Der Wolf im Spacepelz

Futuristisch kommt das Digital X Bus daher und trägt  eindrucksvoll seine zukunftsweisenden Absichten zur Schau. Aber was ist wirklich sinnvoll und was bloße Spielerei?

Von Michael Nötges 

Als Nachfolger des d8b hat Mackie mit dem Digital X Bus die nächste Generation ihrer digitalen 8-Bus-Mischpulte eingeleitet. Im Zuge innovativer Weiterentwicklung bietet der amerikanische Hersteller ein in die Zukunft weisendes Mischpult an, bei dem die Entwickler von Loud Technologies in Zusammenarbeit mit der Design- und Ingenieurschmiede Sanewave  aus Washington, bereits Bestehendes ausgebaut haben. Die futuristische Mischkonsole, bietet in bekannt anwenderorientierter Art Vorzüge, die sich in dieser Form und Kompaktheit nur mit Digitaltechnik realisieren lassen. Hierbei wird besonders Wert auf die gute Bedienbarkeit, Flexibilität, und auf ein, den individuellen Bedürfnissen anpassbares offenes Gesamtsystem gelegt. Das  Konzept: guter Klang, ansprechendes leicht zu handhabendes Design, verbunden mit professioneller Performance.

Das kompakte Pult ist mit zwei 15 Zoll großen TFT-Touchscreens ausgestattet. Diese sind oberhalb der 24 Fader für die Kanäle so angeordnet, dass sich die virtuelle Bedienoberfläche quasi die Fadersektionen  zum kompletten Channelstrip ergänzt. Dadurch ergibt sich eine übersichtliche  und intuitiv verständliche Symbiose aus der Software und den

herkömmlichen Steuerungsmöglichkeiten eines analogen Mischpultes. Durch die druckempfindlichen Monitore lassen sich beide Bereiche jedes Channelstrips übergangslos per Tastendruck beziehungsweise Druck auf die virtuellen Tasten der Bildschirme bedienen. Neben den bei Aktivierung bunt leuchtenden Tastern, optimieren die Monitore das Pult zwar für die meisten Studio- und Livesituationen, da es in vielen Studios oder Konzertsälen kein Tageslicht gibt, allerdings stoßen die TFT-Bildschirme schon bei geringer Sonneneinstrahlung an ihre Grenzen und die Kehrseite der Medaille ist schlechte Sicht bei Open Airs oder Licht durchfluteten Räumen. Außerdem sind die Anzeigen auf den TFTs wirklich gut nur im Sitzen zu erkennen, steht man vor dem Pult, wird es schnell zappenduster.

Neben den Bedienelementen für die einzelnen Channel-Strips und einer integrierten Automationseinheit, gibt es wie gewohnt am rechten Rand der Konsole eine umfangreiche Master-Sektion, die Regelmöglichkeiten für die Kopfhörer- und Lautsprecherwege bereit hält.  Ein Talkbackfeld mit integriertem Mikrofon, 8 mehrfach belegte Makrotaster, um bestimmte Dialogfelder und andere Funktionen direkt aufrufen zu können, sowie Auswahltaster für die Funktion der Kanaldrehregler sind ebenfalls vorhanden. Wer jetzt vermutet, dass bei 72 möglichen In-, und Outputs, acht Bussen und 12 internen Aux-Wegen ein unübersichtliches Meer an Tastern und Reglern eine schnelle Übersicht unmöglich macht, wird angenehm überrascht.  Dank geschickter Mehrfachbelegung der Drehregler bleibt die Bedienfront des Digital X Bus übersichtlich und gut strukturiert. Am deutlichsten sieht man  dieses Konzept an den Drehreglern für die einzelnen Kanäle oberhalb der 100 mm-Fader. Je nach Bedienfenster übernehmen sie automatisch andere Funktionen, aber immer in direkter örtlicher Korrespondenz mit den virtuellen Pendants auf den Monitoren. Sehr geschickt garantieren die Mackie-Entwickler damit schnelle Bedienbarkeit bei komplexer Funktionalität.

