Die Bootleg-Maschine

Es ist nicht einfach, das digitale Mischpult Fostex LR16 eindeutig in eine Kategorie einzuordnen. Die Marketingleute des Herstellers nennen ihre neueste Entwicklung „Live Recording Mixer“ und treffen damit den Nagel auf den Kopf. Denn es handelt sich um ein Mischpult mit integriertem Festplattenrekorder. Für welchen Einsatz das LR16 am besten geeignet ist, klärt dieser Test.

Von Raphael Hornbusch

Was optisch nostalgisch wie eine Radiokonsole für einen Militärsender aus den 1970ern daherkommt, ist eine Zusammenstellung von Komponenten, die für den auftretenden Musiker ebenso interessant ist wie für den Band-Techniker oder den ambitionierten Heimstudiobetreiber. Das Fostex LR16 ist zunächst einmal ein digitales 16-Kanal-Mischpult mit einer Bedienoberfläche, die einem analogen Mischpult exakt nachempfunden wurde. Darüber hinaus besitzt es einen 16-Spur-Rekorder, der auf einer eingebauten, 80 Gigabyte großen Festplatte aufnimmt. Besonderheit: Das Pult besteht aus zwei separaten Teilen, einem Controller- und einem Rekorder-Teil, die per Netzwerkkabel in Verbindung treten. Dies alles wird zu einem sehr attraktiven Preis von knapp 2.000 Euro angeboten. In der Beschallungstechnik hat die digitale Netzwerktechnik schon längst Einzug gehalten. Immer mehr Hersteller greifen auf diese Technik zurück, da mit ihr lange, analoge Audiowege und damit verbundene Signalverluste vermieden werden können. Zudem lässt sich der Einsatz armdicker Multicores umgehen. Allen diesen Konzepten gemein ist, dass Audiosignale in Bühnennähe mit einer Anschlussbox verbunden werden. Diese erledigt alle Verstärker-, Misch- und Summierfunktionen. Am Mischplatz steht anstelle des Mischpults ein – oft nicht weniger ausladender – Controller als abgesetzte Bedieneinheit. Durch das Netzwerk kommuniziert der Controller mit der Anschlussbox. Fostex ist mit dem LR16 also nicht der erste Anbieter eines solchen Systems. Neu ist jedoch die Möglichkeit der integrierten Mehrspuraufnahme. Durch das Kombinieren eines Mischpults mit einem Aufnahmegerät ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten für das Fostex LR16. Es dient bei einem Live-Auftritt als Mischpult mit der Möglichkeit des gleichzeitigen Mitschnitts. Im Proberaum kann es zum Festhalten von Ideen genutzt werden. Dabei nimmt es nicht nur alle 16 Kanäle auf, sondern auf Wunsch auch gleichzeitig die Stereosumme des Mischpults. Außerdem können alle Arbeitsschritte vom Overdubbing bis zur Abmischung intern erledigt und aufgezeichnet werden.

