MOTIFierend

Seit 2001 erfreuen sich die Motif-Workstations von Yamaha einer überaus großen Beliebtheit, was nicht zuletzt an der ständigen Weiterentwicklung der Modell-Serie sowie an einem Konzept liegt, das weit über die Kernfunktionen einer Workstation hinausragt. Die jüngste Ausbaustufe hört auf den Namen Motif XF, die wir einem eingehenden Test unterzogen haben.    

Von Georg Berger

Dass sich Hardware-Synthesizer trotz Computer, MIDI-Controller und Legionen virtueller Instrumente nach wie vor am Markt behaupten, ist eine Binsenweisheit. Gleiches gilt auch für den Teilbereich der Synthesizer-Workstations, die dem Anwender mit einer Kombination aus Klangerzeugung, Sequenzer und Effekt-Sektion eine komplette Umgebung zum Produzieren von Songs an die Hand gibt. Vorteile zeigen sich dabei gleichermaßen im Live- wie auch im Studio-Einsatz. Innerhalb dieses Marktsegments haben wir schon länger die Modelle der Motif-Serie von Yamaha unter Beobachtung, die 2001 erstmals vorgestellt und seitdem beständig weiterentwickelt wurden. Jenseits der Kernbereiche Sound, Sequencing und Effekte hat sich der Hersteller stets darum bemüht, die Instrumente mit Zusatz-Features auszustatten, die über das Grundkonzept hinausragen und aus den Geräten ernst zu nehmende und flexibel einsetzbare Produktions-Maschinen fürs Studio machen. Ende des letzten Jahres präsentierte Yamaha mit den Motif XF-Modellen die nunmehr vierte Generation dieser beliebten Workstation. Grund genug, um sich mit diesen Instrumenten endlich einmal näher auseinanderzusetzen und zu ergründen, was sie zu leisten im Stande sind. Drei unterschiedlich teure Modell-Varianten mit identischer Ausstattung, jedoch unterschiedlichem Tastaturumfang, sind erhältlich. Zum Test tritt das rund 3.500 Euro kostende Modell Motif XF7 an. Eine Rackversion ist übrigens nicht erhältlich, was von uns jedoch auch nicht vermisst wird. Denn die Mächtigkeit der Instrumente zeigt sich erst durch die Vielzahl an Bedienelementen, die in einer 19-Zoll-Version nur bedingt verfügbar wären. Später dazu mehr. Widmen wir uns zunächst den Haupt-Features des Motif XF und den Neuheiten im Vergleich zur Vorgänger-Serie Motif XS.

Die XF-Instrumente besitzen eine 128-stimmige Polyphonie, ihre Klangerzeugung basiert auf dem Abspielen von Samples, in der Diktion von Yamaha „AWM“ genannt. Zwei Arten von Presets sind wählbar: Voices und Performances, wobei die Voices Einzelsounds bereitstellen und die Performances Layer aus bis zu vier einzelnen Voices enthalten. Damit lassen sich wahlweise Keyboard-Splits oder äußerst fette Sound-Texturen erstellen. Der Clou: Jede Voice/Performance enthält bis zu fünf wählbare Arpeggios – pro Arpeggio sind sozusagen bis zu vier Spuren enthalten – , die im Falle der Performances komplette Backing-Tracks, bestehend aus Schlagzeug, Bass und Flächen bereitstellen, über die der Anwender schließlich solieren kann. Mit diesem Pfund wuchert Yamaha gerade bei den Performances auf opulente Art. Die Arpeggios sind beim Ausprobieren der Performances ausnahmslos aktiviert, was auf Dauer jedoch nervig ist und den XF-Modellen den Nimbus eines Alleinunterhalter-Keyboards verleiht. Doch durch die Möglichkeit, aus knapp 7.900 Phrasen frei auswählen zu können, verringert sich die Gefahr der Abnutzung von Phrasen. An Bord findet sich ein riesiges Arsenal an passenden Phrasen für einen weiten musikalischen Bereich von Schlager, über Jazz, Blues, Pop, Rock bis hin zu allen Arten von Dancefloor. Bei drohender Kreativitäts-Blockade bieten sie eine willkommene Option zum raschen Ausfertigen von Basis-Arrangements.  Bemerkenswert ist auch die Architektur eines Einzelsounds, sprich Voice, die ein ähnliches Layer-Konzept besitzen wie die Performances. Jede Voice kann dabei aus bis zu acht Elements bestehen. Jedes Element enthält einen Oszillator zum Abspielen einer Waveform, also ein (Multi-)Sample, das mit Hilfe der üblichen Synthesizer-Bausteine verbogen werden kann. Zur Auswahl stehen eine Filter-Sektion sowie ein LFO und drei Hüllkurven für Amplitude, Tonhöhe und Filter. Eine Common-Sektion enthält ein ähnliches Repertoire an Modulatoren, die Einfluss auf alle acht Elements gemeinsam nehmen. Voices und Performances lassen sich schließlich flexibel mit Effekten weiter raffinieren.