Der Kern des Digital X Bus ist ein für Audioanwendungen optimierter Windows PC mit einer XP Embedded Plattform, drei Gigahertz Pentium 4 Prozessor, einem Gigabyte RAM und 40 Gigabyte an Festplattenkapazität. Dem System sind die oft zu Konflikten führenden überflüssigen Microsoft Komponenten entfernt worden, so dass der Rechner sich auf den Audioeinsatz konzentrieren kann. Allerdings erst nach Abschrauben der hinteren Abdeckung wird wirklich klar, dass das Pult eigentlich um einen herkömmlichen PC gebaut ist.

Hier befindet sich das altbekannte Bild, dass von zahlreichen Ausflügen unter den Schreibtisch an die Rückseite des  PCs bekannt ist. Der große Vorteil ist die Möglichkei,t das System ständig zu erneuern oder auszubauen. Größere Festplatten, mehr Speicher, ein neues Motherboard oder externe Computerperipherie sind kein Problem. Damit lässt sich der Motor des Digital X Bus problemlos auf- und nachrüsten und bleibt vorausschauend flexibel. Der Nachteil ist: Auch wenn die XP-Plattform als deutlich zuverlässiger gegenüber ihren Vorgänger gilt, darf nicht vergessen werden, dass wir es hier mit einem Computer zu tun haben, mit allen Vor- und Nachteilen. Beim Starten der Konsole kann aber glücklicher Weise nicht auf die normale Windows XP Oberfläche zugegriffen werden, sondern es wird automatisch die Mischpult-Software geladen. Datentransfer kann über zwei USB-Schnittstellen am Pultgehäuse und weiteren vier am PC selbst erfolgen. Über diese  Schnittstellen oder die PS/2-Anschlüsse ist es ratsam eine Maus und ein Keyboard anzuschließen, auch wenn die Touchscreenbedienung deren Einsatz eigentlich überflüssig macht. Es gibt aber immer wieder Situationen, in denen Maus und Tastatur die Bedienung auf diesem Weg erleichtert oder die Eingabe – wie bei der Installation von VST Plug-ins – gar nur über eine externe Tastatur vollzogen werden kann.

Über den PCI-Steckplatz auf dem Motherboard sind die insgesamt elf Kartensteckplätze integriert. Einer ist dabei für zukünftige Optionen und zwei für die standardmäßige Sync- und Mix-Out Karte reserviert. Dieses modulare System ermöglicht es, sich sein individuelles I/O-Umfeld zusammen zu stellen. Ab Werk lässt sich das Mischpult aber erstmal  lediglich über Wordclock (BNC-I/O) oder Timecode (Klinke I/O) synchronisieren und über die Mix-Out Karte mit der Peripherie verbinden. Die Mix-Out Karte verfügt über acht analoge Ausgänge im symmetrischen Klinkenformat, AES/EBU-I/O und eine S/PDIF-Schnittstelle: damit kann gerade einmal ein CD-Player oder eine andere digitale Quelle angeschlossen werden: etwas spärlich für den Anfang. Aber zum Glück handelt es sich um ein  modulares System, so dass durch das zusätzliche Erwerben weiterer Karten, die softwareseitig konfigurierbaren 72 I/Os völlig beliebig belegt werden können. Für unseren Test ist das Pult zusätzlich mit einer Mic/Line  und einer Digitalkarte aufgestockt. Die analoge Eingangskarte verfügt über vier Mikrofoneingänge im XLR-Format und weiter vier symmetrische  Line-Eingänge als TRS-Klinkenverbindung. Die Vorverstärker werden genauso wie die Phantomspeisungsfunktion über die Bediensoftware digital ferngesteuert. Die Digitalkarte bietet acht Eingangs- und Ausgangskanäle an und eignet sich besonders für die Anbindung der Konsole an DAWs oder digitale Mehrspurmaschinen. Verbunden wird diese Schnittstelle entweder über einen DB25-Stecker im TDIF- oder per optischem Datenkabel im ADAT-Format. Bei steigender Samplingfrequenz können allerdings immer weniger Ein- und Ausgänge genutzt werden, da das S/MUX-Protokoll dann immer mehr Kanäle in Beschlag nimmt. Grundsätzlich unterstützt das Pult eine Samplingfrequenz bis zu 192 Kilohertz. Der DSP kann maximal 64 Audiokanäle bei einer Samplingfrequenz bis 96 Kilohertz verarbeiten, bei 192 Kilohertz wird die Funktionalität auf die Hälfte der Kanäle reduziert. Weitere Karten, die von Mackie angeboten werden sind die Mic/Line 8-Karte (2986 Euro), die acht analoge Mikrofon- oder Line-I/O-Signale symmetrisch über zwei D-Sub-Stecker verarbeitet, die Line-Karte (864 Euro), die das Gleiche ausschließlich für Line-Pegel bereit stellt, die AES-Karte (806 Euro), die Acht digitale Ein- und Ausgänge im AES/EBU-Format über einen D-Sub-Steckverbinder mit digitalen Geräten verbindet, und die FireWire-Karte (922 Euro), die bis zu 24 In- und Outputs  in Verbindung mit einem PC oder Mac bewerkstelligen kann. Hiermit lässt sich auch das computergestützte Harddiskrecording mit der Mischkonsole verbinden.  Festzuhalten bleibt, dass das Modulare Kartensystem zusammen mit der offenen PC-Umgebung das Digital X Bus flexibel und zukunftsorientiert konzipiert ist. Im Gegensatz zu starren Pulten, die nach einigen Jahren mit dem dann aktuellen Stand der Audiotechnik nicht mehr mithalten können, wird beim Kauf des Digital X Bus eine Anschaffung getätigt, die sich den wechselnden Gegebenheiten und individuellen Bedürfnissen anpassen lässt.