Die Rekorder-Einheit des Fostex LR16 ist in einem 19-Zoll-Rackgehäuse mit drei Höheneinheiten untergebracht, auf dessen Rückseite die Audioanschlüsse, zwei USB-Anschlüsse, ein Netzanschluss, eine MIDI-Buchse, ein Fußschaltereingang sowie eine Netzwerkbuchse untergebracht sind. Auf der Frontseite befinden sich alle für den Harddisk-Rekorder benötigten Bedienelemente wie Laufwerkstaster, Wahlschalter für die Aufnahmespuren, ein Zehner-Tastaturblock sowie ein beleuchtetes, monochromes LC-Display.  Das Mischpult ist in einem flachen Pultgehäuse untergebracht. Korrekter ausgedrückt handelt es sich um einen Misch-Controller zur Fernsteuerung aller im 19-Zoll-Rack befindlichen Mixerfunktionen. Mit Ausnahme eines Cinch-Stereoeingangs und getrennten Klinken-Ausgangsbuchsen für Kopfhörer und Controlroom-Monitore mit jeweils eigenen Lautstärkereglern gibt es am Controller keine weiteren Audioanschlüsse. Beide Geräte-Einheiten können getrennt voneinander in 19-Zoll-Racks untergebracht werden, passende Rackschienen gehören zum Lieferumfang. Die Rackschienen des Controllers können auch dazu verwendet werden, beide Geräte fest miteinander zu verschrauben. Die Kommunikation zwischen beiden Geräten bewerkstelligt ein Netzwerkkabel der Kategorie 5 (CAT5). Das mitgelieferte 50-cm-Kabel reicht nur für kurze Distanzen, wenn beide Geräte miteinander verbunden sind. Technisch möglich sind allerdings bis zu 50 Meter. Im Studio werden solche Distanzen selten erreicht, da auch das Rackgerät in greifbarer Nähe platziert sein sollte, um den Rekorder bedienen zu können. Für den Live-Einsatz sind jedoch solche Entfernungen durchaus üblich und genau hier liegt das Haupteinsatzgebiet des Fostex LR16. Einfach ausgedrückt ist der LR16-Rekorder eine Stage-Box mit Aufnahmemöglichkeit. Das Bedienkonzept ist dabei so clever und durchdacht ausgelegt, dass die Bedienelemente des Rack-Geräts in einer Live-Aufnahmesituation in der Regel nicht benötigt werden. Eine Besonderheit ist auch das Bedienkonzept des Misch-Controllers, der für jede Funktion ein eigenes Bedienelement aufweist. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Jeder, der schon einmal einen Live-Mixer bedient hat, wird mit der Bedienung des LR16 sofort klar kommen.

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass der Techniker auch in stressigen Live-Situationen jede Funktion im direkten Zugriff hat und nicht erst mit den Fingern einen Stepptanz durch unzählige Untermenüs aufführen muss, um den gewünschten Regler, Taster oder Fader bedienen zu können. Der Hersteller nennt unter anderem das mobile Recording in Schulen und Kirchen als mögliche Anwendungsbereiche. Da hier oftmals Laien oder Anfänger am Werk sind, hat sich Fostex zugunsten einer einfachen Bedienung gegen eine Menüsteuerung im Mixer-Teil entschieden. Somit gibt es auch keine Automationsmöglichkeiten, was wir dennoch begrüßt hätten.  Die Bedienelemente des Misch-Controllers geben keine Rätsel auf und präsentieren sich mit dem für Mischpulte üblichen Repertoire an Reglern und Knöpfen. In jedem Kanalzug findet sich ein Gain-Regler, ein Dreiband-Equalizer mit einem parametrischen Mittenband, drei Aux-Send-Regler, ein Effekt-Send, ein Panorama-Regler und ein 60-mm-Kanal-Fader. Unterhalb des Gain-Reglers ist der Schalter für einen Hochpassfilter platziert, der bei 80 Hertz mit zwölf Dezibel pro Oktave eingreift. Doch damit nicht genug, das LR16 verfügt zudem über eine analoge Limiterschaltung in jedem Kanal. Diese Schaltung sitzt im Signalfluss, genau wie der Hochpassfilter, vor dem A/D-Wandler und schützt diesen vor Übersteuerungen. Eine Besonderheit des Fostex-Mixers ist die Möglichkeit, die Eingangspegel am Controller regeln zu können. Denn bei digitalen Live-Mixern mit abgesetzten Controllern gibt es folgendes Problem: Die Mikrofonvorverstärker müssen als analoge Schaltungen vor den A/D-Wandlern liegen, damit diese mit optimalen Pegeln versorgt werden. Deshalb müssen die Vorverstärker in der Anschlussbox platziert sein, die allerdings auf der Bühne steht und dadurch dem Techniker am Mischplatz eine direkte Regelmöglichkeit fehlt. Die Fostex-Entwickler haben sich für eine digitale Steuerung der analogen Vorverstärker vom Misch-Controller aus entschieden. Diese Lösung ist zwar technisch aufwändig, für den Anwender aber sehr elegant. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass der japanische Hersteller eine solche Lösung für rund 2.000 Euro anbieten kann. Der Abgriff des ersten Aux-Weges ist zwischen pre- und post-Fader umschaltbar, der zweite Aux-Send ist fest pre-Fader und der dritte Aux-Send sowie der Effekt-Send post-Fader verdrahtet. Mit der Abgriffsmöglichkeit zweier Aux-Wege hinter dem Fader lässt sich ein Kopfhörermix auch in stereo realisieren, was ein Studiomusiker zu schätzen weiß. Jeder Kanal verfügt weiterhin über einen Mute- und einen Solo-Schalter sowie über Routing-Schalter für die vier Subgruppen und die Stereosumme. Ein Source-Schalter in jedem Kanalzug bietet die Möglichkeit, die Signalquelle von Mixereingang (Input) auf Multitrack-Ausgang (Track) umzuschalten, um die Mischpultkanäle beim Mixdown verwenden zu können. Doch dazu später mehr. Kommen wir zunächst zur üppig ausgestatteten Mastersektion des Controllers. Hier finden wir die üblichen Ausgangsregler für die Aux-Sends mit den dazugehörigen Solo-Tastern, vier Subgruppen-Fader mit Routing-Schaltern, ein Stereo-Master-Fader, und ein Aussteuerungsinstrument mit zwölf LEDs, das wahlweise die Pegel des Summensignals, der Subgruppen, der Effektrückwege oder eines per Solo-Schalter ausgewählten Kanalsignals anzeigt.

