Die Baukasten-Lösung

Im Bereich Digitale Audio Workstation gibt es mit den Soundscape-Produkten der belgischen Firma Sydec schon seit Anfang der 90er Jahre eine europäische Alternative zu Pro Tools von Digidesign. Doch das wird scheinbar immer noch nicht wahrgenommen; Professional audio Magazin leistet aktive Aufklärung.

Von Georg Berger 

Wenn das Stichwort Digitale Audio Workstation (DAW) fällt, denken einige an ein Komplett-System, bestehend aus einem Arsenal von Hardware-Komponenten, kompliziert aufzubauen und zu bedienen und das zu einem astronomischen Preis. Dass es auch anders geht, zeigt die vor kurzem von der britischen Edelmischpult-Schmiede SSL übernommene Firma Sydec Audio Engineering aus Belgien. Die Palette ihrer Soundscape-Produkte umfasst Komponenten, die modular den zentralen DAW-Baustein Soundscape 32 zur nahezu beliebig skalierbaren DAW-Lösung ergänzen. Ein herkömmlicher PC, der mit den Soundscape Geräten verbunden ist, bildet als Steuer-Zentrale das Gehirn des gesamten Systems. Interessenten mit zunächst geringeren Anforderungen können also klein anfangen und ihr System schrittweise ausbauen. Es gibt keine Soundscape-DAW mit fest definierten Komponenten, die nur in diesem Verbund funktioniert – alles passt zusammen.

Sydec bietet Bundles mit aufeinander abgestimmten Komponenten an, die als Basis zum Aufbau eines Systems dienen. Sie bestehen beispielsweise aus einer Kombination Soundscape 32 plus DSP-Karte Mixpander – eine von insgesamt vier angebotenen DSP-Karten – sowie einer PCI-Hostkarte für die Anbindung an den PC. Oder ein Bundle, das diese Basiskombination mit einem von 20 Audio-Interfaces ergänzt, die alle iBox heißen. Die iBox-Familie reicht von der iBox 24T (24 TDIF-Ein- und Ausgänge) über diverse AES-, ADAT- und MADI-Varianten bis hin zu reinen Mikrofon-Vorverstärkern oder D/A-Wandlern von Apogee oder Digital Audio Denmark. Um die Vielfalt – und zumindest anfangs die Verwirrung – komplett zu machen, bietet Sydec auch Mixpander-Bundles, bestehend aus der obligatorischen DSP-Karte Mixpander plus einer der iBox-Komponenten. Damit erwirbt der Käufer keine DAW, sondern eine DSP-I/O-Lösung für den schon vorhandenen Sequenzer – vom Prinzip her vergleichbar mit der Symphony-Lösung von Apogee (siehe Test Seite 60).

Bei sämtlichen Sydec-DAW-Bundles muss der von Ihnen genutzte Software-Sequenzer nicht in der Mottenkiste verschwinden. Über die gängigen Treiber und ein intelligentes Signal-Routing lässt sich die Funktionalität des Sequenzers in das Soundscape System einbinden. VST Plug-ins brauchen nicht aussortiert werden: Effekte und sogar virtuelle Instrumente können Sie bequem in die Soundscape Umgebung integrieren.

Zum Test orderten wir ein DAW-System im Gesamtwert von knapp 12.000 Euro. Es setzt sich aus der Zentrale Soundscape 32 (knapp 4.000 Euro), dem Festplatten-System iSDisk 4-F (ungefähr 800 Euro), den Audio-Interfaces Apogee I/O 896 (etwa 2.000 Euro) und iBox 64 MADI-TA (knapp 2.600 Euro) zusammen. Dazu kommen noch der Keyboard-Controller iEdit 128-M (fast 400 Euro), die Mixpander/9 DSP-Karte (an die 1.400 Euro), eine PCI-Host Karte zur Verbindung zwischen Soundscape 32 und einem PC, und last, not least die Editor 5.1-Software inklusive einer Reihe von Effekt Plug-ins zur Ansteuerung der Geräte (alles im Lieferumfang von Soundscape 32 enthalten). Das gesamte System inklusive der Audio-Interfaces verfügt auf analoger Seite über 34 Ein-, sowie 36 Ausgänge. Digital sind bei einer Sampling-Frequenz von 48 Kilohertz durch die MADI-Schnittstelle [G] in der iBox 64-MADI-TA sogar über 80 Ein- und Ausgänge verfügbar. Die Ausbaustufe dieses Systems erfüllt somit professionelle Ansprüche.

