Doppeltes Filter-Vergnügen

Elysia setzt seine Serie an kostengünstigen Studio-Prozessoren mit Highend-Klang kontinuierlich fort. Jüngster Zuwachs ist der brandneue Vierband-EQ xfilter, den wir als erste Redaktion in Augenschein nehmen durften.

Von Georg Berger 

Nach dem Riesenerfolg des für Elysia-Verhältnisse spottbilligen Kompressors xpressor (Test in Heft 11/2011) und des nicht minder günstigen Transienten-Prozessors nvelope (Test in Heft 1/2013) war es eigentlich eine logische Konsequenz, dass die niederrheinische Pro-Audio-Manufaktur als nächstes einen Equalizer herausbringt. Bereits auf der letzten Musikmesse raunte uns Dominik Klaßen seinerzeit noch unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit diese Info zu. Knapp einen Monat später halten wir das gute Stück schließlich in Händen, das einmal mehr zunächst in Form eines API 500-Moduls auf den Markt kommt. Kostenpunkt: Rund 770 Euro, was verglichen mit den Boutique-Geräten der Elysianer ein Spott-Preis ist. Wie üblich wird die 19-Zoll-Variante mit etwas höherem Verkaufspreis übrigens demnächst ebenfalls folgen. Beide Geräte-Varianten enthalten aber die exakt gleiche Technik. Denn Elysia setzt bei der Serienfertigung auf Effizienz und hat das Platinen-Design von vorne herein so gestaltet, dass es ohne übergroßen Mehraufwand in unterschiedlichen Produktvarianten herausgebracht werden kann.

Weitere aus den vorherigen Geräten bekannte Features und Merkmale werden auch im xfilter 500 kontinuierlich fortgesetzt. Dazu zählt die stringente Auslegung als reines Stereo-Modul und der komplette Signalweg in Class A Technik. Als Vorlage diente, wen wunderts, der rund 4.500 Euro kostende Boutique-Entzerrer Museq aus gleichem Hause. Die Herausforderung beim xfilter bestand jedoch darin, den Sound und das Regelverhalten des Museq mit günstigeren Bauteilen auf ein vergleichbares Niveau zu bringen. Dafür hat Elysia einmal mehr einen enormen Aufwand getrieben, der für ein Gerät in dieser Preisklasse beachtlich ist. Im Gespräch geizen die Elysia-Inhaber Dominik Klaßen und Ruben Tilgner folglich auch nicht mit entsprechenden Details, die wir auch nicht vorenthalten wollen. So ist die komplette Elektronik des xfilter eine Mischung aus diskreter Schaltungs-Technik und Operations-Verstärkern, wobei Ruben Tilgner auf die Modelle der OPA-Serie des Herstellers Burr Brown setzt, die ihren Dienst in den Filter-Schaltkreisen verrichten. Die diskret konstruierten Ein- und Ausgangsstufen sind einmal mehr dem Alpha Compressor entlehnt. Wichtig bei der Entwicklung war Tilgner ein möglichst transparenter Signalpfad. Der Mess- und Hörtest hat noch zu zeigen, ob dies gelungen ist. Doch bleiben wir noch kurz bei einigen weiteren Hardware-Details. Zum Einstellen der Bänder kommen gerastete Potis zum Einsatz mit denen sich einmal gemachte Einstellungen leicht reproduzieren lassen. Um eine saubere Stereosignal-Verarbeitung zu garantieren, testet Elysia jedes Poti hinsichtlich ihrer Toleranzen, was ein nicht unerheblicher Aufwand ist, aber letztlich gewährleistet, dass Einstellungen in beiden Kanälen exakt gleich erfolgen. Mit der gleichen Akribie und Qualitäts-Denke geht der Hersteller auch an die Auswahl der für die Filterfrequenz maßgeblichen Kondensatoren, die gerade im Stereobetrieb ebenfalls nur minimale Abweichungen besitzen dürfen. Dominik Klaßen gibt dabei unumwunden zu, dass dieser Aufwand und insbesondere die Kosten für die Bauteile deutlich höher ausfallen als für den xpressor. Dennoch geht Elysia mit dem Verkaufspreis nicht nach oben. „Class A fürs Volk“ lautet hierbei die Devise von Elysia, also Highend-Sound zum Lowcost-Preis. Für diesen Idealismus gebührt Elysia einmal mehr Anerkennung und ein übergroßes Lob.