Rechts daneben befindet sich die Effektsektion mit zwölf verschiedenen Hall- und Delay-Effekten. Das Effektsignal ist nicht fest der Stereosumme zugeordnet, sondern lässt sich mit separaten Reglern auch den Subgruppen und den Aux-Sends hinzu mischen. Insgesamt ist die Mastersektion sehr übersichtlich gestaltet. Die Anschluss- und Routing-Möglichkeiten lassen keine Wünsche offen.  Sinnvollerweise befinden sich die Monitor- und Kopfhörerausgänge an der Controller-Einheit. Sie sind als 6,3-mm-Klinkenbuchsen ausgelegt und können mit eigenen Reglern in der Lautstärke eingestellt werden. Kritikpunkt an dieser Stelle ist der Abgriff des Kopfhörersignals, der hinter dem Lautstärkeregler für die Abhör-Monitore liegt und somit von diesem abhängig ist. Ein Zuspielgerät kann per Cinch-Buchsen angeschlossen und ebenfalls mit eigenem Lautstärkeknopf geregelt werden. Dieser, mit „Sub In“ beschriftete Eingang muss einem der 16 Kanäle zugewiesen werden, will man die anliegenden Signale hören. Die Zuweisung des Sub-Ins erfolgt menügesteuert an der Rekorder-Einheit. Direkt vor den D/A-Wandlern der Stereo- und Gruppenausgänge sowie der Aux-Ausspielwege befindet sich je ein Output-Limiter, der jedes Ausgangssignal zwar individuell regelt, aber nur global zuschaltbar ist. Die einzigen Bedienelemente am Controller, die darauf hinweisen, dass es sich beim LR16 um ein Aufnahmegerät handelt, sind neben den bereits erwähnten Source-Schaltern die Laufwerkstaster Record, Stop und Play, die sich in der Mastersektion befinden und den Harddisk-Rekorder steuern.  Im Praxistest erweist sich der übersichtliche Misch-Controller des LR16 als absolut live-tauglich. Jeder Regler und Taster ist dort, wo man ihn bei einem analogen Mischpult auch finden würde. Die hohe Packungsdichte der Bedienelemente erfordert jedoch ein gehöriges Maß an Feinmotorik. Für eine bessere Übersichtlichkeit hätten wir uns außerdem ein paar Kontroll-LEDs mehr gewünscht. Zumindest den Mute- und Solo-Tastern würden optische Anzeigen gut tun und die Übersichtlichkeit nicht nur in dämmrigen Live-Clubs erhöhen, zumal die Schalterpositionen schon bei normalen Lichtverhältnissen schlecht erkennbar sind. Ansonsten verfügt der Controller über alle Funktionen, die man für den Live-Betrieb benötigt, auch wenn die separate Rekorder-Hardware nicht in bedienbarer Nähe neben oder auf der Bühne steht.  Problematisch stellt sich das Einschleifen von Effektgeräten im Live-Betrieb dar. Denn die Anschlüsse für externe Effektgeräte befinden sich am Rekorder. In der Praxis bedeutet dies, dass externe Effektgeräte nicht am Mischplatz zur Verfügung stehen, es sei denn, man legt umständlich separate Audioleitungen, was das übersichtliche Netzwerkkonzept ad absurdum führt. Zumindest die Effektrückwege könnten alternativ über die Sub-Ins in den Controller zurückgeführt werden, was jedoch dem Hauptzweck widerspricht.