Soundscape 32 kann maximal 32 Spuren bei 24 Bit und 48 Kilohertz gleichzeitig aufnehmen und natürlich auch wiedergeben. Bei 96 Kilohertz halbiert sich die Spurenzahl. Außerdem stehen zusätzlich über 16 interne Busse zur Verfügung, die als Ausspielwege über die Editor-Software nutzbar sind.

Über drei TDIF-Schnittstellen erlaubt der Soundscape 32 die Verbindung zu den iBox-Audio-Interfaces. Überdies lassen sich mehrere Soundscape 32 Geräte über eine 37-polige Buchse zusammenschalten. Eine PCI-Karte verbindet Soundscape 32 schließlich mit dem Host-PC. Vorteil: Mit nur einer Software-Instanz des Editors lassen sich vier Recorder-Einheiten ansprechen und verwalten.

Die äußere Erscheinung des Gerätes – dies gilt im Übrigen für alle 19-Zoll Geräte von Soundscape – ist sehr wertig. Die zwei Höheneinheiten mit knapp 13 Kilo sind gut verarbeitet. Die markante silberne Frontplatte aus gefrästem Aluminium ziert jedes Rack. Außer einem Netzschalter findet sich dort lediglich eine Klappe. Dahinter kommen zwei Wechselfestplatten-Rahmen zum Vorschein. Um Produktionen an unterschiedlichen Orten zu realisieren, brauchen Sie also nicht das gesamte Gerät mitzunehmen, sondern lediglich die auf der Wechselfestplatte gespeicherten Daten. Mit zwei weiteren internen Festplatten kann das System also insgesamt vier einzelne Speichermedien enthalten. Soundscape 32 ist in der Lage, theoretisch ein Terabyte an Datenmenge pro Festplatte anzusprechen. Das reicht aus, um Wagners Ring des Nibelungen mehrfach hintereinander aufzunehmen.

Die Rückseite bietet viele unterschiedliche Anschlüsse, die sehr stabil sind. Soundscape 32 verfügt über zwei analoge Ein-, sowie vier Ausgänge in XLR. Digital sind ein AES/EBU-Eingang sowie zwei Ausgänge in XLR vorhanden. Bemerkenswert ist die TDM-Schnittstelle, die den Kommunikationskanal zwischen Gerät und der im PC installierten Mixpander-Karte herstellt. Durch diese Datenverbindung erhält der Soundscape 32 zusätzliche Prozessor-Unterstützung beim Aufnehmen und Abmischen von Musik. Übrigens stellt die Mixpander/9-Karte den Rolls Royce im Karten-Angebot von Sydec dar; Karten mit fünf, drei oder nur einem DSP sind ebenfalls erhältlich.
 
Sehr üppig ausgestattet ist der Recorder mit Synchronisations-Schnittstellen in unterschiedlichen Ausführungen (BNC, MIDI, RS 422), die außer Wordclock auch MTC [G], LTC [G], sowie VITC [G] und BITC [G] Signale senden und empfangen können. Die erwähnten drei TDIF-Schnittstellen und die proprietäre 37-pol-Buchse runden das Anschluss-Ensemble auf der Rückseite ab.

Die DAW von Sydec ist damit bestens gerüstet, um nicht nur im Studio sondern auch im Broadcast- und Video-Bereich einen guten Job zu machen. Übrigens: Die MIDI-Schnittstelle dient lediglich Synchronisationszwecken. Keyboards und MIDI-Controller müssen nach wie vor über den PC eingebunden werden, oder sie lassen sich über eine optionale Karte ansprechen.