Abseits dessen finden sich im vierbandigen xfilter eine Reihe interessanter Features, die ihn aus der Masse an Mitbewerbern herausstechen lassen. Doch der Reihe nach. Die Frontplatte des xfilter 500 nimmt logischerweise zwei API-Einbauschächte in Anspruch. Je vier Drehregler mit leichtgängiger Rastung verteilen sich in zwei Spalten darauf. Dazwischen finden sechs Druckschalter sowie in der Mitte das hinterleuchtete, kreisrunde Elysia-Logo ihren Platz. Pro Band stehen zwei Bedienelemente zum Einstellen des Gain und der Center-Frequenz zur Verfügung. Einen Regler zur Einstellung der Filtergüte in den beiden Mittenbändern suchen wir vergebens. Stattdessen findet sich ein Druckschalter, der den Aufruf von zwei verschiedenen Bandbreiten-Einstellungen erlaubt. Auffällig: Die Anordnung der Bänder respektive ihrer Regler-Duette ist etwas gewöhnungsbedürftig. Oben links ist das Tiefenband positioniert, rechts davon die Hochmitten. Unten links liegen die Tiefmitten, die auf der gegenüberliegenden Seite vom Höhenband flankiert werden. Im Test ist dies zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber schon nach kurzer Zeit verinnerlicht. Der Grund für dieses Layout ist jedoch rasch ersichtlich: Je zwei Bänder sind auf einer Platine untergebracht, also die Tiefen zusammen mit den Tiefmitten und die Höhen mit den Hochmitten. Wenn diese später in die 19-Zoll-Variante verbaut werden, ist anschließend alles wie gehabt. Dann verteilen sich sämtliche Bänder sukzessive ausgehend vom Bass auf der linken Seite bis zu den Höhen auf der rechten Seite. Nächste Besonderheit: Die beiden Außenbänder lassen sich per Drucktaster zwischen Shelving- und Passfilter umschalten. Der Clou: Sind die Passfilter aktiv, lässt sich mit Hilfe des Gain-Reglers eine Filterresonanz, ganz so wie bei Synthesizern üblich, einstellen. Den Vogel schießt Elysia aber bei der Realisierung der Passfilter ab. Denn am Lowcut werkelt beispielsweise nicht wie zu erwarten ein Hochpassfilter, sondern ein Tiefpass, der jedoch gegenphasig geschaltet ist. Als Grund für diesen Kniff gibt Ruben Tilgner rein klangliche Gründe an. Herkömmliche Passfilter-Schaltungen verfälschen ihm den Sound zu stark. Das zählt wahrlich nicht zu den Alltäglichkeiten. Rätsel gibt schließlich der mit der kryptischen Bezeichnung „Passive Massage“ versehene Druckschalter auf. Darüber wird ein weiteres Tiefpassfilter zwischen die übrigen Filter und den Ausgang geschaltet. Der Clou: Dieses Filter ist in passiver Schaltungstechnik konstruiert, wobei das Abschirmen der dafür wichtigen Spulen besonderen Aufwand nach sich gezogen hat. Die Centerfrequenz liegt bei zwölf Kilohertz, wobei dort ein leichter Resonanz-Peak um etwa ein Dezibel fest eingestellt ist, um abschließend bei etwa 17 Kilohertz mit 12 dB/Oktave abzufallen. Dominik Klaßen führt aus, dass dieses Filter als besonderes i-Tüpfelchen für seidige Höhen sorgt und sozusagen den letzten Feinschliff auf ein ansonsten rein aktives Filter-Netzwerk vornehmen soll. Nicht minder rätselhaft erscheint die Beschriftung des sechsten Druckschalters „Hit it!“ hinter dem sich jedoch ein per Relais geschalteter Hardware-Bypass aktivieren lässt. Weitere Auffälligkeiten zeigen sich in unterschiedlichen Gain-Bereichen zwischen den Außen- und Mittenbändern sowie äußerst breit ausgelegte Frequenzbereiche in den einzelnen Bändern. So kann das Bass-Band von 20 Hertz bis hinauf 900 Hertz und das Höhenband von 700 Hertz bis über den Hörbereich hinauf auf 28 Kilohertz eingestellt werden. Damit sind Frequenzüberlappungen über sämtliche Bänder hinweg möglich, was ebenfalls nicht zur Selbstverständlichkeit zählt. Trotz Rastung der Potis sind Einstellungen in fest definierten Abständen nicht möglich. Doch das ist kein Nachteil, denn der xfilter ist kein Mastering-Werkzeug, bei dem es um exaktes Einstellen und Reproduzieren von Settings geht. Der Lowcost Class-A-EQ soll und will vielmehr als Kreativ-Werkzeug eingesetzt werden, wobei in erster Linie beim Einstellen auf das Gehör gesetzt werden soll. 