Die durch den P4 und der Mackie-Software realisierte virtuelle Mischpultsimulation ist intuitiv zu handhaben. Allerdings sind manche Operationen, wie man es vom Touchpad eines Laptops kennt, auch auf den Touchscreens nicht so komfortabel zu handhaben. Die anfängliche Euphorie weicht einer pragmatischen Sachlichkeit. Das Touchscreen ist zwar für viele Operationen hilfreich und kann Zeit sparen. Manches kann aber mit einer angeschlossenen Maus auf konventionelle Weise mindestens genauso gut erledigt werden. Zum Glück gibt es beide Möglichkeiten, so dass der User auch hier nach seinen eigenen Gewohnheiten gehen kann. Grundsätzlich ist das Prinzip der Bedienung aber denkbar einfach. Der Finger ersetzt den Cursor auf dem Touchscreen, und navigiert durch die unterschiedlichen Menüs. Sind Parameter einzustellen, werden die virtuellen Drehregler immer am unteren Ende des Bildschirms in direkter Opposition zu den physischen,  angezeigt. Durch das Anwählen der zu verstellenden Ziffern, kann der Wert aber auch direkt in eine Art virtuellen Taschenrechner eingegeben werden, falls genaue Justierungen gefragt sind. Maus und Keyboard unterstützen nach Bedarf an den stellen, wo beispielsweise Kanäle oder Presets mit Namen versehen werden sollen. Dies ist zwar auch immer über eine Touchscreen-Tastatur möglich, aber mehr als vier Buchstaben auf diesem Weg einzugeben kann im Workflow bei der Vielzahl von Kanälen anstrengend werden.  

Die Software des Digital X Bus stellt alle Konfigurationsmöglichkeiten bereit, die sich aus den integrierten Karten ergeben. Um auf diese zugreifen zu können drückt man entweder Ctrl + 0 auf dem Keyboard, Makrotaster acht oder hangelt sich durch die Menüleiste am oberen Ende des Bildschirms. Einmal aufgerufen, sehen wir das fotorealistische Abbild der rückwärtigen Kartensteckplätze. Durch drücken der abgebildeten Karte können die  entsprechenden Konfigurationen vorgenommen werden. Das Fenster der Mix-Out-Karte zeigt alle verfügbaren physischen Ausgänge, denen über ein  weiteres Pop-Up-Menü, ein beliebiges Ziel zugewiesen werden kann. Bei analogen Konsolen, wäre eine solch simple Vernetzung kaum denkbar. Das Mic/Line-Karten Fenster zeigt die analogen Eingänge. Bei den Mikrofoneingängen sind jeweils die Aktivierung der Phantomspeisung, der Eingangspegel und eine PAD-Absenkung von -10 Dezibel möglich. Die Eingangsempfindlichkeit der Line-Eingänge ist über einen Jumper auf der Karte zwischen +4 dBu und -10 dBu wählbar.