Von Hause aus hat der Soundscape 32 nur wenig I/O-Anschlüsse. Wer mehrkanalige Produktionen fahren will, braucht deshalb ein zusätzliches externes Audio-Interface. Unser Test-System ist mit dem Apogee I/O 896 und dem iBox 64-MADI-TA Interface ausgestattet (beide mit maximal 24 Bit und 96 Kilohertz Samplingfrequenz).

Für unseren Test nehmen wir das Apogee I/O 896. Dieser Wandler verfügt über maximal acht analoge Ein- und Ausgänge, die für Kabelpeitschen mit jeweils acht XLR-Anschlüssen an zwei Sub-D Buchsen ausgelegt sind. Eine dritte Kabelpeitsche führt schließlich acht AES/EBU-Ein- und Ausgänge. Weiterhin findet sich eine ADAT-Schnittstelle, die allerdings nur mit maximal 48 Kilohertz Sampling-Frequenz arbeitet. Ein S-MUX-2 Modus, der 96 Kilohertz bei einer Halbierung der Kanäle verarbeitet, fehlt. Hier sollte Apogee nachbessern. Zur Synchronisation enthält der Wandler Wordclock Ein- und Ausgänge über die üblichen BNC-Verbindungen sowie zwei RS 485-Schnittstellen, um mehrere I/O 896 miteinander zu kaskadieren. Im Gehäuseinneren erlauben es 16 Jumper-Brücken, für jeden Ein- und Ausgang die Empfindlichkeit auf -10 dBu oder 4 dBu einzustellen.

Der iBox 64-MADI-TA Wandler verfügt über 24 analoge Ein- und Ausgänge – ebenfalls über Sub-D Buchsen zum Anschluss von Kabelpeitschen realisiert – und über eine TDM-Schnittstelle zur Verbindung mit einer Mixpander-Karte. Als besonderes Feature ist eine MADI-Schnittstelle zur bidirektionalen Übertragung von maximal 64 digitalen Kanälen enthalten. Zum Anschluss an Soundscape 32 und zur Kaskadierung mit weiteren Audio-Interfaces stellt diese iBox insgesamt drei TDIF-Anschlüsse bereit. An Synchronisations-Schnittstellen ist ein Wordclock-I/O vorhanden.

Das Routing der Signale erfolgt bei beiden Wandlern durch Druck auf die entsprechenden Taster auf der Frontseite. So lassen sich außer der Samplingfrequenz auch das Format der Eingangs-Signale sowie die Masterclock einstellen.

Besonderes Feature beim I/O 896-Wandler: Über den Soft-Limit-Taster – bekannt aus der Wandler-Familie Rosetta – verhindert er Übersteuerungen der A/D-Wandler. Darüber hinaus bietet der Apogee seine Dienste auch als Format-Konverter an. Von ADAT auf AES/EBU oder analoge Signale zu wandeln, geschieht durch simples Routing in der Editor-Software. Weitere Eingriffe sind nicht nötig.

Mit dieser Ausstattung eignet sich das I/O 896 für kleinere Studio-Umgebungen. Wer mehr Anschlüsse braucht, kauft einfach weitere Wandler hinzu und synchronisiert sie über RS485. Wer jedoch direkt mehr als acht analoge Anschlüsse benötigt und auf AES/EBU verzichten kann, nimmt dafür die iBox 64-MADI-TA.

Der Soundscape 32 verfügt über eigene DSPs, die Aufgaben bei der Aufnahme und Abmischung übernehmen. Wächst eine Produktion im Umfang der Spuren an – und somit auch die Anzahl verwendeter Plug-ins –, gelangt selbst ein Soundscape 32 irgendwann an seine Grenzen. Um diese nicht allzu schnell zu erreichen, raten wir dazu, die Mixpander/9 Karte einzusetzen, die neun Motorola-DSPs besitzt und sowohl den Host-PC als auch das Soundscape-System selbst mit zusätzlicher Prozessor-Leistung versorgt. Über die TDM-Schnittstelle mit dem Soundscape 32 verbunden, erhält die DAW sogar 20 zusätzliche interne Busse. Über die Editor-Software lässt sich die Leistung einzelner Karten-Prozessoren gezielt auf bestimmte Kanalzüge verschalten und gestattet so ein intelligentes Haushalten mit der Gesamtleistung der DSPs.