Die Effekt-Bus-Architektur ist in gleichem Maße opulent wie flexibel ausgelegt. Zwei frei wählbare Insert-Effekte sind individuell auf Voices und Performances anwendbar. Danach geht es in die sogenannten System-Effekte, die sich auf Chorus-, Delay- und Reverb-Effekte konzentrieren und als Send-Effekte werkeln. Am Schluss geht es schließlich in eine Master-Effekt-Sektion, die am Summen-Ausgang zum Einsatz kommt und außer einem Equalizer einen frei wählbaren Effekt zum abschließenden Feinschliff offeriert.  Die dritte Hauptsäule der Moftif XF-Modelle, der Sequenzer, erlaubt das ausschließliche Aufzeichnen von MIDI-Daten. Maximal 16 Spuren sind verfügbar, je eine für jeden MIDI-Kanal, die sich wiederum über die Fader-Sektion im Mixing-Modus abmischen lassen. Die üblichen Funktionen zur Bearbeitung und Quantisierung von MIDI-Daten stehen zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung, wobei das Editieren von Noten über einen Listen-Dialog geschieht. Zwei Betriebs-Modi sind wählbar: Song und Pattern. Während der Pattern-Modus die Aufnahme von Kleinst-Sequenzen erlaubt, die anschließend über eine Pattern-Chain zu einem Song verknüpft werden können, erlaubt der Song-Modus ein freies Aufnehmen über vorgewählte Pattern-Grenzen hinweg. Zwischen beiden Modi lässt sich beim Produzieren übrigens hin- und herschalten. Wichtig: Um den Motif XF7 16-fach multitimbral zur Aufnahme von Arrangements in der Software-DAW nutzen zu können, muss einer der beiden Sequenzer-Modi aufgerufen werden. 

Doch das sind lediglich die Kernbereiche einer Workstation. Die Motif-Serie hat noch weitaus mehr zu bieten: So lassen sich die Bedienelemente, insbesondere die Fader-Sektion, als klassischer DAW-Controller zum Steuern von Software-Sequenzern nutzen. Dabei wird das Mackie Control Protokoll genutzt, das über einen eigenen MIDI-Port übertragen wird. Die XF-Modelle bieten ab Werk übrigens Anpassungen für Steinberg Cubase, Apple Logic, Cakewalk Sonar und MOTU Digital Performer. Das nächste Highlight, das nicht selbstverständlich für eine klassische Workstation ist, findet sich in der Möglichkeit zum Aufnehmen eigener Samples inklusive der üblichen Bearbeitungsmöglichkeiten wie Mapping, Trimmen und Looping. Es findet sich sogar eine Slice-Funktion an Bord, mit der sich rasch Schlagzeug-Phrasen ähnlich ACID- oder REX-Files bearbeiten lassen, um sie tempounabhängig einsetzen zu können. Über das Sampling-Feature ist es übrigens möglich, Audio-Aufnahmen innerhalb des onboard-MIDI-Sequenzers zu integrieren. Dieses Prozedere mag zwar antiquiert wirken, ist aber dennoch pfiffig gelöst, um die Beschränkung auf MIDI-Daten aufzubrechen. Last but not Least ist es durch Zukauf der optional erhältlichen FW16E Firewire-Karte möglich, die Motif-Geräte mit einem waschechten Audio-Interface aufzurüsten. Anschließend stehen sechs Audio-Ein- und 16 -Ausgänge zur Verfügung. Mit rund 400 Euro verlangt der Hersteller für dieses Accessoire allerdings einen stolzen Preis. Doch der Vergleich mit Stand-alone-Audio-Interfaces hinkt. Wer in seine Computer-DAW gleichzeitig mehrere Sounds der Motif-Instrumente aufnehmen möchte, kann dies ungleich komfortabler und rascher über die Firewire-Karte realisieren als über ein Stand-alone-Gerät. Kostenlos hingegen ist eine Editor-Software, die ein bequemes Editieren der Motif XF-Instrumente am Rechner ermöglicht. Später dazu mehr.

