Pro und Con(tra)

Mit dem kleinen Nahfeld-Monitor 6010A inklusive passendem Subwoofer 5040A fischt der finnische Lautsprecherspezialist Genelec ungeniert im Pro- und Consumer-Teich. Warum auch nicht, wenn am Ende Gamer, Computer-Musiker und alle, die wenig Platz in ihrem Projektstudio haben oder eine mobile Abhöre für das Notebook brauchen, zufrieden sind.

Von Michael Nötges

Sie sind die bisher kleinsten Nahfeld-Monitore von Genelec und sollen den Einstieg in die Welt der professionellen Audiotechnik ermöglichen. Die Rede ist von den neuen 6010A, die, kaum größer als herkömmliche Computer-Lautsprecher, ihre Abstammung nicht verleugnen können und wollen. Besitzen sie doch das Genelec-typische abgerundete Gehäuse aus Aluminium-Druckguss. Genelecs Zweiwege-Monitore der 8000- und 8200-Serie, in deren Tradition die 6010A stehen, zeigen sich bereits seit 2004 in dieser unverwechselbaren Bauform. Bereits ohne Subwoofer sollen sich die aktiven 6010A als Computer-Soundsystem oder Workstation-Abhöre eignen. Richtig Spaß machen soll das Duo aber erst mit dem neuen Subwoofer 5040A, der nicht nur aufgrund seines Iglu-Designs auffällt, sondern auch ein Bassmanagement-System, Anschlüsse für 5.1-Setups und einee kabelgebundenen Fernbedienung für die Lautstärke mitbringt. Für den Test haben wir uns ein 2.1-Basis-System für insgesamt 948 Euro (6010A: 236 Euro pro Stück; 5040A: 484 Euro) bestellt und gewohnt akribisch unter die Lupe genommen.

Zunächst zu den Zwergen-Satelliten: Bei den 6010A handelt es sich um aktive Zwei-Wege-Lautsprecher mit einer -Metall-Kalotte und einem vergleichsweise winzigen Tief-Mitteltöner, dessen Membran-Durchmesser 76-Millimeter beträgt. Die Satelliten wiegen 1,4 Kilo pro Stück und wirken äußerst robust und kompakt. Jeder Lautsprecher wird mit praktischem Iso-Pod-Tischständer, Wand-halterung, Netzkabel, -einem zwei Meter langen Cinch- und -einem Adapterkabel (Cinch auf 3,5-mm-Klinke) geliefert. Unmittelbar über-zeu-gend ist der rutschfeste Iso-Pod, der durch einfaches Vor- oder Zurückziehen des Ständers auf seiner Drahtbefestigung den Neigungswinkel der 6010A bestimmt.
Die optimale Abhörentfernung der 6010A beträgt laut Genelec 1,2 Meter und außerdem soll die Raumgröße 55 Kubikmeter – das entspricht eine Regie von ungefähr 22 Quadratmetern Grundfläche – nicht überschreiten. Das hat auch seinen Grund, denn die beiden Verstärker im Innern der 6010A warten lediglich mit einer Ausgangsleistung von je 12 Watt auf.
Die 6010A sind Bass-Reflex-Lautsprecher, wobei der Port mit Wave-Guide zur Vermeidung von Auspuffgeräuschen auf der Rückseite des Gehäuses liegt. Der unsymmetrische Cinch-Eingang der Satelliten wird viele Profis stören. Für den Consumer-Bereich völlig ausreichend, werden sich die 6010A in professionellen Studio-Umgebungen wohl eher schlecht als recht integrieren lassen. Adapter von Cinch auf XLR sind  daher vielerorts unerlässlich.
Rückseitig findet sich ein Trim-Regler für die Eingangsempfindlichkeit (maximal -12 Dezibel), der im Gehäuse versenkt nur mit einem Schraubenzieher oder ähnlichem Hilfsmittel justiert werden kann. Um die 6010A den akustischen Abhörbedingungen und der Aufstellposition anzupassen, haben die Entwickler auch ihren kleinsten Lautsprechern eine Filtersektion spendiert. Es gibt zwei Dipp-Schalter (siehe Foto), um die Bassfrequenzen unterhalb von 100 Hertz, um zwei, vier oder sechs Dezibel zu bedämpfen. Stehen die 6010A auf einem Schreibtisch, wird der Frequenzbereich bei 200 Hertz betont. Der Desktop-Control Dipp-Schalter wirkt dem mit einer Bedämpfung von vier Dezibel bei 200 Hertz entgegen. Damit sind bereits die Satelliten bestens für die Praxis gerüstet.