Jeder Einzelne Channel-Strip beginnt mit der virtuellen Darstellung auf den Monitoren und endet mit dem jeweiligen Fader des Kanals. Wie gewohnt zeigt sich am oberen Ende die Pegelanzeige. Um welchen Pegel es sich gerade handelt und mit welcher Skalierung gearbeitet werden soll, lässt sich bequem im Meters-Fenster einstellen. Neben den üblichen

Einstellungen von Post-, Prefader oder Input, kann für den Analogfreund auch eine virtuelle VU-Anzeige eingesetzt werden. Durch das Berühren der Pegelanzeige ändert sich die grundsätzliche Darstellung des Pultes. So kann zwischen der Darstellung der 4 Ebenen mit jeweils 24 Kanälen und einer Gesamtübersicht gewechselt werden. Die Gesamtübersicht zeigt alle Signale, auch die der Busse und Aux-Wege im Überblick, um genau diesen nicht zu verlieren. Um zu den einzelnen Subebenen zu gelangen dienen verschiedene Taster, mit der Aufschrift der jeweiligen Kanalbereiche direkt über dem Master-Fader. Unter der Pegelanzeige liegt das Assign-Fenster. Hier befinden wir uns in der Leitschaltzentrale des Digital X Bus, die wie eine Matrix aufgebaut ist. Im Zentrum des Fensters steht die Zuweisung des Kanals auf die acht Busse. Aber das ist bei weitem nicht alles. Als erstes lässt sich die Quelle des Signals unter allen vorhandenen Inputs wählen, sogar das Talkback-Mikrofon stellt eine Option dar. Der Floating-Insert bietet als nächstes die Möglichkeit das Signal über die Aux-Wege zu routen, um externe Geräte in den Signalweg zu integrieren. Über den dazugehörigen Return-Weg gelangt das Signal dann wieder auf den rechten Weg zurück.  Um die Polarität des Signals zu wechseln kann hier zusätzlich die Phase um 180 Grad gedreht werden. Direkt unter  diesem virtuellen Taster, befinden sich die Regler, um die Lautstärke an der Stelle des Signalflusses, zwischen A/D-Converter und DSP zu verändern. Zudem kann der Delay-Regler Latenzen bis zu 500 Millisekunden ausgleichen.  Über das Pre-Insert-Fenster lassen sich Plug-in-Effekte in den Weg einschleifen. Dieser Punkt im Signalweg liegt noch vor dem DSP.

 Hingegen dahinter befindet sich der Post-Insert, der dasselbe nach dem DSP vollziehen kann. Der Direkt-Output greift das Signal vor dem Fader ab, um es auf  eine andere Bahn zu lenken. Hier lässt sich wieder die Lautstärke regulieren und zwar bis zu + 10 Dezibel. Das Assign-Fenster bietet die Freiheit den Signalfluss völlig beliebig zu kontrollieren. Durch das Abgreifen des Signals an bestimmten Punkten lassen sich dabei unzählige Szenarien der Signalzuweisung erstellen. Der Nachteil ist, dass man bei komplexen Mixen schnell den Überblick verlieren kann. Aber gut geplant und sinnvoll eingesetzt ist das Routing des Digital X Bus im Studioalltag etwas ungemein Nützliches. Über das nächste Fenster lässt sich das Signal auf die  zwölf Aux-Wege schicken, wobei die letzten vier für die Cue-Sektion verantwortlich sind und sich besonders für Kopfhörer-Mixe eignen. In der Phone-Sektion kann der eingestellte Mix kopiert und auf die Cue-Wege gelegt werden um den Musikern  bei einer Aufnahme unkompliziert einen schnellen Kopfhörer-Mix zu erstellen. Die Aux-Wege können zwischen Mono und Stereo umgeschaltet werden, außerdem lassen sich die Abgriffpunkte Pre- oder Postfader selektieren.  Die jeweilige Lautstärke ­– als Stereo-Weg auch das Panaorama  – sind außerdem justierbar. Im Gegensatz zu dem Assign-Fenster sind die Aux-Signale nicht beliebig zu routen, sondern liegen auf der Master-Ebene als einzelne Kanäle sichtbar an. Als letztes hat jeder Kanalzug einen vierbandigen und vollparametrischen Equalizer und einen Kompressor mit integriertem Gate vorzuweisen. Beide Fenster leuchten, sobald sie aktiviert und Veränderungen vorgenommen worden sind. Gate und Kompressor verfügen über die Standardeinstellungen Threshold, Ratio, Attack, Release und Output. Gut ist, dass die Hersteller einen Side-Chain integriert haben, um Gate oder Kompressor durch ein externes Signal zu triggern. Da sich dies außerdem auch noch frequenzabhängig regeln lässt, kann die Dynamik-Sektion beispielsweise auch als De-Esser umfunktioniert werden. Die Filter des Equalizers lassen sich für alle Frequenzen einstellen, außerdem ist der Filtertyp wählbar. Zur Auswahl stehen: Hoch- und Tiefpass-, High- und Lowshelf-Filter, sowie ein Peakfilter. Es lassen sich zwei unterschiedliche Filtereinstellungen einstellen, die über die Taster A und B abgerufen werden können. Damit können verschiedene Einstellungen miteinander verglichen werden. Besonders hilfreich ist hier die Möglichkeit die Einstellungen auf andere Kanäle übertragen zu können. Über das Menü-Fenster des Equalizers lässt sich die Filterkurve kopieren und dann auf jeden anderen Kanal übertragen. Diese allgemeinen Funktionen sind in vielen anderen Menüs auch möglich und oft eine große Hilfe. Der große Vorteil von Equalizer, Gate und Kompressor wird besonders deutlich, wenn ein Song gemixt werden soll. Um die CPU der DAW zu entlasten, lassen sich beispielsweise die Schlagzeugspuren und der Bass bequem über das Digital X Bus bearbeiten. Möchte man für bestimmte Instrumente oder gerade den Gesang eine hochwertiges Plug-in verwenden, kann dies ohne Rücksicht auf die CPU der DAW geschehen, da sie durch die Einstellmöglichkeiten des Mischpultes deutlich entlastet werden kann.  

