Klanglich knitterfrei

Wer von der zerknittert aussehenden Bassmembran auf klangliche Unordnung schließt, tut dem Fostex NX-5A völlig Unrecht, denn der zeigt im Test Monitorqualitäten, die sich hören lassen können.

Von Harald Wittig

Der japanische Pro-Audio-Hersteller Fostex ist in erster Linie bekannt für seine Multitracker und Stand-alone-Recorder, bietet aber auch schon seit längerem Abhörlautsprecher an. Zu nennen ist die PM-Serie, die es inzwischen auch in Klavierlackoptik gibt (Test von PM-05 und PM-08 in Ausgabe 7/2006) und die NX-Reihe. Wobei es eine „NX-Reihe“ eigentlich erst seit kurzem, offiziell seit der diesjährigen Musikmesse gibt – davor war der 2006 vorgestellte Fostex NX-6A noch ganz alleine. Jetzt gibt es den NX-5A, der aussieht wie ein geschrumpfter NX-6, seinerseits die wesentlichen Konstruktionsmerkmale des großen Bruders aufweist, dafür aber mit einem Stückpreis von 345 Euro auch um einiges günstiger zu haben ist, als der rund 600 Euro teure NX-6A. Der NX-5A ist ein aktiver Zwei-Wege-Bassreflexlautsprecher, der mit einer lichten Höhe von 30 Zentimetern gerade mal so hoch wie ein gängiger Flachbild-Computer-Monitor einschließlich Sockel ist. Da er auch in der Breite lediglich 25 Zentimeter misst, findet er zur Not auch auf dem beengten Regietisch eines kleinen Projektstudios Platz. Allerdings – soviel sei schon weit vorweggenommen – empfiehlt sich eine derartige Ausstellung nicht.

Sofern möglich, sollte der Kleine genügend Luft um sich herum haben, anderenfalls verkauft er sich klanglich unter Wert.  Trotz seiner Kompaktheit bringt der NX-5A mit seinen zehn Kilo Lebendgewicht einiges auf die Waage. Also Vorsicht, ein stabiler, möglichst vibrationsfreier Untergrund muss schon vorhanden sein. Eine schlichte Tischlerplatte aus dem Baumarkt oder der Billig-Computertisch vom Möbel-Discounter kommt als standesgemäßer Untergrund ganz sicher nicht in Frage. Beim Blick auf die Front fällt jedem sofort die eigenwillig geformte Membran des Tief-Mitteltöners auf. Dabei handelt es sich um eine Fostex-Eigenentwicklung, die sich Hyper Radial, kurz HF, nennt und eine besonders saubere Basswiedergabe begünstigen soll. Konkret sei die so geformte Papiermembran des Tief-Mittel-Töners einerseits besonders leichtgewichtig, gleichzeitig folge sie auch heftigen Bassimpulsen noch präzise. Auf diese Weise sei die bei Abhörlautsprechern ungeliebte Intermodulations-Verzerrung deutlich minimiert und die Knittermembran weise ein verbessertes, für Kleinlautsprecher ungewöhnlich gutes Impulsverhalten auf. Nun, wir werden noch sehen beziehungsweise hören, ob diese Fostex-Entwicklung tatsächlich bei der Wiedergabe punkten kann.  Auch der Membransicke des Tief-Mittel-Töner-Chassis spendierte Fostex eine Besonderheit, einen mehr oder weniger vielversprechenden Eigenname inbegriffen. Die auffällig geformte, wie in sich verdreht aussehende Gummisicke nennt der Hersteller UDR Tangential Edge. Das Akronym UDR steht für „Up/Down Roll“ also ungefähr „übereinandergerollt“. Das Material ist also recht kompliziert in sich verdrillt worden, woraus sich die schrägen, tangentialen Ecken ergeben. Fostex möchte mit der jedenfalls optisch auffälligen Membransicke unerwünschte Resonanzen ausschließen.  Eine weitere Maßnahme zur Minimierung von Resonanzen, in diesem Fall geht es um Innenresoanzen, sitzt im Gehäuse der NX-Lautsprecher. Im Boden des mit Woll-Fließ ausgekleideten Gehäuses und auf der Rückseite, hinter dem Tief-Mitteltöners sitzen zwei sogenannte HP Sound Reflector. Die sehen übrigens aus wie umgedrehte Schirmchen, ihre Form erinnert entfernt an die der Bassmembran und sie sollen stehende Wellen im Gehäuse verhindern, indem sie bestimmte Frequenzen einfach schlucken oder absorbieren. Richtig, es handelt sich gewissermaßen um Absorber im Minifromat.  Die Hochtöner-Kalotte ist wie schon beim NX-6A aus Magnesium, ein sehr leichtes und stabiles Metall, dass beispielsweise für die Gehäuse von professionellen Fotokameras Verwendung findet. Ob ein Hersteller Leichtmetalle wie Magnesium, das teure, schwierig zu verarbeitende Halbmetall Beryllium als Membranmaterial einsetzt oder stattdessen beim Hochtöner auf Gewebematerialien – Dynaudio beispielsweise bevorzugt Seide – vertraut, ist letztlich Hersteller-Philosophie. Sofern ein Lautsprecher-Konstrukteur über das nötige Know-how verfügt, sind die Vorzüge der verschiedenen Werkstoffe schon fast akademischer Natur. So gesehen spricht im Falle des NX-5A nichts gegen, aber ungeachtet der Werbeanpreisungen auch nichts zwingend für Magnesium. Der Magnesium-Hochtöner sitzt, wie bei der Mehrzahl der Lautsprecher, in einer ausgeformten Mulde, einem sogenannten Wave Guide. Dieser soll das Abstrahlverhalten verbessern. 