Bevor Sie loslegen können, muss auch beim Soundscape 32 System erstmal eine Software auf dem Host-PC installiert werden. Dazu ist die Eingabe mehrerer Passwörter nötig, um Hardware und Software zu autorisieren. Dieser Vorgang erfordert je nach Umfang des Systems eine Menge Zeit und Konzentration – wir würden uns ein komfortableres Autorisierungsverfahren wünschen. Ist diese Hürde genommen, startet der „Editor“. Die Namensgebung ist pures Understatement, handelt es sich doch um ein äußerst mächtiges Programm. Die Software gestattet nicht nur das Routing der Signale über einen integrierten virtuellen Mixer; sie ermöglicht es über den SFile-Manager auch, Audio- und Steuerdaten auf den Soundscape eigenen Festplatten zu speichern und zu verwalten. Gleichzeitig ist der Editor eine Recording-Software.

Innerhalb eines Hauptfensters lassen sich mehrere Unterfenster aufrufen, die mannigfaltige Funktionalitäten bereitstellen. Im Hauptfenster sind die sieben Transporttasten angeordnet, sowie die übliche Menü-Leiste zur Auswahl von Datei-Funktionen, Grundeinstellungen und Bearbeitungswerkzeugen. Im Settings-Eintrag finden sich sämtliche globalen Einstellmöglichkeiten, die den Umgang mit der Soft- und Hardware, sowie die Synchronisation der Geräte betreffen. Darunter eine Zeile mit Icons zur direkten Anwahl von Bearbeitungswerkzeugen. Eine dritte Zeile, die Einstellungen zur Synchronisation, Abtastrate, Wortbreite und Masterclock enthält, rundet die Hauptelemente ab.

Die Tools der Werkzeugleiste lassen sich nach eigenen Wünschen auf neun unterschiedlichen Seiten frei konfigurieren. Jenseits der Werkvorgaben können Sie beispielsweise eine Leiste mit Werkzeugen zum Handling der aufgenommenen Spuren erstellen. In einer weiteren Leiste finden sich dann etwa Werkzeuge, die sich um die Signalverarbeitung der Audio-Daten kümmern. Sydec bietet zusätzlich den externen Keyboard-Controller iEdit 128-M an, der sämtliche Bearbeitungswerkzeuge und Steuerungsfunktionen auf 128 eindeutig gekennzeichneten Tasten bereitstellt. Über USB angeschlossen, sind alle Funktionen bequem per Tastendruck abrufbar, bei Bedarf lassen sie sich auch neu zuweisen. Der iEdit ist unserer Meinung nach ein unbedingtes Muss.

Gewöhnungsbedürftig, aber durchdacht ist die Anwahl und gleichzeitige permanente Zuordnung von Funktionen auf die Maus-Tasten. Nach Klick auf ein Werkzeug ist dieses fest auf die jeweilige Maus-Taste definiert und gestattet direktes Editieren. Eine Neu-Zuweisung geschieht, indem Sie ein weiteres Werkzeug anwählen. In Kombination mit der Alt-Taste ist sogar eine zweite Ebene direkt einsetzbarer Werkzeuge vorgesehen.

Es existieren grundsätzlich zwei Bearbeitungs-Modi, die das Verhalten der Maus vor allem bei der Arbeit mit dem Mixer-Fenster beeinflussen und durch Druck auf die E-Taste der Computer-Tastatur abwechselnd aufgerufen werden. Im Edit-Modus nehmen Sie in erster Linie Routings von Ein- und Ausgängen sowie Tracks vor. Ein nochmaliger Druck auf die E-Taste gestattet es, die Mixer-Elemente auf herkömmliche Weise zu bedienen. Klingt kompliziert, ist aber nach einer Eingewöhnungsphase genial schnell und effizient.