Eine Neuerung ist die Implementierung von VST-Plug-ins. Hierbei werden aber zur Zeitausschließlich die Effekte von Waves unterstützt. Bei allen anderen wird der Anwender auf sein eigenes Risiko bei der Installation hingewiesen. Die Installation kann funktionieren, aber das Risiko das System mit anderen Installationen zu belasten und damit Instabilität herbei zu führen muss jeder selber tragen. Dies kann die Redaktion voll bestätigen, die Installation eines nicht genehmigten VST-Plug-.ins ging voll in die Hose. Es wäre äußerst wünschenswert , jeden Effekt seiner Wahl installieren zu können. Um ein Plug-Ins zu installieren muss allerdings zuerst die Setup-Datei auf einen USB-Stick kopiert werden, um sie dann aus dem Datei-Menü des Pultes zu starten. Das System erkennt dann das installierte Plug-in, sodass neben den drei Standardeffekten von Mackie auch das neu installierte im Effekt-Rack  erscheint. Zu den Standardeffekten gehören ein klassischer Halleffekt, ein Delay und ein Multiband-Summenkompressor von Mackie.    
 
Das Team des Professional Audio Magazin stellte bei der eingebauten Mix-Out-Karte eine atypische Veränderung im rechten Frequenzgang fest. Bei 420 Hertz wurde eine deutliche Pegelspitze gemessen, was sich im Nachhinein glücklicherweise als Defekt der Karte herausstellte. Nach Installation einer neuen Karte konnten  wir durch die Bank sehr gute  Werte feststellen. Der Klirrfaktor der Mic/Line-Karte liegt bei 0,006 Prozent. Das liegt nur unwesentlich unter dem der Gain Station von SPL (siehe Test 06/06), die mit 0,0015 Prozent einen ausgezeichneten Wert erreicht, aber als Einkanaliger Channel-Strip auch rund 1000 Euro kostet. Der Frequenzgang zeigt verbnachlässigbare Absenkungen oberhalb von zwanzig Kilohertz und unterhalb von 30 Hertz.  Das Jitterspektrum bleibt selbst bei der höchsten Samplingfrequenz von 192 Kilohertz deutlich unter -70 Dezibel, ein Wert, den sonst nur teure externe Wandler erreichen und auf das ausgezeichnete Gesamtkonzept der Digital X Bus-Konsole hinweist.

Die A/D-Wandlerlinearität zeigt sich im Diagramm als stetige Diagonale die nur bei sehr hochwertigen Wandlern, wie dem Benchmark ADC1 (siehe Test 08/06) noch etwas exakter ist. Für ein modulares Pult, dass sich auf flexible Vielseitigkeit und nicht auf Klangpurismus spezialisiert,  überzeugende die Messergebnisse auf der ganzen Linie.

