Klang-Chamäleon

Ihr Sequenzer verfügt weder über vernünftige Effekte, noch genügend Effekt-Slots? Dann hilft Ihnen das Multi-Effekt-Plug-in Freedom von Yellow Tools bestimmt aus der Misere.   

Von Georg Berger

 Mit Freedom bringt das Karlsruher Unternehmen Yellow Tools nach der virtuellen Sampler-Workstation namens Independence (siehe Heft 6/2006) ein weiteres Programm für ambitionierte Klangbastler auf den Markt. Für knapp 440 Euro enthält die Software 33 unterschiedliche Effekt-Algorithmen. Sie sind als Inserts in der Plug-in eigenen Oberfläche beliebig miteinander kombinierbar. Alle gängigen Effekte für die Arbeit im Studio sind dabei: Hall-, Echo-, Equalizer-, Dynamik- und Modulations-Effekte. Filter-Algorithmen und Verzerrer-Effekte, sowie vermeintlich unscheinbare Helfer-Programme wie ein automatisiertes Panorama und ein Phasen-Umkehrer runden die Palette ab. Das Highlight ist der Faltungshall Origami LE, der uns schon in Independence positiv auffiel.

Dieses virtuelle Effekt-Rack dürfte auch diejenigen interessieren, die zu wenig Effekt-Slots in ihrem Sequenzer haben. Die freie Kombinierbarkeit der Algorithmen garantiert eine Fülle an Möglichkeiten zur Klangveränderung und bei der Arbeit mit Aufnahmen. Erwähnenswert ist auch der bessere Bedienkomfort, wenn es darum geht, nur innerhalb einer einzigen Programmieroberfläche entsprechende Änderungen vornehmen zu müssen. Freedom macht dies leicht und unkompliziert. Professional audio Magazin hat sich die für den Einsatz in Stereo-Anwendungen konzipierte Producer Edition von Freedom angesehen. Eine von Yellow Tools bereits angekündigte Extension soll künftig auch die Verarbeitung von Surroundsound-Formaten erlauben.

Wer sich näher mit Independence beschäftigt, entdeckt, dass die in Freedom enthaltenen Effekt-Algorithmen zum Großteil schon im virtuellen Sampler zu finden sind. Der Unterschied: Die Effekte in Independence lassen sich nicht unabhängig anwenden. Freedom jedoch lässt sich als Plug-in an jeder Stelle innerhalb einer Sequenzer-Umgebung einsetzen und ist damit zugleich flexibler und ressourcenschonender.

Mit der Zeit will Yellow Tools zusätzliche Inserts zum freien Download für Freedom-Nutzer anbieten. Schon angekündigt sind ein Ring-Modulations- und Wah Wah-Effekt. Freedom ist somit die Basis; durch Produktpflege will der Hersteller das Programm lange aktuell halten und aufwerten. Der Nutzer erhält so ein durchaus flexibles und variables Werkzeug, um Klänge zu bearbeiten; quasi eine Art Schweizer Effekt-Taschenmesser.

Nach der Installation der Software mit anschließender Produktaktivierung zeigt sich eine übersichtliche Bedienoberfläche. Sie ist der von Independence nachempfunden und hat damit im Vergleich zu anderen Plug-ins ein eher sprödes Design. Doch es ist bedienerfreundlich. Wir finden uns, ohne einen Blick in das Handbuch zu werfen, direkt auf der Oberfläche zurecht.

Das Programmfenster ist in vier Bereiche unterteilt. Die obere Zeile enthält programmübergreifende Bedienelemente. Wichtig sind die Menü-Buttons zur Auswahl der Insert-Effekte und Effekt-Kombinationen, Banks genannt. Der untere Teil des Hauptfensters besteht aus drei Spalten. Die beiden äußeren zeigen den Ein- und Ausgangskanal mit Lautstärkeregler, Meter-Anzeige und Ausklapp-Menü zur Auswahl des Ausgabe-Modus (Stereo, Surround). Die mittlere Spalte nimmt den größten Platz ein und präsentiert die über den Insert-FX-Button auswählbaren Algorithmen. Die Effekte sind sinnvoll in neun Gruppen geordnet, die eine unterschiedlich große Anzahl an Effekten enthalten. Das im Menü ausgewählte Effekt-Insert wird dabei immer an die oberste Stelle des Slots geladen. Durch simples Drag and Drop lässt sich die Position eines Effektes innerhalb einer Effekt-Kette jederzeit verschieben. Das ankommende Signal läuft logisch aufgebaut von oben nach unten durch den Slot hindurch. Wer schon einmal irrtümlich einen Hall verzerrt hat, anstatt einen Verzerrer zu verhallen, und sich über das klangliche Ergebnis wunderte, wird dieses komfortable Feature schätzen.

