Diplomübersetzer

Ein guter Übersetzer ist bemüht, das Original möglichst genau in eine andere Sprache zu übertragen – vergleichbar arbeitet ein guter Digitalwandler. Die Wandler von Lavry Engineering aus den USA sollen insoweit keine Wünsche offen lassen. Ob auch der kleine, zwei-kanalige  DA 10 diesem hohen Anspruch gerecht wird, zeigt dieser Test. 

Von Harald Wittig 

Dan Lavry, der Kopf hinter Lavry Engineering mit Firmensitz im US-Bundesstaat Washington, gilt unter Kennern als einer der Pro-Audio-Päpste. Als Mann der ersten Stunde entwickelte er bereits in der Frühzeit der digitalen Audiotechnik, also in den 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts, 16 Bit Analog-Digital-Wandler und 18 Bit Digital-Analog-Wandler und fand mit Studioausrüstern wie Ampex und Otari dankbare Abnehmer. Maßgeblich beteiligt war er später bei der Entwicklung der ersten AD-/DA-Wandler von Apogee. Bis dahin hatte das Unternehmen lediglich digitale Filter hergestellt. 1993 trennten sich die Wege von Apogee und Lavry. Er gründete sein eigenes Unternehmen und setze nach eigenem Bekunden seitdem alles daran, den ultimativen Wandler zu entwickeln. Ergebnis dieser selbst gesetzten hohen Messlatte waren die Modelle der Gold-Serie, die bei professionellen Anwendern einen vorzüglichen Ruf genügen. Damit auch weniger Betuchte in den Genuss eines Lavry-Wandlers kommen können – der Gold DA924 beispielsweise kostet knapp 10.000 Euro – , brachte das Unternehmen zunächst die Blue-Serie und zuletzt die Black-Serie heraus. Leztere markiert das untere Ende der Lavry-Preisskala. Bisher gibt es ein Gerät in dieser Baureihe, den hier getesteten Digital-Analog-Wandler DA 10, der mit rund 1.100 Euro zu Buche schlägt.

Wie alle Wandler aus dem Hause Lavry verarbeitet auch der DA 10 Signale bei einer Auflösung von 24 Bit Samplingraten bis maximal 96 Kilohertz. Der verbaute Wandler, übrigens ein Standardwandler von Analog Devices, ist zwar auf 192 Kilohertz ausgelegt, nach Auffassung von Dan Lavry bringe diese Samplingrate aber keine Vorteile mehr, da  bislang kein Gerät hinsichtlich Geschwindigkeit und Genauigkeit bei dieser höchsten Abtastung befriedigend arbeiten könne. Allerdings soll ein Wandler, der auf die Samplingrate von 192 Kilohertz ausgelegt ist, bei 96 Kilohertz sehr präzise arbeiten. Besser sei ohnehin eine Erhöhung der Wortbreite auf 32 Bit, woran bereits gearbeitet werde.

Auch beim DA 10, der Signale im AES/EBU, S/PDIF und im ADAT-Format emfangen und bearbeiten kann, verzichtet der Hersteller nicht auf den patentierten, so genannten Chrystal-Mode. Dahinter verbirgt sich ein DSP-gesteuerter Oszillator, der besonders genau und präzise arbeitend, den Jitter bei Standard-Samplingraten von 44,1, 48, 88,2 und 96 Kilohertz so gering wie möglich halten soll. Solange ein Stereo-Signal bei diesen Frequenzen gewandelt wird, sollte der Chrystal-Mode aktiviert sein. Bei abweichenden Samplingfrequenzen, empfiehlt sich die Einstellung „Wide“: Der DA 10 ist nun in der Lage, alle Sampling-Frequenzen im Bereich von 30 bis 200 Kilohertz zu verarbeiten.