Der 5040A ist ein aktiver Subwoofer mit Bass-management-System, der 6,3 Kilogramm auf die Waage bringt und schnell mit einem Designer-Fußbänkchen, passend zur weißen Couchgarnitur, verwechselt werden kann. Das 25 Zentimeter hohe Zwerg-Iglu auf Stelzen arbeitet nach dem sogenannten Downfire-Prinzip. Will heißen, die Membran des Bass-Treibers (Durchmesser: 16,5 Zentimeter) ist zum Boden gerichtet. Alle Anschlüsse und ein zusätzlicher Bass-Reflex-Port finden sich ebenfalls auf der Unterseite des Subs. Es gibt sieben Eingänge: Sechs Cinch-Buchsen (Front L, Front R, Center, Rear L, rear R und LFE) und eine 3,5-mm-Klinken-Buchse als zusätzlichen Stereo-Eingang, um beispielsweise MP3-Player oder andere Consumer-Geräte direkt anschließen zu können. Außerdem sind fünf Cinch-Ausgänge für den Anschluss der Satelliten vorhanden. Der 5040A sieht damit zwar von allen Seiten gut aus, da die Anschlüsse nicht sichtbar sind, allerdings ist das Handling dadurch in der Praxis etwas nervig. Erfreulich hingegen ist die kabelgebundene Fernbedienung, ein handlicher Drehregler, der ebenfalls an der Unterseite des Subs angeschlossen wird und die Gesamtlautstärke des Systems bestimmt. Die relative Lautstärke des Subwoofers zur Anpassung an die Satelliten, bestimmt dagegen ein weiterer kleiner Drehregler am Boden des 5040A.
Die integrierte Frequenzweiche des 5040A trennt Frequenzen unterhalb von 85 Hertz ab und schickt sie an den Sub. Der Rest geht an die Satelliten. Der LFE-Kanal hingegen kann Frequenzen bis 120 Hertz reproduzieren. Zusätzlich bietet der 5040A einen subsonischen Filter, der mit einer Flankensteilheit von 18 Dezibel pro Oktave Frequenzen unterhalb von 35 Hertz eliminiert. Um den Subwoofer an die Satelliten und die Raumakustik anzupassen, gibt es drei Roll-Off-Einstellungen, die per Dipp-Schalter Bassfrequenzen bei 35 Hertz um zwei, vier oder sechs Dezibel bedämpfen. Zur optimalen Anpassung kann man die Phasenlage des Subwoofers anpassen, um keine Delle im Frequenzgang bei der Übernahmefrequenz zu erhalten. Per Dipp-Schalter sind vier Einstellungen möglich: 0, 90, 180 und 270 Grad.

Im Hörtest bieten die 6010A bereits ohne Subwoofer eine durchaus überzeugende Vorstellung, egal ob Symphonieorchester, Chorwerke, Funk- oder Rock-Produktionen über den NAD MD 5 abgespielt werden. Das Klangbild ist dem ersten Eindruck nach insgesamt sehr ausgewogen und die exakte Phantommitte, sowie die gute Ortbarkeit der einzelnen Instrumente, machen die 6010A zu kleinen Arbeitstieren, die man sich besonders an kleineren Multimedia-Schnittplätzen gut vorstellen kann. Der Präsenzbereich erscheint bei genauerem Hinhören minimal betont. Dadurch klingen die 6010A direkt und im positiven Sinn analytisch. Besonders deutlich wird das bei der Darstellung der Sibillanten, die sich bei einer Choraufnahme des Renaissance-Komponisten Guillaume Bouzignac etwas in den Vordergrund drängen. Im Sweetspot löst sich das Klangbild von den Lautsprechern und das Stereopanorama erscheint mit guter Trennschärfe und Tiefenstaffelung. Auch wenn der Hochtöner grundsätzlich einen guten Job macht, fällt auf, dass ein wenig Frische und Offenheit fehlt. Das wird besonders beim Abhören unterschiedlicher Hallräume hörbar, bei denen es im Vergleich zu den Active 14-2 des Schweizer Herstellers PSI (Test in einer der nächsten Ausgaben) und den ADAM S3A ein wenig an Feinauflösung und Luft nach oben fehlt. Auch wenn die Tiefenstaffelung alles in allem ganz gut gelingt, die Räumlichkeit lässt im Betrieb ohne Subwoofer ein wenig zu Wünschen übrig. Das Impulsverhalten ist zwar gut, lässt aber das letzte Quäntchen an Präzision vermissen, was sich besonders bei höherer Lautstärke bemerkbar macht. Aber lassen wir einmal die Kirche im Dorf. Die 6010A ist für hohe Lautstärken auch nicht gedacht und bietet ein ausgewogenes und für ihr Größe und Preisklasse mehr als ordentliches und verfärbungsfreies Klangbild. Dennoch ist die Basserweiterung Pflicht.
Glücklicherweise steht mit dem 5040A der passende Subwoofer unter dem Tisch, den wir bereits in seiner Lautstärke und Phasenlage optimal an die Satelliten angepasst haben. Er bringt sofort mehr Räumlichkeit und besonders Bass-Drum- und Bass-Signale erscheinen mit der nötigen Energie und in ihrer vollen Pracht. Selbst Orgelmusik ist jetzt grundsätzlich kein Problem mehr und auch donnernde Soundeffekte kommen sehr druckvoll und überzeugend. Allerdings mangelt es dem 5040A ein wenig an Präzision. Er macht zwar unten herum mächtig Druck, wird aber mit steigender Lautstärke etwas nachlässig, was die Trennschärfe und das Impulsverhalten angeht. Alles in allem bleibt es beeindruckend, was aus den kleinen Würfeln plus Iglu-Woofer herauszuholen ist. Für den Endmix oder das Mastering einer Produktion sollten man trotzdem erst die Hauptabhöre verwenden. Zum Testen der fertigen Produktion auch auf kleineren Systemen eignet sich das 2.1-System aber beispielsweise hervorragend oder aber zum Playstation-Zocken während der Produktionspausen im Aufenthaltsraum.

Fazit

Genelecs 6010A plus Subwoofer 5040A überzeugen durch ihre kompakte und hochwertige Bauweise, das elegante Design und den insgesamt ausgewogenen Klang. Dass Genelec mit ihrem kleinsten System auf Tuchfühlung mit dem Consumer-Bereich geht, wird die Profis kaum stören. Recording-Einsteiger, Mobilisten, Multimedia-Producer und Gamer aber freuen sich, denn sie bekommen eine hochwertige und bis auf 5.1 erweiterbare Desktop-Abhöre zu einem fairen Preis von rund 950 Euro (2.1-System).

Erschienen in Ausgabe 12/2008

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 236 €
Bewertung: gut
Preis/Leistung: sehr gut

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