -70 und bei den Line-Eingängen und am Instrumenten-Anschluss sogar nur bis -90 Dezibel und attestieren dem V-Studio sehr gute Störabstände. Erstklassig ist auch das Ergebnis bei Messung der Wandlerlinearität: Erste Ungenauigkeiten zeigt die Messkurve erst unterhalb von -108 Dezibel. Auffällig: Beim Messen des Frequenzgangs aller acht Analog-Eingänge zeigt sich bei ansonstem identischen Kurvenverlauf ein Pegelunterschied von einem Dezibel zwischen den Kanälen eins bis vier und fünf bis acht. Das zeugt ein weiteres Mal von der Profiqualität des Testkandidaten. 

Im Hör- und Praxistest weiß sich das VS-700R nicht minder glanzvoll zu präsentieren. Sprach- und Instrumentalaufnahmen überzeugen durch eine exzellente Auflösung, die mit unserer Referenz, dem Lynx-Wandler in Verbindung mit dem Lake People Mic-Amp F355, gleichauf ist. Die Aufnahmen klingen jedoch nicht ganz so plastisch und dreidimensional wie unsere Referenz. Die V-Studio Aufnahmen kommen dadurch vordergründiger und kräftiger. Zusätzlich fällt eine fast schon unhörbare Präsenz im unteren Mittenbereich auf, die jedoch den Aufnahmen schmeicheln und sie subtil auf angenehme Art färben. 

Fazit

Mit dem Sonar V-Studio VS-700 System präsentiert Cakewalk eine rundherum gelungene All-in-one-Hardware-Lösung mit professionellem Anspruch für seinen Sonar-Sequenzer. Die Entwickler haben ganze Arbeit geleistet und die Soft- und Hardware-Welt optimal miteinander verzahnt, wenngleich sich noch die eine oder andere behebbare Kinderkrankheit findet. Wer auf der Suche nach einem Profi-System ist, kann das V-Studio künftig getrost mit auf die Kandidatenliste setzen. 

Erschienen in Ausgabe 07/2009

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 4518 €
Bewertung: sehr gut – überragend
Preis/Leistung: sehr gut

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