Für den Hörtest haben wir uns ganz speziell die  Mic/Line Karte vorgenommen, um die klangliche Qualität der Mikrofonvorverstärker und der Wandler unter die Lupe zu nehmen. Eine Launhardt FS3 Archtop-Jazzgitarre nehmen wir einmal über das Digital X Bus und dann über eine High-End-Kombination, bestehend aus dem True System Preamp P2 (siehe Test Seite 86) und dem A/D-Wandler ADC1 von Benchmark (Siehe Test 08/06) auf. Digital aufgezeichnet wird das Signal mit 24 Bit und 96 Kilohertz. Die Mikrofonkombination besteht aus dem Sennheiser MKH40 (Halsposition) und dem Microtech Gefell UMT 70S (Schallloch). Die Aufnahme über das Mackiepult hören wir uns zuerst an. Das Signal klingt klar und rauschfrei, der Sound der Gitarre erscheint natürlich und durch die Charakteristik des  MKH 40, wie gewollt etwas voller und größer. Es fehlt allerdings etwas an räumlicher Tiefe und auch etwas an Transparenz. Den Klang als belegt zu bezeichnen, wäre zu drastisch formuliert, aber trotz der grundsätzlich neutralen Verarbeitung der digitalen Vorverstärker, kann etwas mehr Tiefenschärfe und eine feinere Auflösung, gerade im Bereich der Höhen nicht schaden. Ein ungewolltes, leises Schnarren der Gitarre, was normalerweise zu einem Abbruch der  Aufnahme geführt hätte, dient uns in diesem Fall als Orientierungspunkt. Es wird, wie die Rutsch- und Anschlagsgeräusche sehr realistisch dargestellt, auch wenn die Nebengeräusche insgesamt etwas zurückhaltend erscheinen. Besonders deutlich wird dies als wir die Benchmark-True System-Kombination im Vergleich hören. Es geht deutlich besser. Unser Eindruck lässt sich bestätigen. Die Puristenkombination, die um einen Kanal aufzunehmen knappe 4000 Euro kostet, zeigt uns das Quäntchen mehr. .Der Vergleich dient der Einordnung und nicht einer absoluten Wertung, da die Mic/Line-Karte von Mackie, mit rund 1000 Euro, allein vier Mikrofoneingänge bereitstellt. Trotzdem ist zu erkennen, dass die klangliche Auflösung des Puristenduos dem Mackiepult überlegen  ist. Das Signal gewinnt an Tiefe und Räumlichkeit und selbst das leichte  Zirpen setzt sich klar und differenziert im Klangbild durch, mit einer gnadenlosen Detailgenauigkeit.  Das Signal gewinnt an Trennschärfe und Feinheit, die dem Mackiepult in dieser Form fehlt. In einem weiterer Testvergleich mit den ausgezeichneten Mikrofonvorverstärkern des Mackie Onyx 400F (Test in Ausgabe 6/2006) zeigt sich: Die Mikrofonverstärker des Digital X Bus kommen in ihrer Gesamtperformance nicht ganz heran. Die Onyx-Verstärker klingen minimal, aber hörbar offener und transparenter. Dennoch, die Mic/Line-Karte macht einen guten Job und für die meisten Aufnahmesituationen wird die Qualität mehr als ausreichen. Es lohnt sich aber für hochwertige Gesangsaufnahmen oder für die Aufnahme von Einzelinstrumenten zusätzliche Hardware in Form guter Preamps und Wandler  im Studiorack zu haben, um die letzten fünf Prozent bei Bedarf erreichen zu können.

Fazit

Das Digital X Bus von Mackie ist ein Pult für die Zukunft und zeichnet sich, als modulares System durch seine Vielseitigkeit und Flexibilität aus. Individuell ist es für verschiedene Einsatzmöglichkeiten ausrüstbar und insgesamt eine praxisnahes gut durchdachte Mischkonsole. Die 15.000 Euro sind eine einmalige Investition, da sich das System in den wesentlichen Komponenten ständig erweitern und aufrüsten lässt: aber Vorsicht bei direkter Sonneneinstrahlung.

Erschienen in Ausgabe 09/2006

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 15074 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: gut

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