Betrachten wir jetzt kurz die Neuheiten im Vergleich zur Vorversion Motif XS:  Für Kenner und Anwender der vorherigen XS-Reihe mag die Zahl an Verbesserungen und neuen Features auf den ersten Blick zunächst wenig üppig ausfallen und einen Umstieg nicht lohnen, obwohl Yamaha gezielt auf Kundenwünsche reagiert hat. Doch urteilen Sie selbst: Augenfälligster Unterschied ist der Farbwechsel des Gehäuses von blau-grau nach schwarz und das zentrale 320 x 240 Pixel LC-Display zeigt die Dialoge jetzt in Farbe an. Die gewichtigsten Unterschiede und Neuheiten zeigen sich jedoch im Inneren. Die Motif XFs warten mit einem doppelt so großen Wave-ROM an gespeicherten Wellenformen auf (741 Megabyte), die ihren Niederschlag in zusätzlichen Speicherbänken und neuen Preset-Sounds finden. Gleiches gilt auch für das Arsenal an mitgelieferten Arpeggios, das über 1.100 Phrasen mehr als in der XS-Serie aufbietet. Neu hinzugekommen ist ein 128 Megabyte großer Sample-RAM-Speicher zum Ablegen eigens erstellter Samples. Wie üblich bei Hardware-Samplern, gehen die dort gespeicherten Daten beim Ausschalten verloren, wenn sie nicht zuvor extern via USB gesichert wurden. Doch dafür hat Yamaha direkt die passende Lösung parat, die gleichzeitig das Highlight der XF-Neuheiten markiert: Per optional erhältlicher Flash-Speicherkarten lassen sich die neuen Motifs mit nicht flüchtigem Speicher bis maximal zwei Gigabyte aufrüsten. Dort gesicherte Samples gehen also beim Ausschalten des Geräts nicht verloren und stehen ohne lästigen Lade-Vorgang direkt im Gerät zur Verfügung. Allerdings hat diese Option im Vergleich zu herkömmlichem RAM-Speicher seinen Preis, der jedoch durchaus gerechtfertigt ist. Zwei Flash-Speicher-Module stehen zur Auswahl. Das 512 Megabyte-Modul ist für knapp 180 Euro erhältlich, für die Ein-Gigabyte-Variante verlangt der Hersteller knapp 330 Euro. Zur Aufnahme verfügen die Instrumente über zwei Slots auf der Unterseite, in die sich die Karten in beliebiger Kombination stecken lassen. Überdies finden sich eine Reihe weiterer neuer Funktionen wie etwa der überarbeitete Category-Search-Dialog zum Auswählen von Sounds oder das Editieren von Einzel-Sounds eines Drum-Kits innerhalb des Mixing-Modus. Sehr komfortabel ist auch die sogenannte Voice-Convert-Funktion, mit der sich aufgenommenes Audio-Material automatisch und taktgenau in das Sequenzer-Arrangement integrieren lässt sowie die Möglichkeit zum Laden/Importieren mehrerer Samples inklusive automatischem Mapping auf der Tastatur.