Das gut verarbeitete Metall-Gehäuse des DA 10 im halben 19 Zoll-Format kommt ohne optischen Schnick-Schnack aus und beschränkt sich auf das Wesentliche. Die Frontplatte ist aufgeräumt und die Bedienelemente sind übersichtlich angeordnet. Der Netzschalter erfordert schon einen kräftigen Druck um einzurasten, anderenfalls springt er, trotz deutlich fühlbarem Druckpunkt, sofort wieder zurück. Über vier kleine, gut zu bedienende Kippschlater wird der DA 10 konfiguriert. Über den mit „Input“ beschrifteten Schalter wählt man die Art des Eingangs vor: Für AES –Signale gibt es die Schalterstellung „XLR“, „Optical“ ist für die optische Schnittstelle und die Verbindung via Toslink-Kabel vorgesehen. Um Signale im S/PDIF-Format zu wandeln, ist der Schalter entsprechend auf „RCA“ zu stellen. Über den mit PLL-Mode bezeichnete Kippschalter rechts neben dem Eingangs-Wahlschalter stellt man die Art der Taktsynchronisation ein: Entweder – abhängig von der Samplingrate – „Chrystal“ oder „Wide“, solange der DA 10 Stereosignale wandelt. Arbeitet man mit mehreren DA 10 parallel verwenden, empfiehlt sich die dritte Schalterstellung „Narrow“, allerdings verarbeitet der DA 10 dann auch nur bei den Standard-Samplingraten von 44, 1 bis 96 Kilohertz.

Der Schalter „Polarity“ können Sie die Kontaktbelegung der XLR-Ausgänge verändern: Die mit „Normal“ bezeichnete Stellung weicht nämlich vom internationalen Standard ab: Pin 3 ist „hot“, also Plus-Phase, Pin 2 ist „cold“, also Minus-Phase. Achten Sie daher unbedingt darauf, dass der Polarity-Schalter auf „Invert“ steht: Denn nun ist Pin 2 „In Phase“ und Pin 3 „Out of Phase“.

Der so genannte „Mode„-Schalter erlaubt den Wechsel zwischen „Stereo“ und „Mono“-Betrieb. Der Schalter ist damit hilfreich sein beim Monitoring, denn in der Mono-Einstellung können Sie nicht nur klassisch die Monokompatibilität des Materials überprüfen. Er leistet auch gute Dienste bei der Aufspürung von eventuellen Phasenauslöschungen der beiden Stereo-Kanäle.

Der DA 10 hat nur symmetrische XLR-Ausgänge. Der Verzicht auf eine Chinch-Buchse ist eigentlich konsequent, denn der DA 10 ist als professionelles Gerät konzipiert. Dazu passt allerdings nicht, dass das Gerät einen RCA-Eingang hat. Zusätzlich hat der Wandler auch einen Kopfhörer-Ausgang, was nicht zu verachten ist, da nicht wenige Mastering-Recorder hier oft nicht optimal ausgestattet sind und es immer nützlich ist, wenn beim Abhören das Monitoring zur Kontrolle auch über Kopfhörer gegengehört werden kann.

Die Pegel für beide Ausgänge werden stufenweise in Ein-Dezibel-Schritten mit einem kleinen Kippschalter auf der Frontseite geregelt. Ein LED-Display stellt den eingestellten Wert in roten Zahlen dar. Der Maximalwert „56“ entspricht dabei entsprechend den Herstellerangaben exakt 24 dBu (siehe Steckbrief). Bewusst verzichtet Dan Lavry auf konventionelle Lautstärke-Potentiometer, die den Klang negativ beeinflussen können. Stattdessen werden die Relais dieses analogen Lautstärkereglers digital kontrolliert und es gibt immer nur einen Festwiderstand im Signalweg. Damit sei, so Lavry, gewährleistet, dass der Lautstärkeregler innerhalb sehr geringer Toleranzen arbeite.