 

Wer es gewohnt ist, mit Effekten zu arbeiten, fühlt sich in Freedom auf Anhieb heimisch. Die Parameter der Insert-Effekte lassen sich mit der Maus entweder über die Drehregler oder durch Klick auf ein Eingabefeld und Ziehen mit der Maus bei gedrückter Taste verändern. Die numerische Eingabe von Werten ist ebenfalls möglich. Etwas verwirrend sind einige Statusbalken, die Lautstärke und Effektanteile anzeigen und dazu animieren, dort Werteänderungen vorzunehmen, was allerdings nicht möglich ist. Jedes Effekt-Insert besitzt einen eigenen Preset-Button zum Aufrufen weiterer und Abspeichern eigener Einstellungen. Zeitbasierte Effekte wie Delay oder Chorus, lassen sich durch Druck auf den Sync-Button mit dem Tempo des Sequenzers synchronisieren. Außerdem öffnet sich ein Menü mit auswählbaren Zeitwerten.

Beim Test wollen wir auch die Geheimnisse dieses Multi-Effekt-Programms ergründen. Das intensive Studium des Handbuchs steht jetzt an. Es ist zwar informativ und übersichtlich gestaltet; wir haben jedoch einige Zusatzinformationen vermisst, wie etwa Angaben zum Millisekunden-Bereich, in dem Attack und Release beim Kompressor arbeiten, oder die Frequenzbereiche und der Hub der Bänder in den Equalizer-Algorithmen.

Freedom erlaubt pro Instanz die Kreation von drei unterschiedlichen Effekt-Ketten, die sich in separaten Slots befinden und über die Buchstaben-Buttons oben links anzuwählen sind. Durch Kopieren und Einfügen lassen sich Einzeleffekte oder ganze Ketten in die drei Slots einbauen und dort separat weiter bearbeiten. Wer sich in Bezug auf die richtige Auswahl von Effekten nicht im Klaren ist, kann mit dieser benutzerfreundlichen Funktion Variationen durch simplen Klick auf die Buttons durchwechseln. Komplett unterschiedliche Kombinationen können sich ebenfalls dort befinden und per MIDI-Controller dynamisch innerhalb eines Arrangements aktiviert werden.

Freedom ist außerdem mit einer tief greifenden MIDI- und Host-Automatisierung ausgestattet. Pro Instanz lassen sich maximal 128 MIDI- und Host-Parameter definieren. Ein simpler Rechtsklick auf den zu steuernden Parameter des Effektes klappt das entsprechende Menü zur manuellen Auswahl der Controller-Nummer auf. Ein MIDI Learn-Modus erleichtert die Arbeit zusätzlich: Nach Anwahl der Learn-Funktion und einer anschließenden Bewegung des Reglers am Hardware-Controller ist der Effektparameter automatisch auf den Hardware-Regler programmiert. Die Zuweisung von Hostparametern, beispielsweise auf Effektspuren in Cubase SX, geschieht in gleicher Weise. Die so programmierten Automationen können Sie je nach Bedarf auch löschen, auf Bypass schalten oder invertieren.

Freedom ist gespickt mit unterschiedlichsten Effektalgorithmen. Bemerkenswert ist vor allem der Faltungshall Origami LE, ausgestattet mit 25 Impulsantworten aus der INSP:IR Impulse Library der Firma Inspired Acoustics. Außer mit den üblichen Parametern zur Steuerung des Hallanteils wie Predelay, Hallzeit, Filter und Lautstärkeanteilen, hat dieser Insert-Effekt ein besonderes Feature, den Positioner. Ein Klick auf den entsprechenden Button und es erscheint eine viereckige Fläche mit einem Lautsprecher-Symbol. Mit der Maus lässt sich der Standort des Lautsprecher-Symbols, das die Schallquelle darstellt, innerhalb dieses virtuellen Raumes dreidimensional positionieren. Je nach Position ist eine Korrektur der Effekt- und Direktanteile erforderlich.