Es finden sich noch weitaus mehr Verbesserungen, die jedoch alle aufzuzählen den Rahmen des Artikels bei weitem sprengen würden. Stattdessen widmen wir uns kurz der Ausstattung und Bedienung:  Mit einem Kampfgewicht von 17 Kilogramm ist der 76-Tasten-Bolide nicht gerade ein Leichgewicht. Dennoch lässt sich das Instrument noch halbwegs komfortabel wuchten ohne gleich einen Bandscheibenvorfall riskieren zu müssen. Die Oberseite wartet mit einer wahren Flut an Tastern auf, deren Funktionsweise es erst einmal zu erlernen und zu verstehen gilt, was dank der informativen 85-seitigen Bedienungsanleitung nach kurzer Zeit erledigt ist. Hingucker ist die Fader-Sektion nebst mitten-gerasteter Drehregler und das mittig positionierte LC-Display. Mit Hilfe der darunter befindlichen Funktions-Taster navigieren wir bereits nach kurzer Zeit zielsicher durch die verschiedenen Menüseiten und rufen die gewünschten Funktionen auf. Das Data-Entry Endlos-Drehrad nebst darunter integrierter No-/Yes- und Cursor-Tasten zum raschen Navigieren durch Einträge und zum Einstellen von Parametern sowie eine Transport-Tasten-Sektion zum Steuern des Sequenzers markieren altbekannte Bedienhilfen. Die umfangreiche Tasten-Sektion rechts von den Cursor-Tasten offeriert bequeme Optionen zum raschen Auswählen von Sounds. Je nach Betriebs-Modus lassen sich darüber noch weitere Funktionen ausführen. Später dazu mehr.   Die Vorderseite wartet mit einer wahren Pracht an Verbindungs-Möglichkeiten auf: An analogen Anschlüssen finden sich zwei Stereo-Ausgänge in Form von jeweils zwei Klinken-Buchsen und ein Buchsen-Pärchen für den Eingang zum Samplen und Aufzeichnen von Audiomaterial. Über ein Trim-Poti ist das Input-Gain einstellbar, wobei zwei Empfindlichkeiten – Line und Mic – über das Display aufrufbar sind. Ausschließlich dynamische Mikrofone sind dort anschließbar, eine aktivierbare Phantomspannung existiert nicht. Wer also mit Kondensator-Mikrofonen arbeiten will, muss dort einen Vorverstärker anschließen. Damit lässt sich zwar leben, doch wir hätten uns zumindest Combo-Buchsen anstelle von Klinken-Anschlüssen gewünscht, um wenigstens die dynamischen Mikrofone symmetrisch einspeisen zu können, was deutlich professioneller gewesen wäre. Der Anschluss-Reigen setzt sich mit einer Cinch-Buchse fort. Sie führt das Stereo-Signal des Hauptausgangs im S/PDIF-Format. Vier weitere Klinken-Buchsen dienen zum Anschluss von Fußpedalen und -Schwellern, zwecks weiterer Steuerung und Ausformung der Sounds. Bemerkenswert sind schließlich die beiden USB-Buchsen und der Ethernet-Anschluss, die ein tief greifendes Einbetten des Instruments in ein Computer-Setup ermöglicht. Der quadratische Typ B-Anschluss dient hierbei ausschließlich zum Übermitteln von MIDI-Signalen, wohingegen sich an die rechteckige Typ A-Buchse externe Speichermedien zum Sichern von Daten anschließen lassen. Die Netzwerk-Buchse empfiehlt sich als weitere Option zum Laden und Sichern von Daten, was sich optimal für die Arbeit im Studio eignet. Mac-Anwender ohne nennenswerte Netzwerkkenntnisse sind beim Einbinden des Motif XF ins Netzwerk dank der komfortablen Nutzerführung im Vorteil. Doch auch auf Windows-Ebene gestaltet sich das Herstellen der Kommunikation zwischen Rechner und Instrument nicht als unüberwindbare Hürde. Wichtig hierbei ist, dass das DHCP-Protokoll im Audio-Rechner aktiviert ist, andernfalls sind ungleich aufwändigere Einstellungen notwendig.

Doch zurück zum Motif XF: Unterhalb der zuletzt erwähnten Anschlüsse findet sich schließlich eine Abdeckplatte, die den Einschub für die bereits erwähnte FW16E-Firewire-Karte schützt.   Im Praxis-Test versteht es der Motif XF7, sich eindrucksvoll in Szene zu setzen. Die Entwickler haben mit der Art, Anzahl und dem Layout der Bedienelemente ganze Arbeit geleistet. Die Tastatur überzeugt durch einen leichten, angenehm zähen Widerstand, der dennoch ein präzises gefühlvolles Spiel erlaubt. Zur Kommunikation mit dem Audio-Rechner ist jedoch zuerst der Download und die Installation von Treibern nötig. Wer das komplette Arsenal an Möglichkeiten ausschöpfen will, muss Treiber für die USB-Schnittstelle, die Firewire-Karte sowie die Editor-Software installieren, was in etwa einen Datenumfang von 150 Megabyte ausmacht. Besonderheit: Die Editor-Software lässt sich wahlweise als Stand-alone-Programm oder als VST3-Plug-in installieren, was jedoch schade ist. Denn zurzeit ist Steinberg der einzige Hersteller, der das Laden von VST3-Plug-ins ermöglicht. Cubase/Nuendo-Anwender profitieren also bislang als einzige von einer beeindruckenden Integration eines Editors zum Steuern von Hardware, der sich im Sequenzer jedoch wie ein virtuelles Instrument einsetzen lässt. Nutzer anderer DAWs müssen auf die Stand-alone-Version zurückgreifen. Doch zurück zum Instrument. Auffällig ist, dass der Motif XF7 nach dem Einschalten knapp eine halbe Minute zum Booten des Betriebssystems benötigt. Im Live-Betrieb kann dies nach einem eventuellen Absturz des Instruments – während der Testphase läuft der XF7 ausnahmslos stabil – schon eine halbe Ewigkeit sein. Auffällig ist auch eine zwar kleine, aber dennoch merkbare Kunstpause beim Umschalten von Voices und Performances, was die Spielfreude gerade im Live-Einsatz ein wenig trübt. Beim Spielen von Voices und Performances sowie beim Produzieren von Arrangements im onboard-Sequenzer zeigen sich die Fader-Sektion und das LC-Display als unverzichtbare Bedienhilfen. Im Voice-Modus lassen sich bei Einsatz mehrerer Elements schier unendliche Sound-Variationen mit Hilfe der acht Kanal-Fader realisieren. Im Performance-Modus erlauben die ersten vier Kanal-Fader einen Live-Mix der vier simultan gespielten Arpeggios. Nicht zu unterschätzen sind auch die Drehregler zum raschen Editieren von Parametern. Sechs Parameter-Ebenen sind per Taster rasch nacheinander auf die Regler geroutet. Im Test nehmen wir Eingriffe in den geladenen Sound vor, etwa in die Amplituden-Hüllkurve oder das Filter. Überdies finden sich Einstellmöglichkeiten für den Arpeggiator, das Panorama von Spuren, Voice-Elements und Performance-Voices sowie das anteilige Hinzumischen der Chorus- und Reverb-Systemeffekte.