Der Live-Betrieb mit gleichzeitiger Mehrspuraufnahme ist die Domäne des LR16. Vor Beginn der Aufzeichnung muss jede einzelne Spur am Rekorder scharfgeschaltet werden. Um die Aufnahme zu starten, braucht der Techniker anschließend nur noch den Aufnahmetaster am Controller zu drücken. Um einen weiteren Song direkt in ein neues Projekt zu schreiben, muss der Techniker am Ende des Stücks den Stop-Taster und zum Beginn des nächsten Songs wieder den Aufnahmetaster betätigen. Der Aufnahmetaster am Rekorder verhält sich da etwas anders. Starten wir die Aufnahme von hier aus, nimmt das LR16 im bereits geöffneten Projekt auf. Drücken wir allerdings den „New Project“-Taster, reagiert der Aufnahmetaster analog zum Record-Knopf am Controller. Dieses ausgefuchste Schalter-Design ist anfänglich etwas verwirrend, erweist sich allerdings als sehr praxistauglich: Während der Live-Aufnahme bedient man den Aufnahmeknopf am Controller, während im Studio oder bei nachträglichen Overdubs der Record-Taster am Rekorder selbst zum Einsatz kommt. Details wie diese unterstreichen das gut durchdachte Konzept des LR16.  Bis zu 99 Projekte lassen sich im LR16 aufzeichnen. Die Gesamtkapazität der 80 Gigabyte großen Festplatte reicht bei einer 16-Spuraufnahme in 16 Bit/44,1 Kilohertz für 16 Stunden, was locker für den Live-Mitschnitt eines ganzen Festivals ausreicht. Möglich sind Aufnahmen in 16 beziehungsweise 24 Bit mit einer Abtastrate von 44,1 oder 48 Kilohertz. Der Signalabgriff für die Aufnahme erfolgt richtigerweise vor dem Equalizer und damit vor dem Fader, so dass die Klang- und Lautstärkeregelung für die Saalmischung beziehungsweise die Abhöre eingesetzt werden kann. Zusätzlich zu den 16 Kanälen, die im Mehrspurrekorder aufgenommen werden, kann das Summensignal des Mischers auf eine zusätzliche Stereospur aufzeichnet werden. Hierzu gibt es am Rekorder einen eigenen Stereomix-Schalter, der diese Spur in Aufnahmebereitschaft versetzt. Der Signalabgriff erfolgt hinter dem Master-Fader. Dabei ist Vorsicht geboten: Um einen brauchbaren Mitschnitt zu erhalten, muss der Master-Fader sauber eingestellt sein und darf während des Live-Auftritts nicht bewegt werden. Sinn und Zweck dieser Funktion: der Techniker hat am Ende der Veranstaltung einen fertigen Stereomix an der Hand, die er als Kontrollmix oder Sicherungsdatei verwenden kann. Der Stereomix kann auch als CD vervielfältigt werden – eine bei kirchlichen Großveranstaltungen durchaus übliche Praxis.  Um die angefertigten Aufnahmen abmischen zu können, ist der bereits erwähnte Source-Schalter nötig. Durch Druck auf den Schalter routen wir nacheinander jede Einzelspur auf die Kanalzüge und bearbeiten die Aufnahmen nach allen Regeln der Kunst mit den Equalizern und den integrierten Effekten. Dieser Stereomix lässt sich wiederum direkt auf die interne Festplatte aufnehmen. Genial: Auf diese Weise bewerkstelligen wir eine gesamte Produktion innerhalb des LR16. Lediglich zum Brennen einer CD müssen wir den Stereomix in einen Computer exportieren. Vorher lassen sich mit der Overdub-Funktion einzelne Spuren einer Aufnahme nachträglich aufnehmen oder ausbessern. Da dieses Verfahren eine klassische Arbeit fürs Tonstudio ist, platzieren wir den Harddisk-Rekorder in die Nähe des Controllers, um die Aufnahme vom Rekorder aus zu starten. Vor der Aufnahme stellen wir sicher, dass der „New Project“-Knopf deaktiviert ist. Alle Kanäle geben nun das Track-Signal wieder, außer dem Kanal, in dem wir gerade aufnehmen. Jede Spur ist einem Kanal fest zugeordnet, so dass bei der Ausbesserung von Spuren der Eingang des Instruments und der Aufnahmekanal identisch sein müssen, was wiederum das Konzept der geradlinigen Bedienung des LR16 unterstreicht.