Von kleinen Räumen bis hin zur Kathedrale Notre Dame im ungarischen Kispest reicht das Angebot an Raumsimulationen. Der Grundklang dieses Algorithmus ist äußerst fein, fast zart und fällt eher durch Subtilität als durch vordergründige Hallfahnen auf. Das Eingangssignal wird nicht verfärbt und klingt auch nicht verwaschen. Durch die Positioner-Funktion lässt sich das Eingangssignal präzise im Raum einstellen, sowohl vom Anteil des Halls, als auch von der Position im Panorama. Die Räume vermitteln beim Hören ein wohlig angenehmes Gefühl. Klängen wird durch diesen Effekt etwas Wertiges verliehen. Die Höhenanteile der Impulsantworten fallen etwas zu verhalten aus, was dem Gesamteindruck nicht schmälert und mit zum äußerst angenehmen Klang beiträgt.

Innerhalb unseres Hall-Vergleichstests ab Seite 44 positioniert sich der Faltungshall Origami LE in die oberen Ränge. Zusätzliches Feature von Origami LE: Auch Impuls-Dateien von anderen Anbietern lassen sich über eine Import-Funktion nutzen.

Freedom enthält auch herkömmliche Hall-Effekte. Das Reverb Two genannte Insert wartet mit neun Simulationen und einer Early Reflection-Sektion auf. Der Grundklang ist jedoch nicht ganz so fein und reicht nicht an Origami LE heran; ein mit Reverb Two bearbeitetes Signal macht einen flacheren Eindruck. Dennoch ist die räumliche Auflösung gut. Die Early Reflection-Sektion fügt dem Eingangssignal eine weitere Rauminformation hinzu. Die drei Room-Simulationen gefallen uns dabei am besten. Mit entsprechend austarierten Direkt- und Effekt-Anteilen erhalten wir den Eindruck eines kleinen Aufnahme- beziehungsweise, je nach Einstellung der Filter, eines Probenraumes.

Mit den fünf Delay-Effekten in Freedom lassen sich zusätzliche Räumlichkeiten simulieren. Opulent fällt dabei das Filter-Delay aus, das einen High- und Low-Cut-Filter enthält, mit dem sich der Effektanteil im Klang bearbeiten lässt. Je nach Einstellung entsteht der Eindruck eines tiefen, muffigen Kellerraumes oder eines Spiegelsaales.

Das Echo genannte Insert klingt hingegen wie ein uraltes Bandecho-Gerät. Eine angeschlossene Stratocaster erhält damit einen charakteristischen Klang wie auf Aufnahmen aus den 60er Jahren, für die beispielsweise „The Shadows“ berühmt waren. Überflüssig hingegen finden wir den Doubler-Effekt, der jeweils eine einzige Wiederholung generiert. Derselbe Effekt lässt sich mit den anderen Delay-Inserts ebenfalls erreichen.

Filter-Effekte nehmen in Freedom, getrennt von den Equalizern, einen eigenen Platz im Auswahl-Menü ein. Besonders aufgefallen ist uns das X-Filter: Es erlaubt, nahtlos zwischen den Filtertypen Low-, Band- und High-Pass mit Hilfe eines Drehreglers zu überblenden. Die klanglichen Veränderungen reichen von dröhnend-verzerrt bis unhörbar und dünn. Noch mehr Möglichkeiten, um Klänge zu formen, bietet der Filter Follower; er enthält zusätzlich zur Überblendung der Filtercharakteristik eine Auswahlmöglichkeit der Filtergüte und eine Hüllkurve. Beide Filter eignen sich hervorragend im Verbund mit älteren Digitalsynthesizern, deren Filtersektionen eher unauffällig und kühl sind. Das Plus an Klang wertet solche Instrumente enorm auf.

Die drei Equalizer sind nicht für solche drastischen Klangveränderungen gedacht. Die beiden Vier- und Sechsband-Equalizer dienen in erster Linie als Klang-Korrekturwerkzeug. Aus dem Rahmen fällt nur der Dreiband-Vintage-Equalizer. Einen so mächtigen Effekt hörten wir bislang selten. Je nach Einstellung der Einsatzfrequenzen reichen schon minimale Verstärkungen und Dämpfungen, um ein kraftvolles Klangbild zu schaffen. Er vermag es, selbst verhaltenen Klängen, wie beispielsweise einer zart gespielten Flöte, so etwas wie eine bösartige Vordergründigkeit zu geben. Sprach- und Gesangsaufnahmen kommen je nach Verstärkung der Frequenzen schon richtig verzerrt. Wer Industrial-Musik macht, wird diesen Effekt lieben, denn er eignet sich hervorragend dazu, Klänge zu zerstören und zu dekonstruieren.