Restlos begeistert sind wir von den Möglichkeiten zum Erstellen eigener Samples. Wir fühlen uns sogleich in die „gute alte Zeit“ der Hardware-Sampler zurückversetzt und genießen dabei gleichzeitig die Vorteile des riesigen Arbeitsspeichers. Dank der graphischen Darstellung im LC-Display gestaltet sich das Bearbeiten der Samples äußerst komfortabel. Vermisst haben wir allerdings eine Crossfade-Funktion, die zum Standard-Werkzeug eines Hardware-Samplers gehören sollte. Sehr schön ist hingegen die Möglichkeit, Samples in einem Bereich zwischen fünf bis 44,1 Kilohertz samplen zu können, um einerseits den Arbeitsspeicher sinnvoll nutzen zu können und andererseits Aufnahmen gezielt den akustischen Anstrich aus den Anfangstagen des Samplings zu verpassen. Das Speichern der Samples wahlweise auf externe USB-Speicher, via Netzwerk oder auf die Flash-Karte gestaltet sich nach kurzer Zeit leicht und komfortabel. Anlass zur Kritik gibt jedoch der Umstand, dass sich lediglich Samples mit einer Wortbreite von 16 Bit erstellen und importieren lassen. Gerade beim Import von Drittanbieter-Audiomaterial übers Netzwerk stoßen wir immer wieder an Grenzen, da der Großteil der am Markt erhältlichen Sample-Librarys ihre Sounds mittlerweile in 24 Bit abspeichern, was die Einsatzmöglichkeiten des XF7 deutlich einschränkt. Ein wenig meckern müssen wir auch beim Import und automatischem Mapping mehrerer Samples von Drittanbieter-Produkten. Damit dies reibungslos funktioniert, müssen die Dateinamen der Samples einem bestimmten Schema folgen, was jedoch Yamaha nicht anzulasten ist, aber dennoch stets ein nachträgliches Bearbeiten im Mapping-Dialog erforderlich macht.   Sensationell ist jedoch die Möglichkeit, die Bedienelemente des Motif XF7 als waschechten DAW-Controller nutzen zu können, was das Instrument mit einem deutlichen Mehrwert ausstattet. Im Test mit Cubase 6 können wir die Maus getrost beiseite legen und steuern den Sequenzer ausschließlich mit den Bedienelementen des Instruments. Die Tasten-Sektion rechts vom Data-Entry-Rad offeriert dabei spaltenweise für jeweils acht Kanäle diverse Schalt-Optionen wie etwa Solo, Mute oder das Scharf schalten von Spuren zur Aufnahme. Per Taster rufen wir verschiedene Sub-Menüs auf, um mit den Drehreglern, Tastern und Fadern unter vielem anderen etwa Insert-Effekte auswählen und editieren zu können. Insgesamt erinnert uns das Bedienkonzept sowie der Umfang an Einstellmöglichkeiten dabei an die MC Control von Avid (vormals Euphonix, siehe Test in Heft 8/2008).   Über die Möglichkeiten der optionalen Firewire-Karte empfehlen sich die Motif XF-Instrumente schließlich vollends als zentrales Frontend für die Arbeit mit dem Audio-Rechner. Das Einbinden der Firewire-Kanäle in Cubase 6 geschieht in gleicher Weise wie mit anderen Audio-Interfaces auch über den Geräte-Manager. Mit Hilfe des Editor-Plug-ins weisen wir zuerst den 16 Spuren/Sounds die gewünschten Ausgänge zu, die im Sequenzer anschließend als Eingänge definiert und ihrerseits wiederum auf die Aufnahmespuren der DAW geroutet werden. Bei der Aufnahme können wir schließlich simultan die MIDI-Daten des Motif-Sequenzers und die so ausgelösten Audio-Signale aufzeichnen. Den Analog-Eingängen des Motif XF7 lässt sich dabei selbstverständlich ein eigener Kanal zuweisen, um etwa