Zur Anpassung an die Abhörumgebung und die Ohren des Anwenders besitzt der NX-5A lediglich zwei Regelmöglichkeiten: „Tweeter Level“ beeinflusst den Pegel des Hochtöners. Im Bereich von ±3 Dezibel lässt sich die Herstärkung des Magnesium-Hochtöners stufenlos einstellen. Für den Tiefton-Kanal ist der Regler „Lo EQ“ zuständig. Dabei handelt es sich um ein steilflankiges Filter, das den Pegel bei 55 Hertz via Schiebeschalter um ±2 Dezibel abschwächt beziehungsweise verstärkt. Die 0-dB-Mittenstellung des Schiebers entspricht der Flat-Einstellung. Ansonsten gibt es nichts Außergewöhnliches zu berichten. Separate XLR- und Klinke-Buchsen für entsprechende Anschlusskabel, ein Lautstärkeregler mit Rastung und die auch in schummeriger Umgebung gut ablesbare Bereitschafts-LED auf der Front komplettieren die Ausstattung.  Der Frequenzgang des NX-5A, gemessen unter Studiobedingungen, weist eine deutliche Anhebung des Mittenbereichs, beginnend bei den Tiefmitten ab 200 Hertz bis in den Zwei-Kilohertz-Präsenzbereich, auf. Das Messdiagramm auf Seite 62 zeigt zwei Kurven: Die untere blaue Kurve veranschaulicht den Frequenzgang bei linearer Einstellung des „Tweeter Levels“. Die obere grüne Kurve illustriert den Frequenzgang bei Maximaleinstellung des Reglers: In diesem Fall erfolgt der Abfall ab zwei Kilohertz weniger abrupt.   Der NX-5A ist ein sehr kompakter Lautsprecher und verführt deswegen dazu, ihn direkt auf den Regietisch zu stellen. Das sollten Sie möglichst vermeiden, denn dieser Monitor klingt ausweislich unserer Erfahrungen am Besten, wenn er frei steht. Idealerweise auf einer stabilen Konsole, wobei zusätzliche Unterlagen zur akustischen Entkopplung vom Untergrund ebenfalls empfehlenswert sind. Anderenfalls kann der NX-5A leicht topfig und etwas nasal klingen – ein erster Eindruck, der über seine wahren Qualitäten hinwegtäuscht. Denn bei optimaler Aufstellung gefällt der Lautssprecher spontan mit einer starken Phantommitte und einer wirklich guten Raumdarstellung in Breite und Tiefe. In dieser Disziplin reicht der NX-5A an vergleichsweise dimensionierte, aber deutlich teure Monitore wie den O 110 von Klein + Hummel heran. Somit ist es ein leichtes, einzelne Stimmen und Instrumente exakt im Klangraum zu positionieren oder Phasenprobleme aufzuspüren. Im darstellbaren Bassbereich – Tiefbässe erwartet hoffentlich niemand von dem kleinen Tief-Mitteltöner – ist die Wiedergabe des Fostex insgesamt präzise, vor allem enthält sich der Lautsprecher vordergründiger Effekthascherei. Das begrüßt der Praktiker, der einen verlässlichen Partner bei der Arbeit benötigt. Denn mit dem Fostex ist es durchaus möglich, Bassspuren beim Mischen via Kompressor- und Hochpass-Filtereinsatz gezielt ans Gesamtarrangement anpassen – dumpf dröhnende, überbreite Bässe sind beim fertigen Mix damit ausgeschlossen. So ist es für uns ein Leichtes, die Fingerstyle-gespielte Bass-Linie des Stückes „Hexenjagd“, das anlässlich des Tests des Motu 828mk3 entstanden ist (siehe Seite 86 in dieser Ausgabe) via Hochpass-Shelvingfilter bei 75 Hertz wirksam zu verschlanken.  Der wichtige Mittenbereich ist erfreulich ausgewogen, ohne dass der NX-5A zugunsten eines analytischen Klangs eine Vorliebe für den Präsenzbereich hätte. Stattdessen erweist er sich hier als neutraler Lautsprecher und besitzt folglich echte Monitorqualitäten. Gleichzeitig ist der Kleine kein Schönfärber, was dem Arbeitsgerät Studio-Monitor immer zur Ehre gereicht: Klingt der Mix schlecht, muss eben noch Hand angelegt werden, klingt es gut, wird es auch auf anderen Systemen akzeptabel bis gut klingen. Lediglich in den Höhen schwächelt der Fostex etwas. Das liegt weniger am ohnehin gezielt beeinflussbaren Höhenpegel, sondern an der nur durchschnittlichen Auflösung. Der in etwa gleich teure Genelec 8020A beispielsweise ist in den Höhen ein gutes Stück präziser und löst feiner auf. Allerdings wäre es verfehlt, dem Fostex insoweit ein schlechtes Zeugnis auszustellen: Befriedigend ist seine Höhenwiedergabe in jedem Fall und soweit sich der NX-5A-Benutzer dessen bewusst ist, hat er unterm Strich keine Schwierigkeiten, seine Projekte zu finalisieren. Denn dieser kleine Lautsprecher ist ein echter Monitor. 

Fazit 

Der Fostex NX-5A ist ein Kompakt-Lautsprecher ohne echte Schwächen, der sich mit seinem insgesamt neutralen Wiedergabeverhalten das Prädikat Studiomonitor redlich verdient.

Erschienen in Ausgabe 05/2008

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 345 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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