Lediglich drei Unterfenster sind nötig, um mit der Arbeit zu beginnen: Das Mixer-, das Arrangier- und das SFile-Fenster. Über den Mixer definieren Sie vor einer Aufnahme Kanalzüge mit den entsprechenden Ein- und Ausgangs-Routings. Der Editor enthält einige Mixer-Presets, die von normalen Stereo-Anwendungen bis hin zu 5.1-Surround-Setups reichen. Der Mixer selbst ist komplett modular aufgebaut. Mit ausgewähltem Create-Tool lässt sich im Edit-Modus zunächst ein Kanalzug erstellen. Dazu muss über Drop-Down-Menüs die Art der Ein- und Ausgangskanäle festgelegt werden. Soundscape hält hier unterschiedlichste Konfigurationen bereit. Nach der Auswahl offeriert das Mixer-Fenster einen rudimentären Kanalzug, bestehend aus Ein- und Ausgangs-Kanal-Dialog, einem Fader nebst Peakmeter-Anzeige, sowie einem Panoramaregler und Schaltern für Mute und Solo. Damit lassen sich nun die entsprechenden physikalischen Anschlüsse zuweisen, aber auch die internen Busse, sowie Streams, die eine Kommunikation zum gleichzeitig geöffneten Sequenzer auf dem Host-PC ermöglichen. Mit einem Rechtsklick können Sie einen der neun DSPs auf den Kanalzug schalten. Doch damit fängt es erst an.

Als nächstes lassen sich weitere Mixer-Bausteine in den Kanalzug einfügen. In der Grundversion sind Standardelemente – beispielsweise Equalizer, Aux-Wege und ein Peakmeter – ähnlich Plug-ins in den Signalweg des Kanalzugs integrierbar. Über die mitgelieferte Audio-Tool-Box Software ist es möglich, Effekte wie Kompressor, Chorus/Flanger und Delay einzubinden. Besonderes Feature: Der Editor verfügt über einen MS-Decoder für Mitte-Seite Mikrofonierung (siehe Test True Systems P2analog, Heft 9/2006). Außerdem sind für Soundscape optimierte Effekt Plug-ins von T.C. Electronic, Algorithmix, Dolby und anderen – natürlich kostenpflichtig – erhältlich. Doch der Nutzer ist nicht nur auf diese speziellen Plug-in Versionen angewiesen. Wie bereits erwähnt, können Sie die von Ihnen bevorzugten VST Plug-ins – Effekte und virtuelle Instrumente – problemlos im Mixer des Editors verwenden.

Um eine Verbindung zwischen Kanalzug und Arrangier-Fenster herzustellen, binden Sie ein Track-Element in den Kanalzug ein und weisen eine Track-Nummer zu. Bemerkenswert: Je nachdem, wo dieses Track-Element im Kanalzug positioniert ist, werden nachfolgende Mixer-Elemente nicht mit in die Aufnahme einbezogen. Wer also nach dem Track-Element noch einen Equalizer gesetzt hat, hört das Audio-Material zwar mit Entzerrung, das Signal selbst ist jedoch ohne Equalizer aufgenommen worden. Wer eine simultane Aufzeichnung des Signals mit Effekt wünscht, fügt einfach nach dem Equalizer ein weiteres Track-Element ein. Das ist nicht nur intelligent gelöst, sondern schlichtweg genial.

Über eine kleine Schaltfläche am unteren Rand jedes Kanalzugs lässt sich zusätzlich eine Automationsfunktion aktivieren; die Daten werden in gesonderten Automations-Tracks im Arrangier-Fenster gespeichert. Im Touch Record-Modus wird jede Bewegung innerhalb des Kanalzugs beim Abspielen festgehalten. Nachträgliche Editierungen fügt Soundscape DAW bereits vorhandenen Automationen hinzu.