Gesang oder eine Gitarrenlinie isoliert aufzunehmen. Die Klangqualität der darüber erstellten Aufnahmen ist insgesamt recht ordentlich, wenngleich sich eine charakteristische Mitten-Dominanz und eigentümliche Beschneidung im Höhenbereich zeigt, die wir mit Hilfe der onboard Equalizer kompensieren. Insgesamt sortiert sich die Klangqualität der Wandler-Sektion zwischen Economy- und Mittelklasse ein. Messtechnisch gibt es dabei nichts zu meckern, wenngleich sich aufgrund von Interferenzen im Gerät nicht sämtliche Messungen zufrieden stellend durchführen lassen. Mit einem Noisefloor unterhalb -90 Dezibel sowie Werten von 78,5 und 77,9 Dezibel für Geräusch- und Fremdspannungsabstand zeigt die Wandler-Sektion sehr gute Werte. Mit gemessenen 77,5 Dezibel in Stellung Mic besitzt der Motif XF7 überdies genügend Reserven, um auch leise dynamische Mikrofone ordentlich zu verstärken.   Last but not Least stellt sich die Frage nach dem Repertoire und der Qualität der mitgelieferten Sounds. Wie es sich für eine Workstation gehört, findet sich ein überaus breites Spektrum an Brot-und-Butter-Sounds, die für so ziemliche jedes musikalische Genre das passende liefert, seien es akustische Orchester-Instrumente, Pianos, Bässe, Flächen, Lead-Sounds sowie Drum- und Percussion-Kits. Sicherlich, mit opulenten Software-Sample-Librarys kann es der Motif XF7 nicht aufnehmen, die mit ungleich mehr Datenmenge den Klang von nur wenigen Instrumenten deutlich detaillierter einfangen. Doch dieser Vergleich ist unfair und trifft nicht, denn angesichts der Fülle an Sounds, die sich auf 741 Megabyte verteilen, sind die Sounds erstklassig. Im Live-Betrieb können sie ausnahmslos bestehen und zum Produzieren von Demos im Studio reicht es allemal, die je nach Produktionssituation sogar helfen, die CPU-Ressourcen des Audio-Rechners zu entlasten. Gleichwohl kristallisieren sich im Test rasch unsere persönlichen Favoriten heraus. Überzeugen können die Pianos, die akustischen Streicher, die Schlagzeug-Sounds, insbesondere die vielen Dancefloor-Instrumente sowie die Synthesizer-Voices. Die Klangqualität der akustischen Orchester-Instrumente erinnert uns dabei an das Garritan Personal Orchestra 4 Instrument (Test in Heft 7/2010). Bis auf die Blechbläser, die uns vom Sound her an die Anfänge von GM-Expandern finden sich ansonsten nur sehr wenige Sounds, die unserer Meinung nach durchfallen. Aber das ist bekanntlich Geschmackssache.  

Fazit

Die Motif XF-Instrumente setzen die Erfolgsgeschichte dieser Workstation-Serie erfolgreich fort. Sie warten zwar mit kleinen, aber dafür umso wirkungsvolleren Verbesserungen auf, die das Produzieren von Musik noch komfortabler gestaltet. Schlichtweg atemberaubend ist die Integration der Hardware in eine Computer-Umgebung mit der sich die XF-Instrumente als umfassendes Frontend im (Heim-)Studio empfehlen.  Wer seine Kompositionen primär über Keyboards erstellt, zumeist mit Synthesizer-Sounds arbeitet und nur ab und zu externes Audiomaterial in die DAW einspeisen will, sollte sich die Motif XF-Serie in jedem Fall einmal genauer anschauen. 

Erschienen in Ausgabe 06/2011

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 3509 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: gut – sehr gut

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