Freedom hält für gewünschte Verzerrungen auch vier spezielle Algorithmen bereit. Wir testen zuerst Tube-Distortion: Durch die Auswahlmöglichkeiten zwischen einem symmetrischen und zwei asymmetrischen Modi erlaubt er eine breite Palette an charakteristischen Verzerrungen, bietet dabei aber nicht die Klangqualität von Verstärkersimulationen. Vielmehr ist er mit einem Bodeneffektgerät zu vergleichen. Er klingt nach unserem Empfinden dichter und kräftiger als beispielsweise der Sansamp von Tech 21. Einem Hughes & Kettner Tubeman ist er jedoch in Sachen Röhrenverzerrung unterlegen.

Zu den Verzerrungs-Effekten gehört auch der Bit-Reduction-Algorithmus. Er erlaubt, nomen est omen, die Reduktion der Wortbreite von 24 auf bis zu vier Bit. Ein Schlagzeug-Loop, der damit beispielsweise auf acht Bit reduziert wird, klingt nach unserem Empfinden immer noch ein wenig zu gut. Wir vermissen die in dieser Wortbreite auftretenden Aliasing-Geräusche, sowie die Beschneidung im Höhenbereich, wie wir sie noch von Samplern der ersten Generation her kennen. Im Verbund mit dem bereits erwähnten Vintage-Equalizer erreichen wir dennoch unser Ziel.

 

 In Sachen Anschmutzen und Anrauen von Klang hält Freedom ein weiteres bemerkenswertes Effekt-Insert bereit, den so genannten Vinylizer. Er erlaubt es, Rauschen, Knackser und Knistern, wie es beim Abspielen alter Schallplatten auftritt, hinzuzumischen. Neun Presets, aufgeteilt in drei Gruppen (Singles, Langspiel- und alte 78er-Platten), die jeweils ein charakteristisches Spektrum an Störgeräuschen liefern, ermöglichen unterschiedlichste Schallplatten-Simulationen. Damit sind die sonst so beliebten Knister-Samples überflüssig.

Verglichen mit den bisher erwähnten Effekten fallen die Dynamik-Effekte ein wenig spärlich aus. Lediglich ein Kompressor, ein Limiter und ein Noise Gate sind hier versammelt. Der Kompressor lässt sich stufenlos von Soft- auf Hard-Knee-Charakteristik einstellen. Als besonderes Feature enthält er einen Look-ahead-Regler, der das Eingangssignal zwecks Analyse der Dynamik minimal verzögert und damit das Leistungsspektrum aufwertet. Allerdings vermissen wir weitere Algorithmen wie einen Multiband-Kompressor oder einen Expander. Eine zusätzliche Sidechain-Funktion im Kompressor wäre wünschenswert. Künftige Updates von Freedom sollten sich vor allem um die Dynamik-Effekte kümmern; die momentan integrierten Algorithmen stellen aus unserer Sicht lediglich eine Basis dar.

An Modulations-Effekten bietet Freedom nur je einen Chorus, Flanger und Phaser. Das reicht zwar vollkommen aus, allerdings sind die Einstellmöglichkeiten der Parameter etwas bescheiden. Beim Phaser lässt sich die Phase nicht einstellen; bei Chorus und Flanger ist die Verzögerungszeit nicht regelbar. Die mit diesen Effekten versehenen Signale klingen im Ergebnis zwar erwartungsgemäß. Die Integration der von uns erwähnten Parameter würde den Algorithmen aber mehr Flexibilität verleihen. Wir warten ab und hoffen auf neue Inserts von Yellow Tools.

Bis jetzt haben wir die Effekte nur isoliert betrachtet. Dabei spielt Freedom seine Vorteile gerade in der Kombination von Effekt-Inserts aus. Durch die bequeme Drag-and-Drop-Funktionalität ergeben sich je nach Einsatz der Inserts drastische Veränderungen. Wir stellen uns zunächst eher übliche Effekt-Ketten zusammen. Um einem Bass mehr Volumen und Charakter zu verleihen, setzen wir in absteigender Folge einen Vierband-Equalizer mit Anhebung im Bass und den Höhen, einen Chorus, ein Delay mit wenig Effektanteil und den Reverb-Algorithmus ein. Der zunächst trockene und etwas blass klingende Bass bekommt damit eine vordergründige Präsenz und Volumen.