Grafisch macht das Layout des virtuellen Mixers nicht viel her, aber die unendlichen Kombinationsmöglichkeiten der Mixer-Elemente machen ihn zu einem mächtigen Werkzeug: Es herrscht absolute Freiheit in der Gestaltung von Kanalzügen – ein zusätzliches Plus in Sachen Flexibilität des gesamten Systems.

Ist ein Mixer-Setup schließlich definiert, müssen Sie im Arrangier-Fenster lediglich auf der linken Seite einen zu den Track-Elementen der Kanalzüge korrespondierenden Track definieren. Danach kann die Aufnahme beginnen. Die Audio-Takes – bei Soundscape Part genannt – finden Sie anschließend im Arrangier-Fenster in gewohnter Art als einzelne Balken mit Binnendarstellung der Wellenform wieder. Der Editor bietet eine umfassende Palette an Bearbeitungsfunktionen, wie sie von Wave-Editoren und Sequenzern bekannt sind. Spuren lassen sich verschieben, kopieren, beschneiden, in unterschiedlicher Art abhören, und eine Zoom-Funktion erlaubt detaillierte Einblicke in das Arrangement und die Spuren. Eine zusätzliche Crossfade-Funktion gestattet es, zwei sich überlappende Spuren zu überblenden. Weiteres Bedienungs-Plus: Das Context Sensitive Edit Tool; mit ihm rufen Sie abhängig zur Position des Maus-Pfeils auf der Audio-Spur unterschiedliche Bearbeitungswerkzeuge auf. Selbstverständlich lässt sich auch dieses Tool Ihren Anforderungen entsprechend konfigurieren.

Schon nach kurzer Einarbeitungszeit sind wir mit den gebräuchlichsten Funktionen vertraut. Die Auswahl der Werkzeuge über das iEdit-Keyboard bietet zusätzlichen Komfort. Die Funktion des Context Sensitive Tools wollen wir schon bald nicht mehr missen; etwas ähnliches würden wir uns auch in dem einen oder anderen Sequenzer wünschen.

Sowohl das Setup des zuvor definierten Mixers, als auch das Arrangement und sämtliche Automationsspuren lassen sich entweder auf den Festplatten des Soundscape 32 oder auf dem Host-PC abspeichern. Audio-Daten können nur im Soundscape 32 abgelegt werden, da sie ein eigenes Format – SFile genannt – besitzen. Eine bequeme Konvertierung etwa ins WAV-Format und zurück ist jedoch jederzeit möglich; der Nutzer ist demnach nicht an das proprietäre Audio-Format von Sydec gebunden.

Ein simples Drag-and-Drop einer Audio-Datei aus dem SFile-Manager heraus ins Arrangier-Fenster lädt die entsprechende Aufnahme ins Arrangement. Der SFile-Manager hält eine praktische Vorhör-Funktion bereit, aktiviert wird sie durch Ankicken und halten der Maustaste auf der entsprechenden Datei. Wer viele Variationen einer Sequenz gemacht hat, kann dort die für das Stück passende Version bequem aussuchen.

Der Editor von Soundscape offeriert noch eine Vielzahl weiterer Funktionen. Uns kommt es jedoch auf das grundlegende Bedienkonzept des Systems an, weshalb wir viele, mitunter sogar wichtige Funktionen hier nicht berücksichtigen – sie hätten ein ganzes Buch gefüllt.

Für den Hör- und Praxistest von Professional audio Magazin konzentrieren wir uns auf die klangliche Qualität der Wandler des Soundscape 32 und des Apogee I/O 896. Wir erstellen jeweils separate Aufnahmen mit 24 Bit und 96 Kilohertz Samplingfrequenz und vergleichen die Aufnahmen sowohl mit dem Original als auch untereinander. In einem weiteren Schritt stellen wir die Soundscape-Aufnahmen denen des Apogee Rosetta 200 und des ADC1 von Benchmark Media gegenüber.

