Test IK Multimedia Sampletron

Test Virtuelles Instrument IK Multimedia Sampletron

Bereits auf der Musikmesse 2007 kündigte IK Multimedia neben Samplemoog (Test in Heft 12/2007) ein zweites virtuelles Instrument unter dem Titel Sampletron an, das uns sofort sehr neugierig machte. Sollte doch der Newcomer auf Basis von IK Multimedias Sampling-Instrument Sample Tank erstmalig eine Library mit Sounds des Mellotrons und seiner Verwandten anbieten. Doch mit der Veröffentlichung hat sich das italienische Unternehmen dann viel Zeit gelassen. Jetzt ist Sampletron für knapp 300 Euro endlich erhältlich. Besitzer eines IK Multimedia-Produkts zahlen für das Crossgrade umgerechnet 260 Euro. Wie zuvor schon bei Samplemoog, ist IK Multimedia wiederum eine Allianz mit dem amerikanischen Soundlibrary-Produzenten Sonic Reality eingegangen, der für den Content verantwortlich zeichnet. Besonderheit: Die Produktion der in Sampletron enthaltenen Klänge soll insgesamt zehn Jahre gedauert haben und ist eine Herzensangelegenheit von Sonic Reality Firmengründer Dave Kerzner, der sich im Handbuch – leider nur noch in Form eines pdf-Dokuments – als Mellotron-Enthusiast outet. Der Großteil der Produktionszeit ging dabei für die Suche nach den teilweise sehr seltenen Original-Instrumenten drauf. Schließlich konnte er gut erhaltene Exemplare bei bekannten Musikerpersönlichkeiten wie etwa Neil Finn (Crowded House, Split Enz) auftreiben oder Modelle samplen, die auf bekannten Alben wie etwa U2s „Unforgettable Fire“ zu hören sind. Schon dieser Aufwand rechtfertigt den Verkaufspreis…

IK Multimedia Sampletron

Sampletron Sound-Browser

Sampletron Macro-Regler

Beim Anhören der Chamberlin-Presets werden wir oft an Musik und Soundscapes aus Filmen der 1930er- und 40er-Jahre erinnert. Beim Hören des Sfx-Presets, dem Chamberlin Music Master entnommen, entdecken wir eine quäkige Autohupe, die sofort Assoziationen an Laurel & Hardy-Komödien herstellt, oder grausig an die Fernsehserie „Die Waltons“ erinnert. Weitere O-Töne wie Eisenbahn- und Auto-Geräusche erinnern an so manchen Hitchcock-Filmklassiker oder an die alten Miss Marple-Filme. So etwas dürfte in anderen Libraries nur schwer zu finden sein. Wer für Hörspiele ein entsprechend angegrautes Soundambiente mit viel Patina erzeugen muss, findet hier wie auch in der Individual FX-Kategorie mit Sicherheit das Passende. Die letztgenannte Kategorie bietet überdies eine Reihe von Effektklängen, die durch Rückwärtsabspielen des Tonbands einen psychedelischen Charakter erzeugen und sich für bedrohlich wirkende Soundscapes bestens eignen. Den stärksten Eindruck hinterlassen der 88. und 124. Loop, die das Motorengeräusch einer großen Propellermaschine und eine Schiffssirene enthalten. Einziger Kritikpunkt: Beide Presets, wie im übrigen ein paar andere auch, können nicht in den Loop-Modus geschaltet werden, was sich ohne Zweifel gelohnt und das Klangpotenzial bereichert hätte. Den absoluten Höhepunkt in Sachen LoFi hält jedoch das Optigan bereit und im Besonderen das Big Flute-Preset, bei dem das Störsignal schon lauter ist als das Nutzsignal – was einfach nur schrecklich schön daherkommt. Besonderheit: Sämtliche Optigan-Presets werden von einem zyklischen Knistern begleitet – das Geräusch als solches ist ebenfalls als Preset aufrufbar – wie das aus Filmen der 30er-Jahre sattsam bekannt ist. Drum’n Bass-Jünger werden in den Loop-Kategorien von Chamberlin, Optigan und Powerhouse auf ihre Kosten kommen. Sämtliche dort enthaltenen Drumloops liegen als einzeln ladbare Presets vor, die sich über die Tastatur transponieren lassen und für das so typisch rasend schnelle Tempo sorgen. Sampletron hält dazu ein erkleckliches Arsenal an unterschiedlichen Tanzrhythmen vor, mit dem sich einiges anstellen lässt. Sehr hübsch: Einige Optigan- und Powerhouse-Loops enthalten komplette Begleitarrangements aus Schlagzeug, Bass und/oder Orgel. Manches Mal hören wir Musiken, die an US-Fernsehserien der 60er-Jahre erinnern. Die Mellotron- und Novatron-Presets bieten hingegen den bei aller Beschränkung noch brillantesten Klang der gesamten Library. Die über die Studer-Maschine aufbereiteten Sounds in der Tubetron-Kategorie zeichnen sich durch einen sehr homogenen Grundklang aus, der deutlich weicher und angenehmer klingt, als das Original. Sollte bis jetzt der Eindruck entstanden sein, dass Sampletron nur aus Exotensounds besteht, die überdies nur schwer musikalisch einsetzbar sind, so trügt der Schein. Dave Kerzner hat nämlich ganze Arbeit geleistet und nicht nur Wert auf die trashige Seite des Mellotrons gelegt. Der Großteil der Presets ist musikalisch hervorragend einsetzbar. Im Test fällt keines der für musikalische Zwecke gedachten Presets etwa durch inakzeptable Intonationsschwierigkeiten beim akkordischen und melodischen Spiel aus der Rolle. Das instrumentale Repertoire von Sampletron setzt sich aus den bekannten Flöten-, Streicher-, Cello-, Violinen-, Gitarren-, Saxophon-, Trompeten und Chorklängen zusammen, die über sämtliche Instrumenten-Kategorien hinweg eine breit gefächerte Auswahl an Klangfarben besitzt. Natürlich findet sich auch der allseits bekannte „Strawberry Fields“-Flötensound und die „Nights in white Satin“-Streicher in perfekter Abbildung. Das Spielen der einzelnen Sounds ist sehr inspirierend und wir fühlen uns zuweilen an schon längst vergessen geglaubte Musikstile erinnert, bei dem das unverkennbare Timbre des Mellotron wie der berühmte Fels in der Brandung charakteristisch hervorsticht.

Sampletron Effekt-/Synthese-Sektion

Erschienen in Ausgabe 07/2008

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 298 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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