Eine Gesangsstimme behandeln wir mit dem Sechsband-Equalizer, dem Kompressor und dem Faltungshall Origami LE. Die Stimme erhält dadurch einen ausgewogenen und feinen Klang.

Trotz der eher spärlich bestückten Dynamik-Sektion setzen wir Freedom zu Testzwecken auch als Mastering-Tool ein. Die dabei gewählte Reihenfolge: an oberster Stelle ein Sechsband-Equalizer, der Origami-Hall mit einem kleinen Raum, der allerdings nur ein minimales Effektsignal sendet, der Kompressor und der Limiter. Die so bearbeitete Aufnahme klingt rund und ehemals hörbare Dynamiksprünge zwischen einzelnen Songteilen sind ausgeglichen. Der Hall sorgt zusätzlich für einen schön klingenden Anstrich.

Gitarren lassen sich in Freedom mit vielen Effekt-Kombinationen versehen. Zarte Klangergebnisse erhalten wir mit Chorus, Hall und Delay. Doch schon die Einbindung des Dreiband-Vintage-Equalizers macht den vormals schönen Klang zunichte: Die Gitarre klingt auf einmal aggressiv, ungleich lauter und angezerrt. Mit einem Mal wandelt sich das Bild von einer jazzigen Chorus-Gitarre zu einem Instrument für Blues-Musik oder erdigem Rock. Direkt am Anfang der Kette eingesetzt bekommen wir eine angezerrte Gitarre mit Raum-Effekten. Je mehr der Equalizer ans Ende der Effekt-Kette wandert, desto schmutziger und verzerrter erscheint der Klang.

Inserts lassen sich in Freedom auch mehrfach einsetzen. Deshalb schalten wir testweise vier Stereo-Delays direkt hintereinander, wählen die Feedback-Rate und den Effekt-Anteil in jedem Delay auf cirka 50 Prozent, synchronisieren sie mit dem Sequenzer und halbieren die Verzögerungszeiten in jedem Delay-Kanal, angefangen bei vier Sekunden. Das Ergebnis begeistert sofort: Wir hören eine Wall of Sound, die im Verbund mit einem Chorus direkt am Anfang die Gitarre wie ein ganzes Orchester auftreten lässt. Ausgehend von dieser Kombination regulieren wir die Effektanteile der einzelnen Delays und erhalten ein zusätzliches räumliches Bild. Doch wir wollen noch mehr: Indem wir in einige Delays synkopierte Zeiten eingeben, zerstören wir dieses harmonische Klangbild: Das Orchester wandelt sich zur hektischen Kakophonie.

Durch die drei Effekt-Slots haben wir nun einen schönen und einen nicht so schönen Echo-Orchesterklang. Mit Hilfe eines MIDI-Controllers wechseln wir nach Belieben zwischen den beiden Variationen. Wir programmieren schließlich einen Fußschweller, um die Delay-Zeit stufenlos zu regulieren. Der Wechsel der Echo-Zeiten verursacht entsprechende klangliche Veränderungen. Wir erreichen dadurch unterschiedlichste Facetten dieses Orchesterklangs – in seinem Tempo kontrolliert, ergibt sich eine Bandbreite von eher bedächtigen bis hin zu hektischen und nicht mehr wahrnehmbaren Echos, fast schon bis in den Bereich eines Hall-Algorithmus.

Fazit

Das Ausprobieren und Experimentieren mit verschiedensten Effekt-Kombinationen macht mit Freedom sehr viel Spaß. Vor allem Aneinanderreihen mehrerer gleicher Effekte in einem VST-Slot bietet ungeahnte Möglichkeiten, Klänge bis zur Unkenntlichkeit zu verfremden. Mit drei Slots pro Effekt-Instanz und den Automatisierungsoptionen gewinnt Freedom noch mehr Attraktivität. Allerdings ist, je nach Effekt-Kombination, auf die Prozessorauslastung zu achten. Gerade das Highlight in Freedom, der Faltungshall Origami LE, ist sehr gefräßig. Bei aller Kritik wegen vermisster Parameter ist Freedom ein äußerst flexibles und einfach zu bedienendes Plug-in. Freedom wird spätestens dann zu einem ständigen Begleiter in jedem Sequenzer, wenn die angekündigten neuen Effekt-Inserts zum Download bereit stehen.

Erschienen in Ausgabe 09/2006

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 435 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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