Der Blick auf die Messergebnisse in unserem Testlabor bescheinigt dem Soundscape 32 und dem I/O 896 sehr gute Werte. Um jedoch ein vergleichbares Ergebnis zu erhalten, müssen wir beim I/O 896 die internen Jumper auf -10 dBv stellen, was einem Wert von -7,8 dBu entspricht. Dadurch erhalten wir einen Headroom von 15 dBFS (siehe Artikel Seite 54). Im Vergleich zu den Ergebnsissen des Apogee Rosetta 200 zeigt sich Soundscape gleichauf. Soundscape 32 wartet mit 90,2 und 93 Dezibel für Fremd- und Geräuschspannung auf. Das I/O 896 ist mit 92,7 und 94,6 Dezibel sogar eine Spur besser. Die Messung des Fremdspannungsabstands – gemessen wird bei +4 dBu und einem Headroom von 11 dBFS – der Analog-/Digitalwandler fördert noch bessere Werte zu Tage. Das I/O 896 wartet mit 105,7 dBu auf. Soundscape 32 ist eine Spur besser und besitzt einen Fremdspannungsabstand von sogar 107,5 dBu. Der Klirrfaktor von 0,0035 Prozent beim Soundscape 32 steht dem in nichts nach. Das I/O ist da mit 0,01 Prozent ein wenig schlechter, aber immer noch gut aufgestellt. Die Wandlerlinearität beim Soundscape 32 verläuft bis -104 Dezibel linear. Das Jitterspektrum zeigt sich ebenfalls vorbildlich (siehe Kurve Seite 30) mit einem einzigen Ausschlag hinauf zu -73 Dezibel bei zirka 1,8 Kilohertz – bislang einer der besten von Professional audio Magazin gemessenen Werte.
Alle anderen Messwerte, wie Frequenzgänge, Übersprechen und so weiter sind top.

Im vergleichenden Hörtest machen die Soundscape Geräte eine ebenso gute Figur. Auffallend: Die eingespielten Gitarren- und Gesangsspuren über Soundscape 32 und I/O 896 klingen nahezu identisch. Den Klang der Aufnahmen empfinden wir durchweg als analytisch, neutral und äußerst transparent. Das Höhenspektrum erklingt sehr fein aufgelöst. Beide bilden das Bass- und Mittenspektrum präzise ab. Sie zeichnen sich durch eine gewisse Samtigkeit aus, ohne jedoch gefällig zu klingen. Die Auflösung feinster Dynamik-Details ist sehr gelungen.

Beim Vergleich der Soundscape-Aufnahmen mit den Aufzeichnungen des ADC1 von Benchmark Media Systems bemerken wir klangliche Besonderheiten (siehe Heft 8/2006). Der ADC1 versieht Aufnahmen mit einer gewissen Gefälligkeit und fällt durch eine wohlig angenehme und dadurch eher schön färbende Klangqualität auf. Soundscape ist da ehrlicher.

Alles in allem ist der Klang des Soundscape Systems hochwertig. Es kann spielend in der Spitzenklasse der Wandler mithalten.

Fazit

Sydec Audio Engineering bietet mit der Konzeption und freien Konfigurierbarkeit der Soundscape-Geräte nicht nur für Anwender mit High-End-Ansprüchen maßgeschneiderte Lösungen. Das Konzept ist gerade für Einsteiger in den Bereich professioneller DAWs ein attraktives Angebot, um sich vom Amateur-Lager in die Profi-Liga zu verändern. Gerade wegen der Offenheit der System-Architektur ist das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut: Die Palette an Produkten geht zielgerichtet auf die Bedürfnisse der Anwender ein. Die Steuerung der Geräte mit Hilfe des virtuellen Mixers lässt keine Wünsche offen. Der Umgang mit Soft- und Hardware ist kinderleicht. Vom Luxus Audio-Interface bis hin zu einer mächtigen Hardware-DAW ist alles möglich. Wer einmal auf Soundscape setzt, wird dieser Digitalen Audio Workstation wegen der klanglichen Vorzüge und den dynamischen Erweiterungsmöglichkeiten lange treu bleiben.

Erschienen in Ausgabe 10/2006

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 10434 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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