Neben dem Overdub-Verfahren können auch kurze Passagen mit Hilfe der Punch In-Funktion ausgebessert werden. Für diese Aktion muss nun auch der Kanal der Aufnahmespur auf „Track“ stehen. Im Play-Betrieb gibt dieser Kanal dann so lange das bereits aufgenommene Signal wieder, bis mit einem Griff auf den Record- und den Play-Taster am Rekorder in die Aufnahme eingestiegen wird. Während der Aufnahme wird dann das Aufnahmesignal wiedergegeben, bis man wieder aus der Aufnahme aussteigt. Auffällig: Im Test dauert das Umschalten beim Punch-Out rund zwei Sekunden, was zunächst die Befürchtung nährt, dass die Aufnahme hinter dem Punch-Out angelöscht ist, was sich jedoch nicht bewahrheitet. Denn glücklicherweise wirkt sich die Umschaltverzögerung lediglich auf die Wiedergabe aus. Die Punches selbst sind knackfrei und sehr präzise durchführbar, wenn man sich erst einmal an das leicht verzögerte Schaltverhalten der Rekorder-Laufwerkstasten gewöhnt hat. Da bei einem Punch-In zwei Taster in der richtigen Reihenfolge gedrückt werden müssen, ist das genaue Timing für den Aufnahmeein- und ausstieg etwas Übungssache. Wer einen Punch-In erst einmal simulieren möchte, der kann während der Wiedergabe den Record-Knopf drücken, der Eingang des Aufnahmekanals schaltet auf Input, nach erneutem Drücken auf Record ertönt wieder das Spurensignal. Sehr schön: Sollte ein Punch-In doch einmal misslingen, gibt es immer noch die Rollback-Funktion, mit Hilfe derer die letzten Aufnahmen rückgängig gemacht werden können. Der Solokünstler kann im Übrigen auch die Punches alleine durchführen, indem er einen Fußschalter an die Footswitch-Buchse anschließt und im Setup-Menü die Punch-Funktion aktiviert. Eine mächtige Funktion des Harddisk-Rekorders ist das Setzen und Aufrufen von Markierungspunkten innerhalb eines Projektes. 99 Markierungspunkte, kurz Marker genannt, lassen sich pro Projekt während der Aufnahme und der Wiedergabe direkt, also „on-the-fly“ setzen. Gesetzte Marker können nachträglich in der Position framegenau bearbeitet, umbenannt und gelöscht werden. Das Setzen und Wiederaufrufen von Markern erfolgt in der Menüsteuerung des Rekorders und ist etwas umständlich zu bedienen, da man zunächst das Marker-Menü aufrufen und einen Marker auswählen muss. Ist man erst einmal in der Markerliste angelangt, ist für das Setzen weiterer Songpositionen nur noch ein einmaliges Drücken des Enter-Knopfes notwendig. Intuitiver geschieht das Markieren, während sozusagen „das Band läuft“. In diesem Fall bedarf es nur eines einmaligen Drucks auf den Enter-Knopf. Komplizierter wird es wieder beim Aufrufen von Markern: Zweimal Enter drücken, einmal drehen und nochmal drücken, um den Marker auszuwählen, nochmal drehen, um „Locate“ auszuwählen, Enter drücken, fertig. Muss diese Prozedur öfter gemacht werden, um beispielsweise einen Song immer von derselben Stelle zu starten, ist dieser Vorgang schon ein wenig nervig. Einfacher ist das Lokalisieren von Anfang und Ende eines Projekts, was mit der schnellen Vor- beziehungsweise Rücklauftaste in Verbindung mit der Stop-Taste schneller von statten geht.