Im obligatorischen Messtest erwarten uns keinerlei großartigen Überraschungen. Wie zu erwarten, liefert der xfilter in jeder Disziplin hervorragende Ergebnisse, die ihn mühelos in die Spitzenklasse katapultiert. Der Noisefloor im FFT-Spektrum liegt zumeist unterhalb sagenhafter -120 Dezibel. Die Peaks bei den zweiten und dritten Harmonischen reichen gerade mal bis -90 Dezibel hinauf. Fremd- und Geräuschsspannungsabstand sind ebenfalls besser als -90 Dezibel. Auffällig ist hingegen ein welliger Kurvenverlauf beim Messen des Klirrfaktors. Doch mit Werten zwischen 0,04 und 0,002 Prozent sind dies immer noch hervorragende Ergebnisse. Das Ergebnis beim Messen der Gleichtaktunterdrückung markiert hierbei den einzigen Ausreißer. Es zeigt sich ein welliger Kurvenverlauf, im Bass beginnend bei -70 Dezibel, der im weiteren Verlauf ab 500 Hertz auf -60 Dezibel steigt und bei etwa zwölf Kilohertz auf circa -48 Dezibel steigt. Das könnte zwar durchaus besser sein, ist aber noch in Ordnung. Die Kurve beim Messen des Übersprechverhaltens verläuft übrigens ähnlich, jedoch mit Werten, die rund 30 Dezibel besser sind. Im direkten Vergleich liefert der BAX-EQ von Dangerous Music (Test in Heft 3/2012) etwas bessere Ergebnisse. Doch der kostet auch etwa dreimal soviel. 
Die letzte Hürde im Test-Parcour, den Hörtest, meistert der xfilter ebenfalls mit Bravour. Der Grundsound ist, typisch Class A, offen, transparent und luftig. Entzerrungen gehen dabei stets mit einem angenehm klingenden Ergebnis einher, die sich auf fast schon unmerkliche Weise auf die Signale legen und ihnen ausnahmslos schmeicheln. Beim Schalten des EQs auf Bypass zeigt sich anschaulich, wie wirkmächtig und vor allem verfärbungsfrei er ans Werk geht. Die Shelf-Filter gefallen durch ein sehr weites Eingreifen ins Material, was in Effizienz und Klang fast schon an den oben erwähnten BAX-EQ erinnert. Boosts und Cuts gehen überaus kraftvoll über die Bühne, wobei uns das maximal einstellbare Gain in jedem Falle zuviel ist. Obwohl wir am Gerät eine Verstärkung um etwa vier Dezibel einstellen, entsteht der Hör-Eindruck, dass ein doppelt so hohes Gain am Werk ist. Zumeist reichen schon minimale Einstellungen aus, um hässlich klingende Signale in ein schön klingendes Ergebnis umzuwandeln. Ein Güte-Regler zum Einstellen der Filterbandbreite in den Mitten wird von uns zu keinem Zeitpunkt vermisst. Mit den beiden Festeinstellungen kommen wir bestens zurecht. Doch das Beste kommt zum Schluss: Unumstrittene Highlights sind in jedem Fall die Passfilter, sowohl in den Außenbändern, als auch das additiv zuschaltbare Passiv-Filter. Gerade die Passive Massage-Funktion erweist sich im Test rasch als Geheimwaffe und schon gar süchtig machende Klang-Medizin, die wir nicht mehr missen wollen. Obwohl lediglich ein leichter Anstieg um zwölf Kilohertz mit gerade mal einem Dezibel erfolgt, wirkt dieses Filter im Klang nachhaltig und sorgt wie von Dominik Klaßen beschrieben, für den typisch seidigen Glanz mit hohem Schmeichel-Anteil. Selbst nach erfolgreicher Arbeit mit den übrigen Bändern sorgt dieser leichte, aber dennoch hörbare Boost in den Höhen für einen unnachahmlichen Schönklang, der mit den übrigen Filtern so nicht machbar ist. Mit diesem Leckerli profiliert Elysia seinen Lowcost-EQ auf markante Weise, was bestimmt eine Menge Fans gewinnen wird. Nicht minder beeindruckend gehen auch die per Drucktaster aktivierten Passfilter, anstelle der Shelving-Bänder ans Werk. Dort wo sich bei anderen Entzerrern ein eigentümlich hohler Klang einstellt, ist beim xfilter rein gar nichts zu hören. Solch ein sauberes und organisches Abschneiden von Frequenzbereichen ist nicht oft zu hören. Zusammen mit der Möglichkeit zum Einstellen der Filter-Resonanz, präsentiert Elysia ein nicht alltägliches Konzept mit Highend-Sound, das aufhorchen lässt. Nachhaltig hörbar im Test ist die Interaktion zwischen Filter-Resonanz und Flankensteilheit. Ohne Resonieren verfügen die Passfilter über eine äußerst weiche Filterflanke, die sich gefühlt nach 6 dB/Oktave anhört. Damit werden dem Signal die unerwünschten Bereiche auf behutsame Weise genommen und Signalanteile nicht auf drastische Weise abrasiert. Beim Aufdrehen der Resonanz ist jedoch hörbar, dass proportional dazu die Filterflanke immer steiler wird und vormals hörbare Signalanteile nach und nach organisch ausgeblendet werden, wobei das Resonanzpfeifen zwar deutlich hörbar, aber nicht unangenehm klingt. Bei Vollausschlag dominiert das Pfeifen zwar, behutsam eingesetzt sind tiefe und hohe Frequenzanteile nachhaltig eliminierbar, die dem Signal aber trotzdem noch eine Portion an Punch und Glanz verleihen.

Fazit

Elysia zeigt mit dem xfilter 500, dass sich edler Sound, markante Features und ein offenes, transparentes Regelverhalten durchaus mit einem günstigen Verkaufspreis vertragen. Einmal mehr hätte Elysia auch seinen vierbandigen Kreativ-Equalizer angesichts seiner Qualitäten durchaus für das Doppelte anbieten können. Doch der Hersteller bleibt sich treu: Highend-Sound und -Qualität zum Lowcost-Preis oder „Class A fürs Volk“.

Erschienen in Ausgabe 06/2013

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 772 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut – überragend

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