Im Messlabor überzeugt der DA 10 mit sehr guten Klirrwerten von 0,0006 Prozent bei Frequenzen unterhalb einem Kilohertz. Der darüber folgende kontinuierliche Anstieg ist vernachlässigbar, denn die Werte bleiben auch bei zehn Kilohertz unter 0,003 Prozent. Hervorragend ist die Übersprechungsdämpfung beider Kanäle, die im relevanten Bereich bis 20 Kilohertz ziemlich exakt bei 90 dB liegt. Bei der Wandlerlinearität kann der DA 10 dagegen nicht ganz überzeugen: Bis –110 Dezibel verläuft die Linearitätskurve vorbildlich, ab –120 Dezibel knickt die Kurve in die Waagerechte ab. Im Messdiagramm auf Seite 58 wird die reine Abweichung mittels der neuen blauen Kurve veranschaulicht. Daraus folgt: Der DA 10 kann leise Signale unterhalb –120 Dezibel nicht mehr sauber auflösen, seine maximale Dynamik ist auf etwa –115 Dezibel beschränkt. Ein immer noch guter Wert und geringfügig besser als der des etwa gleichteuren Benchmark DAC1 (siehe Test Ausgabe 8/2006) bei dem bei –96 Dezibel Schluss ist. Bei den auf +4 dBu bezogenen Fremdspannungs- und Geräuschspannungs-Abständen erweist sich der DA 10 mit Werten von 91 beziehungsweise 86 dBu als solide. Diese Werte entsprechen ziemlich genau denen des Rosetta 200 (Test Ausgabe 7/2006) – lediglich der Benchmark DAC1 legt ein kleines Schippchen drauf. 

Wie bei Wandler-Tests von Professional audio Magazin üblich, verwenden wir die analogen Referenzaufnahmen für Wandler-Tests. Diese wurden mit dem Rosetta 200 und dem DAD AX24 über AES/EBU in 24 Bit und 96 Kilohertz Qualität auf die Festplatte des Alesis Masterlink 9600 CD-Recorder aufgenommen. Die Testkandidaten, hier der DA 10, müssen diese Aufnahmen nun wieder in analoge Signale zurückwandeln, abgehört wird über die Geithain MO-2 Lautsprecher (siehe Test Ausgabe 10/2006). Stets dient die Analog-Aufnahme als Referenz und absolute Bezugsgröße.

Dabei fällt uns auf, dass der DA 10 nicht die Gefälligkeit und Wärme des Benchmark liefert, die – sofern das Original nicht bekannt ist – durchaus den Ohren schmeichelt. Allerdings erreicht der Benchmark diesen besonderen Klang durch eine Anhebung der unteren Mitten, was ohrenfällig ist, sobald die Originalaufnahme erklingt. Der DA 10 ist näher am Original: Die Aufnahme klingt, entsprechend der Nah-Mikrofonierung direkter, während der Benchmark die Illusion erzeugt, die Mikrofone seinen weiter vom Instrument entfernt. Der kleine Lavry-Wandler betont nicht einzelne Frequnezbereiche zugunsten eines vielleicht schöneren Klanges, sondern übersetzt grundsätzlich das, was tatsächlich vorliegt. Bei der ursprünglichen Aufnahme haben wir nämlich besonderen Wert auf ein sehr ausgewogenes Klangbild, ohne Überbetonung bestimmter Frequenzbereiche, gelegt um den Primärton des Instrumentes möglichst genau einzufangen. Der DA 10 hält sich an diese Vorlage. Somit schafft er es, das Material wortgetreuer als der Benchmark, der gewissermaßen zu zugunsten einer gefälligeren Fassung umformuliert, zu übersetzen. Puristen, die gerade beim finalen Mix auf möglichst objektive Klanginformationen Wert legen, werden daher den DA 10 schätzen.

Um sicher zu gehen, verbinden wir jetzt den Rosetta 800 direkt mit der Bandmaschine und wandeln das Signal mit 24Bit/96 Kilohertz und wieder analog zurück. Über AES verbinden wir gleichzeitig den DA 10 und hören abwechselnd den D/A-Wandler des Rosetta und den DA 10. Dabei kommt der Rosetta dem Original noch näher, alles klingt insgesamt ein Quäntchen ausgewogener und in sich geschlossener. Dennoch sind die Unterschiede erstaunlich gering, was sehr für die Qualität des kleinen Lavry-Wandlers spricht. 

Fazit

Der DA 10 ist ein sehr guter Digital-Analog-Wandler, der dem Anspruch, das Original möglichst wortgetreu zu übersetzen, weitgehend gerecht wird und gerade beim Mastern gute Dienste leistet.

Erschienen in Ausgabe 11/2006

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 1016 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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