Das sogenannte „Memory Play“ ist eine weitere Funktion, die auf den Gebrauch im Live-Einsatz abzielt. Mit dieser Funktion können wir beliebige Stereo-Audiodateien abspielen, die wir zuvor in einen separaten „Memory Play“-Ordner auf der internen Festplatte ablegen müssen. Bis zu zehn Audiodateien können wir einer Zifferntaste im Tastaturblock auf der Rekorder-Frontseite zuweisen und durch Drücken der Nummerntaste abspielen. Denkbar ist diese Funktion für das Abspielen von wiederkehrenden Jingles, Geräuschen oder Playbacks für kleinere Theater- oder Musical-Bühnen. Bevor die Jingles wiedergegeben werden können, müssen wir das Memory Play-Signal im Rekorder-Menü einem Mixerkanal zuweisen. Hier lässt sich weiterhin bestimmen, ob die Audiodatei einmalig oder wiederholt wiedergegeben werden soll.   Für den Import und Export von Daten gibt es zwei USB-Anschlüsse auf der Rückseite des Rekorders. Ein Typ A-Stecker mit der Bezeichnung USB-Host ist für das Anschließen von USB Sticks oder externen Festplatten gedacht. Mit dem zweiten, USB PC genannten Anschluss des Typs B wird die Kommunikation mit einem Computer aufgebaut. Direkte Aufnahmen auf externe Speichermedien sind jedoch nicht möglich, was schade ist und die Attraktivität des LR16 deutlich angehoben hätte. Zur schnellen Datensicherung bietet sich die Typ A-Buchse an. Das angeschlossene Speicher-Medium muss im FAT16 oder FAT32 Dateisystem formatiert sein. Vor dem Datenexport können wir bestimmen, ob wir Stereo- oder Mehrspurdaten exportieren möchten. Befinden sich mehrere Stereodateien auf der Festplatte, können wir sie einzeln zur externen Sicherung auswählen. Beim Export von Mehrspurdaten lässt sich die Anzahl der Spuren festlegen, die gesichert werden möchten. Zudem lassen sich Start- und Endpunkt eines Projekts für den Export neu definieren, was insgesamt eine pfiffige Option zur Datenreduktion darstellt. Das einfach gestaltete Export-Menü ist sehr übersichtlich, erfordert aber das grundsätzliche Verständnis des internen Ordnersystems.   Wer auf komfortablere Art und Weise einzelne Projektdaten zwischen Rechner und LR16 hin- und herschieben möchte, der sollte eine direkte USB-Verbindung über die Typ B-Buchse aufbauen. In diesem Fall erscheint das LR16 als externes Laufwerk im Computer mit den WAV-Dateien in den einzelnen Projektordnern. Der Import von Audiodateien für das Memory Play gestaltet sich mit dieser Methode übrigens wesentlich einfacher.  Selbstverständlich muss auch das Fostex-Digitalpult die strenge Testprozedur im Professional audio-Messlabor über sich ergehen lassen. Die Ergebnisse sind durch die Bank sehr ordentlich. Der Frequenzgang weist zwar eine leichte Senke bei einem Kilohertz auf, diese ist aber vernachlässigbar gering. Das FFT-Spektrum weist ein sauberes Bild auf. Es liegt im gesamten Bereich zwischen 20 Hertz und 20 Kilohertz bei unter -100 Dezibel und produziert keinerlei Transienten. Das Übersprechen, gemessen zwischen den Kanälen eins und zwei, liegt im relevanten Bereich bei beachtlichen -90 Dezibel. Die Gleichtaktunterdrückung ist mit -75 Dezibel ein sehr ordentlicher Wert, der erst ab 3 Kilohertz etwas ansteigt. Ein Klirrfaktor von 0,03 Prozent für die Mikrofoneingänge ist absolut studiotauglich. Die Line-Eingänge erweisen sich als äußerst pegelfest. Erstaunliche 27,6 Dezibel können am Eingang anliegen, bevor Verzerrungen hörbar werden. Der Ausgangspegel liegt mit 24,1 Dezibel ebenfalls fast auf gleichem Niveau.  Der Hörtest bestätigt die Eindrücke aus dem Messlabor. Das Pult verhält sich äußerst rauscharm, der Klang ist ausgewogen und verfärbt wenig. Die Senke bei einem Kilohertz ist für das Gehör nicht wahrnehmbar. Bei Aufnahmen von Gitarre und Gesang stellt sich heraus, dass die Höhen der Preamps nicht so fein aufgelöst klingen wie bei dezidierten Studio-Vorstufen, was in dieser Preisklasse allerdings niemand erwartet. Vergleichsaufnahmen mit unserem Referenz-Vorverstärker, dem Lake People F355 lassen deutliche Unterschiede erkennen: Gesangsaufnahmen klingen im LR16 etwas belegt, bei der Akustikgitarre fehlt die Sprunghaftigkeit, die unteren Mitten klingen etwas dumpf und topfig. Eine direkt in den Line-Eingang eingestöpselte Bassgitarre klingt etwas verwaschen. Zum Vergleich haben wir den in dieser Ausgabe getesteten Daking Mic-Pre One als externen Vorverstärker verwendet, der dem Bass mehr Knackigkeit verleiht.  Der Equalizer überzeugt im praktischen Einsatz: Absenkungen beziehungsweise Anhebungen von 18 Dezibel sind möglich. Die gewählten Eckfrequenzen von Höhen und Bässen sind praxistauglich, die Mitten sind zwischen 100 Hertz und 8 Kilohertz wählbar. Allerdings ist die Einstellung der Mittenfrequenz etwas fummelig, da der Regelweg des Frequenz-Potis diesen sehr großen Bereich umspannen muss. Das Spektrum der integrierten Halleffekte ist für den Live-Einsatz gut gewählt. Für die Arbeit im Studio ist jedoch ein hochwertiges Hallgerät unumgänglich. Das LR16 kommt löblicherweise ohne Lüfter aus, so dass auch ein Betrieb des Rekorders im Aufnahmestudio möglich ist. Was negativ auffällt, sind die Betriebsgeräusche der Festplatte, die nach längeren Ruhezeiten unangenehm aufdringlich werden. Auch bei ausgeschaltetem Gerät gibt es ein leichtes Sirren, welches vermutlich vom Netzteil herrührt. Diese Nebengeräusche sind auf der Bühne nicht weiter störend, im Studio dafür umso mehr.

Fazit

Was ist das Fostex LR16 nun? Ein Live-Mixer mit abgesetzter Stagebox? Ein Digitalmixer mit analoger Bedienoberfläche? Ein Multitrack-Rekorder mit Mischpultfunktion? Die Antwort auf alle diese Fragen ist: Ja. Seine Stärken liegen im Bereich des Live-Mischens mit gleichzeitiger 16-Spur-Aufnahme. Mehr will das LR16 gar nicht sein. Deshalb gehen die Einschränkungen bei der Nachbearbeitung völlig in Ordnung. In den vom Hersteller anvisierten Zielgruppen in Clubs, Schulen und Kirchen erfüllt das LR16 alle Erwartungen. Auch Laien sollten mit der Bedienung schnell zurecht kommen und auf Knopfdruck beeindruckende Mehrspuraufnahmen erstellen können.

Erschienen in Ausgabe 05/2009

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 1999 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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